An Max Reger (1873-1916) scheiden sich seit jeher die Geister. 1923 schrieb der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) in seinem Buch „Geist der Utopie“:
»Reger, ein leeres, gefährliches Können und eine Lüge dazu. (…) Er ist nichts, er hat nichts als eine Fingerfertigkeit höherer Ordnung, und das Empörende daran bleibt, dass er doch nicht nur nichts ist, ein Quell der beständigen, fruchtlosen Irritierung.«
Sein Komponistenkollege Arnold Schönberg(1874-1951) dagegen konstatierte:
»Reger muss meines Erachtens viel gebracht werden: 1. weil er viel geschrieben hat. 2. weil er schon tot ist und man immer noch nicht Klarheit über ihn besitzt. (Ich halte ihn für ein Genie).«
Max Reger (Max Beckmann, 1917)
Und Paul Hindemith (1895-1963), einer seiner bedeutendsten Schüler, sagte lapidar:
Allein in den vergangenen sechs Wochen sind rund ein halbes Dutzend CDs mit den berühmten Violinkonzerten Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi (1678-1741) neu und wiederveröffentlicht worden. Neben Mozarts Kleiner Nachtmusik, Bachs Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565 natürlich und Beethovens Sinfonie No. 5 in c-moll gehören die vier Konzerte zu den populärsten Werken der gesamten Musikgeschichte und stehen sogar oft in CD-Sammlungen, in denen oft keine andere klassische Musik zu finden ist. Es ist müßig über den späten Erfolg der Konzerte zu spekulieren, also warum diese vier Violinkonzerte gerade heutzutage den Geschmack so vieler zu treffen scheinen. Tatsache ist, dass sie erst durch die Aufnahmen der Violinisten Bernardino Molinari (1942), Louis Kaufman (1948) und Felix Ayo (1955, 1959) im 20. Jahrhundert popularisiert wurden. Heute listet die World’s Encyclopedia of Recorded Music mehr als 1000 Veröffentlichungen der Vier Jahreszeiten in allen möglichen (und unmöglichen) Varianten auflistet. Den Rest des Eintrages lesen »
Dass jede Rezension letzten Endes nur einen möglichen Standpunkt darstellen kann, wird einem immer wieder dann bewusst, wenn man zwei grundverschiedene Besprechungen liest, die in sich schlüssig ihren jeweiligen Standpunkt darlegen, deren Aussagen aber weit voneinander entfernt sind.
Gestern legte unser Gast-Rezensent Burkhard Schäfer seine Sichtweise des neuen Mozart-Albums der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel hier im Blog dar, heute fällt mir ein Artikel in der Badischen Zeitung aus Freiburg in die Hände (respektive auf den Bildschirm), in dem sowohl Susanna Yoko Henkels Tchaikovsky-Album (für das sie gerade den Echo Klassik 2011 erhalten hat), als auch besagtes Mozart-Album äußerst positiv besprochen werden. Den Rest des Eintrages lesen »
Gerade wurde hier im Blog eine überaus kritische Besprechung des neuen Albums der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel veröffentlicht. Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer legt in seiner Besprechung dar, warum er von der Aufnahme eher enttäuscht ist. Seine dezidierte, nachvollziehbar begründete Einschätzung passt exzellent zum Selbstverständnis dieser Website. In der Charakterisierung des Blogs heißt es dazu:
blog.codaex.de soll dabei keine kritiklose Werbeplattform sein. Deswegen wird das Blog auch von einem freischaffenden Blogger betextet, der fair und unabhängig über die CDs berichten möchte.
Das schließt natürlich auch ein, dass – bei allem gebotenen Respekt – ein Rezensent einer CD eher wenig abgewinnen kann. Die Kritikpunkte sind in der Besprechung aufgezählt und begründet. Sie können nun mit eigenen Höreindrücken verglichen werden. Als langjährige Rezensent weiß man, dass letzten Endes jede Besprechung, so fundiert sie auch argumentiert sein mag, eine subjektive Einschätzung ist.
