Posts Tagged “sakrale Musik”

Giovanni Pierluigi da PalestrinaNach ihrem erst vor wenigen Wochen veröffentlichtem ‘Ausflug’ in die zeitgenössische (Chor-) Musik auf  »O Guiding Night · The Spanish Mystics« (s. → Besprechung), veröffentlicht der englische Weltklasse-Chor The Sixteen nun den ersten Volumen eines langfristigen Projektes, das sich mit dem vielleicht bedeutendsten Renaissance-Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514/15-1594) beschäftigt. Harry Christophers, Gründer und Leiter des Ensembles, erläutert im Vorwort, dass man nicht vorhabe, jedes Werk Palestrinas aufzunehmen. Dies wäre »mehr als eine Lebensaufgabe, wenn man bedenkt, dass er 104 Messen geschrieben hat«. Stattdessen werde man eine noch nicht bestimmte Anzahl von Volumina herausgeben, die jeweils eine Messe und thematisch verwandtes Material beinhalten werden.
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Johannes vom Kreuz (anonym., 17 Jhrhdt.)Mystische Gotteserfahrungen haben in allen Weltreligionen Tradition. Das geradezu sinnliche Erleben einer tief spirituellen Beziehung zu Gott gehören zu den Grenzerfahrungen der menschlichen Psyche, die Einheit mit Gott (oder dem Göttlichen) spiegelte sich bei vielen Mystikern in Kunstwerken von beeindruckender Schönheit und Intensität wieder. Christliche Mystiker gab es in allen Epochen des Christentums, darunter befinden sich bemerkenswert viele, deren Wirken auch heute noch eine große Faszination auf die Menschen ausübt, nicht nur im geistlichen, sondern auch im künstlerischen Sinne: Man denke an den hl. Augustinus von Hippo (354–430), die hl. Hildegard von Bingen (1098–1179), oder den hl. Franz von Assisi (1181/1182–1226), die hl. Teresa von Ávila (1515–1582) und der hl. Johannes vom Kreuz (1542–1591), die direkt (durch eigene poetische und/oder musikalische Werke) oder indirekt (durch Vertonungen) tief in der Kultur des christlichen Abendlandes verwurzelt sind. Letztere beiden beeinflussten maßgeblich die Komponisten der goldenen Ära der spanischen Renaissance, allen voran Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611).
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Allegorisches Porträt Kaiser Rudolfs II. (von Giuseppe Arcimboldo, 1590)

Porträt Rudolfs II. (Giuseppe Arcimboldo, 1590)

Wer war Philipp Schoendorff? Das ist eine Frage, die (derzeit) noch nicht einmal die Wikipedia beantworten kann. So viel weiß man immerhin: Philipp Schoendorff (1565/70 – in oder nach 1617) wirkte zu Zeiten des Kaisers (des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) Rudolf II. (1552-1612) als Musiker am Prager Hof. Der Regent gilt heute als »schwacher Herrscher« der »zumindest in den letzten Jahren faktisch regierungsunfähig« war. Davon abgesehen war eben auch ein gebildeter Humanist, der sich gerne mit berühmten Wissenschaftlern und Künstlern umgab und dem man einen gewissen Hang zur Großzügigkeit, aber auch zum Überfluss nachsagte. Zu den bekanntesten Künstlern an seinem Hof gehörte der Maler Giuseppe Arcimboldo (ca. 1526-1593), den er seit frühester Kindheit kannte, da dieser bereits seinem Vater und Großvater gedient hatte. Arcimboldo malte Rudolph II. dann auch folgerichtig als allegorisches Sinnbild des Überflusses des Herbstes (Vertumnus, s .rechts).

Bei den Musikern am Prager Hof war der flämische Meister Philipp(e) de Monte (1524-1603) aus Lüttich die herausragende Persönlichkeit. Daneben gab es zahlreiche andere Musiker, die am Hofe zeitweise oder fest angestellt wirkten, darunter der ebenfalls aus Lüttich stammende Trompeter, Sänger und Komponist Philipp Schoendorff.
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Auch eine Woche nach dem Osterwochenende ist die eigentliche Osterfest in der christlichen Welt nicht vorüber. Auch wenn wir uns dessen heute nicht mehr bewusst sind, so dauert die soganannte österliche Freudezeit noch bis zum Pfingstfest (dieses Jahr am 12./13. Juni). In der Musik-Welt ebben allerdings nun die Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik ab und reduzieren sich auf ein normales Niveau.
Alle Besprechungen zum Thema Passions- und Osterzeit finden sich → hier.

