Posts Tagged “Flöte”

J. S. Bach - SignaturAls ich anfing mich ernsthaft für klassische Musik zu interessieren, steckte die historisch-informierte Aufführungspraxis noch in den Kinderschuhen und wurde als akademische Nische belächelt. “Klassik” wurde, ganz gleich ob aus dem Barock oder aus der Spätromantik, tendenziell von denselben Orchestern unter denselben Dirigenten gespielt. Die Solisten hatten in der Kammermusik alle Freiheiten, ging es doch primär darum, sich selbst als originelle Interpreten darzustellen und weniger als originalgetreue ‘Umsetzer’ der Komposition.

Heute ist das völlig anders: Kaum ein modernes Orchester wagt es noch Alte Musik auf modernen Instrumenten aufzunehmen (und wenn doch, wie unlängst das Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly, dann ist das gleich eine diskografische Sensation) und auch in der Kammermusik ist Originalklang längst Trumpf. Die immer ausgefeiltere Ergebnisse auf dem Gebiet der Quellenforschung, immer genauere Erkenntnisse in Sachen Instrumentenbau haben unser klangliches Verständnis von Der Musik, speziell vom Barock verändert.
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Ardinghello Ensemble: Franz Danzi - Flute Quartets, op. 56Von Franz Danzi (1763-1826) haben sich besonders die herausragenden Bläserquintette im Konzertleben erhalten, aber auch seine Flötenquartette sind geradezu zauberhaft: Tänzerische Rhythmen, Belcanto-Sanglichkeit, düstere Abgründe, volksmusikhafte Melodien fügen sich zu einem romantischen Klangbild zusammen, das voller Überraschungen steckt. Das Ardinghello Ensemble des Flötisten Karl Kaiser hat nun Danzis drei Flötenquartette für das MDG-Label aufgenommen.

Das Album wurde nun im Klassik-Blog Ouverture besprochen.
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Günter Raphael Edition Vol. 4 In diesen Tagen findet der bemerkenswert abwechslungsreiche Streifzug durch das Werk des gebürtigen Berliners Günter Raphael (1903-1960) seinen Abschluss, den das Altenburger Label Querstand in Zusammenarbeit mit der Christine-Raphael-Stiftung unternommen hat. Auf insgesamt fünf CDs sind ältere und neuere Aufnahmen dieses Komponisten versammelt, der in den 1920er und frühen 1930er Jahren eine vielversprechende Karriere begann. Ab 1934 durch ein Berufsverbot zum Schweigen gezwungen, entwickelte Raphael in buchstäblicher Stille sein unverwechselbares musikalisches Idiom: eine geistreiche und ungebrochen humorvolle Stimme, die es verdient, wieder mehr gehört zu werden – zumal in dieser nunmehr vollendeten Sammlung, die manche Trouvaille aus den Tonarchiven geborgen hat.

Wie in den Nummern 1 bis 3, die hier im März und im September vorigen Jahres besprochen wurden, verfolgen auch die letzten beiden CDs keineswegs den Anspruch enzyklopädischer Vollständigkeit; auch kann man der Auswahl, die zuweilen als wenig schlüssig kritisiert wurde, nicht unbedingt zuschreiben, repräsentativ zu sein. Das ist aber auch erkennbar nicht das Ziel dieser Edition, die ihre Qualität gerade darin gewinnt, dass sie den Hörer für das vielfältige Werk Günter Raphaels einzunehmen versteht – und zu weiteren Erkundungen anregt, in der schmalen, aber vorhandenen Diskographie und in den Notenausgaben dieses spannenden Œuvres.

