Posts Tagged “20. Jahrhundert”

Amaryllis Quartett - WhiteNicht nur unserem Gast-Rezensenten Nils-Christian Engel gefällt das neue Album des jungen deutsch-schweizerischen, in Köln beheimateten Amaryllis Quartetts außerordentlich gut, auch der große süddeutsche Kultursender BR-Klassik empfiehlt seinen Hörern (und Lesern) das beim Leipziger Label Genuin erschienene Album mit Streichquartetten von Joseph Haydn (1732-1809) und Anton Webern (1883-1945). Der  Redakteur Bernhard Neuhoff hat die Produktion in der Rubrik »CD-Tipps« vorgestellt.

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Martin Heinze · KlangArt Berlin and friends: Sofia Gubaidulina - Chamber Music with Double BassUnser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.

Sofia Gubaidulina (*1931) und ihr weites, vielseitiges Werk erfahren in diesem Jahr allseits besondere Aufmerksamkeit, anlässlich des 80. Geburtstages der großen Komponistin. Bei Neos legt Martin Heinze nun eine umfassende Sammlung ihrer Arbeiten für Kontrabass vor – ein Genuss für Ohr und Geist, der mehr als drei Stunden währt und auch für denjenigen noch Überraschendes birgt, der Gubaidulinas Musik bereits für sich entdeckt hat. Von ihren künstlerischen Anfängen bis in die Gegenwart hinein reichen die Stücke für Kontrabass, die hier erstmals in ihrer Gesamtheit eingespielt wurden: eine Wanderung durch die fast fünf Jahrzehnte ihres freien kompositorischen Schaffens, die auch eine gute Einführung in die Klangwelten Sofia Gubaidulinas bietet. Nicht zuletzt liefert Heinze mit diesen drei CDs ein starkes Plädoyer für den Bass, der solistisch und kammermusikalisch weiterhin zu den verkannten Instrumenten gerechnet werden muss, und dessen Fülle an klanglichen Möglichkeiten hier eindrucksvoll hörbar wird.
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Antonio VivaldiAllein in den vergangenen sechs Wochen sind rund ein halbes Dutzend CDs mit den berühmten Violinkonzerten Le Quattro Stagioni von Antonio Vivaldi (1678-1741) neu und wiederveröffentlicht worden. Neben Mozarts Kleiner Nachtmusik, Bachs Toccata und Fuge in d-moll, BWV 565 natürlich und Beethovens Sinfonie No. 5 in c-moll gehören die vier Konzerte zu den populärsten Werken der gesamten Musikgeschichte und stehen sogar oft in CD-Sammlungen, in denen oft keine andere klassische Musik zu finden ist. Es ist müßig über den späten Erfolg der Konzerte zu spekulieren, also warum diese vier Violinkonzerte gerade heutzutage den Geschmack so vieler zu treffen scheinen. Tatsache ist, dass sie erst durch die Aufnahmen der Violinisten Bernardino Molinari (1942), Louis Kaufman (1948) und Felix Ayo (1955, 1959) im 20. Jahrhundert popularisiert wurden. Heute listet die World’s Encyclopedia of Recorded Music mehr als 1000 Veröffentlichungen der Vier Jahreszeiten in allen möglichen (und unmöglichen) Varianten auflistet.
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Amaryllis Quartett: White

Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.

Die Streichquartette Joseph Haydns sind die Gründungsakte ihrer Gattung, und die neue Aufnahme der drei Quartette op. 74 mit dem Takács Quartet wurde unlängst hier im Codaex-Blog als mustergültig gelobt. Nun laden die Kollegen vom Amaryllis Quartett zu einem kontrastreichen Programm ein, das Haydns „Traum-“ und „Reiterquartett“ mit Anton Weberns Fünf Sätzen für Streichquartett konfrontiert. In unschuldiges Weiß gehüllt bieten die vier jungen, vielfach ausgezeichneten Musiker eine argumentativ zugespitzte Lesart der atonalen Revolution.
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Das sonic.art Saxophone Quartet, vormals etwas weniger anglophon das “sonic.art Quartett” (mit zwei t), ist ein hochinteressantes Berliner Kammermusik-Ensemble, das sich aus den Musikern sonic.art Saxophone QuartetRuth Velten (Sopransaxophon), Alexander Doroshkevich (Altsaxophon, Baritonsaxophon), Annegret Schmiedl (Baritonsaxophon) und Martin Posegga (Tenorsaxophon) zusammensetzt. Das vielfach ausgezeichnete Quartett hat sich auf die Fahnen geschrieben hauptsächlich Original-Literatur für Saxophonquartett zu spielen. Das schränkt zwar einerseits das Repertoire ein (immerhin spielen sie gelegentlich auch gelungene Bearbeitungen), andererseits machte es das 2005 gegründete Ensemble binnen kürzester Zeit zu einem der kompetentesten Saxophonquartette für zeitgenössische Musik und hat schon mit bedeutenden Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Helmut Lachenmann, Walter Zimmermann, Georg Katzer, Olga Neuwirth, Fabien Lévy und Steffen Schleiermacher zusammengearbeitet.
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Francis Poulenc (mit Wanda Landowska)Ich wundere mich oft darüber, wie auf wenige Namen beschränkt das internationale Bild der französischen Musik ist. Mir fällt kein anderes Land, besser keine andere Musik-Tradition ein, in der (mir) die Wahrnehmung so eingeengt, so willkürlich erscheint, wie in der französischen Musik. Sicher, Claude Debussy (1862-1918) und Maurice Ravel (1875-1937) sind große und wichtige Komponisten gewesen, aber: War Gabriel Fauré (1845-1924) nicht ebenso Schöpfer ganz außergewöhnlicher, eigenständiger und zeitloser Musik? War Erik Satie (1866-1925) nicht ein genial-visionärer Sonderling seiner Epoche, der vieles vorwegnahm, das erst viel später von anderen Komponisten in der Moderne aufgegriffen werden sollte? War Hector Berlioz (1803-1869) nicht viel mehr als ein One-Hit-Wonder mit der Symphonie Fantastique, sondern einer der einflussreichsten und bedeutendsten Figuren der Romantik? Wird man heute Camille Saint-Saëns (1835-1921) gerecht, wenn man ihn ausgerechnet auf den Karneval der Tiere reduziert? Und warum hat die betörend schöne und intensive Chormusik von Francis Poulenc (1899-1963) nicht einen viel größeren Bekanntheitsgrad?
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Swedish Radio Choir, P. Dijkstra: Francis Poulenc - Figure HumaineDer französische Komponist Francis Poulenc (1899-1963) ist einer der wichtigsten Komponisten weltlicher und geistlicher Chorwerke des 20. Jahrhunderts. In seinem Œuvre verband er Tradition und Moderne. Dabei versuchte er stets menschliche Seelenzustände in eine allgemein verständliche Klangsprache zu übertragen und dabei ganz nah am Leben der Menschen zu bleiben. Seine Kantate Figure Humaine für Doppelchor ohne Instrumental-Begleitung schrieb er beispielsweise 1943 als Zeichen der Hoffnung wider die deutsche Besatzung.

