Posts Tagged “Barock”

Johann Friedrich Fasch (1688-1758) ist das prägnante Beispiel eines Künstlers, den die Geschichte – nach reichlich Unbill im Leben – um seinen angemessenen Ruhm betrogen hat. Weit mehr als 200 Jahre hat es gedauert, bis man ihn wenigstens in seiner mitteldeutschen Heimat wieder zu würdigen begann; und dass er inzwischen als nicht ganz unbedeutender Komponist der „Bach-Zeit“ gilt, kann man schon als Erfolg verbuchen. Nun legt das amerikanische Barock-Ensemble „Tempesta di Mare“ bei Chandos eine zweite CD mit Orchesterwerken des einstigen Hofkapellmeisters von Anhalt-Zerbst vor, nach einer ersten Veröffentlichung 2008, dem 250. Todesjahr Faschs. Erneut kommt hochinteressante, stimmungsreiche Musik zu Gehör, die starke Argumente für eine Umbenennung der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts liefert. Warum sollte man, cum grano salis, nicht auch einmal von Bach als einem bedeutenden Organisten der „Fasch-Zeit“ sprechen?

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Antonio VivaldiAllein in den vergangenen sechs Wochen sind rund ein halbes Dutzend CDs mit den berühmten Violinkonzerten Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi (1678-1741) neu und wiederveröffentlicht worden. Neben Mozarts Kleiner Nachtmusik, Bachs Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565 natürlich und Beethovens Sinfonie No. 5 in c-moll gehören die vier Konzerte zu den populärsten Werken der gesamten Musikgeschichte und stehen sogar oft in CD-Sammlungen, in denen oft keine andere klassische Musik zu finden ist. Es ist müßig über den späten Erfolg der Konzerte zu spekulieren, also warum diese vier Violinkonzerte gerade heutzutage den Geschmack so vieler zu treffen scheinen. Tatsache ist, dass sie erst durch die Aufnahmen der Violinisten Bernardino Molinari (1942), Louis Kaufman (1948) und Felix Ayo (1955, 1959) im 20. Jahrhundert popularisiert wurden. Heute listet die World’s Encyclopedia of Recorded Music mehr als 1000 Veröffentlichungen der Vier Jahreszeiten in allen möglichen (und unmöglichen) Varianten auflistet.
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Denk man an die geistliche Musik des Barocks, so fallen einem vor allem die großen Messen, Vespern, Oratorien und Passionen ein, die die großen Barockmeister Claudio Monteverdi (1567–1643), Johann Sebastian Bach (1685–1750), Georg Friedrich Händel (1685–1759) und vielleicht noch Georg Philipp Telemann (1681–1767) komponiert haben. Doch die Realität sah in Europa vor allem im 17. Jahrhundert anders aus: Kleinere oder ländliche Kirchen hatten weder das Budget, noch die geeigneten Musiker, um die großformatigen Werke (wie eben das Marienvesper von Monteverdi) aufzuführen. So entstand eine beträchtliche Fülle von geistlicher Musik für kleine Gesangs- und Instrumentalensembles für den alltäglichen Gebrauch.
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Viviane Chassot: Jean-Philippe Rameau - Pièces de ClavecinDie Musik von Jean-Philippe Rameau (1683-1764) bleibt trotz einer gewissen Renaissance  in den letzten Jahren zumindest hierzulande weitgehend unbeachtet. Vielleicht ist die ‘Konkurrenz’ seiner Zeitgenossen Bach, Händel, Vivaldi und Telemann zu groß um sich durchzusetzen; vielleicht neigt man letzten Endes doch dazu sich mit der vertrauten Musikvergangenheit intensiver zu beschäftigen, zumal wenn sie aus dem eigenen Land kommt? Die Schweizerin Viviane Chassot legt nun ein Album vor, das auf seine ungewöhnliche Weise die überaus virtuose und tänzerische Musik Rameaus wieder populärer machen könnte: Die international bekannte Akkordeon-Virtuosin hat ausgewählte Werke, die eigentlich für Cembalo geschrieben worden sind, für ihr eigenes Instrument transkribiert und aufgenommen.
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Die aktuelle besondere CD-Empfehlung der Holland Baroque Society “Barbaric Beauty”, die mit dem slowakischen Violinisten Miloš Valent und dem Hackbrett-Solisten und Flötisten Jan Rokyta entstand, ist ein unterhaltsames Beispiel für eine Genre-übergreifende Zusammenarbeit, die die barocken Tänze von Georg Philipp Telemann (1681-1767) in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dies kann man nicht nur auf der aktuellen CD nachhören, sondern auch in diesem kurzen Konzert-Video ansehen:

