Posts Tagged “Wiener Klassik”

Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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(Mindestens) zweimal war Wien der unumstrittene Mittelpunkt der musikalischen Welt; zweimal ging von der österreichischen Metropole eine bahnbrechende musikalische Weltrevolution aus, die die gesamte (westliche) Musikwelt nachhaltig beeinflussen sollte: Die Ära der Wiener Klassik Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts und die der Zweiten Wiener Schule Anfang des 20. Jahrhunderts.

Den Stellenwert als Musikmetropole hat Wien behalten, auch wenn sie sich diesen Titel mit einigen anderen Städten wie New York, London und Paris teilen muss und zahlreiche andere Städte (in Deutschland unter anderem Berlin und Köln) immer wieder Impulse aussenden, die die ganze Musikwelt erfassen. Ein einziges Epizentrum der Musik gibt es gewiss nicht mehr.
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Jan Vermeulen - Orpheon Ensemble, Daniel Reuss: Franz Schubert - Schubertiade NachtmusikUnd weiter geht es mit den ‘Codaex-Wochen’ beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schon wieder wurde eine Neuveröffentlichung aus dem Codaex-Vetrieb in der Rubrik »CD-Tipp« beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vorgestellt.

Dieses Mal geht es um eine Nischenveröffentlichung des niederländischen Labels Etcetera: Auf dem Album Franz Peter Schubert – Schubertiade Nachtmusik präsentiert das belgische Orpheon Ensemble (dahinter verbergen sich die männlichen Solisten des berühmten des Collegium Vocale Gent) unter der Leitung von Daniel Reuss mir Jan Vermeulen am Fortepiano eine unterhaltsame Mischung aus Chorliedern von Franz Schubert (1797-1828) und einigen seiner Klavierminiaturen.
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Fortepiano (Walter)Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) verliebte sich regelrecht als junger Mann in den Klang eines (für ihn) neuen Instruments, in das Hammerklavier oder Fortepiano, wie  es heute international genannt wird. Dieses wurde zwar schon Ende des 17. Jahrhunderts vom toskanischen Instrumentenbauer Bartolomeo Cristofori (1655-1731) erfunden und später vor allem vom üblicherweise als Orgelbauer bekanntem Gottfried Silbermann (1683–1753) weiterentwickelt, doch es setzte sich erst Ende der 1770er/Anfang der 1780er Jahre als Alternative zum Cembalo mehr und mehr durch. Als Mozart 1781 endgültig seine Dienste an der Salzburger Hofkapelle quittierte und die Violine an den Nagel hing, war er längst dem neuen Instrument mit seinen nuancierten Ausdrucksmöglichkeiten verfallen. Wolfgang Amadeus Mozart1782 erwarb er beim Wiener Klavierbauer Anton Walter (1752-1826) ein Instrument, das ihn fortan nicht nur beim Komponieren, sondern auch bei seinen Auftritten als Solist begleiten sollte. Vor allem zwischen 1782 und 1786 war das Klavierkonzert eine wichtige Ausdrucksform für Mozart. In diesen vier Jahren entstanden 16 seiner 27 Klavierkonzerte. Mozart hat das Klavierkonzert zwar nicht erfunden, durch seine Popularität und Kreativität verhalf er der Gattung allerdings zu einem neuen Stellenwert. Viele Klavierwerke der Wiener Klassik (sowohl von Mozart, als auch von Joseph Haydn (1732-1809) und Ludwig van Beethoven (1770-1827)) wurden aus verkaufstechnischen Gründen unter der Angabe “für Cembalo oder Hammerklavier” veröffentlicht, da bis ins 19. Jahrhundert das Cembalo in den Privathaushalten genutzt wurde (schon alleine, weil die Neuanschaffung eines Hammerklaviers kostspielig war).
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Als vor einigen Jahren (zunächst auf elf Einzel-CDs im Oktober 2006, dann als Box im April 2008) die Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte (und einiger weiterer Werke) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) der russischen Fortepiano-Spezialistin Viviana Sofronitsky mit der Musicae Antiquae Collegium Varsoviense unter der Leitung Tadeusz Karolak erschien, horchte die Musikwelt auf: Da tauchte »aus dem Nichts« die erste historisch-informierte Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Mozarts auf und dann waren diese dann auch noch ganz wunderbar anzuhören (und widersprachen damit dem Klischee der harschen Originalinstrumente-Aufnahmen). Nicht nur erwies sich Viviana Sofronitsky, Tochter des russischen Meisterpianisten Vladimir Sofronitsky (1901-1961), als exzellente Technikerin am Fortepiano und als eine sensible und intelligente Mozart-Interpretin, auch das Originalinstrumente-Ensemble aus Warschau und (last but not least) die sehr gute Aufnahmetechnik der Veröffentlichungen konnten überzeugen – und das alles ohne ganz große Namen und Plattenfirmen. Glücklicherweise wurden die Aufnahmen vor einigen Tagen vom niederländischen Label Etcetera preisgünstig wiederveröffentlicht, so dass man sie nun problemlos im Fachhandel und bei den Versendern äußerst preisgünstig beziehen kann.

