Posts Tagged “Franz Schubert”

Franz Schubert, Gemälde von Wilhelm August Rieder, 1875Die Winterreise, D911 von Franz Schubert (1797-1828) ist wohl der bekannteste und beliebteste Lied-Zyklus. Kein anderer Liederzyklus wurde so oft aufgenommen; kaum ein Lied-Sänger (und so manche Sängerin, wie zuletzt bravourös Christine Schäfer), der sich nicht an der tragisch-düsteren Sammlung nach Texten von Wilhelm Müller (1794-1824) versucht hätte. Die Geschichte des von der Liebe enttäuschten Wanderers verliert nichts von seiner Aktualität und Authentizität. Sicher, auch in der Diskografie der Winterreise gibt es viel zu viele Aufnahmen, die nichts Neues zu bieten haben oder die sich nicht dauerhaft beim Hörer durchsetzen können, dennoch finde ich es wirklich bemerkenswert, wie viele gute Aufnahmen es von der Winterreise gibt. Wer sich vorgenommen hat, alle wirklich hörenswerten Einspielungen des Zyklus in den CD-Schrank zu stellen, der wird schon einmal ein nicht zu kleines Plätzchen auf den Regalbrettern dafür reservieren müssen.
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Franz Schubert (Lithografie)Die Kammermusikwerke von Franz Schubert (1797-1828) gehören zu den unbestrittenen Höhepunkten des Musikschaffens des 19. Jahrhunderts und sind vielfach aufgenommen worden. Schubert konnte nicht nur den spätestens seit Haydn populären Streichquartetten einige sehr wichtige Beiträge hinzufügen, er experimentierte bisweilen auch mit Besetzungen – man denke nur an das ungewöhnlich besetzte Streichquintett in C-Dur mit zwei Celli (statt zwei Bratschen) oder an das Forellenquintett, D 667 einem Klavierquintett mit nur einer Violine, dafür aber mit Cello und Kontrabass – und mit ungewöhnlichen Instrumenten. So schrieb er für die Arpeggione (einem sechssaitigen Streichinstrument mit dem Korpus einer Gitarre) eine auch heute noch oft aufgeführte Sonate mit Klavierbegleitung, wenngleich die Arpeggione üblicherweise mit einem Cello ersetzt wird.
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Royal Flemish Philharmonic, P. Herreweghe: F. Schubert - Symphony No. 9Wenn man heutzutage symphonisches Standardrepertoire des 19. Jahrhunderts aufnimmt, läuft man Gefahr, dass man von den Hörern und Kritikern schlichtweg ignoriert wird, ob der unübersichtlichen Schwemme an gleichartigen Aufnahmen. Definitiv nicht so ist es Philippe Herreweghe mit seiner Neuinterpretaion der  Sinfonie No. 9 (“Große Sinfonie in C-Dur”) von Franz Schubert (1797-1828) ergangen, wohl auch, weil der belgische Experte für historisch-informiertes Spiel mit seinem Royal Flemish Philharmonic Orchester neue Wege gewagt hat und Schuberts Sinfonie ungewohnt heiter und beschwingt auslegt. Die bei Pentatone Classics erschienene SACD wurde nun zeitgleich von zwei deutschen Kulturradios, dem norddeutschen NDR Kultur und dem ostdeutschen mdr Figaro besprochen. Und wie bei einer so provokanten Neuausrichtung nicht anders sein konnte, mischt sich in die positive Kritik zumindest teilweise auch der eine oder andere kleinere Zweifel. Den Rest des Eintrages lesen »

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Cerveri de Girona, Balada - Si voletz que•m laix d'amar

Frühe Ballade: Cerveri de Girona, Balada - Si voletz que•m laix d'amar (Quelle: Wikipedia)

Ursprünglich war »Ballade« ein Begriff der mittelalterlichen Troubadourtradition in der Romania (vgl. dazu bsplw. Italienisch ballare, Okzitanisch balar= tanzen) und bezeichnete das frei gestaltete Tanzlied, entwickelte sich aber im Laufe der Jahre immer mehr zur festen Form mit wiederkehrenden Strophen und einem narrativen Inhalt. Thematisch waren diese Inhalte breit gefächert, je nach Landschaft und Sprache, tendierten aber alle zu dramatischen Stoffen: Vater- Gatten- und Bruder-Morde, blutige Kriege, rächende Wiedergänger, wunderbare Rettungsaktionen und verhängnisvolle Verzauberungen durch Elfen und Feen.

