Das Glück der Cellisten preist Pieter Wispelwey, angesichts der beiden romantischen Cello-Sonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin, die er mit seinem langjährigen Klavier-Partner Paolo Giacometti auf einer neu bei Onyx erschienenen CD eingespielt hat – eine Freude, die ohne den geringsten Umweg auf den Hörer überspringt.
Der Berliner Cellist Alban Gerhardt verdankt seine ersten musikalischen Impulse dem wohl wichtigsten Cellisten des 20. Jahrhunderts, dem Spanier (genauer, dem Katalanen) Pablo Casals (1876-1973). Wie so viele andere Cellisten (und Musikfreunde!) vor und nach ihm, lernte er Casals über dessen zahlreichen Schallplattenaufnahmen kennen und liebte an ihm »seine Eindringlichkeit, seine Artikulation und seine “interpretierende” Intonation (er spielte die kleine Terz sehr tief, Leittöne sehr hoch usw.)«. Obwohl Gerhardts späterer Lehrer Boris Pergamenschikov ihm »eine modernere und großzügigere Art des Cellospiels« beibrachte, blieb seine Liebe zu Casals’ Stil ungebrochen.
Vielleicht war es auch diese besondere Hingabe, die ihn dazu veranlasste, aus den fünf Schallplatten Casals mit Zugaben seine 20 liebsten Stücke herauszusuchen und sie auf einer Art Tribute-Album zusammenzufassen. Die Kunst dabei war, Casals nicht zu imitieren (was sicher schwer, vor allem aber sinnlos wäre), sondern als Alban Gerhardt diese Miniaturen, die teilweise der ‘leichten’ Salonmusik zuzuordnen sind, mit der selben Empfindsamkeit und Ernsthaftigkeit zu spielen, mit der es Casals getan hat. Das Ergebnis “Encores – as performed by Pablo Casals” ist nun auf Hyperion Records erschienen. Den Rest des Eintrages lesen »
Und weiter geht’s mit den ‘Codaex-Wochen’ beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik.
Die beiden Klavierkonzerte von von Frédéric Chopin (1810-1849) gelten gemeinhin »als eher einfach gestrickt, wenig raffiniert, ja klanglich teilweise problematisch«, so der Redakteur Michael Schmidt in seiner Einleitung seiner Chopin-Besprechung vom 20. April. Es ist in der Tat bekannt, dass Chopin sich nicht sonderlich für Fragen der Orchestrierung interessierte und es ist gewiss kein Zufall, dass Chopin außer dem Klavierkonzert No. 1 in e-Moll (1830) und dem Klavierkonzert No. 2 in f-Moll (eigentlich sein erstes Konzert, 1829/30) kaum weitere nennenswerte Werke mit Orchesterbegleitung komponiert hat.
Wenn Chopin also kein ausgesprochener Meister des Orchestrierens war, dann liegt es vielleicht sogar nah, Chopins Konzerte mit Streichquintettbegleitung aufzuführen, also so, wie Chopin es selbst oft in den Paris Salons getan hat. Immerhin erschienen 1833 zeitgleich mit den Orchesterfassungen (und auch denen für Solo-Klavier) auf Arrangements für Klavier und Streichquintett.
