Wenn man von der Bedeutung Beethovens für die Kammermusik spricht, so denkt man in erster Linie an seine sechzehn Streichquartette, seine zehn Violinsonaten und fünf Cellosonaten, die als bahnbrechende Höhepunkte ihres jeweiligen Genres angesehen werden. Ludwig van Beethoven (1770-1827) schrieb aber nicht nur Streichquartette, Violin- und Cellosonaten, er schrieb, vor allem in seiner frühen und mittleren Phase, auch Kammermusik für andere Besetzungen. Am bekanntesten sind noch die Streich- und Klaviertrios, eher unbeachtet bleiben seine drei Streichquintette (und die Fuge für Streichquintett, op. 137). Vielleicht werden sie voreilig zu den vernachlässigbaren Nebenwerken gezählt, weil es sich bei den Streichquintetten fast ausnahmslos um Bearbeitungen anderer kammermusikalischer Werke handelt. Lediglich das Streichquintett in C-Dur, op. 29 ist eine Originalkomposition für die damals übliche ‘Wiener’ Besetzung mit zwei Violinen, zwei Bratschen und Cello, die Mozart in den 1780er Jahren populär gemacht hatte (im Gegensatz zu Boccherinis Streichquintett mit zwei Celli). Den Rest des Eintrages lesen »
Nicht nur unserem Gast-Rezensenten Nils-Christian Engelgefällt das neue Album des jungen deutsch-schweizerischen, in Köln beheimateten Amaryllis Quartetts außerordentlich gut, auch der große süddeutsche Kultursender BR-Klassik empfiehlt seinen Hörern (und Lesern) das beim Leipziger Label Genuin erschienene Album mit Streichquartetten von Joseph Haydn (1732-1809) und Anton Webern (1883-1945). Der Redakteur Bernhard Neuhoff hat die Produktion in der Rubrik »CD-Tipps« vorgestellt.
Dass jede Rezension letzten Endes nur einen möglichen Standpunkt darstellen kann, wird einem immer wieder dann bewusst, wenn man zwei grundverschiedene Besprechungen liest, die in sich schlüssig ihren jeweiligen Standpunkt darlegen, deren Aussagen aber weit voneinander entfernt sind.
Gestern legte unser Gast-Rezensent Burkhard Schäfer seine Sichtweise des neuen Mozart-Albums der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel hier im Blog dar, heute fällt mir ein Artikel in der Badischen Zeitung aus Freiburg in die Hände (respektive auf den Bildschirm), in dem sowohl Susanna Yoko Henkels Tchaikovsky-Album (für das sie gerade den Echo Klassik 2011 erhalten hat), als auch besagtes Mozart-Album äußerst positiv besprochen werden. Den Rest des Eintrages lesen »
Gerade wurde hier im Blog eine überaus kritische Besprechung des neuen Albums der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel veröffentlicht. Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer legt in seiner Besprechung dar, warum er von der Aufnahme eher enttäuscht ist. Seine dezidierte, nachvollziehbar begründete Einschätzung passt exzellent zum Selbstverständnis dieser Website. In der Charakterisierung des Blogs heißt es dazu:
blog.codaex.de soll dabei keine kritiklose Werbeplattform sein. Deswegen wird das Blog auch von einem freischaffenden Blogger betextet, der fair und unabhängig über die CDs berichten möchte.
Das schließt natürlich auch ein, dass – bei allem gebotenen Respekt – ein Rezensent einer CD eher wenig abgewinnen kann. Die Kritikpunkte sind in der Besprechung aufgezählt und begründet. Sie können nun mit eigenen Höreindrücken verglichen werden. Als langjährige Rezensent weiß man, dass letzten Endes jede Besprechung, so fundiert sie auch argumentiert sein mag, eine subjektive Einschätzung ist.
Für eine umfassenderes Bild zu diesem Album mag dabei das “Making of”-Video sein, dass im Rahmen der CD-Aufnahmen entstand. Es enthält neben Ausschnitten aus dem präsentierten Material auch einige Anmerkungen von Susanna Yoko Henkel selbst:
Die CD Wolfgang Amadeus Mozart – Violin Concertos Nos. 3 & 5 · Rondo · Adagio des Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung der Solistin Susanna Yoko Henkel ist am 14. Oktober 2011 auf The Spot (SPOT 288697) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Dieser Besprechung sei eine These vorangestellt, die da lautet: Mit Mozart beginnt die Musik der Moderne. Mag Johann Sebastian Bach auch das Alpha und Omega der tönenden Weltordnung und ihr Gottvater sein – mit Wolfgang Amadeus Mozart inkarniert sich die Musik erstmals im Menschen, besser gesagt: im neuzeitlichen Subjekt. Regisseur Milos Forman bringt das in seinem Filmklassiker „Amadeus“ von 1984 klar zum Ausdruck. Und seien wir ehrlich: Bach als Superstar, Projektions- und Identifikationsfläche für subjektive Befindlichkeiten ist einfach nicht vorstellbar. Anders gesagt: So wie mit Goethes „Werther“ die „Gegenwartsliteratur“ anhebt, so beginnt mit Mozart die moderne Musik. Den Rest des Eintrages lesen »
Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
Die Streichquartette Joseph Haydns sind die Gründungsakte ihrer Gattung, und die neue Aufnahme der drei Quartette op. 74 mit dem Takács Quartet wurde unlängst hier im Codaex-Blog als mustergültig gelobt. Nun laden die Kollegen vom Amaryllis Quartett zu einem kontrastreichen Programm ein, das Haydns „Traum-“ und „Reiterquartett“ mit Anton Weberns Fünf Sätzen für Streichquartett konfrontiert. In unschuldiges Weiß gehüllt bieten die vier jungen, vielfach ausgezeichneten Musiker eine argumentativ zugespitzte Lesart der atonalen Revolution. Den Rest des Eintrages lesen »
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Auch wenn Beethoven mit seinen späten Streichquartetten in schier unfassbare musikalische Regionen vorgestoßen ist, Komponisten wie Bartók, Janáček oder Webern der Gattung im 20. Jahrhundert buchstäblich unerhörte Facetten abgelauscht haben und Geräusch-„Extremisten“ wie Helmut Lachenmann die klanglichen Möglichkeiten der vier Instrumente heute bis zum Exzess treiben – das gültige Muster der Gattung Streichquartett stammt von ihrem genialen Erfinder: Joseph Haydn. Er und nur er hat – um mit seinem großen Bewunderer Goethe zu sprechen – die „Urpflanze“ geschaffen, an denen sich alle anderen Kompositionen für die Königsdisziplin der Kammermusik auf ewig werden messen müssen.
