Posts Tagged “21. Jahrhundert”
Es gibt etwas ungemein Internationales an der Musik des US-amerikanische Komponisten Philip Glass (*1937). Kaum ein anderer lebender zeitgenössischer Komponist kann auf ein so großes, geradezu weltweites Netz von Bewunderern und Förderern, von Musikern und Hörern blicken, wie der in Maryland geborene, seit Jahren in New York fest verwurzelte Glass. Die Werke des Musikers und Komponisten werden überall auf der Welt (ur-)aufgeführt und selbst seine Opern feiern beileibe nicht nur in seiner Heimat große Erfolge. Ob Finnland, die Niederlande, Deutschland Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, England, Portugal oder, wie im Fall der neuen Veröffentlichung In The Penal Colony des Glass-eigenen Label Orange Mountain Music, Wales: Die Musik von Philip Glass scheint überall heimisch zu sein, scheint überall verstanden zu werden. Dieses Finden einer universell verständlichen musikalischen Sprache ist sicher eines der Geheimnisse, die Glass zu einem der wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts machen.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Minimal Music, Oper, Philip Glass
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Sofia Gubaidulina (*1931) will nicht als religiöse Komponistin verstanden werden, und nicht nur die Höflichkeit gebietet es, von solchen Schlagworten Abstand zu halten. Denn auch wenn sie zu großen Themen des Glaubens arbeitet und 2009 vollkommen zu Recht den Preis der Europäischen Kirchenmusik erhielt, ist ihre religiöse Kunst nicht das, was man leichtfertig „geistliche Musik“ nennen würde. Mit den „Sieben Worten“ und „In Croce“ liegen nun zwei Kompositionen Gubaidulinas in einer neuen Aufnahme vor, die seit langer Zeit als exemplarisch für ihre Auseinandersetzung mit christlichen Inhalten stehen. Sie wurden für Etcetera Records neu eingespielt vom Baskischen Nationalorchester (auf Baskisch Euskadiko Orkestra) unter der Leitung von José Ramón Encinar und den Solisten Iñaki Alberdi (Akkordeon) und Asier Polo (Violoncello). Diese CD gehört zu den ausgezeichneten Veröffentlichungen des vergangenen Jahres, mit denen die Komponistin anlässlich ihres 80. Geburtstages geehrt wurde – und ist zugleich ein Dokument des tiefen künstlerischen Austauschs, den sie mit den Interpreten ihrer Musik pflegt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Akkordeon, Cello, Gast-Rezension, Orchester, Sofia Gubaidulina
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Der US-amerikanische Saxophonist, Komponist und Bandleader Steve Coleman (*1956) gehört zu den bedeutendsten Figuren im Jazz des späten 20. / frühen 21. Jahrhunderts. Bei kaum einen anderen Jazzmusiker seiner Generation (und erst recht bei kaum einen Saxophonisten) sind sich Kritiker, Publikum und Musiker-Kollegen über eine so lange Zeit so einig. In der Wikipedia kann man es nachlesen:
»Der Klarinettist Don Byron bezeichnete Steve Coleman als “Ausnahmepersönlichkeit der amerikanischen Musikgeschichte”. Der Pianist Vijay Iyer sagte im Jahr 2010: “In meinen Augen ist Steve [Coleman] so bedeutend wie [John] Coltrane. Er hat einen gleich großen Beitrag zur Musik-Geschichte geleistet. Er verdient, in den Pantheon der wegweisenden Künstler aufgenommen zu werden.”«1
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Schlagwörter: 21. Jahrhundert, Ethno, Jazz, Steve Coleman, Weltmusik, Yoruba
