Posts Tagged “Klassik”

Fernando SorDer katalanische Gitarrist und Komponist Fernando Sor (1778-1839) gehört zu den wichtigsten Figuren der moderneren Gitarrenmusik. Sein Œuvre umfasst zwar auch zwei Opern, einige Lieder, mehrere Ballettmusiken, drei Sinfonien, drei Streichquartette und weitere Kammermusik sowie ein Violinkonzert, doch es sind vor allem seine zahlreichen, zumeist kürzeren Werke für Solo-Gitarre, die bis heute im Standardrepertoire seines Instrumentes gespielt werden. Mehr noch: Sein didaktisches Werk Méthode pour la Guitare par Fernando Sor (Franz. Originalausgabe, Paris, 1830; zweisprachige Ausgabe (Franz./Dt.) Méthode pour la Guitare · Guitarre-Schule von Fernando Sor, Bonn, 1831; Engl. Ausgabe, London 1832) war nicht nur die wichtigste Gitarrenschule der Romantik, sondern sie gilt bis heute als »das bemerkenswerteste Buch, das jemals über Gitarrentechnik geschrieben wurde« (Frederic V. Grunfeld, The Art and Times of the Guitar, New York, 1969). Bis heute wird die Méthode pour la Guitare gedruckt.
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A. Lieberknecht & F. Bungarten: M. Giuliani - Works foe Flute and GuitarDie Flötistin Andrea Lieberknecht und der Gitarrist Frank Bungarten veröffentlichen in einigen Tagen auf ihrem Stammlabel MDG eine neue SACD mit Duo-Kompositionen des italienischen Komponisten und Gitarrenvirtuosen Mauro Giuliani (1781-1829). Insgesamt schrieb Giuliani fast 300 Werke für sein Instrument, darunter drei Gitarrenkonzerte, sowie Kammermusik für Gitarre solo, für zwei Gitarren und Gitarre plus Begleitung (meistens Violine oder Flöte), und trug erheblich zur Erweiterung und Modernisierung der Spieltechnik an der Gitarre bei. Seine kammermusikalischen Werke für Gitarre mit Begleitung schrieb er ausschließlich als virtuose Unterhaltungsmusik für die Wiener Salons des frühen 19. Jahrhunderts.
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Weihnachten 2010In genau einer Woche ist Heiligabend! Sicher, die meisten Leser werden bereits das eine oder andere Geschenk besorgt haben (ich habe zumindest fast alle Geschenke beisammen) und sicher ist der Ablauf des Festtages auch schon geplant. Feiern mit der Familie? Ein Besuch bei Verwandten? Weihnachten lieber kuschelig zu zweit? Oder lieber Weihnachten allein? In die Mitternachtsmette in die alte Dorfkirche der Kindheit oder lieber zum festlichen Konzert? Wir alle haben unsere weihnachtlichen Riten; selbst jene, die dem Fest nichts mehr abgewinnen können (wofür es auch gute Gründe gibt) haben für die Weihnachtstage besondere Strategien. Und Musik spielt Weihnachten in fast jedem Haushalt eine besondere Rolle, sei es, weil man selbst musiziert, sei es, weil man sich mit festlicher Musik in eine besondere Weihnachtsstimmung versetzen möchte.
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Marc-André Hamelin: ÉtudesDer kanadische Pianist Marc-André Hamelin ist definitiv kein Klassikstar, den man aus deutschen Samstagabend-Shows kennen würde und obwohl die Kritiker seit Jahren voll des Lobes sind, ist er – im Vergleich zu einigen anderen Pianisten seiner Generation – in Deutschland eher ein Geheimtipp, der gerade unter Pianisten hoch gehandelt wird. Aber dennoch ist Hamelin alles andere als ein Musicians’ musician oder ein unnahbarer Pianist im Elfenbeinturm. Sein Klavierspiel zeugt von Humor, seine Interviews (und seine Anmerkungen in den Booklets!) sind geistreich und obwohl Hamelin einer der technisch (und interpretatorisch) Besten seiner Zunft ist und sein Programm alles andere als leichte oder gewöhnliche Kost ist,  sind seine Konzerte anderswo, in Kanada, den USA und in Großbritannien, alles andere als rein elitäre Veranstaltungen für ein paar Connaisseurs. Der vielfache Preisträger (darunter mehrfach der der kanadische Juno Award,  der kanadische Opus Award, der Preis der deutschen Schallplattenkritik inklusive der Ehrenurkunde (= Höchste Auszeichnung) desselben im Jahr 2006 u.v.m.) legt nun mit Études (auf Hyperion) seine erste CD vor, auf der ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind.
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Im Oktober 2009 wurden in einer Kirche in der Nähe der Karlsbrücke in Prag zum ersten Mal seit über 100 Jahren zwei sakrale Werke der beiden wichtigsten tschechischen Komponisten der Frühromantik Jan Václav Hugo Voříšek (1791-1825) und Václav Jan Křtitel Tomášek (1774-1850) vom renommierten tschechischen Originalinstrumente-Ensemble Musica Florea unter der Leitung von Marek Štryncl aufgeführt und aufgenommen. Die beiden Messen zeigen die gesamte Bandbreite der tschechischen Musik der Klassik bzw. Frühromantik und belegen die stilistische Nähe der Prager Komponisten zum damaligen Epizentrum der Musik in Wien. Die geographische und politische Nähe von Wien und Prag führte damals zu einem regen Austausch zwischen den beiden Kulturmetropolen, der keineswegs nur in eine Richtung führte. Tschechische Musiker und Komponisten waren gern gesehene Gäste in den Konzertsälen Wiens.
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Luigi BoccheriniEs ist eine Binsenweisheit, dass die Zeit die Sicht der Dinge verändert. In der Musikrezeption bedeutet dies vor allem eine Fokussierung auf wenige herausragende Figuren ihrer Epoche, die längst nicht immer zu Lebzeiten dieselbe Bedeutung hatten, wie wir sie heute sehen. Aber diese Begrenzung des Blickfelds lässt notgedrungen viele Komponisten außer Acht, die mehr Beachtung oder eine umfassendere Betrachtung verdient hätten.

