Posts Tagged “20. Jahrhundert”

Juliana Steinbach: Hommage à Debussy - Works for Piano (CD I)Claude Debussy (1862-1918) entdeckte 1905 den Salon-Blüthner für sich und seine Musik, sein Klang sollte seinen Kompositionsstil nicht unwesentlich beeinflussen. Vor einigen Wochen erschien die erste CD der auf vier Veröffentlichungen angelegten Reihe »Hommage à Debussy – Works for Piano«, bei der vier junge internationale Pianisten das Klavierwerk von Debussy aus der Sammlung Blühtner einspielen – selbstverständlich auf einem Blüthner. Die Reihe erscheint bei der Leipziger Plattenfirma Genuin, die zurecht als Talentschmiede gilt, haben hier doch in den vergangenen Jahren zahlreiche deutsche und internationale Nachwuchs-Künstler bemerkenswerte CDs veröffentlicht.

Den Anfang macht die Brasilianerin Juliana Steinbach mit Debussy-Kompositionen von 1890-1910, darunter die bekannte Suite bergamasque (1890) und die die Images I (1905) & II (1907). Die Redakteurin Beatrice Schwartner hat nun die CD für den mitteldeutschen Kultursender mdr Figaro in der Rubrik »Take 5« vorgestellt.
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Eine neue, auf 5 CDs angelegte Reihe des Altenburger Labels Querstand erkundet das Werk des Komponisten Günter Raphael (1903-1960) – und überrascht mit dem ganz unkonventionellen Programm der beiden jüngst erschienenen Ausgaben Nummer 1 und 2. Raphael ist durchaus kein Unbekannter, seine Sinfonien und Vokalkompositionen, aber auch seine Kammermusik haben sich in einer signifikanten Diskographie niedergeschlagen. Die neue Edition aber, eine Initiative der Christine-Raphael-Stiftung, geht nun einen eigenständigen, sehr überzeugenden Weg. Weder verfolgt die Reihe einen enzyklopädischen Anspruch, noch werden die Rosinen herausgepickt, die den Publikumserwartungen wahrscheinlich am unmittelbarsten entsprechen und so den größten Effekt bieten würden. Komplementär zu dem im Jahr 2010 anlässlich des 50. Todestages Raphaels veröffentlichten Tagungsband „Erkundungen zu Günter Raphael“ wagen sich die beiden ersten CDs der Edition direkt an trefflich gewählte Aspekte dieses äußerst interessanten Œuvres und skizzieren in großen Bögen, wie sehr sich die Beschäftigung mit Raphael lohnt. Den Rest des Eintrages lesen »

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Alban Gerhardt, Cecile Licad: Gabriel Fauré, Cello Sonatas„Encores“ hatte der Berliner Cellist Alban Gerhardt zum Thema einer vielbeachteten CD gemacht, auf der er vor gut einem halben Jahr ausgesuchte Zugaben seines großen Idols Pau Casals neu interpretierte. Meilenweit entfernt von jeder wohlfeilen Cello-Hit-Sammlung stellte diese Hommage, die Gerhardt gemeinsam mit der philippinischen Pianistin Cecile Licad einspielte, eine ebenso ausgefallene wie klug musizierte Idee vor. Sehr wenige Monate vergingen nach dieser im Juni 2010 entstandenen Aufnahme, bis das Duo im Oktober desselben Jahres Gabriel Fauré (1845-1924) zur Einspielung brachte – sollte da mehr zu hören sein können als eine Zugabe zur Zugabe, nach dem Muster „Élégie plus X“? Aber bei aller Skepsis: das wäre nicht das Niveau dieser beiden Musiker. Gewiss ist ihr Fauré-Programm konzeptuell nicht so unorthodox-innovativ wie die Hommage an Casals, dafür überzeugt die wiederum bei Hyperion Records erschienene CD „Gabriel Fauré – Cello Sonatas“ aber durch die mustergültig gelungene Interpretation einer anspruchsvollen Materie. Den Rest des Eintrages lesen »

