Posts Tagged “Joseph Haydn”

Amaryllis Quartett - WhiteNicht nur unserem Gast-Rezensenten Nils-Christian Engel gefällt das neue Album des jungen deutsch-schweizerischen, in Köln beheimateten Amaryllis Quartetts außerordentlich gut, auch der große süddeutsche Kultursender BR-Klassik empfiehlt seinen Hörern (und Lesern) das beim Leipziger Label Genuin erschienene Album mit Streichquartetten von Joseph Haydn (1732-1809) und Anton Webern (1883-1945). Der  Redakteur Bernhard Neuhoff hat die Produktion in der Rubrik »CD-Tipps« vorgestellt.

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Amaryllis Quartett: White

Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.

Die Streichquartette Joseph Haydns sind die Gründungsakte ihrer Gattung, und die neue Aufnahme der drei Quartette op. 74 mit dem Takács Quartet wurde unlängst hier im Codaex-Blog als mustergültig gelobt. Nun laden die Kollegen vom Amaryllis Quartett zu einem kontrastreichen Programm ein, das Haydns „Traum-“ und „Reiterquartett“ mit Anton Weberns Fünf Sätzen für Streichquartett konfrontiert. In unschuldiges Weiß gehüllt bieten die vier jungen, vielfach ausgezeichneten Musiker eine argumentativ zugespitzte Lesart der atonalen Revolution.
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Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.

Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.

Takács Quartet: Joseph Haydn - String Quartets op. 74Auch wenn Beethoven mit seinen späten Streichquartetten in schier unfassbare musikalische Regionen vorgestoßen ist, Komponisten wie Bartók, Janáček oder Webern der Gattung im 20. Jahrhundert buchstäblich unerhörte Facetten abgelauscht haben und Geräusch-„Extremisten“ wie Helmut Lachenmann die klanglichen Möglichkeiten der vier Instrumente heute bis zum Exzess treiben – das gültige Muster der Gattung Streichquartett stammt von ihrem genialen Erfinder: Joseph Haydn. Er und nur er hat – um mit seinem großen Bewunderer Goethe zu sprechen – die „Urpflanze“ geschaffen, an denen sich alle anderen Kompositionen für die Königsdisziplin der Kammermusik auf ewig werden messen müssen.

Als ob es dafür überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, legt das Takács Quartet jetzt eine nicht nur mustergültige, sondern wahrhaft beglückende Einspielung von Haydns Quartetten op. 74 vor. Mit der Aussage „So und nicht anders!“ sollte man vorsichtig sein, weil Interpretationen subjektiv sind und per definitionem immer wieder „anders“ ausfallen (müssen). Gleichwohl sei der Satz im Angesicht dieser wahrhaft überragenden Lesart ausnahmsweise einmal gestattet.
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Ich muss zugeben, ich bin mittlerweile skeptisch, wenn ich neue Recital-CDs von Opernsängern und Sängerinnen sehe. Mittlerweile werden erstaunlicherweise manche Sänger zu regelrechten Pop-Stars stilisiert. Sie treten in Samstagabend-Shows auf und ihre neuen CDs werden auf den Litfaßsäulen beworben, als sei es das Album einer angesagten Souldiva. Ihre CDs landen in Zeiten sinkender Verkäufe immer öfter auf den oberen Positionen der Verkaufscharts, etwas, was noch vor zehn, fünfzehn Jahren völlig utopisch erschien. Aber so sehr ich mich darüber freue, dass die Oper offensichtlich nicht mehr in der öffentlichen Wahrnehmung als altmodisch und angestaubt gilt, so sehr ich mich darüber freue, dass sowohl Sänger und Sängerinnen, als auch die Öffentlichkeit das Klischee von der “dicken Frau mit der lauten Stimme” offenbar überwunden ist, so enttäuscht bin ich meistens, wenn ich dann die künstlerischen Ergebnisse der “neuen Klassikstars” anhöre. Zählte früher die Stimme, die Technik, die Ausstrahlung und die Wandlungsfähigkeit, so wird heute scheinbar viel mehr Gewicht auf Fotogenität und Konformität gelegt. Den Mythos erschafft dann die Marketing-Maschinerie von fast alleine. De facto sind die Ergebnisse dieser Künstler oft ordentlich, aber nicht wirklich überragend (wie der Medien- und Marketingrummel suggeriert). Außerdem beschränkt man sich  oft auf ein “Best-of”-Repertoire, damit Klassik-Einsteiger ja nicht verschreckt werden von schrillen Tönen (eine Haltung, die ich für ausgesprochen kurzsichtig und falsch halte), kurzum: Wer auch nur ein wenig die Nase, pardon, die Ohren in die Opernaufnahmen der letzten 50 Jahre gesteckt hat, der wird von den Hochglanz-Veröffentlichungen enttäuscht sein.
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Echo Klassik - Logo © Deutsche Phono-Akademie, echoklassik.deDie Echo Klassik-Preisträger 2010 wurden gestern durch die Deutsche Phono-Akademie bekanntgegeben. Der Echo Klassik ist wohl der bekannteste und wichtigste Musikpreis Deutschlands und wird seit 1992 jährlich vergeben. Am 17. Oktober 2010 findet eine  große Echo 2010-Gala, der”Echo der Stars” in der Essener Philharmonie statt, moderiert von Thomas Gottschalk und übertragen vom ZDF.