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Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
Sofia Gubaidulina (*1931) und ihr weites, vielseitiges Werk erfahren in diesem Jahr allseits besondere Aufmerksamkeit, anlässlich des 80. Geburtstages der großen Komponistin. Bei Neos legt Martin Heinze nun eine umfassende Sammlung ihrer Arbeiten für Kontrabass vor – ein Genuss für Ohr und Geist, der mehr als drei Stunden währt und auch für denjenigen noch Überraschendes birgt, der Gubaidulinas Musik bereits für sich entdeckt hat. Von ihren künstlerischen Anfängen bis in die Gegenwart hinein reichen die Stücke für Kontrabass, die hier erstmals in ihrer Gesamtheit eingespielt wurden: eine Wanderung durch die fast fünf Jahrzehnte ihres freien kompositorischen Schaffens, die auch eine gute Einführung in die Klangwelten Sofia Gubaidulinas bietet. Nicht zuletzt liefert Heinze mit diesen drei CDs ein starkes Plädoyer für den Bass, der solistisch und kammermusikalisch weiterhin zu den verkannten Instrumenten gerechnet werden muss, und dessen Fülle an klanglichen Möglichkeiten hier eindrucksvoll hörbar wird.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Kontrabass, Moderne, Sofia Gubaidulina
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Das New Yorker Ensemble Brooklyn Rider hat gerade eine exzellente Gesamteinspielung der Werke für Streichquartett von Philip Glass (*1938) veröffentlicht (Besprechung im Blog → hier) und hat sich damit als eines der interessantesten US-amerikanischen Kammerensembles für zeitgenössische Musik empfohlen.
Aber Brooklyn Rider können deutlich mehr, als “heimische Musik” interpretieren: Sie haben ein ausgesprochenes Faible (und Talent) für die Musik von Claude Debussy (1862-1918), schreiben ihre eigenen hochinteressanten Werke oder arrangieren persische oder kurdische Volkslieder zu spannenden, effektvollen Streichquartett-Miniaturen.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Brooklyn Rider, Claude Debussy, Colin Jacobsen, Folklore, Kammermusik, Minimal Music, Streichquartett, Weltmusik
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Mystische Gotteserfahrungen haben in allen Weltreligionen Tradition. Das geradezu sinnliche Erleben einer tief spirituellen Beziehung zu Gott gehören zu den Grenzerfahrungen der menschlichen Psyche, die Einheit mit Gott (oder dem Göttlichen) spiegelte sich bei vielen Mystikern in Kunstwerken von beeindruckender Schönheit und Intensität wieder. Christliche Mystiker gab es in allen Epochen des Christentums, darunter befinden sich bemerkenswert viele, deren Wirken auch heute noch eine große Faszination auf die Menschen ausübt, nicht nur im geistlichen, sondern auch im künstlerischen Sinne: Man denke an den hl. Augustinus von Hippo (354–430), die hl. Hildegard von Bingen (1098–1179), oder den hl. Franz von Assisi (1181/1182–1226), die hl. Teresa von Ávila (1515–1582) und der hl. Johannes vom Kreuz (1542–1591), die direkt (durch eigene poetische und/oder musikalische Werke) oder indirekt (durch Vertonungen) tief in der Kultur des christlichen Abendlandes verwurzelt sind. Letztere beiden beeinflussten maßgeblich die Komponisten der goldenen Ära der spanischen Renaissance, allen voran Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611).