Während sich die meisten anderen deutschsprachigen Radiosender in diesem Jahr mit Besprechungen von Codaex-Neuveröffentlichungen noch etwas zurückhalten, werden kommende Woche, vom 7. bis 11. Februar 2011 auf hr2 Kultur in der Sendung »Der CD-Tipp – Klassik und mehr« von 13:05 bis 13:30 Uhr gleich fünf (!) aktuelle Codaex-Titel besprochen, einige der Titel habe ich bereits an dieser Stelle vorgestellt, andere werden in den nächsten Tagen folgen. Den Rest des Eintrages lesen »
Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin hat mit seiner jüngsten Veröffentlichung Études für das britische Label Hyperion seine erste CD vorgelegt, auf der ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind. Damit hat er offenbar genau den Nerv der Kritik (auch hier im Blog mit der CD des Monats, September 2010, s. → Artikel) und des Publikums getroffen: Sein durch und durch virtuoses, makelloses Spiel und seine Hingabe, seine Authentizität suchen in der Klassikwelt ihresgleichen. Dass Hamelin nicht nur ein guter Interpret seiner eigenen Werke ist, ist freilich schon länger bekannt. Trotzdem macht es immer wieder Freude solch einem Ausnahmemusiker ‘bei der Arbeit’ zuzusehen. Hier spielt der Kanadier die Ballade No. 3, op. 47 von Frédéric Chopin:
Die aktuelle CD von Marc-André Hamelin »Études« ist am 17. September 2010 bei Hyperion (CDA 67789) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Der Franzose zypriotischer Abstimmung Cyprien Katsaris gilt seit über 30 Jahren als einer der besten, technisch brillantesten Pianisten der Welt. Das will etwas heißen in einer Zeit, in der quasi alle Pianisten über eine ausgezeichnete Technik verfügen. Katsaris verbindet seine technische Brillanz mit hoch emotionalen Darbietungen und ist damit fast der letzte seiner Art, eine echte Persönlichkeit am Klavier, ein charismatisches Unikat, wie sie eher in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch Horowitz, Rachmaninov, Rubinstein etc. verkörpert wurden. Darüber hinaus ist Katsaris von Anfang an bemüht gewesen, sein Repertoire ständig um Ungewöhnliches, Besonderes zu erweitern: Seine Aufnahmen der bis dahin weitgehend unbekannten und unbeachteten Transkriptionen Liszts sämtlicher Sinfonien Beethovens für Klavier, schlugen in den 1980er Jahren ein wie eine Bombe und machten ihn binnen kürzester Zeit zum Weltstar. Sie sind heute noch ein Dauerbrenner in seiner Diskografie. Anfang des 21. Jahrhunderts begann für Katsaris ein neues Kapitel in seiner künstlerischen Laufbahn: Von seiner damaligen Plattenfirma kaltgestellt, verzichtete er kurzerhand auf eine erneute Zusammenarbeit mit einem (anderen) Major Label und gründete als erster Klassik-Weltstar sein eigenes Label, Piano 21, auf dem er seit 2001 eine Vielzahl Alben veröffentlicht hat, teilweise mit Material, das er so gewiss bei keiner ‘großen’ Plattenfirma hätte veröffentlichen können. Als einer der ersten Künstler erkannte er die immensen künstlerischen Chancen sein eigener Herr und Plattenboss zu sein. Den Rest des Eintrages lesen »
Der kanadische Pianist Marc-André Hamelin ist definitiv kein Klassikstar, den man aus deutschen Samstagabend-Shows kennen würde und obwohl die Kritiker seit Jahren voll des Lobes sind, ist er – im Vergleich zu einigen anderen Pianisten seiner Generation – in Deutschland eher ein Geheimtipp, der gerade unter Pianisten hoch gehandelt wird. Aber dennoch ist Hamelin alles andere als ein Musicians’ musician oder ein unnahbarer Pianist im Elfenbeinturm. Sein Klavierspiel zeugt von Humor, seine Interviews (und seine Anmerkungen in den Booklets!) sind geistreich und obwohl Hamelin einer der technisch (und interpretatorisch) Besten seiner Zunft ist und sein Programm alles andere als leichte oder gewöhnliche Kost ist, sind seine Konzerte anderswo, in Kanada, den USA und in Großbritannien, alles andere als rein elitäre Veranstaltungen für ein paar Connaisseurs. Der vielfache Preisträger (darunter mehrfach der der kanadische Juno Award, der kanadische Opus Award, der Preis der deutschen Schallplattenkritik inklusive der Ehrenurkunde (= Höchste Auszeichnung) desselben im Jahr 2006 u.v.m.) legt nun mit Études (auf Hyperion) seine erste CD vor, auf der ausschließlich Eigenkompositionen zu hören sind. Den Rest des Eintrages lesen »