Für eine umfassenderes Bild zu diesem Album mag dabei das “Making of”-Video sein, dass im Rahmen der CD-Aufnahmen entstand. Es enthält neben Ausschnitten aus dem präsentierten Material auch einige Anmerkungen von Susanna Yoko Henkel selbst:
Die CD Wolfgang Amadeus Mozart – Violin Concertos Nos. 3 & 5 · Rondo · Adagio des Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung der Solistin Susanna Yoko Henkel ist am 14. Oktober 2011 auf The Spot (SPOT 288697) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Dieser Besprechung sei eine These vorangestellt, die da lautet: Mit Mozart beginnt die Musik der Moderne. Mag Johann Sebastian Bach auch das Alpha und Omega der tönenden Weltordnung und ihr Gottvater sein – mit Wolfgang Amadeus Mozart inkarniert sich die Musik erstmals im Menschen, besser gesagt: im neuzeitlichen Subjekt. Regisseur Milos Forman bringt das in seinem Filmklassiker „Amadeus“ von 1984 klar zum Ausdruck. Und seien wir ehrlich: Bach als Superstar, Projektions- und Identifikationsfläche für subjektive Befindlichkeiten ist einfach nicht vorstellbar. Anders gesagt: So wie mit Goethes „Werther“ die „Gegenwartsliteratur“ anhebt, so beginnt mit Mozart die moderne Musik. Den Rest des Eintrages lesen »
Zum Monatsende gibt es heute ein Video der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel, die das Adagio in E-Dur, KV 261 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) spielt:
Die CD Wolfgang Amadeus Mozart – Violin Concertos Nos. 3 & 5 · Rondo · Adagio des Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung der Solistin Susanna Yoko Henkel ist am 14. Oktober 2011 auf The Spot (SPOT 288697) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Erscheinen des überragenden und von der Kritik (und auch an dieser Stelle) hochgelobten Albums mit sämtlichen Klavierkonzerten von Béla Bartók (1881-1945), legt nun das BBC Philharmonic unter Gianandrea Noseda erneut ein Album mit Konzerten des wichtigsten ungarischen Komponisten des 20. Jahrhunderts vor. Gemeinsam mit dem kanadischen Violinisten (und Bratschisten!) James Ehnes haben sie die beiden Violinkonzerte und das Violakonzert Bartóks für Chandos aufgenommen. Damit sind die einzigen drei Konzerte zusammengefasst, die Bartók nicht für ‘sein’ Instrument, das Klavier schrieb: Sowohl Béla Bartók, als auch seine Ehefrau Ditta Pásztory-Bartók, verdienten ihr Geld hauptsächlich als Pianisten; vom Komponieren ließ sich keine gesicherte Existenz aufbauen. Den Rest des Eintrages lesen »
Was lange währt, wird endlich gut: Schön, dass auch eine Nischen-Veröffentlichung wie die vor einigen Monaten erschienene CD des Münchener “Entdecker-Duos” Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer mit den Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) (unsere → CD des Monats April 2011) nach und nach von der der Kritik wahrgenommen wird. Man kann gar nicht oft genug betonen, dass es sich bei diesem Album, trotz (oder gerade wegen?) der unbekannten Komponisten und Kompositionen, um eines der interessantesten Kammermusik-Alben des Jahres handelt. Den Rest des Eintrages lesen »
Paris am Ende des 19. Jahrhundert war zumindest für viele das künstlerische Epizentrum der Welt. Kaum eine andere Stadt hatte eine größere Anziehungskraft auf Künstler, in keiner anderen Stadt trafen Komponisten, Musiker, Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Tänzer und Bohemiens aus der halben Welt so selbstverständlich aufeinander, wie in Paris. Während sich in den anderen europäischen Zentren wie Wien, Leipzig und London ein bestimmter Status Quo auf hohem Niveau etablierte, wirkte der Schmelztiegel Paris wie ein großer Katalysator auf die Kunst und war das Zentrum quasi aller Strömungen und Gegen-Strömungen. Hier entwickelte man neue Ideen (und verwarf sie), hier wurde experimentiert, hier gab es Skandale en masse, heftige Diskussionen und mutige Experimente; erst der zweite Weltkrieg sollte eine Zäsur bringen und die Kunst nachhaltig verändern.
Die Lebendigkeit der Pariser Szene wirkte selbstverständlich auch auf die heimischen Komponisten: Sie rückten international immer öfter in den Vordergrund. Waren zeitgenössische französische Komponisten zuvor hauptsächlich als Opern- und Ballettkomponisten in Erscheinung getreten, so rückte nun verstärkt die französische Orchester- und Kammermusik in den Vordergrund. In der Pariser Hoch-Zeit feierten Komponisten wie Camille Saint-Saëns (1835-1921) und Gabriel Fauré (1845-1924), vor allem aber Claude Debussy (1862-1918) und Maurice Ravel (1875-1937) weltweite Erfolge und waren gleichzeitig wichtige Innovatoren der Musik. Den Rest des Eintrages lesen »
Die russisch-englische Violinistin Alina Ibragimova gehört für mich zu den Aufsteigern des Jahres. Nicht nur, dass sie gemeinsam mit ihrem kongenialen Partner Cédric Tiberghien am Klavier mit Bravour den Zyklus der Beethoven’schen Violinsonaten vor einigen Monaten abgeschlossen hat (s. Besprechung) und damit auf auch live auf jeder Ebene überzeugen konnte, auch ihre neueste CD mit Musik für Violine und Klavier von Maurice Ravel (1775-1937) und dem relativ unbekannten Belgier Guillaume Lekeu (1870-1894) gehört zu den absoluten Highlights der diesjährigen Kammermusik-CDs (eine ausführliche Besprechung des Albums folgt morgen an dieser Stelle). Nun wurde dieses neue Album als CD-Tipp beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik von der Redakteurin Meret Forster vorgestellt. Den Rest des Eintrages lesen »