Vielleicht gibt es keine Epoche der Musikgeschichte, in der die Verengung so radikal ist, wie die der Klassik. Wir sprechen von der Wiener Klassik und meinen damit hauptsächlich die drei herausragenden Figuren Joseph Haydn (1732-1809), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Ludwig van Beethoven (1770-1827), ignorieren aber darüber hinaus eine ganze Reihe weiterer Komponisten die zur selben Zeit lebten und erfolgreich wirkten oder beschränken sie auf nur einen Teil ihres Œuvres. Ein gutes Beispiel für diese veränderte, beschränkende Wahrnehmung ist der italienische Komponist Luigi Boccherini (1743-1805). Dieser ist heute vor allem für seine kammermusikalischen Werke bekannt (er gilt als der Erfinder des Streichquintetts mit zwei Celli), seine rund 30 Sinfonien (und viele weitere Werke des Toskanen) gilt es noch zu entdecken und vom Nimbus des Vorurteils zu befreien. Die Musik Boccherinis wurde oft als rückständig gebrandmarkt, weil er sein Hauptwerk am spanischen Hof schrieb, der kulturell eher als rückständig und isoliert galt und weil er den Innovationen Haydns und Mozarts in seinen Werken nicht in letzter Konsequenz folgen mochte.
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Tendenziell gilt klassische Musik als ernsthaft und seriös (seltsamerweise vor allem bei jenen, die sie nicht regelmäßig hören), aber kann klassische Musik wirklich zum Brüllen komisch sein? Der Violinist Aleksey Igudesman und der Pianist Richard Hyung-ki Joo belegen, dass man virtuose Darbietungen und Komik exzellent miteinander verbinden kann. Auf ihrer jetzt erschienenen Debüt-DVD “A Little Nightmare Music” entfachen die beiden Musiker und Komiker ein echtes Feuerwerk an vorder- und hintergründigen Gags rund um die klassische Musik (und um Musiker). 400 Jahre Musikgeschichte in einer Stunde Gag-Feuerwerk: Die Sketche sind so witzig, so originell und so voller schwarzen Humor, dass man gar nicht anders kann, als kichernd und lachend vor dem Bildschirm zu sitzen, ganz gleich, ob man ein Klassikexperte oder ein Klassikverweigerer ist. Die Pointen versteht man auch ohne große Klassiksammlung und die einfachen, kurzen Dialoge auf Englisch sollten auch niemanden Mühe bereiten. Kein Wunder, dass die beiden Komiker/Musiker bei der Nokia Night of the Proms die Publikumslieblinge waren und in ganz Europa Erfolge feierten.

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