Posts Tagged “Moderne”
Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
Sofia Gubaidulina (*1931) und ihr weites, vielseitiges Werk erfahren in diesem Jahr allseits besondere Aufmerksamkeit, anlässlich des 80. Geburtstages der großen Komponistin. Bei Neos legt Martin Heinze nun eine umfassende Sammlung ihrer Arbeiten für Kontrabass vor – ein Genuss für Ohr und Geist, der mehr als drei Stunden währt und auch für denjenigen noch Überraschendes birgt, der Gubaidulinas Musik bereits für sich entdeckt hat. Von ihren künstlerischen Anfängen bis in die Gegenwart hinein reichen die Stücke für Kontrabass, die hier erstmals in ihrer Gesamtheit eingespielt wurden: eine Wanderung durch die fast fünf Jahrzehnte ihres freien kompositorischen Schaffens, die auch eine gute Einführung in die Klangwelten Sofia Gubaidulinas bietet. Nicht zuletzt liefert Heinze mit diesen drei CDs ein starkes Plädoyer für den Bass, der solistisch und kammermusikalisch weiterhin zu den verkannten Instrumenten gerechnet werden muss, und dessen Fülle an klanglichen Möglichkeiten hier eindrucksvoll hörbar wird.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Kontrabass, Moderne, Sofia Gubaidulina
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Allein in den vergangenen sechs Wochen sind rund ein halbes Dutzend CDs mit den berühmten Violinkonzerten Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi (1678-1741) neu und wiederveröffentlicht worden. Neben Mozarts Kleiner Nachtmusik, Bachs Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565 natürlich und Beethovens Sinfonie No. 5 in c-moll gehören die vier Konzerte zu den populärsten Werken der gesamten Musikgeschichte und stehen sogar oft in CD-Sammlungen, in denen oft keine andere klassische Musik zu finden ist. Es ist müßig über den späten Erfolg der Konzerte zu spekulieren, also warum diese vier Violinkonzerte gerade heutzutage den Geschmack so vieler zu treffen scheinen. Tatsache ist, dass sie erst durch die Aufnahmen der Violinisten Bernardino Molinari (1942), Louis Kaufman (1948) und Felix Ayo (1955, 1959) im 20. Jahrhundert popularisiert wurden. Heute listet die World’s Encyclopedia of Recorded Music mehr als 1000 Veröffentlichungen der Vier Jahreszeiten in allen möglichen (und unmöglichen) Varianten auflistet.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Antonio Vivaldi, Barock, John Cage, Moderne, Originalinstrumente, Violine
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Ich wundere mich oft darüber, wie auf wenige Namen beschränkt das internationale Bild der französischen Musik ist. Mir fällt kein anderes Land, besser keine andere Musik-Tradition ein, in der (mir) die Wahrnehmung so eingeengt, so willkürlich erscheint, wie in der französischen Musik. Sicher, Claude Debussy (1862-1918) und Maurice Ravel (1875-1937) sind große und wichtige Komponisten gewesen, aber: War Gabriel Fauré (1845-1924) nicht ebenso Schöpfer ganz außergewöhnlicher, eigenständiger und zeitloser Musik? War Erik Satie (1866-1925) nicht ein genial-visionärer Sonderling seiner Epoche, der vieles vorwegnahm, das erst viel später von anderen Komponisten in der Moderne aufgegriffen werden sollte? War Hector Berlioz (1803-1869) nicht viel mehr als ein One-Hit-Wonder mit der Symphonie Fantastique, sondern einer der einflussreichsten und bedeutendsten Figuren der Romantik? Wird man heute Camille Saint-Saëns (1835-1921) gerecht, wenn man ihn ausgerechnet auf den Karneval der Tiere reduziert? Und warum hat die betörend schöne und intensive Chormusik von Francis Poulenc (1899-1963) nicht einen viel größeren Bekanntheitsgrad?