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Vor nunmehr sieben Jahren begründeten die Geigerin Ilona Then-Bergh und der Pianist Michael Schäfer die Reihe „Unerhört“ beim Leipziger Label Genuin. Ilona Then-Bergh · Michael Schaefer · Wen-Sinn Yang: Leonid Sabaneev - Piano TriosAls erste CD dieser Reihe erschienen dort 2006 die Klavierwerke von Cyril Scott (bei → amazon.de | bei → jpc.de). Seitdem haben die beiden Interpreten, die es sich zur Aufgabe machen, verschollene Schätze der Klavier- und Kammermusik (wieder) zu entdecken, so manche Trouvaille zutage befördert – zuletzt die wahrlich „unerhört“ guten Violinsonaten von Grigorij Krein und Samuil Feinberg (s. → Besprechung). Wer geglaubt hat, schöner könne es nun nicht mehr werden, wird durch das Erscheinen der beiden Klaviertrios von Leonid Sabaneev (1881-1961, auch Sabaneyeff oder Sabenejew geschrieben) eines Besseren belehrt: Die vorliegende CD ist mehr als „nur“ unerhört. Es handelt sich um nichts Geringeres als um eine Sensation von musikhistorischer Tragweite, die das Zeug dazu hat, die Lehrbücher und Lexika neu zu schreiben.
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Über die unüberhörbaren Ähnlichkeiten von zeitgenössischer populärer Musik und solcher aus der Renaissance habe ich an dieser Stelle bereits öfter geschrieben. Die vier Jahrhunderte, die die Epochen voneinander trennen, scheinen musikalisch nicht immer ins Gewicht zu fallen. Und richtig: Wenn man die Renaissance als Anfangspunkt der Neuzeit sieht, in der viele Strukturen entwickelt wurden die heute noch gültig sind, dann ist diese Nähe nicht weiter verwunderlich. Während sich Teile der Kunstmusik immer weiter entwickelt haben (und sich vom ursprünglichen Renaissancelied mit seiner einfachen Melodie und seiner simplen Struktur immer weiter entfernten), blieben einfache Liedstrukturen nahezu unverändert, vielleicht auch, weil es gar nicht so viele Arten geben kann, wie man ein Lied aufbaut.
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Dmitri Shostakovich (1906-1975) war nicht nur ein überaus vielseitiger und produktiver Komponist, sondern auch ein versierter Pianist. Dmitri ShostakovichBis in die späten 1950er Jahre führte er regelmäßig seine eigenen Werke auf. Dabei entstanden auch einige Aufnahmen, wie zum Beispiel die legendäre Aufnahme der beiden Klavierkonzerte mit dem Orchestre National de la Radiodiffusion Française unter André Cluytens 1959. Danach (und schon während der Aufnahmen) litt er zunehmend unter einer chronischen Rückenmarkserkrankung, die als Folge seine rechte Hand immer stärker lähmte. Noch bis in die 1930er Jahre, als er als Komponist bereits über die Grenzen der Sowjetunion bekannt war, gab er gelegentlich Konzerte am Klavier; in seiner Studienzeit gar hatte er sein Geld als Stummfilm-Begleiter verdient . Das Klavier war lange Zeit Shostakovichs ureigene Ausdrucksform und obwohl zahlreiche zentrale Werke seines Œuvres für Orchester (u. a. die 15 Sinfonien) und für Kammermusik-Ensembles (u.a. die 15 Streichquartette) entstanden, spielt das Klavier eine wichtige Rolle in Shostakovichs Klangwelt.

Neben den 24 Präludien für Klavier solo, op. 34 (1932/33), den 24 Präludien und Fugen für Klavier solo, op. 87 (1950/51) und einigen intimen Lied-Zyklen mit Klavierbegleitung, zählen die beiden Klavierkonzerte  in c-Moll, op. 35 (1933) und F-Dur, op. 102 (1957) zu seinen wichtigsten Werken mit Klavier. Das besondere an den beiden Klavierkonzerten ist, dass sie, im Vergleich zu vielen anderen zentralen Werken Shostakovichs, ungewöhnlich heiter (und in den langsamen Sätzen bemerkenswert lyrisch) sind. Der Komponist meinte dazu selbst nach einer Aufführung des ersten Konzerts: »Ich wollte eine gute und unterhaltsame Musik schreiben, die möglicherweise sogar einem anspruchsvolleren Hörer Vergnügen bereiten könnte.«
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Tanja Becker-Bender, Konzerthausorchester Berlin, Lothar Zagrosek: The Romantic Violin Concerto Vol. 11 - Max RegerUnser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer merkte in seiner Besprechung bereits an, dass die nun erschienene Neuaufnahme des Violinkonzerts von Max Reger (1873-1916) mit der Solistin Tanja Becker-Bender und dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Lothar Zagrosek »eine gute Gelegenheit [böte], den “Fall Reger” neu zu überdenken«. Tatsächlich hat die neueste Ausgabe der Hyperion-Reihe The Romantic Violin Concerto“ nun für etwas Aufmerksamkeit bei den deutschsprachigen Kultursendern gesorgt.

