Posts Tagged “sakrale Musik”

Dunedin Consort: J. S. Bach - Mass in B minorZu einem differenzierten Ergebnis kommt der Redakteur Marcus Stäbler in seiner Besprechung für NDR Kultur der jüngsten Veröffentlichung des schottischen Originalinstrumente-Ensemble Dunedin Consort, der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Auch wenn ich seiner Kritik in einigen Teilen nicht folge, sei seine Rezension an dieser Stelle dargelegt.

Stäbler lobt zunächst den transparenten Klang der Aufnahme und schreibt dazu:

»Nach und nach schichtet Bach die einzelnen Stimmen(…) übereinander – und der Hörer kann diesen Aufbau sehr schön verfolgen. Denn John Butt und sein Dunedin Consort and Players gewähren uns einen ganz klaren Einblick, wie unter einem musikalischen Mikroskop.«

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Johann Sebastian BachDie h-Moll-Messe, BWV 232 (international meistens unter der englischsprachigen Bezeichnung “Mass in B minor” bekannt) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist das letzte große Chorwerk des Thomaskantors und gleichzeitig jenes, um welches sich die meisten Mythen ranken. Die Tatsache, dass Bach die ursprüngliche Kurzmesse (geschrieben 1733, anlässlich des Todes des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen) ohne (bekannten) Anlass 1748/9 zu einer vollständigen Messe ausbaute, der dann das vollständige Ordinarium des lateinischen Messetextes zugrunde liegt (und damit eher katholisch, denn protestantisch war – waren doch vollständige Messen auf Latein zu Bachs Zeiten in der protestantischen Glaubenswelt schon sehr ungewöhnlich), ließ Raum für Spekulationen. h-Moll-Messe, Autograph der 1. Seite des CredoGerade in der Romantik mutmaßte man, dass Bach sich selbst eine Totenmesse geschrieben hat (obwohl es sich bei der h-Moll-Messe nicht um eine Totenmesse, ein Requiem, sondern um eine Missa solemnis handelt), die sein wahres (katholisches) Glaubensbekenntnis beinhalte, eine gewagte These, wenn man bedenkt, wie wichtig Bach für die protestantische Kirchenmusik war und wie umworben seine Dienste waren. Wenn er wirklich katholisch hätte sein wollen, wäre es für ihn gewiss nicht unmöglich gewesen, dies zu sein.

Gleich welche Gründe es letzten Endes gegeben haben mag (am wahrscheinlichsten scheint heute einfach Bachs Wunsch ein weiteres exemplarisches Werk zu schaffen), wurde die 1733er Messe teils durch Neukompositionen, teils durch parodierende Umarbeitung vorhandener Sätze aus seinen Kantaten um ein Credo, ein Sanctus und ein Agnus Dei erweitert. Bachs zweitältester Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) erbte die Partitur, bearbeitete sie (möglicherweise begann er damit sogar noch zu Bachs Lebzeiten), doch erstmalig im Druck erschien die Messe allerdings erst 1805, lange nach dem Todes Carl Philipp Emanuels. Unklar bleibt, wann sie zum ersten Mal vollständig am Stück aufgeführt wurde, möglicherweise in den 1830er Jahren in Leipzig unter Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847).
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Im Oktober 2009 wurden in einer Kirche in der Nähe der Karlsbrücke in Prag zum ersten Mal seit über 100 Jahren zwei sakrale Werke der beiden wichtigsten tschechischen Komponisten der Frühromantik Jan Václav Hugo Voříšek (1791-1825) und Václav Jan Křtitel Tomášek (1774-1850) vom renommierten tschechischen Originalinstrumente-Ensemble Musica Florea unter der Leitung von Marek Štryncl aufgeführt und aufgenommen. Die beiden Messen zeigen die gesamte Bandbreite der tschechischen Musik der Klassik bzw. Frühromantik und belegen die stilistische Nähe der Prager Komponisten zum damaligen Epizentrum der Musik in Wien. Die geographische und politische Nähe von Wien und Prag führte damals zu einem regen Austausch zwischen den beiden Kulturmetropolen, der keineswegs nur in eine Richtung führte. Tschechische Musiker und Komponisten waren gern gesehene Gäste in den Konzertsälen Wiens.
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Antonio SalieriObwohl er zu den zu Lebzeiten bedeutendsten und erfolgreichsten Komponisten der Wiener Klassik gehörte, ist die Musik von Antonio Salieri (1750-1825) heute weitgehend vergessen (bis auf einige Opern und Ouvertüren ist kaum etwas aus seinem umfangreichen Œuvre auf Tonträger erhältlich). Seine Person ist durch das Theaterstück “Amadeus” von Peter Shaffer, mehr noch durch dessen Verfilmung durch Milos Foreman mit dem zweifelhaften Ruhm belegt, der neidische und rachsüchtige Konkurrent Mozarts gewesen zu sein, den er mit einer List in den Tod getrieben hat. Selbst der Hinweis, dass es sich um eine rein fiktive Geschichte handelt, hilft da nicht mehr: Sein Name bleibt auf unrühmliche Art mit Mozarts Requiem verbunden, dabei ist gibt es keinerlei Anhaltspunkte, dass Salieri überhaupt in irgendeiner Weise mit Mozarts Requiem involviert war (im Theaterstück/Film diktiert der sterbende Mozart Salieri die Noten vom Sterbebett aus). Wenn man heute im Internet nach “Salieri + Requiem” recherchiert, so findet man einige wenige Hinweise auf das von ihm 1804 verfasstes Requiem in c-Moll, dafür aber umso mehr Hinweise auf Mozarts Requiem.
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Gabriel FauréDas Requiem von Gabriel Fauré (1845-1924) gehört gewiss zu den schönsten und populärsten Werken der gesamten Literatur der sakralen Musik. Die erste Fassung dieses einzigen größeren Kirchenmusik-Werkes von Fauré entstand 1887, vielleicht als Reaktion auf den Tod seines Vaters (1885) und seiner Mutter (1887).

