Vor einigen Monaten schrieb, anlässlich der → Besprechung von Pieter Dirksens Aufnahme der Goldberg-Variationen auf einem zweimanualigen Cembalo, folgende Einführung:
»Die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sind zweifelsohne der Höhepunkt der barocken Variationskunst. Die “Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen”, wie Bach sie selbst bei dem von ihm in Auftrag gegebenen Erstdruck nannte, blieben trotz einiger Versuche in der Romantik und Spätromantik, sie durch Bearbeitungen für das Klavier bekannter zu machen, weitgehend unbeachtet. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die Goldberg-Variationen zu einem festen Begriff beim Publikum.«
Der Rest ist freilich Legende: Seitdem der kanadischen Pianist Glenn Gould mit seiner Einspielung von 1955 die Goldberg-Variationen quasi über Nacht weltberühmt gemacht hat und sie ein Teil der (Pop-) Kultur wurden, sind die Variationen zahllose Male aufgenommen und uminterpretiert worden; Auf dem Klavier, auf dem Cembalo, auf der Orgel, in Streichtrio- und Orchester-Fassungen, vom Jacques Loussier Jazz-Trio, auf Gitarre(n) und (gar nicht so selten) auf dem Akkordeon.
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Einige Wochen sind nun vergangen, seitdem die bewusst authentische Aufnahme der berühmten Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) des niederländischen Musikwissenschaftlers, Organisten und Cembalisten Pieter Dirksen beim kleinen niederländischen Label Etcetera erschienen. Die Doppel-CD (siehe Besprechung → hier) wird ergänzt durch die “Kanonische Variationen”, BWV 769, gespielt an einer Kirchenorgel. Im Booklet äußerte Dirksen so etwas wie Frustration darüber, dass die Goldberg Variationen heutzutage vor allem in alles andere als authentischen Einspielungen wahrgenommen werden. Er schreibt dazu:
»Ich kenne kein anderes Hauptwerk der westlichen Musikgeschichte, bei dem die Intentionen eines Komponisten heute so systematisch ignoriert werden.«
Eine Aussage, der man freilich beipflichten muss, wenn man sich die Diskografie der Goldberg-Variationen anschaut, die mittlerweile auf allen möglichen Instrumenten eingespielt worden sind – zuletzt erschien eine sehr interessante (und durchaus gelungene Fassung) für Akkordeon von Teodoro Anzellotti – und die alle überstrahlt werden von der Jahrhundertaufnahme von Glenn Gould aus dem Jahre 1955. Dirksen plädiert dafür, dass es sich durchaus lohnt die Variationen in ihren Originaltempi (samt Wiederholungen) auf einem Original-Instrument neu zu entdecken. Ich konnte mit dem polyglotten Dirksen ein Interview (auf Deutsch!) führen, über das neue Album und über seine generellen Überlegungen zu Bach.
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Die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) sind zweifelsohne der Höhepunkt der barocken Variationskunst. Die “Clavier Ubung bestehend in einer ARIA mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen“, wie Bach sie selbst bei dem von ihm in Auftrag gegebenen Erstdruck nannte blieben trotz einiger Versuche in der Romantik und Spätromantik, sie durch Bearbeitungen für das Klavier bekannter zu machen, weitgehend unbeachtet. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die Goldberg-Variationen zu einem festen Begriff beim Publikum.
Zwar hatte die Polin Wanda Landowska als erste Cembalistin bereits 1933 die Variationen zusammenhängend und ungekürzt aufgeführt (ihre erste Gesamtaufnahme stammt aus dem November 1933) , es sollte jedoch die US-amerikanische Pianistin Rosalyn Tureck sein, die die Variationen als erste mit einiger Beachtung von Publikum und Kritik am modernen Konzertflügel umsetzen konnte. Sie war gewissermaßen die Patin des kanadischen Exzentrikers Glenn Gould (Gould nannte die Tureck mal seinen »einzigen Einfluss«), dessen legendäre Einspielung von 1955 die Goldberg-Variationen und den Pianisten quasi über Nacht weltberühmt machen sollte. Nach dieser Aufnahme sollten alle künftigen Aufnahmen an dieser gemessen werden und für die Cembalisten wurde es nach Gould schwer, sich überhaupt noch mit ihren Vorstellungen von Authentizität durchzusetzen: Goulds Einspielung mag zwar alles andere als werktreu gewesen sein, sie war aber schlüssig und vermittelte das sonst so kantige und intellektuelle Variationswerk nachvollziehbar und gänzlich unromantisch.
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Trevor Pinnock ist hierzulande vor allem durch zahllose Aufnahmen mit dem von ihm gegründeten Originalinstrumente-Ensemble The English Concert bekannt. Zwischen 1972 und 2003 leitete er das Ensemble und führte es in die absolute Weltspitze der historisch-informierten Klangkörper. 2003 dann trat er als Leiter nach mehr als 30 überaus erfolgreichen Jahren zurück, um sich anderen Projekten als Dirigent und als Solist zuzuwenden. Schon zu Zeiten des Englisch Concert hatte er selbst das Cembalo gespielt.
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