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, BR Klassik, Chorwerke, Francis Poulenc, Moderne, sakrale Musik
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Der französische Komponist Francis Poulenc (1899-1963) ist einer der wichtigsten Komponisten weltlicher und geistlicher Chorwerke des 20. Jahrhunderts. In seinem Œuvre verband er Tradition und Moderne. Dabei versuchte er stets menschliche Seelenzustände in eine allgemein verständliche Klangsprache zu übertragen und dabei ganz nah am Leben der Menschen zu bleiben. Seine Kantate Figure Humaine für Doppelchor ohne Instrumental-Begleitung schrieb er beispielsweise 1943 als Zeichen der Hoffnung wider die deutsche Besatzung.
Der renommierte Swedish Radio Choir hat das Werk gemeinsam mit einigen anderen Kompositionen Poulencs für Chor unter der Leitung des niederländischen Dirigenten Peter Dijkstra für das audiophile Label Channel Classics aufgenommen.Die SACD wurde nun als Tipp beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vom Redakteur Matthias Keller vorgestellt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, BR Klassik, Chorwerke, Francis Poulenc, Moderne, sakrale Musik
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Bei den Bregenzer Festspielen 2010 wurden bedeutende Teile des Œuvres des polnisch-sowjetischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996) in Spitzenbesetzung aufgeführt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand dabei die szenische Uraufführung seiner Oper Die Passagierin, über 40 Jahre nach deren Fertigstellung 1968. Darüber hinaus wurden während der Festspiele zwanzig weitere Werke des in Warschau geborenen Komponisten aufgeführt, um die bemerkenswerte Bandbreite der Musik Weinbergs darzustellen.
Nun veröffentlicht die Münchener Plattenfirma Neos Music, ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik, den ersten Teil an Mitschnitten dieser Konzerte, die auf fünf Alben den Auftakt der “Weinberg Edition” bilden: Vol. 1: Sinfonie No. 6, op. 79 · Sinfonietta No. 1, op. 41 | Vol. 2: Sinfonie No. 17 “Memory”, op. 137 | Vol. 3: Requiem, op. 96 | Vol. 4: Cellosonate No. 2, op. 63 · Klavierquintett | Vol. 5, op. 18: “Three Palms” für Streichquartett und Sopran, op. 120 · Streichtrio, op. 48 · Trompetenkonzert No. 1, op. 94; die DVD bzw. BluRay der Oper “Die Passagierin” wurde bereits im November 2010 veröffentlicht.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Mieczyslaw Weinberg, Moderne, Neoklassizismus, sinfonische Musik, sozialistischer Realismus
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Der Venezianer Luigi Nono (1924-1990) galt und gilt als einer der wichtigsten italienischen Komponisten der zeitgenössischen Musik. Anders als die Werke vieler seiner Freunde und Weggefährten, hat sich Nonos (gewiss nicht immer einfache) Musik, über 20 Jahre nach seinem Tod, in den Konzertsälen etabliert. Trotzdem gibt es immer wieder erstaunliche Lücken in der Diskografie Nonos.