Jan Pieterszoon SweelinckJan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) ist einer der wenigen niederländischen Komponisten, die über die Grenzen des westeuropäischen Landes bekannt geworden ist, mehr noch: Seinen Ruhm erwarb der ‘Orpheus aus Amsterdam’ bereits zu Lebzeiten, obwohl er sehr heimatverbunden war und seine Heimatstadt nur sehr selten und nicht sehr lange verließ. Seine weiteste Reise unternahm er nach Antwerpen (rund 160 Kilometer von Amsterdam entfernt), wo er im Auftrag der Stadt ein repräsentatives Cembalo bei den bekannten Instrumentenbauern der Ruckers-Familie kaufte. Anders als seine umfangreiche Instrumental-Musik, von der nur sehr wenig in den Druck gelangte und von der heute kein einziges Autograph erhalten ist (und bei der man sich heute nur noch auf unsichere Handschriften und Kopien berufen kann), wurden seine Chorwerke in allen wichtigen europäischen Verlagsstädten wie Amsterdam, Antwerpen und Paris gedruckt. Anders als man es bei seiner Heimatverbundenheit vermuten mag, ist seine Musik alles andere als provinziell oder beschränkt. Insgesamt weist sein Œuvre ohne jeden Zweifel Kenntnisse aller großen europäischen Musiktraditionen auf.
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Ein frohes Osterfest mit den Tallis Scholars, die das erste Klagelied Jeremias zum Karfreitag von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) singen:


Die 3-CD-Box The Victoria Collection von The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Phillips ist am 15. April 2011 auf Gimell (GIMBX 304) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Morgen erreicht das Osterfest seinen Höhepunkt. Der Ostersonntag gilt als höchster christlicher Feiertag. An den vergangenen Tagen habe ich bereits verstärkt Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik rund ums Osterfest vorgestellt, einige weitere werden an den kommenden Tagen noch folgen.
Alle Besprechungen zum Thema Passions- und Osterzeit finden sich → hier.

Tomás Luis de VictoriaErst Mitte der 1980er Jahre wurde die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) wiederentdeckt. Ausgehend von der Missa pro defunctis oder dem Requiem, wie wir es heute nennen, wurde das Werk des spanischen Renaissance-Meisters Stück für Stück erschlossen. Eine besondere Rolle spielten dabei erstaunlicherweise englische Spitzenchöre wie der Westminster Cathedral ChoirThe Sixteen und im nicht unerheblichen Maße The Tallis Scholars unter Peter Phillips. Die überaus faszinierenden Aufnahmen dieser Spitzenensembles in den 1980ern und 1990ern waren eine Art ‘britische Initialzündung’, die die Musik des Gelehrten, Mystikers, Priesters, Sängers, Organisten und Komponisten Victoria in das Bewusstsein der Musikfreunde brachte. Heute wird er, gemeinsam mit Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1514-1594) und Orlando di Lasso (1532-1594) als einer der herausragenden Komponisten des 16. Jahrhunderts eingeordnet.
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Bald ist Ostern. Rund um den nahenden höchsten christlichen Feiertag werden deswegen auf blog.codaex.de verstärkt interessante und ungewöhnliche Neu- und Wiederveröffentlichungen mit sakraler Musik vorgestellt.
Alle Artikel zum Thema  → Musik zur Passions- und Osterzeit

Johann Crüger

Johann Crüger (1598-1662)

Nur den profundesten Kennern barocker Kirchenmusik dürften die Namen Johann Justus Kahle (1668-ca. 1720) oder Joachim Pauli (1636-1708) bekannt sein; schon eher ist da Johann Crüger (1598-1662) Kirchenmusik-Kennern ein Begriff. Alle drei gehören zu den zahlreichen Musikern und Komponisten des 17. Jahrhunderts, die im Zuge des aufkommenden Pietismus lokal oder regional bekannt wurden und ihrem Wirkungskreis für den Ausbau der protestantischen Kirchenmusik verantwortlich waren. Diese ‘kleinen Meister’ waren im täglichen Leben der Gemeinden für die alltäglichen musikalischen Aufgaben zuständig und leisteten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Ausbreitung der Reformation.

Kahle war wohl erster Organist an St. Stephani in seiner Heimatstadt Helmstedt (in Niedersachsen, an der Grenze zum heutigen Sachsen-Anhalt); Pauli war wahrscheinlich in erster Linie Pfarrer, der allerdings zwei eigene Gesangsbücher verfasste. Immerhin gelangten einige seiner Werke in die deutlich bekanntere Liedsammlung Praxis Pietatis Melica des sorbischstämmigen Johann Crüger, dessen protestantischen Kirchenlieder im 17. Jahrhundert zu den bekanntesten im ganzen deutschsprachigen Raum gehörten. Sein Name ist heute vielleicht nicht mehr so präsent, seine Lieder haben sich teilweise über die Jahrhunderte im Kanon der protestantischen Musik gehalten. Die Wikipedia weist darauf hin

Im aktuellen Evangelischen Gesangbuch finden sich, je nach Ausgabe, mindestens 18 seiner Melodien oder Chorsätze, darunter “Wie soll ich dich empfangen”, “Lobet den Herren alle, die ihn ehren”, “Fröhlich soll mein Herze springen” und “Schmücke dich, o liebe Seele”.