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Schlagwörter: 21. Jahrhundert, Chorwerke, Harry Christophers, Mystik, Roderick Williams, Ruth Byrchmore, sakrale Musik, Tarik O'Regan, The Sixteen
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Das 2005 von drei Studenten der Hochschule für Musik und Theater in Hannover gegründete Leibniz Trio, benannt nach dem großen Universalgelehrten des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), ist Preisträger des DMW 2010 (Deutscher Musikwettbewerb), der jährlich vom Deutschen Musikrat verliehen wird und wohl der bedeutendste deutsche Förderpreis für junge Musiker ist. Spätestens seit dieser Preisverleihung gehört das junge Trio, bestehend aus Hwa-Won Pyun, Violine (*1982 in Solingen); Lena Wignjosaputro, Violoncello (*1983 in Essen) und Nicholas Rimmer, Klavier (*1981 in Wigan/ Nordengland) ein vielbeschäftigtes Ensemble, das mit Nachdruck in die erste Reihe der deutschen Kammerensembles drängt.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Antonin Dvorak, Frank Martin, Joseph Finlay, Kammermusik, Klaviertrio, Moderne, Postmodern, Romantik
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Der britische Komponist Michael Nyman (*1944) gehört zu den derzeit weltweit bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten. Er ist hierzulande vor allem für seine Filmmusiken (und hier insbesondere für die Musik des Jane-Campion-Films Das Piano) bekannt; seine zahlreichen Opern, seine Kammermusik und Orchesterwerke bleiben für große Teilen des Publikums ein Geheimtipp, den es zu entdecken gilt. Wie so viele Komponisten des 20. Jahrhunderts (s. auch zuletzt hier im Blog → Nino Rota), ist die Filmmusik nur eine Facette des künstlerischen Schaffens, die aufgrund ihres Erfolgs die gesamte Bandbreite des Œuvres ein wenig überlagert. In der englischsprachigen Welt finden allerdings auch jene Werke ein breiteres Publikum, die nicht spezifisch für Filme geschrieben wurden, eine Tendenz, die sich in den vergangenen Jahren erfreulicherweise auch auf Kontinentaleuropa und insbesondere auf Deutschland zu übertragen scheint. In Zusammenarbeit mit dem Badischen Staatstheater in Karlsruhe wurden zwischen 2002 und 2005 gleich drei seiner Opern uraufgeführt: Im Jahr 2002 »Facing Goya«, 2004 »Man and Boy: DaDa« und 2005 »Love Counts«.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Michael Nyman, Minimal Music, Oper
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In der etwas unübersichtlichen Welt der internationalen Musikpreise gibt es erstaunlich wenige Preise, die ihr Hauptaugenmerk auf das legen, was die Musik im Grunde ausmacht – die Komposition – und erstaunlich viele, die ihren Schwerpunkt auf Solisten einerseits und veröffentlichte Tonträger andererseits legen. Eine Ausnahme bildet hier der Ivor Novello Award. Benannt nach dem walisischem Entertainer der 1930er und 1940er Jahre Ivor Novello, ist es ausdrücklich (»Honouring excellence in music writing«) ein (genreübergreifender) Preis für Songwriter und Komponisten und hat einen entsprechend hohen Stellenwert bei der Zunft. Die Verleihung der sogenannten “Ivors” findet bereits seit 1955 jährlich statt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Ivor Novello Awards, Michael Nyman
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Die Ende der 1960er aufgekommene Minimal Music hat in vielerlei Hinsicht die Hörgewohnheiten in der Musik nachhaltig verändert und mit vielen traditionellen Vorstellungen der Musik (und der Kompositionsweise) gebrochen. Seitdem die Musik von Komponisten wie John Adams (*1947), Philip Glass (*1937), Terry Riley (*1935) und Steve Reich (*1936) weite Schichten der Musikhörerschaft erreicht hat (und es ist beileibe nicht nur das ‘klassische Publikum’, das diese Musik hört, im Gegenteil: Gerade hier finden sich bis heute noch die meisten Skeptiker), ist Monotonie, das Repetitive, das sich nur langsam verändernde Werk mit eingeschränktem Tonumfang (also gewissermaßen das Gegenteil vom Ideal der Klassik und Romantik) ‘erlaubt’. Mehr noch: Das freie Wählen der ausführenden Musiker zwischen verschiedenen möglichen Instrumentierungen, verschiebbaren Kompositionsabschnitten (sogenannten ‘Clustern’), möglichen Wiederholungen (oder Kürzungen), kurzum, die deutlich freieren Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb eines Werkes, haben zu einem ganz neuen Ansatz im Musik machen und Musik hören geführt. Es gibt eine neue Balance zwischen dem Werk und den Interpreten.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Minimal Music, Perkussion, Steve Reich
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