In der Weihnachtszeit hört man gerne Chormusik. Die Laienchöre, erst recht die professionellen, haben in der Adventszeit ihre Hoch-Zeit. Material gibt es genug, sowohl weihnachtliches, als auch für Weihnachten geeignetes, allgemeineres Chor-Repertoire. Die Menschen haben offenbar in dieser Zeit das Bedürfnis nach feierlichen Chören, nach dem Zusammen-Singen. Vielleicht steckt in unserer Freude an Chormusik in der Weihnachtszeit auch eine verborgene Sehnsucht nach spiritueller Gemeinschaft? Müßig darüber zu sinnieren…
Nicht nur in den Kirchen und Konzerthallen erklingen nun verstärkt Chöre, auch auf dem Tonträger-Markt ist die Adventszeit die klassische Zeit der Chormusik-CDs. Die zahlreichen Neu- und Wiederveröffentlichungen des Genres konzentrieren sich im Jahr (neben der Osterzeit) auf die Wochen vor Weihnachten. Es ist schier unmöglich hier den Überblick zu behalten: Welche Neuanschaffung lohnt sich? Welcher Chor kann hohen Ansprüchen genügen? Welches Repertoire will man eigentlich hören? Will man lieber ein einzelnes Werk vollständig hören oder eine Auswahl an Highlights?
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Als der estnische Komponist Arvö Pärt (*1935) nach frühen Kompositionen neoklassizistischer, später serieller Art und nach einer langen schöpferischen Pause 1976 das Klavierstück “Für Alina” veröffentlichte, hatte er in dieser Pause eine eigene, sehr reduzierte Klangsprache entwickelt, die für sein Œuvre fortan prägend sein sollte. Er nannte sie “Tintinnabuli-Stil”. abgeleitet vom lateinischen Wort für Glöckchen. Damit spielte er auf das “Klingeln” des Dreiklangs an, der eine zentrale Rolle in dieser Kompositionstechnik hat. Die Wikipedia schreibt dazu
»Kompositionstechnisch bestehen Pärts Tintinnabuli-Werke aus zwei Stimmen: Eine Stimme besteht aus einem Dur- oder Moll-Dreiklang, die zweite ist die Melodiestimme, die nicht zwingend in derselben Tonart steht wie die erste. Beide Stimmen sind durch strenge Regeln miteinander verknüpft. Der kleinste musikalische Baustein ist der Zweiklang, weshalb auch die Melodiestimme aus zwei Stimmen besteht. Die daraus entstehenden Gebilde entbehren trotz der Einfachheit des Materials und dem Ziel der Reduktion auf das Wesentliche jedoch nicht der Komplexität. Mit Hilfe alter Techniken wie des Proportionskanons entwickelt er Formen, die durch ihre Regelmäßigkeit große Ruhe ausstrahlen. Die Statik der Dreiklangstöne repräsentiert sozusagen die Ewigkeit, die Dynamik des Melodischen die Vergänglichkeit der Zeit.«
Hinter dem einfach klingenden Resultat steckt also eine durchdachte, ja fast schon mathematische Formel, die den Klang auf das Wesentliche reduziert. Diese ‘einfach klingende’ (und das meine ich gewiss nicht wertend), aber ungemein suggestiv wirkende Musik erschloss Pärt breite Hörerschichten. Ohne es vielleicht mit seiner introvertierten Musik beabsichtigt zu haben, wurde er zu einem der meist gehörten zeitgenössischen Komponisten.
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