Posts Tagged “Renaissance”

Erst vor einigen Tagen besprach ich auf diesen Seiten die neue CD des österreichischen Quadriga Consort “Songs from the British Isles” (‘Die besondere CD’ Juli 2010, Besprechung s. → hier), auf der das Septett mit viel Fingerspitzengefühl alte (Folk-) Songs von den britischen Inseln historisch-informiert auf Originalinstrumenten vorträgt. Sie belegen (einmal mehr), dass E- und U-Musik mehr Berührungspunkte haben, als man glauben möchte und dass man Alte Musik auch so gestalten kann, dass sie Hörerschichten anspricht, die mit dem, was sonst unter dem Label ‘klassische Musik’ definiert wird, nicht viel anfangen können. Ausgerechnet die Alte Musik erweist sich hier als guter Einstieg in die Klassik-Welt.


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Quadriga Consort - Songs from the British IslesBei den meisten sogenannten Mittelalter- und Renaissance-Bands, die heute teilweise mit recht großem Erfolg durch die Lande tingeln, mag ich deren Trivialisierung, ja Vulgarisierung der Alten Musik nicht. Sicher, die Volksmusiken waren noch nie kunstvoll ausgeschmückte Barock-Opern, aber mir scheint, dass Einfachheit und Volksnähe zu oft mit Derbheit verwechselt wird. Wenn das Zotige zum Selbstzweck verkommt, dann taugt die dargebotene Musik zumeist eher als lärmende Untermalung des nächsten Mittelalter-Jahrmarktes. Mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Pop(ulär)musik der Vergangenheit hat das nicht viel gemein, was unendlich schade ist, denn es gibt gerade bei den einfachen Liedern aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Frühbarock viel Kunstvolles zu entdecken und es gibt nicht wenige, die den Ursprung unserer heutigen Song-orientierten Pop-Musik genau in diesen alten Liedern sehen.
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Quadriga Consort - Songs from the British IslesIch freue mich immer wieder darüber, wenn die deutschen Kulturradios auch CDs abseits vom Klassik-Mainstream besprechen, wenn CDs besprochen werden, deren Material vielleicht nicht immer direkt mit ‘klassischer Musik’ assoziiert wird. Der überregionale deutsche Sender Deutschlandradio Kultur präsentiert diese Woche als »CD der Woche« in der Sparte Klassik das neue (Live-) Album “Songs from the British Isles” der early music band (Eigendefinition) Quadriga Consort. Dieses österreichische Originalinstrumente-Ensemble hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Volksmusik-Schätze vergangener Jahrhunderte authentisch, lebendig und doch zeitgemäß aufzuführen. Angenehmerweise verzichtet das Ensemble dabei gänzlich auf moderne Instrumente (wie elektronische Sounds und Beats), ebenso verzichtet das Quadriga Consort auf aufgesetzte Künstlichkeit und auch auf zur Schau gestellter Derbheit (was bei vielen sogenannten Mittelalter- und Renaissance-Bands leider zum Alltag gehört). Das siebenköpfige Ensemble findet bei seinen Arrangements, die der Bandleader Nikolaus Newerkla in den allermeisten Fällen selbst schreibt, eine angenehme Balance zwischen Natürlichkeit und Kunst.

Deutschlandradio Kultur-Redakteurin Bettina Schmidt lobt in ihrer Besprechung des nun erschienenen vierten Albums des Septetts, das Debüt für das renommierte, kleine aber feine Wiener Label Gramola, den »gelungenen Spagat« zwischen »historischem und modernem Stilgefühl« und konstatiert »“Lieder von den Britischen Inseln” bietet so genannten “early music pop”, und das vom Feinsten.«

Den gesamten Artikel kann man → hier nachlesen.

Eine Besprechung des Albums auf diesen Seiten folgt in den nächsten Tagen ist seit dem 26.07. → hier abrufbar.

Das Album Songs from the British Isles, gespielt vom österreichischen Quadriga Consort ist am 23. Juli auf Gramola (98876) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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The Brabant Ensemble - Pierre Moulu - MissasIm Wikipedia-Artikel zu Pierre Moulu steht:

Pierre Moulu (* um 1484; † um 1550) war ein französisch flämischer Komponist der Renaissance, der in Frankreich und dort wahrscheinlich in Paris tätig war.

Schon das vage Geburtsjahr deutet darauf hin, dass wir nur wenig über den Komponisten Moulu wissen und das meiste, was wir zu wissen glauben, sind Informationen aus zweiter Hand oder es ist von Musikwissenschaftlern anhand vieler Indizien rekonstruiert worden. Was von ihm geblieben ist, sind einige seiner Werke: Erhalten sind 26 Motetten, neun Lieder und fünf Messen von denen zwei auf der nun bei Hyperion Records erschienenen CD des englischen Brabant Ensemble (benannt nach dem Herzogtum Brabant, dem Herkunftsland vieler Renaissance-Komponisten) unter der Leitung von Stephen Rice zum ersten Mal aufgenommen wurden. Es ist überhaupt die erste CD, die (nahezu) ausschließlich Werke des Franko-Flamen beinhaltet.
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Tomas Luis de Victoria - LamentationsIn den Liner Notes zum vorliegenden Album “Lamentations of Jeremiah” mit Klagegesängen für die Karwoche von Tomás Luis de Victoria und Juan Guitérrez de Padilla der Tallis Scholars, eröffnet der Chorleiter Peter Phillips seine Anmerkungen mit folgender Aussage, die sowohl symptomatisch für sein Verständnis von Tomás Luis de Victoria, als auch für den Komponisten selbst ist:

»Das Spanische an sich findet oft seinen Ausdruck in der spanischen Poly­phonie. Man sagt von den Spaniern, dass sie in ihrer Religionsausübung besonders leidenschaftlich und gleichzeitig mystisch sind, worin sie sich von anderen unterscheiden. Diese Denkweise geht eine ganze Zeit zurück: Als Michelangelo von dem florentinischen Maler Pontormo gefragt wurde, wie er seinen spanischen Patron am besten zufrieden stellen könne, antwortete er, dass Pontormo “viel Blut und Nägel” zeigen solle.
Eine solche Rohheit ist auch oft der spanischen Musik zugeschrieben worden.In meiner Erfahrung hat nur die Musik von Victoria eine derartige Intensität, und dort auch nur in seinem sechsstimmigen Requiem und den Werken für die Karwoche. Jedoch ist es letztend­lich diese Intensität, die ihn so unverkennbar macht, und das nicht nur in dem größeren europäischen Kontext sondern auch im Vergleich zu seinen Landsleuten.«

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Giovanni Pierluigi da PalestrinaDer (vermutlich) in der Nähe von Rom geborene Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514?-1594) gehörte zu den fleißigsten und bekanntesten Komponisten des 16. Jahrhunderts: 104 Messen, 375 Motetten, dazu zahlreiche Magnificatvertonungen, Hymen, Offertorien und (last, but not least) 140 weltliche Madrigale sind in der 30-bändigen kritischen Ausgabe seiner Werke aufgeführt. Schon wenige Jahre nach seinem Tod wurde aus seinem Personalstil der Palestrinastil, ein kontrapunktisches Satzmodell, das gelehrt und angewandt wurde. Noch heute gilt dieser Palestrinastil als exemplarisch für das 16. Jahrhundert. Ohne das Wirken der anderen Komponisten schmälern zu wollen, war Palestrina der wichtigste und einflussreichste Komponist seiner Epoche.
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Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Renaissance-Musik: Die poetischen Texte und die schlicht arrangierten Melodien sind auch heute noch aktuell. Erstaunlich, wie sehr uns diese alte Musik heute noch ansprechen kann, mehr noch: Die Lieder der Renaissance scheinen uns näher zu sein, als vieles, was dazwischen kam und was uns chronologisch näher liegt. Sogar die sogenannte U-Musik greift immer wieder auf sie zurück, man denke nur an das Album des Pop- und Rocksängers Sting mit Liedern von John Dowland (“Songs from the Labyrinth”, Deutsche Grammophon, 2006) oder an die zahlreichen Adaptionen, die italienische und französische Chansonniers in den 1960er und 1970er Jahre immer wieder zu Gehör brachten. Nun haben der weibliche Gesangsstar der Alte-Musik-Szene, die englische Sopranistin Carolyn Sampson und der Lautist Matthew Wadsworth einen Konzertmitschnitt vom 7. Dezember 2008 aus der Wigmore Hall in London unter dem Titel “Not just Dowland – Songs for soprano and lute” veröffentlicht, auf dem Lieder (und Solo-Stücke für Laute und Theorbe) der englischen und italienischen Renaissance zu hören sind, wie der Titel schon sagt, beileibe nicht nur von John Dowland.
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Heinrich VIII.

Ist es nicht erstaunlich (und so ganz und gar wider unser Verständnis von der Geschichte), dass ausgerechnet zu Zeiten des berüchtigten Königs Heinrich VIII. (1491-1547) die Kunst und Kultur am englischen Hofe aufblühte? Ausgerechnet der nicht zu Unrecht als blutrünstig und erbarmungslos verschriene König von England (von 1509 bis zu seinem Tod 1547) mit seinen sechs Ehefrauen, die abwechselnd starben, geköpft wurden oder geschieden wurden (Der schwarze englische Humor machte daraus dem Abzählreim »Divorced, Beheaded, Died, Divorced, Beheaded, Survived«) war auch ein fähiger Musiker und Komponist. Während seiner Regentschaft und generell zu Zeiten der von ihm mitbegründeten Tudor-Dynastie (1485–1603) im 16. Jahrhundert existierte am englischen Königshof ein professionelles Flötenensemble, die Royal Recorders. Innerhalb dieser Epoche stellt dies somit einen Sonderfall dar, da dies der einzig bekannte Fall jener Zeit ist, an dem über einen Zeitraum von mindestens neunzig Jahren kontinuierlich eine Gruppe fachkundiger Instrumentalisten beschäftigt wurden. Dies mag als Indiz dafür gelten, wie populär die Blockflöte im 16. Jahrhundert war.

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