Posts Tagged “John Dowland”

Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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L´Art Du Bois - Quelle: artdubois.deOhne die Alte-Musik-Bewegung und der daraus erwachsenen historischen Aufführungspraxis würde die heutige Musiklandschaft deutlich ärmer sein. Kaum eine Szene, die sich so rapide weiterentwickelt, wie jene anfangs belächelte, nonkonformistische der Alten Musik. Von den Anfängen in den späten 1950er-Jahren (durch die  Cappella Coloniensis in Köln, den Concentus Musicus Wien und zahlreiche andere Ensembles) bis heute hat sich die Szene zyklisch weiterentwickelt, erweitert, spezialisiert und perfektioniert, sowohl vom Erkenntnisstand, als auch vom Repertoire und der Spieltechnik. Wer heute Alte Musik macht, verfügt über profunde Kenntnisse in Musikgeschichte, Instrumentenbau, historischen Spieltechniken usw. Zahlreiche Ensembles präsentieren heute ihren ganz persönlichen Mikrokosmos des quasi unerschöpflichen Fundus der Musik und eröffnen so immer neue, immer wieder spannende Einblicke in unsere musikalische Vergangenheit. Ein gutes Beispiel für die Vitalität und Jugend der Alten-Musik-Szene (sic!) ist das Freiburger Ensemble L’Art du Bois (zu Deutsch “Die Kunst der Holzbläser“), das seit einigen Jahren mit bemerkenswerten Veröffentlichungen und Konzerten früher Blockflötenmusik (als Trio oder mit Begleitung als Sextett) auf sich aufmerksam gemacht hat.
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Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Renaissance-Musik: Die poetischen Texte und die schlicht arrangierten Melodien sind auch heute noch aktuell. Erstaunlich, wie sehr uns diese alte Musik heute noch ansprechen kann, mehr noch: Die Lieder der Renaissance scheinen uns näher zu sein, als vieles, was dazwischen kam und was uns chronologisch näher liegt. Sogar die sogenannte U-Musik greift immer wieder auf sie zurück, man denke nur an das Album des Pop- und Rocksängers Sting mit Liedern von John Dowland (“Songs from the Labyrinth”, Deutsche Grammophon, 2006) oder an die zahlreichen Adaptionen, die italienische und französische Chansonniers in den 1960er und 1970er Jahre immer wieder zu Gehör brachten. Nun haben der weibliche Gesangsstar der Alte-Musik-Szene, die englische Sopranistin Carolyn Sampson und der Lautist Matthew Wadsworth einen Konzertmitschnitt vom 7. Dezember 2008 aus der Wigmore Hall in London unter dem Titel “Not just Dowland – Songs for soprano and lute” veröffentlicht, auf dem Lieder (und Solo-Stücke für Laute und Theorbe) der englischen und italienischen Renaissance zu hören sind, wie der Titel schon sagt, beileibe nicht nur von John Dowland.
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