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Monika Knoblochová · Jana Semerádová · Hana Fleková: Leopold Koželuh - Sonatas for Fortepiano with Accompaniment for Flute and VioloncelloDass im Wien der Haydn-Mozart-Beethovenzeit längst nicht immer eitel Sonnenschein herrschte, ist kein Geheimnis – und ebenso, dass zum Leben eines Berufsmusikers auch damals schon eine gewisse Virtuosität im Einsatz des Ellenbogens gehörte. Manch einem setzten die Rangeleien der täglichen Konkurrenzkämpfe sogar weniger zu Lebzeiten zu als posthum – wie es im Fall des tschechisch-österreichischen Pianisten und Komponisten Leopold Koželuh (1747-1818) zu beobachten ist. So wird dieser sehr erfolgreiche und als Wegbereiter des Hammerklaviers auch historisch bedeutende Musiker bis heute den Ruf nicht los, ein inspirationsloser Vielschreiber und unsympathischer, kleinlicher Beethoven- und Mozart-Kontrahent gewesen zu sein. Nun mag nicht jedes Stück in seinem mehr als 400 Arbeiten umfassenden Gesamtwerk von gleich großer innovativer Kraft beseelt sein – manche Trouvaille hat die Musikwelt aber zu Unrecht aus Augen und Ohren verloren. Dazu gehören die fünf Sonaten für Fortepiano, Flöte und Cello ohne Frage, mit der sich die Pianistin Monika Knoblochová, die Flötistin Jana Semerádová und die Cellistin Hana Fleková an die Ehrenrettung ihres Landsmannes machen. Ihre neue, beim tschechischen Label Supraphon erschienene CD bietet die Sonaten in C-Dur (IX:26), e-Moll (IX:33), die „Grand Scotch Sonata“ in D-Dur (IX:D1), eine weitere in C-Dur (IX:32) sowie schließlich in F-Dur (IX:29) – und öffnet mit dieser zupackend interpretierten Weltersteinspielung ein interessantes Fenster ins Wien der 1790er Jahre. Den Rest des Eintrages lesen »

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Musica Florea, Marek Štryncl: Antonín Reichenauer - Concertos IIWenn der böhmische Komponist Antonín Reichenauer (ca. 1694-1730) mittlerweile nicht nur den eingeweihtesten der Barock-Experten ein Begriff ist, dann ist das gewiss das Verdienst der im April erschienenen CD “Concertos” des Prager Barockensembles Collegium 1704 unter der Leitung von Václav Luks. Reichenauer gehörte (wie der hier an anderer Stelle vorgestellte František Jiránek (1698–1778)) zum Dunstkreis des Grafen Wenzel Morzin, dem Freund und Förderer von Antonio Vivaldi (1678-1741) und zahlreicher anderer Intellektuellen und Künstler jener Zeit. Reichenauers Musik erwies sich auf “Concertos” als eigenständige Verbindung italienischer Elemente und dessen, was man später als typisch böhmisch bezeichnen sollte, vor allem mit einem ausgeprägten Faible für Blasinstrumente.
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Daniela Koch: My magic fluteNicht ganz unerwartet gefällt das Debütalbum “My Magic Flute” der jungen, aus Tirol stammenden Querflötistin Daniela Koch (Jahrgang 1989) auch der hiesigen Musikpresse.

Das beim österreichischen Label Gramola Album der vielfachen, internationalen Preisträgerin wurde nun beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vom Redakteur Fridemann Leipold vorgestellt. Er lobt die junge Künstlerin:

»Da ist eine ausgereifte Musikerpersönlichkeit am Werk, die über profundes technisches Können, stilistische Wandelbarkeit und einen wunderbar warmen Ton verfügt«

und die Auswahl der Stücke aus »Standardwerken und Raritäten«. Leipold vergisst nicht herauszustellen, dass der »hochtalentierte Pianist Christian Reif aus Rosenheim mit seinem so sensiblen wie markanten Klavierspiel« einen »gewichtigen Anteil« zum Gelingen dieses Debüts beigetragen hat.

