Gerade hat Sal Pichireddu die wiederveröffentlichte Praetorius-CD „Christmas Music“ mit dem Knabenchor der Westminster Cathedral als geschmackvolle Weihnachtsmusik empfohlen – da schließe ich mich gern mit einer weiteren, neuen Aufnahme dieses Spitzenensembles an, die ebenfalls bei Hyperion Records erschienen ist. Diese CD ist, theologisch betrachtet, eine perfekte Fortsetzung des Weihnachts-Festkreises und versammelt zwei Marienmessen von Tomás Luis de Victoria, neben der Antiphon „Salve regina“ desselben Meisters und Palestrinas Motette „Surge, propera amica mea, et veni“. Unter der Leitung von Martin Baker setzt der Chor seine Beschäftigung mit dem Werk de Victorias fort und fügt dieser feinen, langen Reihe hörenswerter CDs einen weiteren Titel hinzu, der musikalisch erstklassig, voll spannender Entdeckungen und geistlich nahrhaft ist. Den Rest des Eintrages lesen »
Die 3-CD-Box The Victoria Collection von The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Phillips ist am 15. April 2011 auf Gimell (GIMBX 304) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Morgen erreicht das Osterfest seinen Höhepunkt. Der Ostersonntag gilt als höchster christlicher Feiertag. An den vergangenen Tagen habe ich bereits verstärkt Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik rund ums Osterfest vorgestellt, einige weitere werden an den kommenden Tagen noch folgen.
Erst Mitte der 1980er Jahre wurde die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) wiederentdeckt. Ausgehend von der Missa pro defunctis oder dem Requiem, wie wir es heute nennen, wurde das Werk des spanischen Renaissance-Meisters Stück für Stück erschlossen. Eine besondere Rolle spielten dabei erstaunlicherweise englische Spitzenchöre wie der Westminster Cathedral Choir, The Sixteen und im nicht unerheblichen Maße The Tallis Scholars unter Peter Phillips. Die überaus faszinierenden Aufnahmen dieser Spitzenensembles in den 1980ern und 1990ern waren eine Art ‘britische Initialzündung’, die die Musik des Gelehrten, Mystikers, Priesters, Sängers, Organisten und Komponisten Victoria in das Bewusstsein der Musikfreunde brachte. Heute wird er, gemeinsam mit Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1514-1594) und Orlando di Lasso (1532-1594) als einer der herausragenden Komponisten des 16. Jahrhunderts eingeordnet. Den Rest des Eintrages lesen »
An den kommenden Tagen rund ums nahende Osterfest werde ich verstärkt CDs mit sakraler Musik vorstellen, die entweder direkt oder zumindest doch mittelbar mit der Passions- und Osterzeit zu tun hat. Gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine eminent wichtige Bedeutung. Bei den Artikeln soll es darum gehen, möglichst ungewöhnlich, herausragende Neu- und Wiederveröffentlichungen zum Thema Musik zur Passions- und Osterzeit vorzustellen.
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Es gibt kaum ein Ensemble, das sich in den letzten Jahren so verdient um die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) gemacht hat, wie der englische Chor The Sixteen (mit Ausnahme ihrer Kollegen und Landsleute der Tallis Scholars unter Peter Phillips – aber ihre neueste Victoria-Veröffentlichung wird erst in einigen Tagen hier im Blog besprochen werden).Harry Christophers, der Gründer und Leiter des Weltklasse-Chors, ist ein bekennender, glühender Bewunderer des Gelehrten, Mystikers, Priesters, Sängers, Organisten und Komponisten Victoria. Er betrachtet ihn als »den herausragendsten Komponisten der Renaissance« und glaubt, dass, wenn es überhaupt möglich sei »Gefühl vollständig in Musik auszudrücken« dies nur bei Victorias Musik der Fall sei. Bei solch einem eindeutigen Bekenntnis zum Genie Victorias ist es nicht verwunderlich, dass sich sein Chor während seines über 30-jährigen Bestehens immer wieder mit der Musik des Spaniers beschäftigt hat. Den Rest des Eintrages lesen »
Der englische Chorleiter Peter Phillips schrieb einmal über die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611):
»Das Spanische an sich findet oft seinen Ausdruck in der spanischen Polyphonie. Man sagt von den Spaniern, dass sie in ihrer Religionsausübung besonders leidenschaftlich und gleichzeitig mystisch sind, worin sie sich von anderen unterscheiden.«
Nun darf man nicht den Fehler machen, das Attribut “leidenschaftlich” mit ungestümer Plumpheit zu verwechseln; die Musik de Victorias ist alles andere als das, wie das neue Coro-Album »Hail, Mother of the Redeemer« des englischen Chores The Sixteen belegt. Sie präsentiert Musik von einer bemerkenswerten Schlichtheit und Direktheit. Den Rest des Eintrages lesen »
Am 13. Februar 2011 werden in Los Angeles zum 53. Mal die Grammy Awards verliehen. Der wohl bekannteste internationale Musikpreis wird seit 1959 von der National Academy of Recording Arts and Sciences jährlich in derzeit 109 Kategorien vergeben, darunter sind natürlich auch zahlreiche Kategorien mit klassischer Musik.
