Posts Tagged “Sergei Prokofiev”

Prokofieff - Die Sinfonien (Eurodisc/Melodiya - LP-Box)Eine meiner allerersten größeren Sammlerstücke in meiner Plattensammlung war eine 6-LP-Box mit sämtlichen Sinfonien von Sergei Prokofiev (1891-1953), gespielt vom »Großen Rundfunk-Sinfonieorchester der UdSSR, Dirigent: Gennadi Roshdestwensky« (so das Plattencover, s rechts). Vor dieser LP-Box kannte ich nur das unvermeidliche Peter und der Wolf aus dem Musikunterricht. Mit diesen Sinfonien eröffnete sich mir, damals noch sehr jungen und unerfahrener Hörer eine neue Klangwelt, hatte ich mich doch zuvor nur zaghaft in der Welt der klassischen Musik bewegt und war noch nicht über ‘die üblichen Verdächtigen’ (namentlich Beethoven, Mozart, Tchaikovsky und Vivaldi) hinaus gekommen. Was ich bei diesen Prokofiev-Aufnahmen zu hören bekam, war modern und aufregend anders (vielleicht einmal abgesehen von der Symphonie classique mit ihrer ironischen Interpretation der klassischen Sinfonie Haydns, die mir vertraut war). Ohne Übertreibung waren diese überaus gelungenen Aufnahmen sehr prägend für meine musikalischen Interessen. Wer weiß, ob ich mich jemals aus eigenem Antrieb auf ‘musikalische Entdeckungsreise’ begeben hätte, wären da nicht Prokofievs Sinfonien gewesen?
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Pavel Haas Quartet: S. Prokofiev - String QuartetsSelten zuvor hat sich ein Kammermusik-Ensemble so schnell an die Weltspitze katapultiert wie das Prager Pavel Haas Quartet. Nach seinen ersten beiden Alben mit Werken ihrer tschechischen Landsmänner Leoš Janáček und Pavel Haas (L. Janáček Quartett No. 2; P. Haas Quartett No. 2, Supraphon 2006 und L. Janáček Quartett No.1; P. Haas Quartett Nos. 1 & 3, Supraphon, 2007), bewies es  mit dem Album Sergei Prokofiev – String Quartets Nos. 1 & 2 · Sonata for two Violins (s. dazu auch → Besprechung im Blog), dass es auch außerhalb der Literatur seines Heimatlandes auf höchstem Niveau musizieren kann: Nun wurde das Quartett für das beim tschechischen Traditionslabel Supraphon erschienene Album letzte Woche mit einem der renommiertesten Kritikerpreise überhaupt, dem Diapason d’Or de l’Année für das beste Kammermusik-Album des Jahres in Paris ausgezeichnet.
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Sviatoslav Richter in Prag 1954Dass Sviatoslav Richter (1915-1997) unbestritten zu den besten und einflussreichsten, wohl auch zu den emsigsten Pianisten des 20. Jahrhunderts gehörte, ist wohl unbestritten. Neben zahlloser Aufnahmen für west- und osteuropäische Labels (Melodiya, Supraphon, EMI, Columbia, Decca, Deutsche Grammophon, Philips, RCA) gibt es eine nicht enden wollende Anzahl an autorisierten und unautorisierten Konzert- und Radiomitschnitten: Kaum ein anderer Pianist ist so umfangreich diskografisch dokumentiert wie Richter, freilich sind nicht alle Aufnahmen wirklich empfehlenswert: Zwar spielte Richter über die gesamte Länge seiner Karriere auf einem bemerkenswert hohem Niveau, doch oft genug handelt es sich bei diesen Mitschnitten um minderwertig aufgenommenes, schlecht konserviertes und lieblos digitalisiertes Material.
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Die Musik von Sergei Prokofiev (1891-1953) ist immer schwer auszurechnen: Obwohl Prokofiev über einen ziemlich ausgeprägten Stil verfügt, weiß man vorher nie, was einen erwartet. Prokofiev hat einige der bekanntesten und bezauberndsten Themen des 20. Jahrhunderts geschrieben (man denke nur an den ersten Satz der “Symphonie Classique”, das Thema aus “Peter und der Wolf”, das durch Stings “Russians” berühmte gewordene Thema aus der Lieutenant Kijé Suite oder den kraftvollen “Tanz der Ritter” aus der Ballettmusik zu “Romeo und Julia”, zigfach in der Werbung zitiert), er hat aber fragile, intensive, introspektive und in sich verwobene und kunstvoll ausgearbeitete Musik geschrieben, die leider viel zu selten wahrgenommen wird. Prokofiev ist, gemessen an seinem Werk, ein Komponist, der zu oft auf wenige eingängige Themen reduziert wird. Als der wichtigste sowjetische Komponist neben Dmitri Shostakovich tritt Prokofiev in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund (oder wird eben auf seine Greatest Hits reduziert), derweil Shostakovich immer mehr erforscht, interpretiert und verstanden wird. Dass Prokofievs Musik auch jenseits der populären Themen hörenswert ist, dass sie in ihrer Intensität auch heute noch über die Zerrissenheit des Komponisten, gefangen im stalinistischen System, zu berichten weiß, belegt die neue CD des tschechischen Pavel Haas Quartet, auf der das junge Ensemble aus Prag die beiden Streichquartette, opp. 50 und 92, sowie die selten zu hörende Sonate für zwei Violinen op. 56 eingespielt hat.

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