Bevor ich in einigen Tagen die Box ausführlich an dieser Stelle bespreche, möchte ich heute an dieser Stelle schon einmal einen kleinen akustischen Vorgeschmack auf die sensationellen Aufnahmen bieten:

Wolfgang Amadeus Mozart – Concerto in D Dur, KV. 451 – Rondeau Allegro di Molto
Musicae Antiquae Collegium Varsoviense, Tadeusz Karolak
Fortepiano: Viviana Sofronitsky
► klicken zum abspielen | Datenquelle → hier

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die 11-CD-Box Complete Fortepiano Concertos von Viviana Sofronitsky und der Musicae Antiquae Collegium Varsoviense unter der Leitung von Tadeusz Karolak ist am 18. März 2011 auf Etcetera (KTC 1424) veröffentlicht worden und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Wolfgang Amadeus MozartEs ist wohl hinlänglich bekannt, dass Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) nicht nur ein versierter Pianist, sondern auch ein vorzüglicher Violinist war. Gerade in seiner Jugend war die Violine eng mit seiner Karriere verbunden. Als 16-jähriger erhielt er seine erste Anstellung: Als Konzertmeister (also als 1. Violinist) der Salzburger Hofkapelle. In seiner Salzburger Zeit zwischen 1772 und 1777 (und später noch einmal als Hoforganist zwischen 1779 und 1781) komponierte er dann auch die meisten Konzertstücke für Violine, danach hingegen sollte die Violine nur noch einen untergeordneten Rang in seinem Œuvre einnehmen und Mozart sollte fortan nur noch als Pianist, Organist und Komponist in Erscheinung treten. Vielleicht kann man diese Abkehr von der Violine mit dem Unglück über das enge, provinzielle Reglement am Salzburger Hof erklären, aus dem der junge Mozart während seiner (zweifachen) Salzburger Zeit vergeblich dauerhaft auszubrechen versuchte. Der junge “Teenie”-Mozart schrieb in der frühen Salzburger Zeit alle fünf Violinkonzerte und das Concertone für zwei Violinen, KV 190, etwas später folgte die Sinfonia concertante für Violine und Viola, KV 364. Die anderen kleineren Werke (das Adagio, KV 261 und die beiden Rondos, KV 269 und 373) entstanden ebenfalls zeitnah in Salzburg.
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A. Lieberknecht & F. Bungarten: M. Giuliani - Works foe Flute and GuitarDie Flötistin Andrea Lieberknecht und der Gitarrist Frank Bungarten veröffentlichen in einigen Tagen auf ihrem Stammlabel MDG eine neue SACD mit Duo-Kompositionen des italienischen Komponisten und Gitarrenvirtuosen Mauro Giuliani (1781-1829). Insgesamt schrieb Giuliani fast 300 Werke für sein Instrument, darunter drei Gitarrenkonzerte, sowie Kammermusik für Gitarre solo, für zwei Gitarren und Gitarre plus Begleitung (meistens Violine oder Flöte), und trug erheblich zur Erweiterung und Modernisierung der Spieltechnik an der Gitarre bei. Seine kammermusikalischen Werke für Gitarre mit Begleitung schrieb er ausschließlich als virtuose Unterhaltungsmusik für die Wiener Salons des frühen 19. Jahrhunderts.
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Daniela Koch: My magic fluteNicht ganz unerwartet gefällt das Debütalbum “My Magic Flute” der jungen, aus Tirol stammenden Querflötistin Daniela Koch (Jahrgang 1989) auch der hiesigen Musikpresse.