Ulrike Klobes vom nordostdeutschen rbb Kulturradio hat nun das Album besprochen und mit 4 von 5 Punkten (“gelungen”) ausgezeichnet.
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B'Rock: A. Vivaldi - J. Cage - 8 SeasonsOffenbar hat nicht nur beim Unterzeichnenden die neue Doppel-CD des belgischen Originalinstrumente-Ensembles B’Rock einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern auch bei den Redakteuren der deutschen Kultursender.

Auf dem Album 8 Seasons koppeln die unkonventionellen Belgier die berühmten Violinkonzerte Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi (1678-1741) mit einer Barockorchester-Bearbeitung des Streichquartetts von John Cage (1912-1992). In der Rubrik »Take 5« des mitteldeutschen Kultursenders mdr Figaro wurde nun das Album den Hörern ans Herz, pardon ans Ohr gelegt.
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Es gibt etwas ungemein Internationales an der Musik des US-amerikanische Komponisten Philip Glass (*1937). Kaum ein anderer lebender zeitgenössischer Komponist kann auf ein so großes, geradezu weltweites Netz von Bewunderern und Förderern, von Musikern und Hörern blicken, wie der in Maryland geborene, seit Jahren in New York fest verwurzelte Glass. Philip Glass (Florenz 1993) - Bild: (cc-by-sa 2.0)  Pasquale SalernoDie Werke des Musikers und Komponisten werden überall auf der Welt (ur-)aufgeführt und selbst seine Opern feiern beileibe nicht nur in seiner Heimat große Erfolge. Ob Finnland, die Niederlande, Deutschland Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, England, Portugal oder, wie im Fall der neuen Veröffentlichung In The Penal Colony des Glass-eigenen Label Orange Mountain Music, Wales: Die Musik von Philip Glass scheint überall heimisch zu sein, scheint überall verstanden zu werden. Dieses Finden einer universell verständlichen musikalischen Sprache ist sicher eines der Geheimnisse, die Glass zu einem der wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts machen.
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Dmitri ShostakovichÜber die Persönlichkeit des sowjetischen Komponisten Dmitri Shostakovich (1906-1975) ist von der Musikwissenschaft in den letzten Jahrzehnten viel spekuliert worden. Anstoß dieser regelrechten Psychologisierung der Musik Shostakovichs war wohl das Buch des russisch-amerikanischen Musikwissenschaftlers Solomon Volkov Zeugenaussage (besser bekannt unter dem englischen Titel Testimony, 1979), der vermeintlichen Autobiografie Shostakovichs. Auch wenn es heute starke Zweifel an der Authentizität der angeblichen Aussagen Shostakovichs gibt (Volkov stilisiert Dmitri Dmitriyevich als anti-sowjetische, regimekritische Persönlichkeit, deren Werke fast ausschließlich als verbissene Kritik am Stalinismus  zu interpretieren sind), war das Buch der Anlass für eine Neubewertung der Musik Shostakovichs im Ausland, der im Westen zuvor als regimetreuer Muster-Komponist des Ostblocks galt.  Wahrheit oder Fiktion: Volkovs Buch lehrte einen neue, genauere Analyse des Œuvre Shostakovichs und ermöglichte den Blick auf das Matrjoschka-Prinzip in dessen Musik, bei dem die eigentliche Botschaft hinter einer vordergründigen Hülle verborgen bleibt. Erst jetzt wurde man Shostakovichs seelischer Zerrissenheit im Spiegel seiner Musik gewahr.
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