Posts Tagged “Spätromantik”

Ida Haendel: Beethoven / Sibelius - Violin ConcertosDie in Warschau geborene und zwischen Paris und London aufgewachsene Violinistin Ida Haendel (*1928) war eine der ersten Frauen, die sich in der Männerdomäne Violine behaupten konnte, lange bevor Frauen wie Anne-Sophie Mutter (übrigens eine glühende Bewunderin Haendels) und und zahlreiche Violin-Nymphen die Podien eroberten. Bereits mit sieben Jahren wurde sie als Schülerin von Mieczyslaw Michalowicz an der Musikakademie Warschau aufgenommen. Als 1935 ihre Familie nach Paris verzog, studierte sie dort bei Carl Flesch und später bei George Enescu. Sie gilt als Spezialistin für Stravinsky, Tchaikovsky und Sibelius und sie hat mehrfach betont, dass ihr die deutschen Komponisten (Beethoven und Brahms) stets besonders am Herzen gelegen hätten. In der Tat gilt ihre Aufnahme des Violinkonzerts in D-Dur, op. 61 von Ludwig van Beethoven (1770-1827)  aus dem Jahre 1949  (mit dem Philarmonia Orchestra unter Rafael Kubelik) als Meilenstein in der Musikgeschichte, dasselbe gilt für ihre Aufnahme des Violinkonzerts in d-Moll, op. 47 von Jean Sibelius (1865-1957) aus dem Jahre 1993 (!) mit dem jungen  Simon Rattle und dem Birmingham Symphony Orchestra. Sibelius selbst hatte sie 1949 mit seinem Konzert spielen gehört und über sie geschwärmt, dass sein Konzert in Ida Haendel »eine Interpretin von seltenem Können« gefunden habe.
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CPO, Ch. Mackerras: B. Martinů - 3 Fragments from »Juliette«Nur wenige Tage nach seinem Tod (blog.codaex.de berichtete) und rund einen Monat nach Bekanntgabe, dass Charles Mackerras (1925-2010) für seine CD “Antonín Dvořák – Symphonic Poems”C (eingespielt mit der Tschechischen Philharmonie) den renommierten Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2010 (blog.codaex.de berichtete) erhält, wurde heute bekannt gegeben, dass das bei Supraphon erschienene Album “Bohuslav Martinů – Three Fragments from the Opera Juliette”, ebenfalls eingespielt mit der Tschechischen Philharmonie, den Klassik-Echo 2010 für die beste »Welt-Ersteinspielung des Jahres« erhält.

Mackerras galt, neben anderen Schwerpunkten seiner Arbeit, als kompetentester Dirigent für tschechische Musik und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Musik der großen tschechischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts Bedřich Smetana, Antonín Dvořák, Leoš Janáček, Bohuslav Martinů usw. heute international wahrgenommen und anerkannt wird.

