Posts Tagged “Spätromantik”

Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer - Foto © Esther Neuman

Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer - Foto © Esther Neuman

Vor einigen Wochen veröffentlichte das Münchener Duo Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer seine neue CD mit Violinsonaten der russisch-jüdischen Komponisten Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) bei der Leipziger Plattenfirma Genuin. Das Album, meiner Meinung nach eines der allerbesten Alben des laufenden Jahres, war hier im Blog die CD des Monats im April und hat auch andernorts äußerst positives Feedback bekommen. Mit seiner Suche nach neuen, unentdeckten Inhalten ist das Duo Then-Bergh/Schäfer eines der mutigsten Ensembles, das stets bereit ist, sich auf neue Komponisten und Ausdrucksformen einzulassen, mehr noch: Jede neue Entdeckung der beiden Ausnahmemusiker ist eine wirkliche Bereicherung im Repertoire für Violine und Klavier.

Ich freue mich ganz besonders darüber, dass sich die Violinistin des Duos Frau Ilona Then-Bergh dazu bereit erklärt hat, einige Fragen hier an dieser Stelle zu beantworten.
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Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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Ilona Then-Bergh & Michael Schäfer: Grigorij Krein / Samuil Feinberg - Violin SonatasSchön, dass die neue, wirklich sehr empfehlenswerte Veröffentlichung  (Album des Monats April 2011, hier auf diesen Seiten) des Münchener “Entdecker-Duos” Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer mit Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) nach und nach bei den Hörern und der Kritik ankommt, obwohl es sich um eine gewiss eher spezielle Veröffentlichung handelt, die es – aufgrund der unbekannten Namen – hierzulande nicht leicht haben dürfte, ein größeres Publikum zu finden.

violinorum.de, eine der interessantesten Webseiten für Violinisten im deutschsprachigen Internet (mit Forum, daher der ungewöhnliche Name: Violine + Forum = Violinorum), stellt in einem Blogbeitrag die bei Genuin erschienene CD ausführlich vor, unter besonderer Berücksichtigung der Komponisten in ihrem historischen Kontext einerseits und – naheliegend bei dieser Webseite – die Umsetzung auf der Violine andererseits.

Nils-Christian Engel resümiert treffend:

»Hier sind, es darf gesagt sein, zwei äußerst interessante Musiker am Werk, Meister ihrer Instrumente, doch ohne alle Attitüde; in jeder Sekunde mit Ernst bei einer Sache, die keine geringe ist. Es bedarf reifer musikalischer Persönlichkeiten, um Musik zu interpretieren, die sich ebenso selbstverständlich durch die vermeintliche Übersichtlichkeit zweistimmiger Passagen bewegt, wie sie Welten ausgreifender Harmonik durchmisst. Und dieser Beziehungsreichtum zwischen den Stimmen der beiden Instrumente wird dem genießenden Hören ebenso zugänglich wie der Analyse.«

Den ganzen, wirklich lesenswerten Artikel gibt es → hier

Die CD Grigorij Krein / Samuil Feinberg – Violin Sonatas von Ilona Then-Bergh & Michael Schäfer ist bei Genuin (GEN 11203) am 15. April 2011 erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Das Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra hat bei seinen bisherigen Veröffentlichungen auf dem eigenen Label RCO Live den Schwerpunkt auf Neuaufnahmen unter der Leitung des Letten Mariss Jansons gelegt, der seit 2004 der musikalische Leiter des Ensembles ist. RCO, M. Jansons: Gustav Mahler - Sinfonie No. 3In einem über mehrere Jahre angelegtem Projekt entsteht derzeit nach und nach ein vollständiger Zyklus der Sinfonien von Gustav Mahler (1860-1911): Bereits erschienen ist die Sinfonie No. 1 (2007 veröffentlicht), die “Auferstehungssinfonie” No. 2 (2010), s. → Blogbeitrag dazu, die Sinfonien No. 5 (2008) und No. 6 (2006); außerdem liegt eine Aufnahme der Sinfonie No. 4 unter dem ehemaligen Chefdirigenten Bernard Haitink (2007) vor.