Die vollständige Besprechung der CD gibt es → hier

Das Album My Magic Flute – Mozart · Schubert · Ichiyanagi · Chaminade · Dutilleux · Taffanel von Daniela Koch ist am 14. Januar 2011 bei Gramola (GRAM 98910) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Collegium Marianum: Frantisk Jiranek - Concertos & SinfoniasDer böhmische Komponist František Jiránek (1698–1778) ist bis dato so unbeachtet und unbekannt geblieben, dass es bisher keinen Eintrag in der Wikipedia über ihn gibt, weder in der englischsprachigen, noch in der deutschen, noch nicht einmal in der tschechischen. Dabei war František Jiránek zu Lebzeiten ein durchaus respektierter Musiker und Komponist, der vermutlich sogar bei Antonio Vivaldi (1678-1741) zwei Jahre in Venedig studiert hat. Ansonsten weiß man über Jiránek relativ wenig: Er ist als Kind von Angestellten des Grafen Wenzel Morzin in Lomnitz an der Popelka geboren und arbeitete zunächst im inneren Kreis der Bediensteten des Grafen. In den Jahren 1724-26  schickte ihn dieser nach Venedig, wahrscheinlich zur musikalischen Weiterbildung, wahrscheinlich bei eben Vivaldi (eine Zahlung von 400 Gulden direkt an Vivaldi legt dies nah). 1726 ist Jiránek wieder in Prag und spielt fortan in der Morzinschen Kapelle. Er heiratet und lebt bis zum Ableben seines Dienstherren 1737 mit Frau und Kindern in Prag. Danach muss sich Jiránek neu orientieren und findet schließlich eine Anstellung in Dresden in der Kapelle von Heinrich von Brühl, dem Premierminister der sächsisch-polnischen Union. Als Brühl 1763 stirbt, wird Jiránek pensioniert und bleibt bis zu seinem Tode 1778 in Dresden.
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Daniela Koch - Quelle: gramola.atDie junge, aus Tirol stammende Querflötistin Daniela Koch (Jahrgang 1989) ist Gewinnerin mehrerer internationaler Flötenwettbewerbe, etwa der 7. Ausgabe der bedeutenden Kobe International Flute Competition von 2009, bei dem sie sich gegen 230 Teilnehmer durchsetzen konnte oder bei der 2008er Ausgabe des tschechischen Musikpreises Concertino Praga. Von der Bank Austria wurde sie nun zum “Artist of the Year 2010″ gekürt und last but not least hat beim letztjährigen ARD-Musikwettbewerb in München hat sie als jüngste Finalistin den 2. Platz (von 50 TeilnehmerInnen!) in der Kategorie Flöte belegt und wurde zusätzlich mit dem »Sonderpreis der Freunde Junger Musiker, München e. V.« ausgezeichnet.
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Katherine BryanKatherine Bryan ist ein Name, den man hierzulande (noch) nicht kennt, den man sich aber unbedingt merken sollte: Die junge englische Flötistin gewann 1997, sie war gerade erst 15 Jahre alt, den in Großbritannien sehr renommierten Audi Young Musician-Wettbewerb – als einziger Künstler jemals mit einem Blasinstrument und nahm in Folge noch an zahlreichen anderen Wettbewerben erfolgreich teil. Seit 2003, sie war gerade erst 21, ist sie erste Flötistin des ehrwürdigen Royal Scottish National Orchestra.
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L´Art Du Bois - Quelle: artdubois.deOhne die Alte-Musik-Bewegung und der daraus erwachsenen historischen Aufführungspraxis würde die heutige Musiklandschaft deutlich ärmer sein. Kaum eine Szene, die sich so rapide weiterentwickelt, wie jene anfangs belächelte, nonkonformistische der Alten Musik. Von den Anfängen in den späten 1950er-Jahren (durch die  Cappella Coloniensis in Köln, den Concentus Musicus Wien und zahlreiche andere Ensembles) bis heute hat sich die Szene zyklisch weiterentwickelt, erweitert, spezialisiert und perfektioniert, sowohl vom Erkenntnisstand, als auch vom Repertoire und der Spieltechnik. Wer heute Alte Musik macht, verfügt über profunde Kenntnisse in Musikgeschichte, Instrumentenbau, historischen Spieltechniken usw. Zahlreiche Ensembles präsentieren heute ihren ganz persönlichen Mikrokosmos des quasi unerschöpflichen Fundus der Musik und eröffnen so immer neue, immer wieder spannende Einblicke in unsere musikalische Vergangenheit. Ein gutes Beispiel für die Vitalität und Jugend der Alten-Musik-Szene (sic!) ist das Freiburger Ensemble L’Art du Bois (zu Deutsch “Die Kunst der Holzbläser“), das seit einigen Jahren mit bemerkenswerten Veröffentlichungen und Konzerten früher Blockflötenmusik (als Trio oder mit Begleitung als Sextett) auf sich aufmerksam gemacht hat.
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