Erst jetzt wurde die definitive Fassung (von 1987) seines späten Liederzyklus Risonanze erranti für tiefe Altstimme, Flöte, Tuba, sechs Schlagzeuger und Live-Elektronik vom Experimentalstudio des SWR, den Percussions de Strasbourg und den Solisten Susanne Otto (Contralto), Roberto Fabbriciani (Flöte) und Klaus Burger (Tuba) unter der Leitung von Detlef Heusinger für Neos Music aufgenommen. Die SACD wird ergänzt durch das Post-prae-ludium per Donau für Tuba & Live-Elektronik. Das Album wurde nun als CD-Tipp beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik von Helmut Rohm vorgestellt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, BR Klassik, Luigi Nono, Moderne
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Fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Erscheinen des überragenden und von der Kritik (und auch an dieser Stelle) hochgelobten Albums mit sämtlichen Klavierkonzerten von Béla Bartók (1881-1945), legt nun das BBC Philharmonic unter Gianandrea Noseda erneut ein Album mit Konzerten des wichtigsten ungarischen Komponisten des 20. Jahrhunderts vor. Gemeinsam mit dem kanadischen Violinisten (und Bratschisten!) James Ehnes haben sie die beiden Violinkonzerte und das Violakonzert Bartóks für Chandos aufgenommen. Damit sind die einzigen drei Konzerte zusammengefasst, die Bartók nicht für ‘sein’ Instrument, das Klavier schrieb: Sowohl Béla Bartók, als auch seine Ehefrau Ditta Pásztory-Bartók, verdienten ihr Geld hauptsächlich als Pianisten; vom Komponieren ließ sich keine gesicherte Existenz aufbauen.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Bela Bartok, Konzert, Moderne, Neoklassizismus, Viola, Violine
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Was lange währt, wird endlich gut: Schön, dass auch eine Nischen-Veröffentlichung wie die vor einigen Monaten erschienene CD des Münchener “Entdecker-Duos” Ilona Then-Bergh und Michael Schäfer mit den Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) (unsere → CD des Monats April 2011) nach und nach von der der Kritik wahrgenommen wird. Man kann gar nicht oft genug betonen, dass es sich bei diesem Album, trotz (oder gerade wegen?) der unbekannten Komponisten und Kompositionen, um eines der interessantesten Kammermusik-Alben des Jahres handelt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Grigorij Krein, Ilona Then-Bergh, Kammermusik, klassik.com, Klavier, Michael Schäfer, Moderne, Samuil Feinberg, Spätromantik, Violine
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Man kann vieles über Erik Satie (1866-1925) schreiben: Er wird immer wieder als Wegbereiter des Impressionismus, der Minimal Music, der Atonalität, der seriellen Musik und der Musique concrète genannt, doch letzten Endes spiegelt jedes Etikett, das man der Musik Saties anheftet, nur eine Facette seines Œuvres wider und lässt sich mit mindestens ebenso vielen Beispielen entkräften. Andererseits: Vielleicht es genau dieser Nonkonformismus, der die Musik Saties heute noch so ungemein spannend und modern erscheinen lässt. Satie ist, auch fast 100 Jahre nach seinem Tod, immer noch ein über weite Strecken rätselhafter Komponist, der keine direkten Nachahmer, keine direkten Schüler hatte, wohl aber einer Vielzahl von einflussreichen Komponisten des 20. Jahrhunderts (allen voran John Cage (1912-1992)) als Inspirationsquelle und Vorbild diente. Teile seiner Musik sind heute geradezu trivialisiert (man denke nur an die in der Werbung oft verwendeten Themen der Gymnopédies und Gnossiennes), andere Teile bleiben weitgehend unbeachtet.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Erik Satie, Fin De Siècle, Impressionismus, Klavier, Minimalismus, Moderne, musique concrète
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Die polnische Violinistin und Komponistin Grażyna Bacewicz (1909-1969) hatte das Pech, dass sie in einer Zeit lebte, in der der eiserne Vorhang quasi undurchdringlich war. Nur die wenigsten Komponisten des (sogenannten) Ostblocks konnten weltweit die gebührende Anerkennung erlangen. Das hatte beileibe nicht immer etwas mit der Qualität ihrer Werke zu tun. In der Nachrkriegsära, einer Zeit der Rückbesinnung auf traditionelle Rollenklischees (hüben wie drüben), waren sicher auch die Vorurteile komponierenden Frauen gegenüber noch deutlich tiefer in der Gesellschaft verwurzelt, als heute, so dass die überaus originelle und produktive Komponistin und Meisterin der Instrumentierung kaum über die Grenzen ihres Heimatlandes bekannt wurde.
Heute, über 40 Jahre nach ihrem Tod, entdeckt man in Grażyna Bacewicz einer der interessantesten und versiertesten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten Vertreter der modernen polnischen Musik, ein Urteil, das ihr Kollege Witold Lutosławski (1913-1994) schon vorwegnahm, als er ausdrücklich ihre kompositorischen Qualitäten lobte.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Grażyna Bacewicz, Konzert, Moderne, Neoklassizismus, Violine
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