www.echoklassik.de

Die CD Bohuslav Martinů – Three Fragments from the Opera »Juliette«, gespielt von der Tschechische Philharmonie unter Charles Mackerras, ist am 25. Mai 2009 auf Supraphon (3994-2) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Als die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque Anfang der 1980er mit Bearbeotungen für Piano-Duo der Musik von George Gershwin (1898-1937) auf Schallplatte, wenig später auch auf CD (für das niederländische Philips-Label) debütierten – es sollte eine der allerersten CDs überhaupt sein, die veröffentlicht wurden – war alles an dieser Veröffentlichung ungewöhnlich: Zwei bildhübsche Schwestern aus Frankreich mit offensichtlich ganz unterschiedlichem Temperamenten spielten Musik eines US-Amerikaners, dessen Musik in Klassik-Kreisen kaum als ‘ernsthafte Musik’ angesehen wurde. Mit dieser Aufnahme wurde der Grundstein für die ungewöhnliche Weltkarriere der beiden Schwestern gelegt, die bis heute andauert. Sie waren schon damals Grenzgängerinnen zwischen den Genres, die zu herausragenden Leistungen sowohl in der populären Musik, als auch in der klassischen Musik fähig sind.
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Benjamin BrittenDer englische Komponist Benjamin Britten (1913-1976) gehört zu den vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhundert. Er hat für quasi jede Gattung und für eine Vielzahl von Soloinstrumenten Konzerte und kammermusikalische Werke komponiert, die zu den wichtigsten ihrer Art des vergangenen Jahrhunderts gehören. Auch für das Cello schrieb Britten eine ganze Reihe von Werken, was nicht verwunderlich ist, denn er war mit Mstislav Rostropovich, einem der bedeutendsten Cellisten des Jahrhunderts, befreundet, dem auch auch alle Werke für Cello gewidmet wurden. Die vorliegende CD des niederländischen Cellisten Pieter Wispelwey, erschienen beim britischen Label Onyx Classics, beinhaltet zwei dieser Werke für Cello, die “Cello Symphony, op. 68″ für Cello und Orchester und die “Cello Suite No. 1, op. 72″ für Solo-Cello.
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The Florestan Trio - Czech Piano TriosObwohl Bedřich Smetana (1824 – 1884), Bohuslav Martinů (1890 – 1959) und Petr Eben (1929 – 2007) drei unterschiedlichen Epochen, drei unterschiedlichen Komponistengenerationen und drei unterschiedlichen Stilrichtungen angehören, verbindet sie durch ihre tschechische Herkunft mehr, als man gemeinhin annehmen könnte. Bei böhmischen und mährischen Komponisten scheint sich ein schwer definierbares, jedoch unverkennbares Band der Gemeinsamkeiten durch die verschiedenen Generationen zu ziehen: Es ist eine Verbindung aus Kantabilität, volksmusikhaften Rhythmen und Melodien  und einer besonderen Wärme im Klang, die die tschechische Musik auszuzeichnen scheint, so zumindest das Klischee. Das britische Florestan Trio hat nun auf seinem neuesten Album drei tschechische Klaviertrios aufgenommen. Das Erstaunliche an den ausgewählten Werken ist: Sie belegen und widerlegen das Klischee der tschechischen Musik gleichzeitig.
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Bearbeitungen für Klavier zu vier Händen (oder für zwei Klaviere) hatten bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein eine eminente Bedeutung bei der Popularisierung von (neuer) klassischer Musik. Zwar verbreitete sich das Grammophon zunehmend und immer mehr Werke waren als Schallplatte erhältlich, doch waren die frühen Schallplatten zeitlich sehr begrenzt, die Aufnahmetechnik steckte noch in den Kinderschuhen (von einem natürlichen Klangbild konnte noch lange nicht die Rede sein) und die Auswahl der Aufnahmen beschränkte sich auf populäre Massenware. Neue Werke wurden selten aufgenommen. Piano Duo Trenkner-Speidel - Ravel - Honegger - Rimsky-KorsakovSie waren dem Konzertsaal oder der privaten Aufführung im bürgerlichen Ambiente vorbehalten. Darüber hinaus hatte das gemeinsame Musizieren und hier insbesondere das gemeinsame Musizieren am Klavier eine eigene soziale Rolle: Nahezu puritanisch anmutende Gesellschaftskonventionen machten es Männern und Frauen nicht leicht, sich (buchstäblich) näher zu kommen. Das gemeinsame Musizieren war auch ein willkommener Anlass, um sonst nicht schickliche räumliche Nähe zwischen den Geschlechtern zuzulassen.

Es war üblich von größeren symphonischen Werken Fassungen für Klavier, für Klavier-Duo und/oder für Klavier zu vier Händen anzufertigen. Das brachte den Komponisten eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle und half bei der Verbreitung der neuen Werke, brachte sie auch ohne Orchester einem breiteren Publikum zu Gehör. Oft genug fertigen die Schüler oder Assistenten der Komponisten diese Arrangements an, in nicht seltenen Fällen arbeiteten die Komponisten selbst diese Bearbeitungen aus, die oft genug mit den Fassungen Dritter (zurecht!) nicht einverstanden waren. Auf der vorliegenden CD des Duos Trenkner/Speidel (mit den Pianistinnen Evelinde Trenkner und Sontraud Speidel) finden sich drei Werke, die von ihren Komponisten selbst für Klavier zu vier Händen arrangiert wurden: Die Reduktion für Klavier zu vier Händen der symphonischen Suite Scheherazade, op 35 (aus dem Jahre 1899) von Nikolai Rimsky-Korsakov (1844-1908); die Reduktion des symphonischen Satzes Pacific 231 (1924) von Arthur Honegger (1892-1955) und der Boléro von Maurice Ravel (1875-1937) in der Transkription für Klavier zu vier Händen (1929, ein Jahr später fertigte Ravel noch eine weitere Bearbeitung für zwei Klaviere an).
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Nicht erst in jüngerer Zeit machen sich Musiker und Komponisten Gedanken über eine sinnvolle Reproduktion alter Musik. Schon in der Romantik und noch mehr in der Spätromantik haben sich Komponisten und Musikverleger darum bemüht, die ‘alten Meister’ Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel adäquat umzusetzen. Was für das Verständnis mancher Originalklang-Puristen heute wie ein unzulässiger Eingriff in die Komposition wirken mag, war damals, im Zeitalter vor der technischen Reproduzierbarkeit von Musik, der einzig sinnvolle Weg diese Musik auf damaligen Instrumenten überhaupt wiederzugeben. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Musizieren im Hause damals die geläufigste Art der Musik war: So wie man heute CDs kauft, kaufte man damals Noten. Ein weiterer Grund für Transkriptionen war die nimmersatte Zunft der Berufspianisten, die spätestens seit Franz Liszt durch die Europa reisten und stets auf der Suche nach unverbrauchtem Material waren, an dem sie ihre Künste beweisen konnten. Den Bearbeitern Ferruccio Busoni, Max Reger, Eugen d’Albert etc. ging es um das Erhalten der Musik, um das Aufschließen der barocken Meister für ein Publikum, das eine andere Klangwelt gewohnt war.
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Wer wie Gordon Getty, Sohn des legendären Öl-Tycoons Jean Paul Getty, zu den reichsten Menschen der USA gehört, der mag (so die Vorstellung jener, die wie ich nicht dazu gehören) ein leichtes Leben haben, in dem nur jeder erdenkliche Wunsch erfüllbar scheint. Als Komponist jedoch kann der Name (und das Geld) eine Bürde sein: Der Verdacht, man würde sich Aufmerksamkeit aus reinem Geltungsbedürfnis erkaufen, steht sofort (wenn auch meistens unausgesprochen) im Raum. Beispiele für solch einen Generalverdacht mag es reichlich geben, wenn man bedenkt, wie viele Millionäre (und Millionärsgattinnen!) sich singend, tanzend und schauspielend blamiert haben: Man erinnere sich nur an die legendäre Florence Foster-Jenkins, der schlechtesten Sängerin aller Zeiten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Gordon Getty ist keiner dieser sich selbst überschätzenden Millionäre, er hat sein Handwerk von Grund auf gelernt, seine Aufnahmen und Aufführungen sind nicht teuer erkauft, sondern wohl verdienter Lohn eines Komponisten.
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Ilona Then-Bergh, Bild © genuin.de

