Posts Tagged “Robert Schumann”

N. Altstaedt - J. Gallardo: W. Killmayer - R. SchumannNicht nur mir als Blogger hat das neue Album von Nicolas Altstaedt und José Gallardo mit Werke für Violoncello und Klavier von Robert Schumann und Wilhelm Killmayer außerordentlich gut gefallen, auch bei den deutschsprachigen Kultursendern ist das vor einigen Tagen bei Genuin erschienene Album sehr gut angekommen. Nahezu alle deutschsprachigen Sender haben über die Neuerscheinung besonders positiv berichtet oder werden das Album in den kommenden Wochen ausführlich vorstellen.

Exemplarisch für diese ganze Reihe an Empfehlungen ist die Besprechung von Dagmar Penzlin für den großen norddeutschen Kultursender NDR Kultur. In ihrer Besprechung vom 27.09. schreibt sie über das Album »Wer sich gern überraschen lässt, wird diese CD mögen.« und über Nicolas Altstaedt und José Gallardo schwärmt sie:

»Altstaedt, einer der letzten Schüler von Boris Pergamenschikow, ist mit seinen 28 Jahren bereits eine reife Musikerpersönlichkeit. Das vermittelt jeder Ton, den er seinem wertvollen Lupot-Cello entlockt. Ebenso überzeugend ist Gallardo am Klavier – ein exzellenter Kammermusiker mit Gespür für feinste Nuancen.«

und resümiert:

»[Mit dem Album] beweist Altstaedt, dass er zu den besonders spannenden Musikern der jungen Generation zählt. Eben weil er seinen musikalischen Vorlieben auch abseits der bekannten Pfade folgt. Und das ist erfrischend mutig.«

Den ganzen Artikel “Nicolas Altstaedt spielt Killmayer und Schumann” gibt es → hier in der Rubrik “Neue CDs” bei NDR Kultur.
Den ausführlicheren Podcast dazu gibt es → hier.

Die CD von Nicolas Altstaedt & José Gallardo mit Werken für Violoncello und Klavier von Wilhelm Killmayer und Robert Schumann ist am 24. September 2010 auf Genuin (GEN 10187) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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N. Altstaedt - J. Gallardo: W. Killmayer - R. SchumannIch muss gestehen, ich bin nicht immer glücklich damit, wenn Künstler auf ihren Alben mehrere Komponisten und mehrere Epochen zusammenstellen. Oft genug erschließt sich mir als Hörer der Zusammenhang nicht und ich finde die Stilbrüche insgesamt eher störend, als erhellend, so dass ich solche CDs nicht durchgängig höre, sondern ‘auszugsweise’ nach Komponisten/Epoche/Stil geordnet. Was dem Künstler oft von seinem Standpunkt als logische Konsequenz erscheint, muss für den Hörer noch lange keinen Sinn ergeben. Die neue CD des Cellisten Nicolas Altstaedt und dem Pianisten José Gallardo gehört nicht in diese zweifelhafte Kategorie. Zwar haben auch die beiden jungen Künstler zwei Komponisten aus zwei Epochen, zwei Jahrhunderten sogar auf ihrer neuen CD zusammengestellt, Robert Schumann und Wilhelm Killmayer nämlich, doch der Zusammenhang, die Geistesverwandtschaft zwischen den beiden Komponisten, zwischen den hier ausgewählten Werken, erschließt sich dem Hörer sofort.
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Robert Schumann, 1839 (Zeichung)Ich finde es höchst erfreulich, dass das diesjährige Robert Schumann-Jahr (zum 200. Geburtstags des Komponisten) anscheinend von den Künstlern genutzt wurde, auch zahlreiche weniger populäre Werke sorgsam neu einzuspielen und sie somit wieder der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sie in Erinnerung zu rufen. Binnen kürzester Zeit sind beispielsweise Schumanns Werke für Viuoline neu eingespielt worden: So nahm beispielsweise der französische Violinist Philippe Graffin das Konzert in a-Moll für Cello und Orchester, op. 129 in der Bearbeitung für Violine und die Violinsonate No. 2, op. 121 für das englische Label Onyx auf (s. Besprechung→ hier); der russische Violinist Ilya Gringolts widmete seine neueste Veröffentlichung gleich allen drei Violinsonaten Schumanns (Besprechung→ hier) und – last but not least (auch wenn das Album nicht bei einem von Codaex vertriebenem Label erschienen ist) – hat der Violinist Daniel Sepec mit Andreas Staier die Violinsonaten Nos. 1 & 2 (für Harmonia Mundi) historisch-informiert aufgenommen. Das Faszinierendste an all diesen Veröffentlichungen ist: Jede scheint einen anderen Aspekt dieser sonst eher vernachlässigten Werke betonen zu wollen, in jeder Aufnahme gibt es neue Momente, neue Sichtweisen. Die nun veröffentlichte Neuaufnahme aller drei Violinsonaten Schumanns des Ensemble Villa Musica (in diesem Fall bestehend aus Nicolas Chumachenco, Violine und Kalle Randalu, Klavier) für das Label MDG bildet darin keine Ausnahme.
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Robert Schumann schrieb 1853, kurz vor seinem völligen geistigen Verfall, ein letztes großes Orchesterwerk, das d-Moll-Violinkonzert WoO 23. Dieses wurde 1937, also über 80 Jahre später, im Rahmen einer groß angelegten propagandistischen Inszenierung der Nazis im Deutschen Opernhaus Berlin mit dem Solisten Georg Kulenkampff und den Berliner Philharmonikern unter Leitung von Karl Böhm uraufgeführt. P Graffin: R. Schumann - Violin ConcertoDoch schon zuvor hatte sich Schumann mit der Vioiline als Soloinstrument in einem Konzert beschäftigt, allerdings über einen Umweg: 1850 hatte Schumann das Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll, op. 129 geschrieben (es sollte zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt werden ) und bearbeitete es kurz darauf  für Violine. Er widmete es dem Geigenvirtuosen Joseph Joachim, mit dem er befreundet war. Diese Bearbeitung ist einer der beiden Hauptwerke auf der soeben bei Onyx Classics erschienenen CD des französischen Violinisten Philippe Graffin, der das Konzert mit der Deutschen Radio Philharmonie Kaiserslautern Saarbrücken (oh, wie ich diese politisch motivierten Namen scheußlich finde) unter der Leitung ihres Chefdirigenten Christoph Poppen aufgenommen hat. Außerdem hat er mit seiner langjährigen Duettpartnerin Claire Désert die bekannte Violinsonate No. 2 in d-Moll, op. 121 aufgenommen. Abgerundet wird das Album durch die 3 Romanzen für Violine und Klavier, op 22 von Clara Schumann.
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I. Gringolts: R. Schumann - Violin SonatasEs ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese Erkenntnis ist so alt, wie banal, was aber, wenn man sie umkehrt? »Was glänzt, muss nicht Gold sein« scheint mir im mehrfachen Sinne eine gute Überschrift für das Debüt des russischen Violinisten Ilya Gringolts auf Onyx Classics zu sein. Für seine erste CD beim britischen Renomée-Label wählte Gringolts Musik, die man – bei allem gebotenen Respekt – ebenso nicht als “reines Gold” bezeichnen würde, namentlich die drei Violinsonaten von Robert Schumann. Die erste Violinsonate in a-Moll, op. 105 (geschrieben 1851) mochte Schumann nach eigenen Angaben selbst nicht besonders, so dass er noch im selben Jahre die zweite Violinsonate in d-Moll, op. 121 hinterherschob. Die dritte Sonate, WoO 2 wurde sogar erst 1856 veröffentlicht und hat eine kuriose Entstehungsgeschichte.  Carenza Hugh-Jones schreibt in den Liner Notes im Booklet dazu:

»Robert Schumann, Albert Dietrich und Johannes Brahms kollaborierten 1853 an einer viersätzigen Komposition für Violine und Klavier, die sie nach dem Motto „Frei aber einsam“ des Geigers Joachim die F–A–E Sonate nannten. Schumann schrieb den zweiten und vierten Satz dafür und nutzte kurze Zeit später diese beiden Sätze zusammen mit zwei neuen für seine Sonate Nr. 3. Da das Werk jedoch ursprünglich in zwei Manuskripten existiert, gibt es keine Hinweise darauf, in welcher Reihenfolge die vier Sätze gespielt werden sollen. Nur wenige Monate nachdem er das Werk vollendete, erlitt Schumann einen schweren Nervenzusammenbruch und wurde in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo er zwei Jahre später starb.«

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P Graffin: R. Schumann - Violin ConcertoObwohl wir uns mitten im Schumann-Jahres befinden – es jährt sich heuer ja der 200. Geburtstag von Robert Schumann – ist es eher ungewöhnlich, dass eine Plattenfirma gleich zwei ähnlich geartete Aufnahmen mit Werken Schumanns in einem Monat auf den Markt bringt. Nicht nur, dass das englische Label Onyx Classics im Juli zwei CDs mit Neuaufnahmen Schumann’scher Werke veröffentlichte, es waren auch relativ selten zu hörenden Werke für Violine, die dort eingespielt worden sind.

I. Gringolts: R. Schumann - Violin SonatasAuf der einen CD sind alle drei Violinsonaten von Robert Schumann  zuhören, eingespielt vom russische Violinisten Ilya Gringolts und begleitet von seinem Landsmann Peter Laul, auf der anderen CD hat der französische Violinist Philippe Graffin das Violinkonzert das von Schumann selbst für Violine bearbeitete Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 aufgenommen, ergänzt durch die Violinsonate No. 2 sowie einigen Werken für Violine und Klavier von Clara Schumann.