Nun ist eine im Februar letzten Jahres entstandene Live-Aufnahme der Sinfonie No. 3 in d-Moll auf 2 SACDs erschienen; übrigens ist es Mahlers zeitlich längste Sinfonie. Neben dem Amsterdamer Klangkörper wirken der Netherlands Radio Choir und die Knaben des Breda Sacrament Choir und des Rijnmond Boys’ Choir mit. Als Solistin glänzt (einmal mehr) die argentinische Mezzosopranistin Bernarda Fink.
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Hans Gal - quelle: (c) hansgal.comNoch bis weit in die 1980er Jahre hinein hätte die Frage nach dem österreichischen Komponisten Hans Gál (1890-1987) selbst bei den versiertesten Experten nur ein ratloses Schweigen hervorgerufen. Der 1938 durch den Anschluss Österreich an Deutschland und die damit verbundene Judenverfolgung ins Exil gezwungene Komponist, war eines der vielen Opfer, deren Karriere durch den Aufstieg des Nazi-Regimes jäh gestoppt wurden und die nach der Zäsur des 2. Weltkriegs nie wieder so recht in Gang kamen. Gál sah sich in bewusstem Widerspruch zur Zweiten Wiener Schule und berief sich stattdessen auf die “alte” Wiener Tradition von Haydn, Mozart und Beethoven bis zu Brahms, dessen Notengesamtausgabe er auch betreut hat. Trotzdem wirkt die Musik Gáls nicht antiquiert oder rückwärts gewandt, vielmehr hatte Gál ein bemerkenswertes Talent schlichte Kompositionen mit einem freundlichen Charakter glaubwürdig und ganz ohne Kitsch zu komponieren. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens genau in jene Phase fällt, in der er aufgrund der politischen Veränderungen in Europa buchstäblich um sein Leben bangen musste. Gál emigrierte 1938 nach Großbritannien, wo er ab 1945 als Lehrer für Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition an der Universität Edinburgh arbeitete. Außerdem komponierte er ohne Unterbrechung, wenn auch von der alten Heimat (auch nach dem Krieg) weitgehend unbeachtet und vergessen, leitete er das Edinburgh Chamber Orchestra und schrieb einige höchst unterhaltsame musiktheoretische Bücher über Brahms, Wagner, Verdi und Schubert.
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Tasmin Little, RNSO, Andrew Davis: Edward Elgar - Violin ConcertoDie englische Violinistin Tasmin Little wurde am Donnerstag bei den Classic Brit Awards 2011 mit dem Kritikerpreis für ihre beeindruckende Neu-Interpretation des Violinkonzerts in h-Moll, op. 61 von Edward Elgar (1857-1934), im Januar bei Chandos erschienen, ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Andrew Davis hatte die auch sehr in der Jugend-Förderung aktive Musikerin eine einfühlsame, sinnliche Interpretin des opulenten Konzerts erwiesen. Dank einer fein auszubalancierten Aufnahme gelang mit der Veröffentlichung eine rundum hervorragende Einspielung des Violinkonzerts, die mit Sicherheit zu den empfehlenswertesten Aufnahmen des Konzerts zu gelten hat.

Den gesamten Artikel zur Preisverleihung bei den Brit Awards 2011 gibt es → hier

Die SACD Edward Elgar – Violin Concerto · Interlude from ‘The Crown of India” · Polonia von Tasmin Little und dem Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Andrew Davis ist am 14. Januar 2011 auf Chandos (CHSA 5083) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Ilona Then-Bergh, Bild © genuin.deSie gelten zurecht als eines der neugierigsten Duos im deutschsprachigen Raum und haben mit ihren Veröffentlichungen immer wieder Mut zu einem Programm bewiesen, das abseits der eingetretenen Pfade für die Musik zu Unrecht vergessener Komponisten eintritt: Markus Schäfer, Bild © genuin.deDie beiden Münchener Ilona Then-Bergh (Violine) und Michael Schäfer (Klavier) haben bereits mehrfach in der Vergangenheit mit ihren Veröffentlichungen für das Leipziger Label Genuin nahezu unbekannte Werke für Violine und Klavier zu Tage gefördert, die es wirklich wert ist entdeckt und gehört zu werden. Statt auf altbekanntestes, erarbeitet sich das Duo mit echtem Entdeckergeist ein ganz eigenes Repertoire.

