Viele Jahre lang standen sie im Schatten der kontinentaleuropäischen Tonkunst, wurden (von Adorno und seinen Adepten) verachtet, bestenfalls belächelt und nie wirklich ernst genommen: Die Komponisten und ihre Werke aus dem vereinigten Königreich hatten einen schweren Stand, waren isoliert – und machten aus dieser Not eine Tugend, indem sie ihre Insel-Existenz in eine sprichwörtliche „Splendid Isolation“ ummünzten. Genau diese Abgeschlossenheit und die mit ihr einhergehende Unangreifbarkeit (z.B. gegenüber Dogmen der zentraleuropäischen Avantgarde) werden von vielen Menschen zunehmend als ästhetischer Mehrwert wahrgenommen und goutiert. Und so kann man Douglas Boyd, dem britischen Chefdirigenten des Musikkollegium Winterthur, nur beipflichten, wenn er im Interview mit der Schweizer Zeitschrift „Musik & Theater“ (Ausgabe Dezember 2011, Seite 23) sagt: »Heute erlebt britische Musik ihre wohl aufregendsten Zeiten.« Den Rest des Eintrages lesen »
Die 55. Ausgabe der Hyperion-Reihe The Romantic Piano Concerto kommt offenbar nicht nur bei unserem Gast-Rezensenten Burkhard Schäfer gut an (s. seine Besprechung von gestern), auch die Kritikerkollegen der Kulturradios zeigen sich überrascht und erfreut über diese erneute Schatzhebung in der monumentalen Reihe mit Klavierkonzert-Raritäten aus der Romantik. Die beiden Klavierkonzerte und die Fantaisie für Klavier und Orchester von Charles-Marie Widor (1844–1934). eingespielt vom BBC National Orchestra of Wales (BBCNOW) unter Thierry Fischer mit Markus Becker als Solisten, waren nun fast zeitgleich der Gegenstand der Betrachtung bei zwei großen deutschen Kultursendern, dem norddeutschen NDR Kultur und dem westdeutschen WDR 3. Beiden gemein ist eine äußerst positive Bewertung von der vorgestellten Musik und den ausführenden Musikern.
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Ohne Übertreibung darf man sagen, dass die vom britischen Label Hyperion Records vor ziemlich genau 20 Jahren ins Leben gerufene Serie „The Romantic Piano Concerto“ sich längst zu der wohl wichtigsten CD-Reihe ihrer Art gemausert hat. Was am 6. November 1991, dem Erscheinungstag von Volume 1 [→ bei amazon.de | → bei jpc.de], mit den Klavierkonzerten von Paderewski und Moszkowski begann, erreicht mit den beiden schönen Klavierkonzerten von Charles-Marie Widor (1844–1934) und seiner nicht minder berührenden „Fantaisie“ für Klavier und Orchester jetzt die stolze „Hausnummer“ 55 – und ein Ende der Reihe ist, so hat es den Anschein und so ist auch nur zu hoffen, immer noch nicht abzusehen. Den Rest des Eintrages lesen »
Das Glück der Cellisten preist Pieter Wispelwey, angesichts der beiden romantischen Cello-Sonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin, die er mit seinem langjährigen Klavier-Partner Paolo Giacometti auf einer neu bei Onyx erschienenen CD eingespielt hat – eine Freude, die ohne den geringsten Umweg auf den Hörer überspringt.
Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
„Une soirée chez Brahms“ – wer wollte das nicht? Unter diesem verlockenden Titel haben der Cellist Franz Ortner und die Pianistin Caroline Boirot bei Lyrinx eine hörenswerte Aufnahme romantischer Kammermusik eingespielt. Zwei junge Musiker zelebrieren die Freundschaft, nach den Begriffen einer vergangenen Zeit. Den Rest des Eintrages lesen »
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Mal ehrlich: Welche französischen Sinfonien beziehungsweise Sinfoniker fallen einem spontan ein, wenn man danach gefragt wird? Okay, Hector Berlioz’ berühmte „Symphonie fantastique“ kommt einem sicherlich schnell in den Sinn. Dann vielleicht noch die herrliche „Symphonie en ré mineur“ von César Franck sowie George Bizets einziges Werk dieser Gattung in C-Dur. Und dann? Verließen sie ihn. Wenn man ehrlich ist.
An diesem Bild wird auch die vorliegende CD nicht viel ändern, die drei eher selten auf CD zu findende französische Sinfonien in einer hörenswerten Aufnahme mit dem 1918 von Ernest Ansermet gegründeten Orchestre de la Suisse Romande versammelt, hier unter der kundigen Stabführung von Marek Janowski und am Klavier kompetent begleitet von Martin Helmchen.