In einem Beitrag vom 26.07. hat NDR Kultur-Redakteur Christoph Vratz die beiden CDs mit der »inhaltlichen Schnittmenge« der Violinsonate No. 2 genauer unter die Lupe genommen und kommt zu einem differenziertem Ergebnis, was die Deutung Schumanns bei den beiden Solisten anbelangt.
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Tobias Koch (am Klavier) - Bild © Philip Lethen 2009

Tobias Koch - Alle Bilder: © Philip Lethen 2009

s. auch → Interview mit Tobias Koch (Januar 2010)

Schon das erste Interview mit Tobias Koch (s. oben) auf diesen Seiten, im Januar anlässlich der CD “Robert und Clara Schumann: Klavierwerke aus Dresden” (erschienen auf Genuin; »CD des Monats Januar 2010«, s. auch die →  Besprechung auf blog.codaex.de) veröffentlicht, war eine höchst vergnüglich zu lesende, höchst aufschlussreiche Lektüre, die viel über den Künstler Tobias Koch und sein Verständnis von Robert Schumann (und darüber hinaus) offenbarte. Der Düsseldorfer Pianist ist halt nicht nur ein bemerkenswerter Musiker, sondern auch ein eloquenter, wortwitziger Gesprächspartner.

Anlässlich der vor einigen Wochen erschienenen Doppel-CD “Klaviermusik für die Jugend” (ebenfalls erschienen auf Genuin; »CD des Monats Mai 2010«, s. auch die →  Besprechung auf blog.codaex.de) hatte ich erneut das Vergnügen, Tobias Koch einige Fragen stellen zu dürfen. Ich habe versucht, meine Fragen vor allem auf das neue Album zu beziehen, aber wie schon das letzte Mal war die Verlockung zu groß, den Bogen im Gespräch mit Herrn Koch etwas weiter zu spannen. Wie schon beim ersten Mal ist das Interview ungekürzt.
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Tobias Koch: Robert Schumann - Klavierwerke für die JugendIch habe ehrlich gesagt schon damit gerechnet, dass das neue Album von Tobias Koch “Klaviermusik für die Jugend” (→ CD des Monats Mai 2010 auf blog.codaex.de) mit Werken von Robert Schumann (der heute übrigens 200. Geburtstag hat) bei der Fachpresse auf äußerst positive Resonanz stoßen wird. Mit dieser authentischen und vor allem inspirierten Einspielung, natürlich auch mit all den vorangegangenen Veröffentlichungen, hat sich der Düsseldorfer Pianist zurecht den Ruf erworben, der Schumann-Spezialist im deutschsprachigen Raum zu sein.
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Tobias Koch

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Robert Schumann

Robert Schumann

Ich glaube, es ist nicht zu weit hergeholt, wenn ich an dieser Stelle behaupte, dass der Düsseldorfer Pianist Tobias Koch (nicht nur) für mich der Interpret für Robert Schumann (1810 – 1856) ist: Seine beiden diesjährigen Schumann-Veröffentlichungen “Robert und Clara Schumann – Klavierwerke aus Dresden 1845-1849″ (→ CD des Monats Januar 2010) und ganz aktuell “Tobias Koch: Robert Schumann – Klaviermusik für die Jugend” (→ CD des Monats Mai 2010) gehören nicht nur zu den allerbesten Beiträgen des aktuellen »Schumann-Jahres«, sondern sind insgesamt echte Highlights des bisherigen diskografischen Jahres.
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Tobias KochSpätestens seit Januar dieses Jahres, als das Album “Klavierwerke aus Dresden 1845-1849″ (u. a. Album des Monats Januar auf blog.codaex.de, s. → Rezension dazu), gilt der Düsseldorfer Pianist Tobias Koch als einer der kompetentesten und versierten Interpreten für die Musik von Robert Schumann (und selbstverständlich darüber hinaus): Ihn zeichnet nicht nur seine brillante Technik und sein tiefes musikwissenschaftliches Verständnis für das Wesen und das Werk Schumanns aus, Koch wählt auch bei seinen Aufnahmen bewusst die Instrumente aus, auf denen er musiziert – ein Punkt, den er vielen anderen Pianisten voraus hat, die immer auf demselben Instrument, zumeist einem modernen Konzertflügel, spielen. Für Tobias Koch kommen prinzipiell nur Instrumente der entsprechenden Zeit der Komposition/des Komponisten (im Original, nicht im Nachbau!) in Frage: Die Begründung ist ebenso einfach, wie logisch: Die Werke wurden auf diesen Instrumenten, für diese Instrumente komponiert. Der Komponist hatte dieses Klangbild im Kopf. Wenn man also Musik möglichst authentisch wiedergeben will – und Koch ist so intelligent zu wissen, dass dies kein Selbstzweck ist, sondern immer dem Stück nützt, weil der gesamte erwünschte Klangeindruck auf die jeweils zeitgenössischen Instrumente zugeschnitten war – dann muss man jene Instrumente einsetzen, die der Komponist selbst kannte und schätzte. (Zu Kochs musikalischem Selbstverständnis lese man auch seine interessanten Ausführungen im → Interview auf diesen Seiten).
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