Holland Baroque Society meets Miloš Valent: Barbaric Beauty – Telemann & 18th c. Dance ManuscriptsDie SACD Barbaric Beauty – Telemann & 18th c. Dance Manuscripts von Holland Baroque Society meets Miloš Valent mit Jan Rokyta ist am 16. September 2011 auf Channel Classics (CCS 31911) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Holland Baroque Society meets Miloš Valent: Barbaric Beauty – Telemann & 18th c. Dance ManuscriptsIch habe schon fast damit gerechnet, dass die neue SACD der Holland Baroque Society mit Tänzen von Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Volkstänzen aus dem polnisch-ungarisch-mährischen Grenzgebiet auf ein positives Echo stoßen wird. Kein Wunder: Die Zusammenarbeit des niederländischen Spitzenensembles mit dem slowakischen Violinisten Miloš Valent und dem Hackbrett-Solisten und Flötisten Jan Rokyta ist wirklich ein überzeugendes Plädoyer für die Musik des stets unterbewerteten Telemann und außerdem ein durch und durch inspiriertes (und unterhaltsames!) Beispiel für eine Genre-übergreifende Zusammenarbeit. Nun wurde die Channel Classics Produktion beim Deutschlandradio Kultur als »CD der Woche« empfohlen.
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Georg Philipp TelemannDie Musik von Georg Philipp Telemann (1681-1767) steht heutzutage immer noch etwas im Schatten seines ungleich bekannteren und populäreren Freundes Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das war zu Lebzeiten völlig anders, da galt Telemann als sehr einflussreicher Impulsgeber und Innovator der Musik. Spätestens ab 1721, als er Stadtmusikdirektor in Hamburg wurde (und wenig später auch die Leitung der dortigen Oper übernahm), wurde er landesweit berühmt; ein ausgedehnter Besuch in Paris 1737/38 brachte den internationalen Durchbruch.

Telemann war nicht nur äußerst bekannt und erfolgreich, er war auch ungemein produktiv. In der Wikipedia kann man nachlesen:

Mit über 3600 verzeichneten Werken ist Telemann einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Dieser große Umfang ist teils auf seine flüssige Arbeitsweise, teils auf eine mit 75 Jahren sehr lange Schaffensphase zurückzuführen. (…) Telemanns Erbe umfasst alle zu seiner Zeit verbreiteten Gattungen. Allerdings sind viele Kompositionen verschollen. Aus Telemanns Anfangszeit sind nur wenige Werke erhalten; der Großteil der überlieferten Stücke fällt in die Zeit von Frankfurt und Hamburg.

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Ramon Ortega Quero: OboenkonzerteNachdem die erst am Freitag bei Genuin erschienene CD Oboenkonzerte -  von J. S. Bach, G. P. Telemann, C. Ph. E Bach des jungen spanischen Oboisten Ramón Ortega Quero beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik als CD-Tipp vorgestellt wurde, zieht nun der ostdeutsche Sender mdr Figaro nach. Redakteurin Beatrice Schwartner hat das Album zur dieswöchigen »CD der Woche« gekürt.

Sie schreibt über Ortega Quero:

»Der spanische Oboist Ramón Ortega Quero zählt mit Anfang Zwanzig zwar noch zu den jungen Musikern. Dennoch verfügt er über eine hohe musikalische Reife und Ausdruckskraft.«

und schwärmt über sein Spiel auf der CD:

»Ramón Ortega Quero spielt die Werke voller Tiefgang, lotet die Facetten der Musik gefühlvoll aus und lässt sie glänzen oder den Hörer sanft streicheln. Er spielt das Instrument nicht nur, er wird gleichwohl eins mit der Oboe. Eine innige Erfahrung!«

Den Podcast mit der gesamten Kritik kann man → hier anhören.
Den Artikel zur »CD der Woche« findet man → hier.

Die CD Oboenkonzerte von Ramón Ortega Quero mit der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Peter Rainer ist am 16. September 2011 bei Genuin (GEN 11209) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Ramon Ortega Quero: OboenkonzerteDer ARD-Musikwettbewerb ist seit 60 Jahren eine internationale Institution und ein guter Gradmesser für aufkommende Karrieren ambitionierter Ausnahme-Musiker. Dank der Bandbreite des Wettbewerbs machten hier viele Weltstars der unterschiedlichsten Instrumente zum ersten Mal auf sich aufmerksam:  Jessye Norman, Maurice André, Christoph Eschenbach, Mitsuko Uchida, Thomas Quasthoff, Christian Tetzlaff, Sharon Kam, Heinz Holliger, das Quatuor Ebène und viele weitere starteten von München aus ihre Karriere. Sicher: Eine Auszeichnung bei diesem (oder generell bei jedem) Wettbewerb ist noch kein Freifahrtschein in die erfolgreiche Karriere als Musiker, doch lässt sich an einem Bestehen vor den fachkundigen Kritikern und dem sachkundigen Publikum ziemlich gut das Potential eines Künstlers ablesen.
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Ramon Ortega Quero: OboenkonzerteDa waren die öffentlich-rechtlichen Radiosender schon wieder schneller als blog.codaex.de und sogar als der Handel. Bereits vor der Veröffentlichung morgen wurde das neue, bei Genuin erscheinende Album Oboenkonzerte -  von J. S. Bach, G. P. Telemann, C. Ph. E Bach des jungen spanischen Oboisten Ramón Ortega Quero, seines Zeichens erster Preisträger im Fach Oboe beim 59. ARD-Musikwettbewerbs (2007) und diesjähriger Preisträger der Nachwuchspreises beim Echo Klassik 2011, als CD-Tipp beim großen süddeutschen Kultursenders BR-Klassik vom Redakteur Bernhard Neuhoff vorgestellt.
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