Posts Tagged “sinfonische Musik”

Bohuslav Martinů - Foto (cc) Bohuslav Martinů Zentrum in PoličkaBohuslav Martinů (1890-1959), einer der wichtigsten tschechischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, war in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Mann. Nicht nur, dass er ein umfangreiches, interessantes und hochklassiges Œuvre mit sechs Sinfonien, zahlreichen Konzerten (darunter fünf Klavierkonzerten, zwei Violinkonzerten, zwei Cellokonzerten sowie zahlreiche Doppelkonzerten, Concerti grossi, Concertini usw.), dreizehn Ballettmusiken, sechzehn Opern, zahlreichen Chorwerke, Lieder, Klavierwerke, sowie ein großes, breit gefächertes Kammermusik-Werk geschaffen hat, sein gesamter Lebenslauf ist ungewöhnlich.

Auf dem Kirchturm (!) von Polička in Ostböhmen als Sohn eines Schuhmachers und Türmers geboren, wuchs Martinů in ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen ersten Violinunterricht erhielt er beim Schneider des Dorfes; aufgrund seiner bemerkenswerten Talentes finanzierten ihm die Dorfbewohner sein Studium am Prager Konservatorium, wo er zunächst Violine, später auch noch Orgel und Komposition studierte. 1910 wurde er wegen mangelnder Disziplin vom Unterricht ausgeschlossen, trotzdem konnte er 1912 sein Diplom als Violinlehrer machen. Danach verdiente er sein Geld als Musiklehrer und als Violinist bei der Tschechischen Philharmonie. Erst 1922 nahm er wieder Kompositionsunterricht (wie schon zuvor am Konservatorium bei Josef Suk (1874-1935)), zog dann aber 1923 nach Paris, wo er bis 1940 lebte und arbeitete und seine Studien bei Albert Roussel (1869-1937) abschloss. Dann flüchtete er vor den Nazis in die USA, wo er buchstäblich bei Null beginnen musste. Er kehrte in den 1950er Jahren nach Europa, allerdings nie mehr in seine Heimat zurück.
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Royal Flemish Philharmonic, P. Herreweghe: F. Schubert - Symphony No. 9Wenn man heutzutage symphonisches Standardrepertoire des 19. Jahrhunderts aufnimmt, läuft man Gefahr, dass man von den Hörern und Kritikern schlichtweg ignoriert wird, ob der unübersichtlichen Schwemme an gleichartigen Aufnahmen. Definitiv nicht so ist es Philippe Herreweghe mit seiner Neuinterpretaion der  Sinfonie No. 9 (“Große Sinfonie in C-Dur”) von Franz Schubert (1797-1828) ergangen, wohl auch, weil der belgische Experte für historisch-informiertes Spiel mit seinem Royal Flemish Philharmonic Orchester neue Wege gewagt hat und Schuberts Sinfonie ungewohnt heiter und beschwingt auslegt. Die bei Pentatone Classics erschienene SACD wurde nun zeitgleich von zwei deutschen Kulturradios, dem norddeutschen NDR Kultur und dem ostdeutschen mdr Figaro besprochen. Und wie bei einer so provokanten Neuausrichtung nicht anders sein konnte, mischt sich in die positive Kritik zumindest teilweise auch der eine oder andere kleinere Zweifel. Den Rest des Eintrages lesen »

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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau wird immer am Monatsbeginn ein ausgewählter Überblick über die interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb präsentiert. Üblicherweise kommen die Titel in der zweiten Monatshälfte in den Handel. Einen Teil der hier vorgestellten Titel wird dann im Laufe der kommenden Wochen im Blog noch ausführlicher besprochen werden.

Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb erscheinen am 19. August 2011.

Achtung: Ab sofort kann man die monatliche Codaex-Neuheiten-Newsletter bestellen, in der alle Codaex-Veröffentlichungen des kommenden Monats aufgelistet werden. → Codaex-Newsletter abonnieren

Im heutigen Teil I der Vorschau präsentiere ich meine Auswahl an besonders interessanten und vielversprechenden Neuerscheinungen aus den Bereichen 1. Orchesterwerke und 2. Kammermusik; morgen im Teil II folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen 3. Oper, 4. Alte Musik und 5. Neue Musik.
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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau präsentiere ich immer zu Monatsbeginn (dieses Mal etwas verspätet, sorry dafür) einen ausgewählten Überblick über die (aus meiner Sicht) interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb, die im Laufe des jeweiligen Monats (üblicherweise in der zweiten Monatshälfte) in den Handel kommen. Einige dieser Titel werden im Laufe der kommenden Wochen hier im Blog besprochen.

Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb erscheinen am 15. Juli 2011.

Ab sofort kann man die monatliche Codaex-Neuheiten-Newsletter bestellen, in der alle Codaex-Veröffentlichungen des kommenden Monats aufgelistet werden. → Codaex-Newsletter abonnieren

Im heutigen Teil I der Vorschau präsentiere ich meine Auswahl an besonders interessanten und vielversprechenden Neuerscheinungen aus den Bereichen 1. Orchesterwerke und 2. Kammermusik; morgen im Teil II folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen 3. Oper, 4. Alte Musik und 5. Wiederveröffentlichungen.
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Franz Schubert (Lithografie)Wenn es darum geht, einem Neuling erklären zu wollen, warum die achte Sinfonie von Franz Schubert (1797-1828) landläufig die Sinfonie No. 9 (“Große Sinfonie in C-Dur”) genannt wird und dass sie zwischenzeitlich auch einmal als die Sinfonie No. 7 durchging, kann schon einen schnell verwirren. Die genauen Gründe für diese babylonen Zahlenverwirrung kann man in einschlägigen Enzyklopädien nachlesen, machen wir es an dieser Stelle kurz: Die Musikwissenschaft hat einfach einige Zeit gebraucht, um alle Sinfonien und Sinfonie-Fragmente in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Heute gilt als gesichert, dass die Große Sinfonie in C-Dur, wie sie auch genannt wird, um weniger Verwirrung zu stiften, 1825 als letzte (uns bekannte) Sinfonie Schuberts entstand und dass sie von Schubert selbst auf dem Autograph nachträglich auf 1828 datiert wurde, um sie als “neues Werk” zur Aufführung bringen zu können. Dieser Plan scheiterte jedoch, weil das Amateurorchester, das das Werk aufführen sollte, mit der Partitur überfordert war. Überhaupt hatte Schubert wenig Glück mit seinen Sinfonien: Der Wiener Musikwelt galten sie als »schwierig und schwülstig«, so das Urteil der Verleger, die keine einzige der Sinfonien zu Schuberts Lebzeiten druckten; ihre eigentliche Größe wurde erst lange Zeit nach seinem Tode richtig eingeschätzt.
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Gustav MahlerDie Niederländer lieben die Musik des großen Symphonikers Gustav Mahler (1860-1911), der vor genau 151 Jahren (am 7. Juli 1860) im böhmischen in Kalischt geboren wurde. Mit dem Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra haben die Niederländer einen der besten und traditionsreichsten Mahler-Klangkörper der Welt, der in unzähligen Aufführungen und Aufnahmen seine Ausnahmestellung unter Beweis gestellt hat. Derzeit entsteht nach und nach ein vollständiger Zyklus mit Aufnahmen aller zehn der Sinfonien. Die bisher erschienenen Veröffentlichungen haben grandiose Kritiken erhalten.

Vergangene Woche war anlässlich des Mahler-Jubiläums im niederländischen Kultursender AVRO “Mahler-Woche”: Gesendet wurden Aufführungen des Concertgebouworkest der Sinfonien Nos. 6 – 10; letztes Jahr wurden in der Mahler-Woche die Sinfonien Nos. 1-5 übertragen. Im Online-Archiv der AVRO kann man alle zehn Übertragungen kostenlos in guter Bild- und Tonqualität anschauen. Anders als bei anderen Fernsehanstalten ist dies prinzipiell aus dem Ausland möglich. Es lohnt sich: Die Riege der Dirigenten liest sich wie ein who-is-who der Mahler-Experten: Mariss Jansons, Daniel Harding, Iván Fischer. Daniele Gatti, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Bernard Haitink und Eliahu Inbal.
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Astor Piazzolla