Von Codaex vertriebene Labels haben auch bei dieser Auflage des Echo Klassik zahlreiche Auszeichnungen gewonnen. Alleine das Detmolder Label Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (MDG) hat acht Preise erringen können, mehr als jede andere einzelne Plattenfirma. Insgesamt wurden 14 Veröffentlichungen aus der Codaex-Familie ausgezeichnet.

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Joseph HaydnWeniger ist mehr: Manchmal sind es nicht großen, geradezu übermenschlichen Leistungen, die einen nachhaltig beeindrucken können, sondern die kleinen Dinge, die fast unbemerkt geblieben wären. Nun sind die Klavierkonzerte von Joseph Haydn (1732-1809) zwar weit davon entfernt ‘unbemerkt’ zu sein, zu den wirklich großen, bahnbrechenden und wichtigen Klavierkonzerten werden sie aber selten hinzugezählt, da dominieren die monumentalen Werke der Romantik. Selbst bei den Kollegen der Wiener Klassik, bei Mozart und Beethoven, scheint es mehrere deutlich wichtigere Werke zu geben, die Haydns Klavierkonzerte (es gibt derer elf, dazu einige weitere von zweifelhafter Echtheit) in den Schatten stellen: Haydns Sinfonien, seine Streichquartette und generell seine Kammermusik, seine Oratorien, vielleicht seine Opern, die in letzter Zeit mehr und mehr (wieder-) entdeckt werden, aber seine Klavierkonzerte? Die werden oft übersehen.
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J.-E. Bavouzet - Haydn Piano Sonatas Vol. 1Die erfrischend unverkrampfte und unakademische Herangehensweise des französischen Pianisten Jean-Efflam Bavouzet bei der ersten Veröffentlichung als langjähriges Projekt angelegten Gesamteinspielung aller Klaviersonaten von Joseph Haydn, steht im Mittelpunkt der Betrachtungen eines Beitrags der Redakteurin Julia Schölzel beim süddeutschen Kultursenders BR Klassik über das bereits im März erschienene Album “Piano Sonatas Vol. 1″ (→ Rezension auf blog.codaex.de). Das Album, erschienen beim britischen Label Chandos, ist dort gerade als »CD-Tipp der Woche« gekürt worden.
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Joseph HaydnAm Karfreitag 1787 (es war der 6. April) wurde die ursprüngliche Orchesterfassung der “Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“, Hob. XX/1:A von Joseph Haydn (1732-1809) in der Grotto Santa Cueva bei Cádiz uraufgeführt. Es war eine Auftragsarbeit des Domherren von Cadíz gewesen, mit der dezidierten Forderung  nach sieben langsamen, meditativen Sätze für jedes der sieben letzten Worte Jesu:

I. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun
II. Fürwahr, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein
III. Frau, hier siehe Deinen Sohn!
IV. Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
V: Ach, mich dürstet
VI. Es ist vollbracht
VII. Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist

Im Vorwort, das Haydn für die Druckausgabe beim Verlag Breitkopf verfasste, bemerkte er süffisant: »Die Aufgabe, sieben Adagios, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten«. Er meisterte die ungewöhnliche Aufgabenstellung: Noch im selben Jahr fertigte Haydn eine Fassung für »Clavicembalo Forte-Piano«, also einen Klavierauszug und eine Fassung für Streichquartett an, 1796 folgte dann noch eine Fassung als Oratorium. Seitdem gehört das Werk in der einen oder anderen Fassung zum festen Repertoire der Konzertsäle (und nicht zuletzt der Kirchen), besonders in der Fasten- und Passionszeit.
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Joseph HaydnDas Bild von Joseph Haydn (1732-1809), einer der drei Kronen der Wiener Klassik (gemeinsam mit Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven) hat im letzten Jahr, dem viel beschworenen Haydn-Jahr (zum 200. Todestag des österreichischen Komponisten), vielleicht einen  entscheidenden Impuls zur Korrektur des »Papa Haydn«-Images erhalten. Zwar galt er auch in der Vergangenheit immer ruhmreich als Vater bestimmter Gattungen (‘Vater der Sinfonie’, ‘Vater des Streichquartetts’, ‘Vater der Klaviersonate’), gleichzeitig hing ihm aber immer das Vorurteil des angestaubten und etwas langweiligen Komponisten an, gerade im Vergleich zu Mozart und Beethoven. Das Jubiläumsjahr wurde genutzt, um zahlreiche Werke neu einzuspielen, anders zu bewerten, anders zu Gehör zu bringen. Der runderneuerte Haydn, ob historisch informiert oder auf modernen Instrumenten, klang spannender, aufregender, revolutionärer und unterhaltsamer, als man ihm das lange Zeit zugetraut hätte. Seine Sinfonien, seine Messen und Oratorien, seine Klavierwerke wurden zweifelsohne aufgewertet.
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Trevor Pinnock ist hierzulande vor allem durch zahllose Aufnahmen mit dem von ihm gegründeten Originalinstrumente-Ensemble The English Concert bekannt. Zwischen 1972 und 2003 leitete er das Ensemble und führte es in die absolute Weltspitze der historisch-informierten Klangkörper. 2003 dann trat er als Leiter nach mehr als 30 überaus erfolgreichen Jahren zurück, um sich anderen Projekten als Dirigent und als Solist zuzuwenden. Schon zu Zeiten des Englisch Concert hatte er selbst das Cembalo gespielt.
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