Endes des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Balladen besonders in Deutschland beliebt- Die Schriftsteller der Zeit übertrugen diese aus den englischen, keltischen oder skandinavischen Vorlagen: Herder, Goethe, Eichendorff und etliche andere schrieben äußerst populäre Balladen. Die romantischen Komponisten entdeckten die über alle Maßen dramatischen Texte für sich und schufen innerhalb der Gattung Lied einige bekannte Balladen, man denke von an den Erlkönig von Schubert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ebbten die deutschsprachigen Balladen wieder ab; nun waren es vor allem englischsprachige Komponisten die Balladen vertonten, noch pathetischer, noch anrührender als die deutschen Vorgänger und für heutige Ohren fast ins Lächerliche puritanisch. De facto sollte beispielsweise die Ballade The Lost Chord von Arthur Sullivan bald nach dem ersten Weltkrieg Zielscheibe zahlreichender beißender Verballhornungen werden. Die Zeiten hatten sich geändert. Hintersinn und Ironie zeichnen schließlich auch in der Ballade The Tale Of The Oyster des US-amerikanischeb Musical-Komponisten Cole Porter aus. In der populären Pop- und Rockmusik heute bezeichnet man sentimentale, langsame Songs als Balladen, so sind ausgerechnet viele Hardrock-Gruppen für ihre übermäßig sentimentalen (und bisweilen sehr kitschigen) Balladen bekannt.
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Franz Schubert (Lithografie)Wenn es darum geht, einem Neuling erklären zu wollen, warum die achte Sinfonie von Franz Schubert (1797-1828) landläufig die Sinfonie No. 9 (“Große Sinfonie in C-Dur”) genannt wird und dass sie zwischenzeitlich auch einmal als die Sinfonie No. 7 durchging, kann schon einen schnell verwirren. Die genauen Gründe für diese babylonen Zahlenverwirrung kann man in einschlägigen Enzyklopädien nachlesen, machen wir es an dieser Stelle kurz: Die Musikwissenschaft hat einfach einige Zeit gebraucht, um alle Sinfonien und Sinfonie-Fragmente in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Heute gilt als gesichert, dass die Große Sinfonie in C-Dur, wie sie auch genannt wird, um weniger Verwirrung zu stiften, 1825 als letzte (uns bekannte) Sinfonie Schuberts entstand und dass sie von Schubert selbst auf dem Autograph nachträglich auf 1828 datiert wurde, um sie als “neues Werk” zur Aufführung bringen zu können. Dieser Plan scheiterte jedoch, weil das Amateurorchester, das das Werk aufführen sollte, mit der Partitur überfordert war. Überhaupt hatte Schubert wenig Glück mit seinen Sinfonien: Der Wiener Musikwelt galten sie als »schwierig und schwülstig«, so das Urteil der Verleger, die keine einzige der Sinfonien zu Schuberts Lebzeiten druckten; ihre eigentliche Größe wurde erst lange Zeit nach seinem Tode richtig eingeschätzt.
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(Mindestens) zweimal war Wien der unumstrittene Mittelpunkt der musikalischen Welt; zweimal ging von der österreichischen Metropole eine bahnbrechende musikalische Weltrevolution aus, die die gesamte (westliche) Musikwelt nachhaltig beeinflussen sollte: Die Ära der Wiener Klassik Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts und die der Zweiten Wiener Schule Anfang des 20. Jahrhunderts.

Den Stellenwert als Musikmetropole hat Wien behalten, auch wenn sie sich diesen Titel mit einigen anderen Städten wie New York, London und Paris teilen muss und zahlreiche andere Städte (in Deutschland unter anderem Berlin und Köln) immer wieder Impulse aussenden, die die ganze Musikwelt erfassen. Ein einziges Epizentrum der Musik gibt es gewiss nicht mehr.
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DThomas Oliemans: Franz Schubert - Schwanengesanger Schwanengesang von Franz Schubert (1797-1828) ist kein vom Komponisten selbst zusammengestellter Zyklus, sondern (wie der Titel schon suggeriert) eine postum von seinem Verleger Tobias Haslinger zusammengestellte Liedsammlung. Nichtsdestotrotz bietet das Werk einige der schönsten Lieder Schuberts und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit sowohl beim Publikum, als auch bei den Interpreten.