1893 erweiterte Fauré die ursprüngliche Fassung um zwei Sätze – zum einen um das Offertorium (das er 1889 geschrieben hatte), zum anderen um das bereits 1877 als Libera me verfasste Responsorium – und fügte Hörner, Trompeten und Posaunen zur ursprünglichen Instrumentation mit Violas, Cellos, Kontrabass, Solovioline, Harfe, Pauken und Orgel hinzu. Während die Parts für die Trompeten und Posaunen nicht sonderlich umfangreich waren, setze er die Hörner vor allem an prominenter Stelle im Libera me und im Sanctus ein. So entstand eine schlanke, effektvolle Orchesterfassung für ein reduziertes Ensemble, die allerdings niemals aufgeführt wurde.
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The Brabant Ensemble - Pierre Moulu - MissasIm Wikipedia-Artikel zu Pierre Moulu steht:

Pierre Moulu (* um 1484; † um 1550) war ein französisch flämischer Komponist der Renaissance, der in Frankreich und dort wahrscheinlich in Paris tätig war.

Schon das vage Geburtsjahr deutet darauf hin, dass wir nur wenig über den Komponisten Moulu wissen und das meiste, was wir zu wissen glauben, sind Informationen aus zweiter Hand oder es ist von Musikwissenschaftlern anhand vieler Indizien rekonstruiert worden. Was von ihm geblieben ist, sind einige seiner Werke: Erhalten sind 26 Motetten, neun Lieder und fünf Messen von denen zwei auf der nun bei Hyperion Records erschienenen CD des englischen Brabant Ensemble (benannt nach dem Herzogtum Brabant, dem Herkunftsland vieler Renaissance-Komponisten) unter der Leitung von Stephen Rice zum ersten Mal aufgenommen wurden. Es ist überhaupt die erste CD, die (nahezu) ausschließlich Werke des Franko-Flamen beinhaltet.
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Der dänisch-deutsche Komponist Dietrich Buxtehude (ca. 1637 – 1707, gelegentlich auch Dieterich Buxtehude geschrieben) ist wohl die wichtigste musikalische Figur des deutschsprachigen Raumes vor Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) und nach Heinrich Schütz (1585 – 1672). Er hatte direkten Einfluss auf den jungen Bach: Sein eigenmächtig verlängerter Besuch im Oktober 1705 bei Buxtehude in Lübeck ist ja hinlänglich bekannt. Unter den über 130 geistlichen Vokalwerken, die Buxtehude schrieb, nimmt der Passionszyklus Membra Jesu nostri patientis sanctissima (lat., “Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus”) eine Sonderstellung ein: Es ist eine der seltenen Kompositionen Buxtehudes, in der ein lateinischer (und nicht einen deutschsprachigen) Text verwendet wird, im protestantischen Norden Deutschlands war dies zumindest unüblich. Textgrundlage für diesen Zyklus über die sieben Körperteile (sic!) Jesu am Kreuze (Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz, Gesicht) war allerdings nicht direkt die (viel gescholtene) lateinische Bibel, sondern die mittelalterliche Gedichtsammlung Rhythmica Oratio, die vom Brabanter Zisterziensermönch, Abt, und Dichter Arnulf von Löwen geschrieben wurde.
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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau werden zu Monatsbeginn ausgesuchte Titel aus den anstehenden Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb vorgestellt. Alle Titel kommen am  25. Juni 2010 in den Handel.

Im gestrigen 1. Teil der Vorschau stelle ich I. Orchesterwerke und II. historische Aufnahmen / Wiederveröffentlichungen vor; heute folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen III. Kammermusik und IV. geistliche und weltliche Chorwerke.
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In der Rubrik Vorschau werden zu Monatsbeginn ausgesuchte Titel aus den anstehenden Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb vorgestellt. Alle Titel kommen am 21. Mai 2010 in den Handel.

Im gestrigen 1. Teil der Vorschau stelle ich bereits eine Auswahl der Bereiche I. Orchesterwerke und II. Kammermusik vor; heute folgen dann die Neuerscheinungen aus den Bereichen III. geistliche und weltliche Vokalmusik, IV. Alte Musik sowie V. historischen Aufnahmen /Sonstiges.
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Antonin DvorákDer böhmische Komponist Antonín Dvořák (1841-1904) wurde einmal vom US-amerikanischen Musikkritiker Harold C. Schonberg  als »der glücklichste, am wenigsten neurotische der späten Romantiker« beschrieben. Er war glücklich verheiratet, hatte sechs Kinder und schon früh stellten sich erste Erfolge ein, die sich stetig steigerten und 1892 in Dvořáks Engagement als Direktor des National Conservatory of Music in New York gipfelten. Nachdem seine Musik in weiten Teilen der alten Welt populär war, eroberte er mit seiner Musik nun auch Nordamerika wo er sich zu einigen seiner bekanntesten und erfolgreichsten Werke inspirieren ließ: Die Rede ist freilich von der Sinfonie No. 9 in  e-Moll op. 95 Aus der neuen Welt” und vom Streichquartett No. 12, op. 96, das “Amerikanische Quartett” (beide aus dem Jahre 1893.

Vor seiner Zeit in den USA waren seine Werke vor allem in Großbritannien äußerst populär. Nahezu alle bedeutenden Kompositionen der Jahre 1884 – 1891 waren Auftragsarbeiten von britischen Orchestern und Chören. Insgesamt sechsmal bereiste Dvořák in dieser Zeit die Insel und feierte dort große Erfolge.
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