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Rund ums nahende Osterfest werden auf blog.codaex.de verstärkt Neu- und Wiederveröffentlichungen mit sakraler Musik vorgestellt, denn gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine zentrale Bedeutung.
Das Baltikum (Karte)
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In den drei Republiken des Baltikum gab es immer schon eine ausgeprägt hochklassige und vielfältige Musikszene, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder richtig aufblühte. Nun, rund 20 Jahre danach, ist sie zu einem bedeutenden Faktor in der europäischen Szene der zeitgenössischen Musik (sowohl im Jazz, als auch in der zeitgenössischen klassischen Musik) geworden. Zahlreiche Komponisten und Solisten werden nun in Westeuropa und den USA ‘entdeckt’, die zu Hause schon seit jungen Jahren gefeiert wurden. Baltische Musiker und Komponisten zeichnen sich durch einen erfrischenden Nonkonformismus aus, der das Lager-Denken des westlichen Musikbetriebs weitgehend ignoriert und damit neue Horizonte eröffnet.
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Rund ums nahende Osterfest werden auf blog.codaex.de verstärkt Neu- und Wiederveröffentlichungen mit sakraler Musik vorgestellt, denn gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine zentrale Bedeutung.
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Johann Sebastian BachDass Johann Sebastian Bach (1685-1750) geistliche Werke geschaffen hat, die einen unschätzbar großen Beitrag zur westlichen Musikkultur geleistet haben, steht wohl außer Frage. Seine beiden (erhaltenen) Passionen, also die Matthäus-Passion (BWV 244) und die Johannes-Passion (BWV 245), die h-Moll-Messe (BWV 232), das Weihnachtsoratorium (BWV 248), das Magnificat (BWV 232) und zahlreiche seiner Kantaten gehören heute noch zu den bekanntesten, meist aufgeführten und meist aufgenommenen sakralen Werken. Auch das Osteroratorium (BWV 249) und das sogenannte Himmelfahrtsoratorium (BWV 11) – ursprünglich wurde es als Kantate unter dem Titel “Lobet Gott in seinen Reichen” und niedriger Verzeichnis-Nummer eingeordnet – gehören zu den bekanntesten Werken, wenn gleich die Diskrepanz im Vergleich zur Aufführungs- und Aufnahmefrequenz des ‘großen Bruders’ Weihnachtsoratorium und den beiden Passionen auffallend sind. Die eher kurzen Oratorien (denn es sind im Aufbau keine schlichten Kantaten, sondern echte Oratorien mit einer biblischen Handlung zur Grundlage, die von einem Evangelisten und anderen Personen in Rezitativen vorgetragen wird) mit einer jeweiligen Laufzeit von 40 bzw. 30 Minuten sind vielleicht für unser monumentales Bach-Verständnis zu bescheiden, um im Vergleich zu den deutlich längeren anderen Werken richtig wahrgenommen zu werden. Derzeit stehen auf dem deutschen Tonträger-Markt rund drei Dutzend verschiedene Aufnahmen des Weihnachtsoratoriums (in fast unzähligen Editionen) nur ungefähr ein Dutzend Aufnahmen des Osteroratoriums (und noch einmal so viele Aufnahmen des Himmelfahrtsoratoriums, oft auf der selben CD) gegenüber.

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An den kommenden Tagen rund ums nahende Osterfest werde ich verstärkt CDs mit sakraler Musik vorstellen, die entweder direkt oder zumindest doch mittelbar mit der Passions- und Osterzeit zu tun hat. Gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine eminent wichtige Bedeutung. Bei den Artikeln soll es darum gehen, möglichst ungewöhnlich, herausragende Neu- und Wiederveröffentlichungen zum Thema Musik zur Passions- und Osterzeit vorzustellen.

Orlando di LassoDer aus der heute belgischen Stadt Mons stammende Orlando di Lasso (oder in der Schreibweise der englischsprachigen Welt Orlande de Lassus,1532-1594) ist schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten und wichtigsten Komponisten seines Jahrhunderts gewesen. Schon früh bereiste er halb Europa, wo er zunächst als Chorknabe, dann als Solist, bald nach dem Stimmbruch aber schon als Komponist in Erscheinung trat. In seinen jungen Jahren fand er einige adelige Förderer in Italien, bis er zunächst in Florenz, bald darauf in Rom als Kapellmeister der Kirche S. Giovanni in Laterano (der zweitwichtigsten Kirche in Rom, nach dem Petersdom) als Komponist geistlicher Werke wirkte. Nur die Nachricht von der schweren Krankheit seiner Eltern ließ ihn 1555 seine Stellung kündigen und nach Mons reisen, wo er allerdings seine Eltern nicht mehr lebend antraf. Di Lasso sollte daraufhin noch weitere Reisen unternehmen, bis er schließlich als Leiter der Hofkapelle Albrechts V. von Bayern seinen Lebensmittelpunkt dauerhaft nach München verlagerte, wo er auch verstarb.
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