Die Neuaufnahme des Schwanengesang durch den jungen niederländischen Baritons Thomas Oliemans mit dem Routinier Malcolm Martineau am Klavier, war der → besonderer Tipp im Januar auf blog.codaex.de und als ich meine Besprechung mit dem Fazit abschloss »Eine wirklich überraschend hochklassige Einspielung des Schwanengesang mit einem Sänger, dessen Namen man sich unbedingt merken sollte.« hoffte ich wirklich, dass diese Veröffentlichung wirklich die Aufmerksamkeit von der internationalen Fachpresse (und den Musikhörern) erhalten würde, die sie verdient.
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Jan Vermeulen - Orpheon Ensemble, Daniel Reuss: Franz Schubert - Schubertiade NachtmusikUnd weiter geht es mit den ‘Codaex-Wochen’ beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Schon wieder wurde eine Neuveröffentlichung aus dem Codaex-Vetrieb in der Rubrik »CD-Tipp« beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vorgestellt.

Dieses Mal geht es um eine Nischenveröffentlichung des niederländischen Labels Etcetera: Auf dem Album Franz Peter Schubert – Schubertiade Nachtmusik präsentiert das belgische Orpheon Ensemble (dahinter verbergen sich die männlichen Solisten des berühmten des Collegium Vocale Gent) unter der Leitung von Daniel Reuss mir Jan Vermeulen am Fortepiano eine unterhaltsame Mischung aus Chorliedern von Franz Schubert (1797-1828) und einigen seiner Klavierminiaturen.
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Daniela Koch: My magic fluteNicht ganz unerwartet gefällt das Debütalbum “My Magic Flute” der jungen, aus Tirol stammenden Querflötistin Daniela Koch (Jahrgang 1989) auch der hiesigen Musikpresse.

Das beim österreichischen Label Gramola Album der vielfachen, internationalen Preisträgerin wurde nun beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vom Redakteur Fridemann Leipold vorgestellt. Er lobt die junge Künstlerin:

»Da ist eine ausgereifte Musikerpersönlichkeit am Werk, die über profundes technisches Können, stilistische Wandelbarkeit und einen wunderbar warmen Ton verfügt«

und die Auswahl der Stücke aus »Standardwerken und Raritäten«. Leipold vergisst nicht herauszustellen, dass der »hochtalentierte Pianist Christian Reif aus Rosenheim mit seinem so sensiblen wie markanten Klavierspiel« einen »gewichtigen Anteil« zum Gelingen dieses Debüts beigetragen hat.

Die vollständige Besprechung der CD gibt es → hier

Das Album My Magic Flute – Mozart · Schubert · Ichiyanagi · Chaminade · Dutilleux · Taffanel von Daniela Koch ist am 14. Januar 2011 bei Gramola (GRAM 98910) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Thomas Oliemans: Franz Schubert - SchwanengesangDer niederländische Bariton Thomas Oliemans sorgte mit seiner Neueinspielung des Schwanengesang von Franz Schubert (1797-1828) für das Etcetera-Label für eine erste Überraschung im diskografisch noch jungem Jahr. Zusammen mit dem erfahrenen schottischen Liedbegleiter Malcolm Martineau hat der32-jährige Oliemans eine überzeugende, jugendliche, aber durch und durch nachvollziehbare Interpretation der letzten Lieder Schuberts vorgelegt, die sich durchaus an den Einspielungen bekannterer Sänger messen lassen kann.

Dieses Video entstand bei den Aufnahmen des Albums im März 2010 in der All Saints Church in East Finchley, London. Die Dialoge sind zum größten Teil auf Niederländisch, lassen sich aber mit etwas Sprachgefühl gut verstehen.


Meine Besprechung zum Album (‘Der besondere Tipp 01/11′) findet man → hier.

Die CD Franz Schubert – Schwanengesang des Bariton Thomas Oliemans, begleitet von Malcolm Martineau ist am 14. Januar 2011 auf Etcetera (KTC 1420) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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