Als ob es dafür überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, legt das Takács Quartet jetzt eine nicht nur mustergültige, sondern wahrhaft beglückende Einspielung von Haydns Quartetten op. 74 vor. Mit der Aussage „So und nicht anders!“ sollte man vorsichtig sein, weil Interpretationen subjektiv sind und per definitionem immer wieder „anders“ ausfallen (müssen). Gleichwohl sei der Satz im Angesicht dieser wahrhaft überragenden Lesart ausnahmsweise einmal gestattet. Den Rest des Eintrages lesen »
Zum Monatsende gibt es heute ein Video der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel, die das Adagio in E-Dur, KV 261 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) spielt:
Die CD Wolfgang Amadeus Mozart – Violin Concertos Nos. 3 & 5 · Rondo · Adagio des Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung der Solistin Susanna Yoko Henkel ist am 14. Oktober 2011 auf The Spot (SPOT 288697) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Ich muss zugeben, ich bin mittlerweile skeptisch, wenn ich neue Recital-CDs von Opernsängern und Sängerinnen sehe. Mittlerweile werden erstaunlicherweise manche Sänger zu regelrechten Pop-Stars stilisiert. Sie treten in Samstagabend-Shows auf und ihre neuen CDs werden auf den Litfaßsäulen beworben, als sei es das Album einer angesagten Souldiva. Ihre CDs landen in Zeiten sinkender Verkäufe immer öfter auf den oberen Positionen der Verkaufscharts, etwas, was noch vor zehn, fünfzehn Jahren völlig utopisch erschien. Aber so sehr ich mich darüber freue, dass die Oper offensichtlich nicht mehr in der öffentlichen Wahrnehmung als altmodisch und angestaubt gilt, so sehr ich mich darüber freue, dass sowohl Sänger und Sängerinnen, als auch die Öffentlichkeit das Klischee von der “dicken Frau mit der lauten Stimme” offenbar überwunden ist, so enttäuscht bin ich meistens, wenn ich dann die künstlerischen Ergebnisse der “neuen Klassikstars” anhöre. Zählte früher die Stimme, die Technik, die Ausstrahlung und die Wandlungsfähigkeit, so wird heute scheinbar viel mehr Gewicht auf Fotogenität und Konformität gelegt. Den Mythos erschafft dann die Marketing-Maschinerie von fast alleine. De facto sind die Ergebnisse dieser Künstler oft ordentlich, aber nicht wirklich überragend (wie der Medien- und Marketingrummel suggeriert). Außerdem beschränkt man sich oft auf ein “Best-of”-Repertoire, damit Klassik-Einsteiger ja nicht verschreckt werden von schrillen Tönen (eine Haltung, die ich für ausgesprochen kurzsichtig und falsch halte), kurzum: Wer auch nur ein wenig die Nase, pardon, die Ohren in die Opernaufnahmen der letzten 50 Jahre gesteckt hat, der wird von den Hochglanz-Veröffentlichungen enttäuscht sein. Den Rest des Eintrages lesen »
Eine Neuaufnahme des berühmten Requiem in d-Moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart (1956-1791) wäre eigentlich nichts Besonderes, wenn sie nicht, wie in diesem Fall, von Harry Christophers, einem der renommiertesten Experten für Chormusik, und der altehrwürdigen und herausragenden Handel and Haydn Society in Boston gemacht worden wäre. Seit 2009 leitet Christophers nicht nur das von ihm gegründete englische Ensemble The Sixteen, sondern auch das fast 200 Jahre alte Originalinstrumente-Ensemble aus Neu-England. Nach ihrer gemeinsamen Debüt-CD mit der Großen Messe in c-Moll, KV 427 Mozarts (erschienen auf Coro, COR 16084) haben sie nun das sagenumwobene letzte Werk Mozarts aufgenommen. Ergänzt wird die neue CD durch eine Aufnahme des Ave Verum, KV 618 für Chor, Streicher und Orgel (das ein halbes Jahr vor Mozarts Tod, zeitgleich mit der Zauberflöte entstand) und der Erstaufnahme auf historischen Instrumenten der Konzertarie Per questa bella mano, KV 612 für Bass, Orchester und Kontrabass obligato (ebenfalls von 1791). Den Rest des Eintrages lesen »