Markus Schäfer

Markus Schäfer, Bild © genuin.de

Eine Binsenweisheit besagt: »Nicht alles, was in der Musik hörenswert wäre, wird gehört; nicht alles, was gehört wird, ist wirklich hörenswert« Jeder, der sich mit Musik gleich welcher Art beschäftigt, erfährt sofort, dass Erfolg und Bekanntheitsgrad eines Werkes oder eines Künstlers nur ein sehr zweifelhafter Gradmesser für die Qualität der Musik ist; umgekehrt ist gewiss nicht alles Gold, was auf goldenen Schallplatten glänzt. Wer das nicht glauben will, der mag einfach nur ein beliebiges Mainstream-Radio einschalten und hören, was uns dort vorgedudelt wird. Zwar ist der Klassik-Sektor bisher weitgehend von solchen Manipulationen verschont geblieben, doch auch hier häufen sich die Versuche dem Hörer ein X (für x-beliebig) für ein U, Pardon, für ein E (wie E-Musik) vorzumachen. Auch der eine oder andere Klassiksender beschränkt sich bei seinem Programm auf die ‘Greatest Hits’ oder noch schlimmer, auf die bekannten Themen der ‘Greatest Hits’, wie schauderhaft!
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Die Geschichte des Komponisten Norbert Glanzberg (1910-2001) ist wie ein Spiegel der Ereignisse im Europa des 20. Jahrhunderts. Von jüdischer Abstammung in Lemberg, im damaligen Österreich-Ungarn (heute Ukraine) geboren und kurz nach der Geburt nach Würzburg umgezogen, wuchs Norbert Glanzberg im damals multiethnischen Mitteleuropa auf. Als junger, hoffnungsvoller Komponist begann er 1931 für die Ufa zu arbeiten (in Filmen von Billy Wilder und Max Ophüls), flüchtete aber kurz nach der Machtergreifung der Nazis nach Frankreich, wo er sich als Klavierbegleiter, später auch als Komponist von Chansons (u.a. für Edith Piaf, Yves Montand und Charles Trenet) eine erfolgreiche Laufbahn in der sogenannten U-Musik aufbaute, obwohl er eigentlich eine Karriere als ‘ernsthafter Komponist’ angestrebt hatte. Erst 1998 sollte er nach Würzburg zurückkehren, um dort ein Konzert seiner erst spät im Leben entstandenen “Suite Jiddish” zu geben. Diese ist jetzt, gemeinsam mit seinen kurz zuvor geschriebenen “Holocaust Liedern”, in orchestrierter Form für die vorliegenden SACD vom Orchestre Symphonique de Mulhouse unter Daniel Klajner (dem langjährigen Musikdirektor in Würzburg) eingespielt worden; die Lieder wurden interpretiert vom Dresdner Bariton Roman Trekel.

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