Posts Tagged “Ilya Gringolts”

Robert SchumannNicht so populär wie das Klavierquartett, op. 44 und das Klavierquintett, op.47, nicht einmal so bekannt wie die Streichquartette, op. 41, 1-3, sind die drei Klaviertrios von Robert Schumann (1810-1856). Dies ist eigentlich erstaunlich, handelt es sich doch um ausgesprochen  freundliche, liebenswürdige und äußerst gelungene Werke. Ob es daran liegt, dass sie, anders als die meisten anderen Kammermusikwerke (die Streichquartette, das Klavierquintett, das Klavierquartett und die vier Phantasiestücke, op. 88) nicht 1842 – dem Kammermusikjahr Schumanns – sondern einige Jahre später, nämlich 1847 (Nos. 1 & 2) und 1851 (No. 3) entstanden sind? Bei der Rezeption Schumanns neigt(e) man ja zu Schubladendenken – ich hoffe, das gerade abgelaufene Schumann-Jahr hat in dieser Hinsicht einiges zurecht gerückt – wundern würde es mich nicht, wenn man die späteren Kammermusikwerke aufgrund ihres Entstehungsdatums in der Vergangenheit eher missachtet hätte.
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I. Gringolts: R. Schumann - Violin SonatasEs ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese Erkenntnis ist so alt, wie banal, was aber, wenn man sie umkehrt? »Was glänzt, muss nicht Gold sein« scheint mir im mehrfachen Sinne eine gute Überschrift für das Debüt des russischen Violinisten Ilya Gringolts auf Onyx Classics zu sein. Für seine erste CD beim britischen Renomée-Label wählte Gringolts Musik, die man – bei allem gebotenen Respekt – ebenso nicht als “reines Gold” bezeichnen würde, namentlich die drei Violinsonaten von Robert Schumann. Die erste Violinsonate in a-Moll, op. 105 (geschrieben 1851) mochte Schumann nach eigenen Angaben selbst nicht besonders, so dass er noch im selben Jahre die zweite Violinsonate in d-Moll, op. 121 hinterherschob. Die dritte Sonate, WoO 2 wurde sogar erst 1856 veröffentlicht und hat eine kuriose Entstehungsgeschichte.  Carenza Hugh-Jones schreibt in den Liner Notes im Booklet dazu:

»Robert Schumann, Albert Dietrich und Johannes Brahms kollaborierten 1853 an einer viersätzigen Komposition für Violine und Klavier, die sie nach dem Motto „Frei aber einsam“ des Geigers Joachim die F–A–E Sonate nannten. Schumann schrieb den zweiten und vierten Satz dafür und nutzte kurze Zeit später diese beiden Sätze zusammen mit zwei neuen für seine Sonate Nr. 3. Da das Werk jedoch ursprünglich in zwei Manuskripten existiert, gibt es keine Hinweise darauf, in welcher Reihenfolge die vier Sätze gespielt werden sollen. Nur wenige Monate nachdem er das Werk vollendete, erlitt Schumann einen schweren Nervenzusammenbruch und wurde in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo er zwei Jahre später starb.«

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P Graffin: R. Schumann - Violin ConcertoObwohl wir uns mitten im Schumann-Jahres befinden – es jährt sich heuer ja der 200. Geburtstag von Robert Schumann – ist es eher ungewöhnlich, dass eine Plattenfirma gleich zwei ähnlich geartete Aufnahmen mit Werken Schumanns in einem Monat auf den Markt bringt. Nicht nur, dass das englische Label Onyx Classics im Juli zwei CDs mit Neuaufnahmen Schumann’scher Werke veröffentlichte, es waren auch relativ selten zu hörenden Werke für Violine, die dort eingespielt worden sind.

I. Gringolts: R. Schumann - Violin SonatasAuf der einen CD sind alle drei Violinsonaten von Robert Schumann  zuhören, eingespielt vom russische Violinisten Ilya Gringolts und begleitet von seinem Landsmann Peter Laul, auf der anderen CD hat der französische Violinist Philippe Graffin das Violinkonzert das von Schumann selbst für Violine bearbeitete Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 aufgenommen, ergänzt durch die Violinsonate No. 2 sowie einigen Werken für Violine und Klavier von Clara Schumann.

In einem Beitrag vom 26.07. hat NDR Kultur-Redakteur Christoph Vratz die beiden CDs mit der »inhaltlichen Schnittmenge« der Violinsonate No. 2 genauer unter die Lupe genommen und kommt zu einem differenziertem Ergebnis, was die Deutung Schumanns bei den beiden Solisten anbelangt.
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