Wenn ich ehrlich bin, dann wundert es mich immer wieder, dass viele Gitarrenmusik-CDs in den Klassik-Abteilungen der großen Plattenläden so ein Nischen-Dasein fristen. Die akustische Gitarrenmusik hat Schnittmengen mit (quasi) allen Bereichen der Musik: Folk, Klassik, Jazz, Pop. Wenn man Musik auf sechs Saiten reduziert, scheint es nebensächlich zu sein, ob man das Werk der einen oder anderen Musikwelt zuspricht. Gitarristen sind in erster Linie Gitarristen und definieren sich nicht über ein einziges, abgrenztes Genre. So gibt es sehr gelungene ‘klassische-Musik’-CDs von Rock-Gitarristen, beispielsweise von Steve Hackett (Ex-Genesis) und von Jazz-Größen wie John McLaughlin, der zum Beispiel ein sehr gelungenes ‘klassisches’ Gitarrenkonzert komponiert hat. Der Flamenco-Gitarrist Paco De Lucía hat eigens für sein Album Paco De Lucia plays Manuel De Falla (1978) Noten lesen gelernt und auf der anderen Seite hat der australisch-britische ‘klassische Gitarrist’ John Williams in seiner Karriere immer wieder mit Jazz und Rock experimentiert – so gründete er unter anderem Mitte der 1970er Jahre die Progressive-Rock-Band Sky. Kurzum: Die Gitarre vermag viele Hörer (und Musiker) ganz unterschiedlicher Genres anzusprechen. Den Rest des Eintrages lesen »
Das fängt ja gut an! Kaum ist das Solo-Debüt des Hamburger Gitarristen Jens-Uwe Popp bei Querstand erschienen, schon gibt es die erste Traum-Besprechung für das Album Oremus. Dreimal die volle Punktzahl, also 10 von 10 Punkten gab es jeweils für die künstlerische Qualität, die Klangqualität und den Gesamteindruck des Albums auf der Website des großen deutschsprachigen Klassik-Portals Klassik Heute.
In der Rezension von Michael B. Weiß ist nachzulesen, dass die CD »mehr eigene künstlerische Aussage als Kompilation von klingenden Deutungen fremder Kompositionen« ist und dass das Ergebnis
»ein faszinierendes Hörerlebnis [ist], gerade, weil Popp die insgesamt 13 Nummern der vier Komponisten [Francisco Tárrega, Antonio Lauro, Agustin Barrios-Mangoré und Miguel Llobet] mehr als eine Einheit darstellt denn als eine nur lose zusammenhängende oder kontrastierende Folge.«
Hier noch ein Video als Appetit-Happen, das während der Aufnahmen zu Oremus entstand:
Die vollständige Besprechung von Michael B. Weiß kann man → hier nachlesen.
Die CD Oremus von Jens-Uwe Popp ist am 20. Januar 2012 beim Label Querstand (VKJK 1127) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Der katalanische Gitarrist und Komponist Fernando Sor (1778-1839) gehört zu den wichtigsten Figuren der moderneren Gitarrenmusik. Sein Œuvre umfasst zwar auch zwei Opern, einige Lieder, mehrere Ballettmusiken, drei Sinfonien, drei Streichquartette und weitere Kammermusik sowie ein Violinkonzert, doch es sind vor allem seine zahlreichen, zumeist kürzeren Werke für Solo-Gitarre, die bis heute im Standardrepertoire seines Instrumentes gespielt werden. Mehr noch: Sein didaktisches Werk Méthode pour la Guitare par Fernando Sor (Franz. Originalausgabe, Paris, 1830; zweisprachige Ausgabe (Franz./Dt.) Méthode pour la Guitare · Guitarre-Schule von Fernando Sor, Bonn, 1831; Engl. Ausgabe, London 1832) war nicht nur die wichtigste Gitarrenschule der Romantik, sondern sie gilt bis heute als »das bemerkenswerteste Buch, das jemals über Gitarrentechnik geschrieben wurde« (Frederic V. Grunfeld, The Art and Times of the Guitar, New York, 1969). Bis heute wird die Méthode pour la Guitare gedruckt. Den Rest des Eintrages lesen »
Der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos (1887-1959) komponierte zwar nur relativ wenige Werke für Solo-Gitarre – die Suite populaire bresilienne (1908-1912), die 12 Etudes (1928/29), die 5 Preludes (1940) und das Choro No. 1 (1920) – doch die Werke nehmen einen bedeutenden Platz in der modernen Literatur für Solo-Gitarre ein.
