Posts Tagged “Laute”

A Garden of Eloquence: John Danyel - Songs to Mistress Anne GreeneWie erfreulich! Schon wieder wurde eine Nischen-Veröffentlichung im Codaex-Vertrieb als »CD der Woche« beim Deutschlandradio Kultur ausgezeichnet. Letzte Woche was es die Erstaufnahme des Dreiakters Don John of Austria von Isaac Nathan (ca. 1792-1864), der (fast vergessenen) Geburtsstunde der australischen Musik, diese Woche ist es das CD-Debüt des israelisch-britischen Trios A Garden of Eloquence,  das mit seiner Aufnahme der “Songs for the Lute, Viol and Voice” des in Vergessenheit geratenen englischer Sängers, Lautenisten und Komponisten John Danyel (1564- ca. 1626) nicht nur ein sehr interessantes Album vorgelegt hat, sondern auch ein Stück beachtenswerte Musikgeschichte wiederbelebt hat.

Redakteurin Eva Blaskewitz meint dazu:

»Die Lieder sind zarter Ausdruck zwischenmenschlicher Gefühle, hauchfeine musikalische Liebesdichtungen, die Katharine Hawnt mit silbrig schimmernder Stimme zum Leben erweckt.«

Den vollständigen Artikel zur »CD der Woche« kann man → hier nachlesen.
Eine ausführliche Kritik (mit Hörbeispiel) zum Album kann man → hier im Blog finden.

Die CD John Danyel: Songs to Mistress Anne Greene von A Garden of Eloquence ist am 15. Juli 2011 auf Etcetera (KTC 1423) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

 

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Reinassance Laute - Foto (cc) Cezar MateusViel ist über John Danyel (1564- ca. 1626) heutzutage nicht bekannt, gerade einmal dass er ein englischer Sänger, Lautenist und Komponist war. John war der jüngere Bruder des seinerzeit bekannten Dichters Samuel Danyel (1562–1619), dessen Dichtungen oft vertont wurden, auch von John. Kurz vor seinem Tode, im Jahre 1625, wurde John Danyel der Kammerlautenist und -sänger am Hofe des glücklosen englischen Königs Karl I., der später, 1949, von Oliver Cromwell gestürzt und wegen Hochverrats verurteilt und enthauptet werden sollte.
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Silvius Leopold WeissZu Lebzeiten war Silvius Leopold Weiss (in der englischsprachigen Welt Sylvius Leopold Weiss. 1687-1750) der wohl bekannteste und beste Lautenist des deutschsprachigen Raums und war selbstredend bei den großen deutschen Komponisten der Zeit wie Bach, Händel, Quantz, Heinichen usw. bekannt. Sein Ruhm war aber nicht auf die deutschen Fürstentümer beschränkt: Bei einer Italienreise (ca. 1710) wurde er in Rom in die dortige Musikwelt eingeführt. Dort lernte er auch Alessandro Scarlatti (1660-1725) und seinen Sohn Domenico Scarlatti (1685-1757) kennen. Die Begegnung mit den italienischen Meistern ihrer Zeit sollten Weiss nachhaltig beeinflussen, der künftig italienische Elemente in seine ansonsten deutsch und französisch geprägten Werke einfließen ließ. Als Weiss starb, starb nicht nur der letzte große Meister der Barocklaute, mit dem Niedergang des Barock geriet auch seine Musik in Vergessenheit. Erst in der Mitte des 20. Jahrhundert wurde sie wiederentdeckt: Es waren die Pioniere der modernen Konzertgitarre Andrés Segovia (1893-1987) und Julian Bream (*1933), die seine Musik – freilich meistens in Bearbeitungen für Gitarre – wieder bekannt machten. Erst über diesen Umweg wurde die damals aufkommende Alte-Musik-Bewegung auf den wohl wichtigsten deutschen Barock-Komponisten für Lautenmusik aufmerksam.
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Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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L´Art Du Bois - Quelle: artdubois.deOhne die Alte-Musik-Bewegung und der daraus erwachsenen historischen Aufführungspraxis würde die heutige Musiklandschaft deutlich ärmer sein. Kaum eine Szene, die sich so rapide weiterentwickelt, wie jene anfangs belächelte, nonkonformistische der Alten Musik. Von den Anfängen in den späten 1950er-Jahren (durch die  Cappella Coloniensis in Köln, den Concentus Musicus Wien und zahlreiche andere Ensembles) bis heute hat sich die Szene zyklisch weiterentwickelt, erweitert, spezialisiert und perfektioniert, sowohl vom Erkenntnisstand, als auch vom Repertoire und der Spieltechnik. Wer heute Alte Musik macht, verfügt über profunde Kenntnisse in Musikgeschichte, Instrumentenbau, historischen Spieltechniken usw. Zahlreiche Ensembles präsentieren heute ihren ganz persönlichen Mikrokosmos des quasi unerschöpflichen Fundus der Musik und eröffnen so immer neue, immer wieder spannende Einblicke in unsere musikalische Vergangenheit. Ein gutes Beispiel für die Vitalität und Jugend der Alten-Musik-Szene (sic!) ist das Freiburger Ensemble L’Art du Bois (zu Deutsch “Die Kunst der Holzbläser“), das seit einigen Jahren mit bemerkenswerten Veröffentlichungen und Konzerten früher Blockflötenmusik (als Trio oder mit Begleitung als Sextett) auf sich aufmerksam gemacht hat.
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Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Renaissance-Musik: Die poetischen Texte und die schlicht arrangierten Melodien sind auch heute noch aktuell. Erstaunlich, wie sehr uns diese alte Musik heute noch ansprechen kann, mehr noch: Die Lieder der Renaissance scheinen uns näher zu sein, als vieles, was dazwischen kam und was uns chronologisch näher liegt. Sogar die sogenannte U-Musik greift immer wieder auf sie zurück, man denke nur an das Album des Pop- und Rocksängers Sting mit Liedern von John Dowland (“Songs from the Labyrinth”, Deutsche Grammophon, 2006) oder an die zahlreichen Adaptionen, die italienische und französische Chansonniers in den 1960er und 1970er Jahre immer wieder zu Gehör brachten. Nun haben der weibliche Gesangsstar der Alte-Musik-Szene, die englische Sopranistin Carolyn Sampson und der Lautist Matthew Wadsworth einen Konzertmitschnitt vom 7. Dezember 2008 aus der Wigmore Hall in London unter dem Titel “Not just Dowland – Songs for soprano and lute” veröffentlicht, auf dem Lieder (und Solo-Stücke für Laute und Theorbe) der englischen und italienischen Renaissance zu hören sind, wie der Titel schon sagt, beileibe nicht nur von John Dowland.
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