Traditionell ist der Blick der National Academy stark auf Nordamerika und nordamerikanische Produktionen fokussiert. Umso erfreulicher ist es, wenn auch dieses Jahr wieder einige europäische Produktionen nominiert wurden, darunter auch einige im Codaex-Vertrieb.
Wenn man als Chor in einem Land mit der wohl eindrucksvollsten Chortradition der Welt zu den Spitzenensembles gezählt wird, dann hat man ein Maß an Perfektion und Ausdrucksstärke erreicht, das man eigentlich nicht mehr überbieten kann. The Tallis Scholars ist eines dieser englischen Spitzenensembles, dass selbst in jenem Land, das über so viele faszinierend gute Chöre von Weltrang verfügt, aus der Masse der Chöre herausragt wie kaum ein anderes. Kritiker und Musikfreunde sind sich einig: The Tallis Scholars sind die Referenz wenn es um sakrale Musik der Renaissance geht. Durch ihre strikte Spezialisierung und ihre jahrelange, intensive Auseinandersetzung mit der Materie, wurden sie zur unbestrittenen Referenz auf diesem Gebiet. Obwohl sie sicher auch in anderen Genres glänzen könnten, hat diese Konzentration auf eine (sehr reiche) Facette der Vokalmusik zu ihrem Erfolg und zu ihrem lang anhaltenden Status als »Rockstars der Renaissance-Vokalmusik« (so die New York Times über sie) beigetragen. Den Rest des Eintrages lesen »
In den Liner Notes zum vorliegenden Album “Lamentations of Jeremiah” mit Klagegesängen für die Karwoche von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) und Juan Guitérrez de Padilla (ca. 1590-1664) der Tallis Scholars, eröffnet der Chorleiter Peter Phillips seine Anmerkungen mit folgender Aussage, die sowohl symptomatisch für sein Verständnis von Tomás Luis de Victoria, als auch für den Komponisten selbst ist:
»Das Spanische an sich findet oft seinen Ausdruck in der spanischen Polyphonie. Man sagt von den Spaniern, dass sie in ihrer Religionsausübung besonders leidenschaftlich und gleichzeitig mystisch sind, worin sie sich von anderen unterscheiden. Diese Denkweise geht eine ganze Zeit zurück: Als Michelangelo von dem florentinischen Maler Pontormo gefragt wurde, wie er seinen spanischen Patron am besten zufrieden stellen könne, antwortete er, dass Pontormo “viel Blut und Nägel” zeigen solle.
Eine solche Rohheit ist auch oft der spanischen Musik zugeschrieben worden. In meiner Erfahrung hat nur die Musik von Victoria eine derartige Intensität, und dort auch nur in seinem sechsstimmigen Requiem und den Werken für die Karwoche. Jedoch ist es letztendlich diese Intensität, die ihn so unverkennbar macht, und das nicht nur in dem größeren europäischen Kontext sondern auch im Vergleich zu seinen Landsleuten.«
Der (vermutlich) in der Nähe von Rom geborene Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514?-1594) gehörte zu den fleißigsten und bekanntesten Komponisten des 16. Jahrhunderts: 104 Messen, 375 Motetten, dazu zahlreiche Magnificatvertonungen, Hymen, Offertorien und (last, but not least) 140 weltliche Madrigale sind in der 30-bändigen kritischen Ausgabe seiner Werke aufgeführt. Schon wenige Jahre nach seinem Tod wurde aus seinem Personalstil der Palestrinastil, ein kontrapunktisches Satzmodell, das gelehrt und angewandt wurde. Noch heute gilt dieser Palestrinastil als exemplarisch für das 16. Jahrhundert. Ohne das Wirken der anderen Komponisten schmälern zu wollen, war Palestrina der wichtigste und einflussreichste Komponist seiner Epoche. Den Rest des Eintrages lesen »