Das beim österreichischen Label Gramola Album der vielfachen, internationalen Preisträgerin wurde nun beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vom Redakteur Fridemann Leipold vorgestellt. Er lobt die junge Künstlerin:

»Da ist eine ausgereifte Musikerpersönlichkeit am Werk, die über profundes technisches Können, stilistische Wandelbarkeit und einen wunderbar warmen Ton verfügt«

und die Auswahl der Stücke aus »Standardwerken und Raritäten«. Leipold vergisst nicht herauszustellen, dass der »hochtalentierte Pianist Christian Reif aus Rosenheim mit seinem so sensiblen wie markanten Klavierspiel« einen »gewichtigen Anteil« zum Gelingen dieses Debüts beigetragen hat.

Die vollständige Besprechung der CD gibt es → hier

Das Album My Magic Flute – Mozart · Schubert · Ichiyanagi · Chaminade · Dutilleux · Taffanel von Daniela Koch ist am 14. Januar 2011 bei Gramola (GRAM 98910) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Ludwig van Beethoven, 1803In meiner → Besprechung zur Gesamtausnahme der Violinsonaten von Ludwig van Beethoven (1770-1827) von Jeannette Koekkoek und Sarah Kapustin schrieb ich vergangenes Jahr:

»Die zehn Sonaten für Klavier und Violine sind zwar zumindest teilweise beim Publikum sehr beliebt (…), genießen aber bei Violinisten keinen kanonischen Charakter. Vielleicht liegt es daran, dass Violinisten üblicherweise besonders Interesse an hochvirtuosen Stücken haben (…) ?«

Dies war freilich eine sehr provokant formulierte These. Selbstverständlich gibt es heute eine ganze Reihe von Künstlern, die Beethovens Violinsonaten nicht nur des einfachen Publikumserfolges spielen, sondern aus echter Liebe zur Musik. Die vor einigen Monaten veröffentlichte Gesamtaufnahme der Violinsonaten von Isabelle Faust und Alexander Melnikov (auf Harmonia Mundi) oder die überaus mitreißende, historisch-informierte Aufnahme der Violinsonaten Nos. 3 und 9 von Viktoria Mullova mit Kristian Bezuidenhout (CD des Monats Juni 2010, Besprechung s. → hier) sind nur zwei exzellente Beispiele, wie sehr diese Musik auch heute noch von anerkannten Meistervirtuosen gespielt wird.
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Daniela Koch - Quelle: gramola.atDie junge, aus Tirol stammende Querflötistin Daniela Koch (Jahrgang 1989) ist Gewinnerin mehrerer internationaler Flötenwettbewerbe, etwa der 7. Ausgabe der bedeutenden Kobe International Flute Competition von 2009, bei dem sie sich gegen 230 Teilnehmer durchsetzen konnte oder bei der 2008er Ausgabe des tschechischen Musikpreises Concertino Praga. Von der Bank Austria wurde sie nun zum “Artist of the Year 2010″ gekürt und last but not least hat beim letztjährigen ARD-Musikwettbewerb in München hat sie als jüngste Finalistin den 2. Platz (von 50 TeilnehmerInnen!) in der Kategorie Flöte belegt und wurde zusätzlich mit dem »Sonderpreis der Freunde Junger Musiker, München e. V.« ausgezeichnet.
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