Am 27. Januar 2011 (also morgen, Donnerstag) präsentiert ab 19 Uhr der Kölner Weltklasse-Gitarrist Frank Bungarten sein neues Album »Heitor Villa-Lobos – Complete Works for Solo Guitar« für die Musikproduktion Dabringhaus & Grimm in einem Konzert in der Brasilianischen Botschaft in Berlin. Das Besondere an diesem Konzert: Via Videostream auf pressezentrum-musik.com kann man das ganze Konzert live am Rechner in Bild und Ton live mitverfolgen. Doch Obacht: Das Konzert wird danach erst einmal nicht mehr zu sehen sein, wer also Frank Bungarten erleben will, der sollte morgen rechtzeitig den Rechner einschalten.
Hier noch einmal die Daten:
MDG (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm)
präsentiert am
Die SACD Heitor Villa-Lobos – Complete Works for Solo Guitar von Frank Bungarten ist am 24. September 2010 bei MDG (905 1629) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Seltsam: Der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos (1887-1959) war selbst ein Meistergitarrist, komponierte aber nur einen Bruchteil seiner 1000 Werke für Solo-Gitarre. Die Suite populaire bresilienne (1908-1912), die 12 Etuden (1928/29), die 5 Preludes (1940) und, als Teil der großen Choro-Sammlung für verschiedene Besetzungen, das Choro No. 1 (1920).
So rar seine Gitarrenwerke auch in seinem Œuvre sein mögen, in der Gitarrenmusik des 20. Jahrhunderts nehmen sie einen eminent wichtigen Platz ein. Kaum ein bedeutender (und so manch weniger bedeutende) Gitarrist, der sich nicht an dem einen oder anderem Stück von Villa-Lobos versucht hätte.
Nun liegt eine Neuaufnahme seiner gesamten Werke für Sologitarre durch den Kölner Weltklasse-Gitarristen Frank Bungarten vor. Der BR-Klassik-Redakteur Michael Schmidt hat das beim renommierten MDG-Label erschienene Album in der Rubrik »CD-Tipp« unter die Lupe genommen. Den Rest des Eintrages lesen »
Nicht überall in der Welt sind die Begriffe klassische Musik und Folklore so strikt voneinander getrennt wie im europäischen Kulturbewusstsein (noch nicht einmal in ganz Europa, wenn man es recht bedenkt). In zahlreichen Ländern und Kulturen fallen diese Begriffe zusammen, stehen eng beieinander oder sind so sehr durchmischt, dass eine “saubere Trennung” unmöglich wäre und keinen Sinn machen würde. Der europäische Kunstbegriff, der sich im Barock, vor allem aber in der Klassik und Romantik des 19. Jahrhunderts ausbildete, bleibt anderen Kulturkreisen fremd. Ein gutes Beispiel für die unzertrennliche Verquickung von Folklore und Kunstmusik ist das breite musikalische Spektrum Lateinamerikas. In der Reihe »Classica« des renommierten audiophilen Labels MDG stellt die deutsche Flötistin Anette Maiburg bereits in der dritten Ausgabe die Musik der wichtigsten Länder Lateinamerikas mit Musikern des Landes vor. Nach »Classica Cubana« (2008) und »Classica Argentina« (2009) ist nun das Album »Classica Venezolana« erschienen, das sie mit der Sängerin Fabiola José, dem Gitarristen Nirse González und dem Cuatro-Spieler Jesús González Brito (Das Cuatro ist eine kleine viersaitige [cuatro (span.) = vier] der Ukulele ähnlichen Gitarre) aufgenommen hat. Den Rest des Eintrages lesen »
Die Gitarre ist eines der wenigen Instrumente, dass in allen Genres der Musik als Solo-Instrument verwendet wird: Sowohl in der Popmusik, als auch im Jazz, im Blues, in den verschiedenen Volksmusiken (und erst recht bei dem, was man unter Folk zusammenfasst) und ebenso in der klassischen Musik. Vielleicht hat diese Omnipräsenz in der Musik dazu beigetragen, dass die Musik für Gitarre auch oft genreübergreifend komponiert wird, dass selbst ‘klassische’ Komponisten bei ihren Werken für Gitarre auch Einflüsse aus anderen Bereichen der Musik aufgenommen haben: Gitarrenmusik ist immer in erster Linie Musik für Gitarren, ganz gleich unter welchem ‘Etikett’ dann diese gehandelt wird. Für die Connaisseurs dieser Musik ist das nebensächlich. So hat der Flamenco-Gitarrist Paco De Lucía 1978 eigens Noten gelernt, um Kammermusik von Manuel De Falla (1876-1946) aufnehmen zu können, 1991 folgte dann sogar das berühmteste Gitarrenkonzert überhaupt, das Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo (1901-1999); der britische Jazz-Gitarrist John McLaughlin wiederum komponierte 1988 sein ‘klassisches’ Mediterranean Concerto für Gitarre und Orchestra. Den Rest des Eintrages lesen »