Als das Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Neeme Järvi seinen Zyklus mit Arrangements des Niederländers Henk de Vlieger (*1953) mit “The Ring, An Orchestral Adventure” (erschienen 2008) begann, war der Überraschungseffekt groß: Sicher, es hatte schon zuvor orchestrale Bearbeitungen der Opern von Richard Wagner (1813-1883) gegeben, aber so radikal, so genial, so pointiert und dennoch werkgetreu hatte bisher keiner Wagner reduziert, weder Leopold Stokowski oder George Szell, noch Lorin Maazel. Der hauptberufliche Perkussionist (!) der niederländischen Radiophilharmonie de Vlieger bewies auch in den folgenden Bearbeitungen der Reihe “Parsifal, an Orchestral Quest” (2010) und “Tristan und Isolde – an Orchestral Passion” (Februar 2011) ein untrügliches Gespür die charakteristischsten Momente der Oper zu einer sinnvollen (sinfonischen) Einheit zu verbinden, ohne dabei selbst Material hinzu zu komponieren. De Vliegers Ergebnisse sind zweifelsohne genuiner Wagner, allerdings nicht (nur) zu einem “Wagner ohne Worte”, sondern zu einem “sinfonischen Wagner” verdichtet. Wer mit Opern partout nichts anfangen kann, er hat durch de Vliegers Bearbeitungen die Möglichkeit sich dem Genius Wagners’ von einer anderen Seite zu nähern. Den Rest des Eintrages lesen »
Am Wochenende wurde das Prager Pavel Haas Quartet mit dem prestigeträchtigen Gramophone Award für das Album des Jahres (s. Artikel dazu → hier) für seine aktuelle Supraphon-CD mit dem Quartett No. 13 in G-Dur, op. 106 und dem Amerikanischen Quartett No. 12 in F-Dur, op. 96 von Antonín Dvořák (1841-1904) ausgezeichnet.
Hier das Video der Preisverleihung mit einer Laudatio und der Dankesrede der Musiker:
Die CD Antonín Dvořák – String Quartets Nos. 13 & 12 “American”, opp. 106 & 96 des Pavel Haas Quartet ist am 22.Oktober 2010 auf Supraphon (4038) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Ich kann mich nur immer wieder wundern, woher die findigen Leute der die britische Plattenfirma Hyperion Records nur all die romantischen Klavierkonzerte auftreiben, die sie in der Reihe “The Romantic Piano Concerto” zu Gehör bringen. Man sollte doch meinen, dass nach über 50 Volumen und über 100 Konzerten den Machern der Reihe so langsam die Quellen ausgingen oder dass man zumindest einen gewissen Qualitätsabfall bemerken könnte, doch weit gefehlt: Die bei weitem umfangreichste Sammlung mit (hauptsächlich vergessenen) Klavierkonzerten der Romantik bringt auch bei der 54. Veröffentlichung noch echte Highlights zu Tage: Klavierkonzerte (und symphonische Variationen mit Klavier) der beiden heutzutage nahezu vergessenen englischen Komponisten Frederic Hymen Cowen (1852–1935) und Arthur Somervell (1863-1937). Wie so oft bei den Alben der Reihe handelt es sich um Weltersteinspielungen. Als Solist spielt das Romantic-Piano-Collection-erprobte BBC Scottish Symphony Orchestra unter der Leitung von Martyn Brabbins, als Solist ist Martin Roscoe zu hören. Den Rest des Eintrages lesen »
Ich glaube, es gibt kein anderes Feld der klassischen Musik, das von den Musikliebhabern so kontrovers diskutiert wird, wie die Aufnahmen und Aufführungen der Opern von Richard Wagner (1813-1883). Wagner-Inszenierungen sind heutzutage nicht nur eine große Herausforderung für jeden Regisseur, sie gehören auch zu den undankbarsten Arbeiten, werden sie doch nicht selten harsch vom Publikum oder der Kritik abgestraft. Bei den Neuaufnahmen für Schallplatte und CD ist es kaum besser: Einig ist man sich meistens nur, dass es keine ideale Aufnahmen gibt. Entweder bemängelt man den Chor, das Orchester oder seinen Leiter oder (wesentlich öfter) die Solisten; manch historische Aufnahme aus den “goldenen Fünfzigern”, einem unbestritten wichtigen Jahrzehnt der Wagner-Aufnahmen, kann aufnahmetechnisch nicht einmal den geübten Hörer historischer Aufnahmen wirklich glücklich machen. Und natürlich: Jede noch so sachliche vertretene Meinung findet ebenso viele erbitterte Gegner, kurzum: Eine neue Wagner-Veröffentlichung, ganz gleich ob es sich um eine Live- oder eine Studio-Aufnahmen handelt, ganz gleich ob es eine Archiv-Aufnahme oder eine Neuproduktion ist, steht erst einmal im Kreuzfeuer der Kritik, sowohl der professionellen, als auch der der vielen Wagner-Kenner und -Liebhaber. Den Rest des Eintrages lesen »