Nahezu alle Werke von Frédéric Chopin (1810-1849) sind für das Klavier geschrieben worden. Abgesehen von seinen beiden Klavierkonzerten (mit Orchesterbegleitung) und den nicht für die Veröffentlichung bestimmten Liedern (mit Gesangsbegleitung) gibt es nur vier Kompositionen, die nicht (alleine) fürs Klavier geschrieben worden sind: Die drei frühen Werke Polonaise brillante für Violoncello und Klavier in C-Dur, op. 3 (1829), das Trio für Klavier, Violine und Violoncello in g-Moll, op. 8 (1829), das gemeinsam mit seinem Cellisten-Freund Auguste Franchomme verfasste Grand Duo über Themen aus der Oper Robert le diable von Giacomo Meyerbeer (1791-1864), WoO 16 (1832/33) und die späte Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll, op. 65 (1846/47). Alle diese Werke haben eines gemeinsam: Neben dem Klavier spielt das Cello eine prominente Rolle. Nun ist ein Album des polnischen Fryderyk Chopin Institute (auf Polnisch “Narodowy Institut Fryderyka Chopina”, NIFC abgekürzt) erschienen, das diese vier kammermusikalischen Werke zusammenfasst. Die Klavierparts wurden hierbei, wie immer bei der “Real-Chopin-Reihe”, des NIFC auf einem zeitgenössischem Instrument, einem Érard (1849 in Paris gebaut), eingespielt. Auf dem Album “Chamber music” musizieren Jan Krzysztof Broja (Fortepiano), Andrzej Bauer (Cello) und Jakub Jakowicz (Violine). Den Rest des Eintrages lesen »
Manchmal ist weniger einfach mehr: Niemand wird behaupten, dass die Lieder im Œuvre von Frédéric Chopin (1810-1849) – bei allem Respekt – eine sonderlich große künstlerische Rolle spielen. Chopin ist (zurecht) vor allem für seine Klavierwerke bekannt und hat mit wenigen Ausnahmen auch kaum etwas anderes geschrieben als Werke für sein Instrument (immerhin war er ja nicht nur Komponist, sondern auch ein Star-Pianist seiner Zeit!). Wenn es nach Chopin selbst gegangen wäre, dann wären diese Lieder, die er als knapp 20-jähriger eher zum Spaß für einen privaten Kreis von Freunden geschrieben hatte, nach seinem Tode vernichtet worden. Sein Freund, Weggefährte und Kopist Julian Fontana (1810-1869) brachte die Werke 1847 dennoch heraus und erhielt so eine charmante Sammlung schlichter Lieder, die in ihrer Einfachheit und Ungekünsteltheit geradezu bezaubernd sein können. Den Rest des Eintrages lesen »
Der Pianist Nikolai Lugansky gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten in der an exzentrischen Virtuosen nicht armen russischen Pianisten-Szene. Schon das ernste, in Schwarzweiß gehaltene Coverfoto seines Comeback-Albums, das nun ist bei Onyx Classics erscheint (das letzte Lugansky-Album erschien 2007), will andeuten: Hier kommt einer, der sich mit Frédéric Chopin ernsthaft auseinandergesetzt hat und nicht nur aus Anlass des diesjährigen Chopin-Jahres schnell mal ein Album auf den Markt wirft. Neben Sergei Rachmaninov war Chopin schon immer der bevorzugte Komponist Luganskys. Das vorliegende Album ist seine vierte ausschließlich Chopin gewidmete Veröffentlichung und Lugansky knüpft dort an, wo er mit den drei vorigen Chopin-Alben stehengeblieben war.
Das unvergleichlich weiche und flüssige Spiel Luganskys ist das herausragendste Merkmal dieses Albums. Selbst durch die schwierigsten und virtuosesten Passagen fliegt der russische Pianist mit bemerkenswerter Leichtigkeit und dennoch – und dies ist wirklich selten – schafft er es bei diesen par-force-Stücken (etwa beim “Fantaisie-Impromptu, op. 66″) viel Ausdruck hineinzulegen. Sein Chopin hat etwas vom Flug eines Schmetterlings, so betörend, so scheinbar mühelos ist das, was Lugansky aus den Tasten zaubert. Dabei ist der 40-jährige für russische Verhältnisse ein geradezu nüchterner, sachlicher Pianist, gewiss keine Eigenschaft, die man gemeinhin vielen russischen Pianisten zusprechen möchte (ohne diesen zu nahe treten zu wollen, denn mir ist klar, dass Wahrheit und Wahrnehmung, Klischee und Wirklichkeit hier oft genug weit auseinander liegen). Dennoch ist sein Chopin tief in der Romantik und wohl auch in der Tradition der Rezeption romantischer Musik verwurzelt: Melancholisch und emotional (ma non troppo, nicht zu sehr, bin ich versucht hinzuzufügen), virtuos-perlend und beim abschließenden Walzer leicht beschwingt: Nikolai Lugansky meldet sich mit einem starken Beitrag zum Chopin-Jahr wieder zurück.
Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung
Das Album Frédéric Chopin – Sonata No. 3 · Scherzo No. 4 · Fantaisie · Fantaisie-Impromptu von Nikolai Lugansky erscheint am 21. Mai 2010 bei Onyx Classics (4049) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt bzw. vorbestellt werden.