Der renommierte Swedish Radio Choir hat das Werk gemeinsam mit einigen anderen Kompositionen Poulencs für Chor unter der Leitung des niederländischen Dirigenten Peter Dijkstra für das audiophile Label Channel Classics aufgenommen.Die SACD wurde nun als Tipp beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik vom  Redakteur Matthias Keller vorgestellt.

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30 Years Hyperion- LogoIch kann mich nur immer wieder wundern, woher die findigen Leute der die britische Plattenfirma Hyperion Records nur all die romantischen Klavierkonzerte auftreiben, die sie in der Reihe “The Romantic Piano Concerto” zu Gehör bringen. Man sollte doch meinen, dass nach über 50 Volumen und über 100 Konzerten den Machern der Reihe so langsam die Quellen ausgingen oder dass man zumindest einen gewissen Qualitätsabfall bemerken könnte, doch weit gefehlt: Die bei weitem umfangreichste Sammlung mit (hauptsächlich vergessenen) Klavierkonzerten der Romantik bringt auch bei der 54. Veröffentlichung noch echte Highlights zu Tage: Klavierkonzerte (und symphonische Variationen mit Klavier) der beiden heutzutage nahezu vergessenen englischen Komponisten Frederic Hymen Cowen (1852–1935) und Arthur Somervell (1863-1937). Wie so oft bei den Alben der Reihe handelt es sich um Weltersteinspielungen. Als Solist spielt das Romantic-Piano-Collection-erprobte BBC Scottish Symphony Orchestra unter der Leitung von Martyn Brabbins, als Solist ist Martin Roscoe zu hören.
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Mieczyslaw WeinbergBei den Bregenzer Festspielen 2010 wurden bedeutende Teile des Œuvres des polnisch-sowjetischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919-1996) in Spitzenbesetzung aufgeführt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand dabei die szenische Uraufführung seiner Oper Die Passagierin, über 40 Jahre nach deren Fertigstellung 1968.  Darüber hinaus wurden während der Festspiele zwanzig weitere Werke des in Warschau geborenen Komponisten aufgeführt, um die bemerkenswerte Bandbreite der Musik Weinbergs darzustellen.

Nun veröffentlicht die Münchener Plattenfirma Neos Music, ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik, den ersten Teil an Mitschnitten dieser Konzerte, die auf fünf Alben den Auftakt der “Weinberg Edition” bilden: Vol. 1: Sinfonie No. 6, op. 79 · Sinfonietta No. 1, op. 41 | Vol. 2: Sinfonie No. 17 “Memory”, op. 137 | Vol. 3: Requiem, op. 96 | Vol. 4: Cellosonate No. 2, op. 63 · Klavierquintett | Vol. 5, op. 18: “Three Palms” für Streichquartett und Sopran, op. 120 · Streichtrio, op. 48 · Trompetenkonzert No. 1, op. 94; die DVD bzw. BluRay der Oper “Die Passagierin” wurde bereits im November 2010 veröffentlicht.
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Experimentalstudio des SWR: aLuigi Nono - Risonanze errantiDer Venezianer Luigi Nono (1924-1990) galt und gilt als einer der wichtigsten italienischen Komponisten der zeitgenössischen Musik. Anders als die Werke vieler seiner Freunde und Weggefährten, hat sich Nonos (gewiss nicht immer einfache) Musik, über 20 Jahre nach seinem Tod, in den Konzertsälen etabliert. Trotzdem gibt es immer wieder erstaunliche Lücken in der Diskografie Nonos.

Erst jetzt wurde die definitive Fassung (von 1987) seines späten Liederzyklus Risonanze erranti für tiefe Altstimme, Flöte, Tuba, sechs Schlagzeuger und Live-Elektronik vom Experimentalstudio des SWR, den Percussions de Strasbourg und den Solisten Susanne Otto (Contralto), Roberto Fabbriciani (Flöte) und Klaus Burger (Tuba) unter der Leitung von Detlef Heusinger für Neos Music aufgenommen. Die SACD wird ergänzt durch das Post-prae-ludium per Donau für Tuba & Live-Elektronik. Das Album wurde nun als CD-Tipp beim süddeutschen Kultursender BR-Klassik von Helmut Rohm vorgestellt.
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