Posts Tagged “Lied”

Christianne Stotijn: Stimme der Sehnsucht

Ich bin ein dunkler, verworr´ner Klang,
Der weit aus Thule herüberdrang.
Ich bin deiner Jugend verlühender Traum,
Dein erster Kuß unterm Apfelbaum.

Ich bin deine heil´ge Herzensnot,
Ich ruf dich in Morgen- und Abendrot.

Die Worte des Dichters Carl Busse (1872-1918) aus dem Gedicht Stimme der Sehnsucht, musikalisch umgesetzt von Hans Pfitzner im eröffnenden Titelstück des neuen Albums der niederländischen Sängerin Christianne Stotijn, charakterisieren sehr bildhaft, was den Hörer auf diesem Lieder-Album erwartet: Düster-schwermütige Spätromantik, melancholisch auf die Vergangenheit zurückblickend. Und die aus Delft stammende Mezzosopranistin belegt (einmal mehr), dass sie derzeit zu den besten Lied-Interpretinnen gehört. So variantenreich, so einfühlsam, so zart, so schmerzvoll, so kraftvoll, so stolz, so zerbrechlich singt heute kaum eine andere Sängerin Lieder.
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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau wird am Monatsbeginn ein ausgewählter Überblick über die interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb präsentiert. Ein Teil dieser vorgestellten Titel wird dann im Laufe der kommenden Wochen im Blog noch ausführlicher besprochen

Traditionell erscheinen im Januar immer besonders viele neue Titel auf dem Tonträger-Markt. Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb erscheinen am 20. Januar 2012.

Die monatliche Codaex-Neuheiten-Newsletter mit Infos zu allen anstehenden Veröffentlichungen im Codaex-Vertrieb kann man → hier abonnieren.

Im gestrigen Teil I der Vorschau stellte ich 1. Orchesterwerke und 2. Kammermusik vor; heute folgen die (aus meiner Sicht) besonders vielversprechenden Neuerscheinungen aus den Bereichen 3. Vokalmusik 4. Alte Musik und 5. Neue Musik.
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Franz Schubert, Gemälde von Wilhelm August Rieder, 1875Die Winterreise, D911 von Franz Schubert (1797-1828) ist wohl der bekannteste und beliebteste Lied-Zyklus. Kein anderer Liederzyklus wurde so oft aufgenommen; kaum ein Lied-Sänger (und so manche Sängerin, wie zuletzt bravourös Christine Schäfer), der sich nicht an der tragisch-düsteren Sammlung nach Texten von Wilhelm Müller (1794-1824) versucht hätte. Die Geschichte des von der Liebe enttäuschten Wanderers verliert nichts von seiner Aktualität und Authentizität. Sicher, auch in der Diskografie der Winterreise gibt es viel zu viele Aufnahmen, die nichts Neues zu bieten haben oder die sich nicht dauerhaft beim Hörer durchsetzen können, dennoch finde ich es wirklich bemerkenswert, wie viele gute Aufnahmen es von der Winterreise gibt. Wer sich vorgenommen hat, alle wirklich hörenswerten Einspielungen des Zyklus in den CD-Schrank zu stellen, der wird schon einmal ein nicht zu kleines Plätzchen auf den Regalbrettern dafür reservieren müssen.
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Neue CDsIn der Rubrik Vorschau wird am Monatsbeginn ein ausgewählter Überblick über die interessantesten Neuerscheinungen im Codaex-Vertrieb präsentiert. Ein Teil dieser vorgestellten Titel wird dann im Laufe der kommenden Wochen im Blog noch ausführlicher besprochen.

Alle folgenden (und noch viele weitere) Titel im Codaex-Vertrieb erscheinen am 14. Oktober 2011.

Die monatliche Codaex-Neuheiten-Newsletter mit Infos zu allen anstehenden Veröffentlichungen im Codaex-Vertrieb kann man → hier abonnieren.

Im gestrigen Teil I der Vorschau stellte ich 1. Orchesterwerke und 2. Kammermusik vor; heute folgen die (aus meiner Sicht) besonders vielversprechenden Neuerscheinungen aus den Bereichen 3. Lied, 4. Alte Musik und 5. weihnachtliche Musik.
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Ferdinand Hiller - LiederDer Musikredakteur André Sittner stellt in seiner wöchentlichen Rubrik »Take 5« (mdr Figaro, montags, 18:05 Uhr – 19:00 Uhr, Wiederholung samstags, 12:05 bis 13:00 Uhr)  jeweils fünf bemerkenswerte Neuerscheinungen aus dem Bereich der klassischen Musik vor (sein Kollege Johannes Paetzold kümmert sich gleichzeitig um die Popmusik).

In der gestrigen Ausgabe hat er unter anderem die neue Querstand-CD mit den selten aufgeführten Liedern von Ferdinand Hiller (1811-1885)  besprochen, gesungen von Ulrike Fulde (Sopran), Manja Raschka (Mezzosopran), Nico Eckert (Tenor), Felix Plock (Bariton) und Mitgliedern des Meistersextett Leipzig, am Klavier begleitet von Sarolta Boros Gyevi. Hiller war vielbeschäftigter Komponist, Musikpädagoge und Dirigent und gehörte zu den engen Freunden Mendelssohns. In späteren Jahren wirkte er als Chefdirigent des Kölner Gürzenich-Orchesters und war Leiter des Konservatoriums der Stadt Köln (heute Hochschule für Musik und Tanz Köln).