Astor Piazzolla

Mal Hand aufs Herz: Welcher der Komponisten der neuen CD der Württembergische Philharmonie Reutlingen außer Astor Piazzolla (1921-1992) ist heutzutage in unseren Breitengraden bekannt? Die Namen Manuel Gómez Carrillo (1883-1968), Juan José Castro (1895-1968), Theodoro Valcárcel Caballero (1896-1942), Francisco Mignone (1897-1986), Guillermo Uribe Holguín (1880-1971) und Alberto Williams (1862-1952) dürften nur wenigen ‘Eingeweihten’ bei uns in Mitteleuropa bekannt sein. Da kommt es in diesem bisher nur wenig überzeugenden Sommer vielleicht gerade recht, wenn man sich etwas Zeit für “Fiesta Criolla – Latin-American Orchestral Works” nimmt, denn das Album erschließt nicht nur den Weg in die im heutigen Europa immer noch unterrepräsentierte lateinamerikanische Musikkultur, sondern birgt massenweise Lebensfreude in sich, ein Attribut, das wir in den gemäßigten Klimaregionen (im Klischee!) gerne jenen Ländern zusprechen, die höhere Durchschnittstemperaturen besitzen, als wir (oder von denen wir es glauben).
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Gewandhausorchester Leipzig, Herbert Blomstedt: Anton Bruckner - Sinfonie No. 3Eigentlich sollte in wenigen Tagen beim Label Querstand das neue Album des Gewandhausorchester Leipzig unter Herbert Blomstedt erscheinen, ein Mitschnitt von Ende 2010 eines Konzerts mit der Sinfonie Nr. 3 in D-moll/WAB 101 in der Originalversion von Anton Bruckner (1824-1896), doch gerade kam die Nachricht von der verantwortlichen Verlagsgruppe Kamprad, dass das Album leider nicht zum angegebenen Zeitpunkt fertig werden wird.

Die SACD wird nun wahrscheinlich erst im November lieferbar sein, auch wenn sie einige Onlineshops noch mit dem Erscheinungsdatum 17. Juni anzeigen. Gut Ding will Weile haben – und manchmal dauert das länger als geplant.

Bereits längere Zeit im Handel und von der Kritik hochgelobt sind die Aufnahmen des Gewandhausorchesters unter Blomstedt der

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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau präsentiere ich immer zu Monatsbeginn einen ausgewählten Überblick über die (aus meiner Sicht) interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb, die im Laufe des jeweiligen Monats (üblicherweise in der zweiten Monatshälfte) in den Handel kommen. Einige dieser Titel werde ich genauer im Laufe des Monats besprechen.

Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb erscheinen am 17. Juni 2011.

NEU: Ab sofort kann man die monatliche Codaex-Neuheiten-Newsletter bestellen, in der alle Codaex-Veröffentlichungen des kommenden Monats aufgelistet werden. → Codaex-Newsletter abonnieren

Im heutigen Teil I der Vorschau präsentiere ich meine Auswahl an besonders interessanten und vielversprechenden Neuerscheinungen aus den Bereichen 1. Orchesterwerke und 2. Kammermusik; morgen im Teil II folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen 3. Chormusik, 4. Alte Musik und 5. Wiederveröffentlichungen.
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Mieczyslaw WeinbergMittlerweile ist es längst kein Geheimnis mehr, dass man den zu Lebzeiten im Westen kaum wahrgenommenen Mieczysław Weinberg (1919-1996) zu den bedeutendsten Komponisten der Sowjetzeit zählen muss. Auch in seiner Wahlheimat, der Sowjetunion – Weinberg wurde in Warschau geboren und flüchtete beim Einmarsch der deutschen Truppen zunächst nach Weißrussland und zog zog dann, auf Einladung seines väterlichen Freundes und Mentors Dmitri Shostakovich (1906-1975) nach Moskau, wo er Zeit seines Lebens bleiben sollte – war Weinberg vor allem als Pianist und als Komponist von Film- und Bühnenmusiken bekannt. Zahlreiche seiner Werke wurden nur im kleinen Rahmen aufgeführt (wenn überhaupt) und erst relativ spät aufgenommen. Sein Magnum Opus, die Oper Die Passagierin wurde erstmals 2006 konzertant in Moskau uraufgeführt und erlebte erst 2010, 42 Jahre nach der Fertigstellung, seine Weltpremiere auf der Bühne der Bregenzer Festspiele.
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