Zuletzt nahmen sie sich auf überzeugende Weise (‘Die besondere CD‘ 02/2010 hier im Blog) der Fin-De-Siècle-Komponisten Sylvio Lazzari und Volkmar Andreae an; nun stellt das Paar erneut eine interessante Kombination von zwei Komponisten vor. Auf ihrem neuen Album sind die Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) zu hören.
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ISO, Rumon Gamba: Vincent D`Indy - Orchestral Works Vol 4Der mdr-Figaro-Musikredakteur André Sittner hat in der wöchentlichen Rubrik »Take 5« (mit jeweils fünf bemerkenswerten Neuerscheinungen aus der klassischen Musik und der Popmusik) die neue Chandos-CD des Iceland Symphony Orchestra unter der Leitung von Rumon Gamba mit Orchesterwerken des »vielleicht unbekanntesten Vertreters der französischen Spätromantikschule« Vincent d’Indy (1851-1931) empfohlen.

Er lobt die Ausführenden:

»Rumon Gamba (…) zeigt hier, wie famos er mit den ständig wechselnden Farben in d’Indys Orchester umzugehen weiß, wie er musikalische Linien stringent führen kann und auch Brüche in den üppigen Partituren klar herauszuarbeiten vermag. Und das Orchester von der Vulkaninsel Island spielt auf herausragendem Niveau, das man so abseits der großen Kulturmetropolen vielleicht so nicht erwartet hätte.«

Den kurzen Artikel zum Album in der am 26.04.2011 erschienenen Ausgabe von »Take 5« findet man → hier

Hier noch ein kurzer Ausschnitt aus “Final (Saltarelle). Naples”, dem letzten Satz der “Symphonie italienne”.
► klicken zum abspielen | Datenquelle → hier

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die CD Vincent d’Indy – Orchestral Works 4: Symphonie italienne, Poeme des Rivages des Iceland Symphony Orchestra unter der Leitung von Rumon Gamba ist am 18. März 2011 auf Chandos (CHAN 10660) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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CPO, Charles Mackerras: Josef Suk - AsraelJa sind denn gerade Codaex-Wochen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Schon wieder eine äußerst positive Besprechung einer Veröffentlichung im Codaex-Vertrieb bei einem deutschen Radiosender: Dieses Mal geht es um den im Februar bei Supraphon erschienenen Mitschnitt eines Konzerts aus dem Prager Rudolfinum vom April 2007 der Tschechischen Philharmonie unter dem mittlerweile leider verstorbenen Maestro Charles Mackerras mit der Sinfonie in c-Moll, op. 27 “Asrael” von Josef Suk (1874-1935). Dieses im Untertitel ausdrücklich »dem Andenken Antonín Dvoráks und seiner Tochter, meiner Gattin Ottilie« gewidmete Werk ist zweifelsohne der Höhepunkt im Schaffen des hierzulande oft übersehenen tschechischen Komponisten.
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BBC Philharmonic, G. Noseda: The Italian IntermezzoEin ungewöhnliches, aber auch ein ungewöhnlich unterhaltsames Album hat vor einigen Wochen das BBC Philharmonic unter der Leitung des gebürtigen Mailänders Gianandrea Noseda vorgelegt: Es beinhaltet ausschließlich Intermezzi aus italienischen Opern des Verismo, d.h. um instrumentale Zwischenspiele, die mitten in der Oper für ein kurzes Innehalten in der Handlung sorgen, das bisher Geschehene resümieren oder Kommendes erahnen lassen. Auf dem Album ist solche “Musik ohne Worte” (so der Untertitel des Albums) von Francesco Cilea (1866-1950). Giacomo Puccini (1858-1924), Alfredo Catalani (1854-1893), Umberto Giordano (1867-1948), Amilcare Ponchielli (1834-1886), Pietro Mascagni (1863-1945), Giuseppe Verdi (1813-1901), Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) und Ruggero Leoncavallo (1857-1919) zu hören
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