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Bei genauerer Betrachtung haben die politischen Verhältnisse immer Einfluss auf die Kunst und somit auch auf die Musik genommen. Sei es in Zeiten religiöser Dominanz, in Zeiten absolutistischer Herrscher, in Zeiten bürgerlicher Revolten: Jedes Mal hat die Musik auf die äußeren Umstände reagiert, mal freiwillig, dem Zeitgeist folgend, mal eher unfreiwillig. Besonders bewusst wird uns heute die politische Einflussnahme auf die Musik an der osteuropäischen Musik des 20. Jahrhunderts. Der Stalinismus gängelte ganze Generationen von Komponisten unter das Diktat des sozialistischen Realismus und verdammte jede Abweichung als westlichen Formalismus, einer leeren Worthülle, hinter der sich nichts anderes verbarg, als alles, was den Funktionären des Kulturapparates gerade nicht gefiel. Komponisten wie Dmitri Shostakovich und Sergei Prokofiev litten ihr ganzes Leben unter solchen Drangsalierungen und versuchten einen schwierigen Balanceakt zwischen Anpassung und verborgener Rebellion.
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Cerveri de Girona, Balada - Si voletz que•m laix d'amar

Frühe Ballade: Cerveri de Girona, Balada - Si voletz que•m laix d'amar (Quelle: Wikipedia)

Ursprünglich war »Ballade« ein Begriff der mittelalterlichen Troubadourtradition in der Romania (vgl. dazu bsplw. Italienisch ballare, Okzitanisch balar= tanzen) und bezeichnete das frei gestaltete Tanzlied, entwickelte sich aber im Laufe der Jahre immer mehr zur festen Form mit wiederkehrenden Strophen und einem narrativen Inhalt. Thematisch waren diese Inhalte breit gefächert, je nach Landschaft und Sprache, tendierten aber alle zu dramatischen Stoffen: Vater- Gatten- und Bruder-Morde, blutige Kriege, rächende Wiedergänger, wunderbare Rettungsaktionen und verhängnisvolle Verzauberungen durch Elfen und Feen.

Endes des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Balladen besonders in Deutschland beliebt- Die Schriftsteller der Zeit übertrugen diese aus den englischen, keltischen oder skandinavischen Vorlagen: Herder, Goethe, Eichendorff und etliche andere schrieben äußerst populäre Balladen. Die romantischen Komponisten entdeckten die über alle Maßen dramatischen Texte für sich und schufen innerhalb der Gattung Lied einige bekannte Balladen, man denke von an den Erlkönig von Schubert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ebbten die deutschsprachigen Balladen wieder ab; nun waren es vor allem englischsprachige Komponisten die Balladen vertonten, noch pathetischer, noch anrührender als die deutschen Vorgänger und für heutige Ohren fast ins Lächerliche puritanisch. De facto sollte beispielsweise die Ballade The Lost Chord von Arthur Sullivan bald nach dem ersten Weltkrieg Zielscheibe zahlreichender beißender Verballhornungen werden. Die Zeiten hatten sich geändert. Hintersinn und Ironie zeichnen schließlich auch in der Ballade The Tale Of The Oyster des US-amerikanischeb Musical-Komponisten Cole Porter aus. In der populären Pop- und Rockmusik heute bezeichnet man sentimentale, langsame Songs als Balladen, so sind ausgerechnet viele Hardrock-Gruppen für ihre übermäßig sentimentalen (und bisweilen sehr kitschigen) Balladen bekannt.
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Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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Hyperion - Logo Wohl keine andere Plattenfirma hat sich in den letzten Jahrzehnten um das romantische und spätromantische Liedgut so verdient gemacht, wie das britische Label Hyperion. Die Londoner Plattenfirma hat das umfangreiche Lied-Werk von Franz Schubert (1797-1828), Robert Schumann (1810-1856), Gabriel Fauré (1845-1924) und Richard Strauss (1864-1949) komplett veröffentlicht und dabei sowohl enzyklopädisch, als auch künstlerisch eine bemerkenswerte Großtat vollbracht. Im diesjährigen Liszt-Jahr begann man das umfangreiche und zum Großteil noch unentdeckte Lied-Œuvre von Franz Liszt (1811-1886) einspielen zu lassen (→ Vol. 1 ist bereits erschienen) und bereits letztes Jahr hat mag begonnen mit den besten Sängern unserer Tage unter der künstlerischen Leitung von Graham Johnson sämtliche Lieder von Johannes Brahms (1833-1897) aufzunehmen. Den Anfang der auf mehrere Jahre angelegten Reihe machte die österreichische Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager, die auf dem → ersten Volumen der Reihe eine ganz persönliche Auswahl an Brahms-Liedern aufgenommen hatte, nun folgt die deutsche Star-Sopranistin Christine Schäfer.
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DThomas Oliemans: Franz Schubert - Schwanengesanger Schwanengesang von Franz Schubert (1797-1828) ist kein vom Komponisten selbst zusammengestellter Zyklus, sondern (wie der Titel schon suggeriert) eine postum von seinem Verleger Tobias Haslinger zusammengestellte Liedsammlung. Nichtsdestotrotz bietet das Werk einige der schönsten Lieder Schuberts und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit sowohl beim Publikum, als auch bei den Interpreten.

Die Neuaufnahme des Schwanengesang durch den jungen niederländischen Baritons Thomas Oliemans mit dem Routinier Malcolm Martineau am Klavier, war der → besonderer Tipp im Januar auf blog.codaex.de und als ich meine Besprechung mit dem Fazit abschloss »Eine wirklich überraschend hochklassige Einspielung des Schwanengesang mit einem Sänger, dessen Namen man sich unbedingt merken sollte.« hoffte ich wirklich, dass diese Veröffentlichung wirklich die Aufmerksamkeit von der internationalen Fachpresse (und den Musikhörern) erhalten würde, die sie verdient.
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