Der US-amerikanische Komponist, Pianist und Dirigent George Gershwin (1898-1937) war zweifelsohne einer der wichtigsten Figuren der Musikgeschichte im 20. Jahrhunderts. Große Teile seines Repertoires sind weit über die klassische Musikszene hinaus bekannt geworden und gehören zur populären Gegenwartskultur. Gershwin, als Sohn russisch-jüdischer Emigranten in Brooklyn/New York geboren und aufgewachsen, erhielt eine klassische Klavierausbildung und begann als junger Mann bald im Bereich der Unterhaltungsmusik zu arbeiten und schrieb kurze, prägnante Ragtimes. Nach ersten Erfolgen, die seinen Lebensunterhalt sicherten, konzentrierte er sich wieder auf größere Formen, ohne allerdings seine Erfahrungen aus der populären Musik dabei außer Acht zu lassen. Gershwin war einer der ersten Komponisten, der als Grenzgänger den aufkommenden Jazz mit der europäischen Musiktradition verband und daraus eine spezifisch amerikanische Musik schuf, die offenbar sowohl bei Liebhabern von Unterhaltungsmusik, als auch (wenn auch mit einigen Zweifeln und nicht wenig Stirnrunzeln) bei den Freunden der sogenannten E-Musik ihre Anhänger fand. Gershwin-Nummern werden heute ganz selbstverständlich von Popstars wie Sting, Peter Gabriel, Meat Loaf oder Kate Bush interpretiert, von Jazzern wie Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Thelonious Monk und Miles Davis aber nach wie vor von Klassikstars wie Barbara Hendricks, Katia & Marielle Labeque, Nikolaus Harnoncourt und erst neulich von der jungen amerikanisch-chinesischen Pianistin Xiayin Wang (s. dazu auch → diesen Beitrag) auf ihrem bemerkenswerten Album “The Piano Music of Earl Wild”.
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Die Globalisierung hat längst Einzug in die Musik gehalten. Was früher als äußerst exotisch, ja geradezu unwahrscheinlich galt, ist heute fast eine Selbstverständlichkeit: Die Chinesin Xiayin Wang ist ein Kind dieser Globalisierung: Aus Shanghai stammend, lebt sie bereits seit 1997 im Schmelztiegel der Kulturen New York. Nun hat sie ein Album mit den George-Gershwin-Bearbeitungen des Pianisten Earl Wild (1916-2010) in Bearbeitungen von George Gershwin) herausgebracht und widmet sich damit gleich zwei der wichtigsten Figuren der US-amerikanischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Das Ergebnis der Chinesin lässt aufhorchen: Die junge Frau aus Shanghai swingt wie die Meister selbst.
Der BR-Klassik-Redakteur Attila Csampai hat das bei Chandos erschienene Album in der Rubrik »CD-Tipp« ausführlich unter die Lupe genommen.
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Als die beiden Schwestern Katia und Marielle Labèque Anfang der 1980er mit Bearbeotungen für Piano-Duo der Musik von George Gershwin (1898-1937) auf Schallplatte, wenig später auch auf CD (für das niederländische Philips-Label) debütierten – es sollte eine der allerersten CDs überhaupt sein, die veröffentlicht wurden – war alles an dieser Veröffentlichung ungewöhnlich: Zwei bildhübsche Schwestern aus Frankreich mit offensichtlich ganz unterschiedlichem Temperamenten spielten Musik eines US-Amerikaners, dessen Musik in Klassik-Kreisen kaum als ‘ernsthafte Musik’ angesehen wurde. Mit dieser Aufnahme wurde der Grundstein für die ungewöhnliche Weltkarriere der beiden Schwestern gelegt, die bis heute andauert. Sie waren schon damals Grenzgängerinnen zwischen den Genres, die zu herausragenden Leistungen sowohl in der populären Musik, als auch in der klassischen Musik fähig sind.
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