Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
Die Streichquartette Joseph Haydns sind die Gründungsakte ihrer Gattung, und die neue Aufnahme der drei Quartette op. 74 mit dem Takács Quartet wurde unlängst hier im Codaex-Blog als mustergültig gelobt. Nun laden die Kollegen vom Amaryllis Quartett zu einem kontrastreichen Programm ein, das Haydns „Traum-“ und „Reiterquartett“ mit Anton Weberns Fünf Sätzen für Streichquartett konfrontiert. In unschuldiges Weiß gehüllt bieten die vier jungen, vielfach ausgezeichneten Musiker eine argumentativ zugespitzte Lesart der atonalen Revolution. Den Rest des Eintrages lesen »
Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Auch wenn Beethoven mit seinen späten Streichquartetten in schier unfassbare musikalische Regionen vorgestoßen ist, Komponisten wie Bartók, Janáček oder Webern der Gattung im 20. Jahrhundert buchstäblich unerhörte Facetten abgelauscht haben und Geräusch-„Extremisten“ wie Helmut Lachenmann die klanglichen Möglichkeiten der vier Instrumente heute bis zum Exzess treiben – das gültige Muster der Gattung Streichquartett stammt von ihrem genialen Erfinder: Joseph Haydn. Er und nur er hat – um mit seinem großen Bewunderer Goethe zu sprechen – die „Urpflanze“ geschaffen, an denen sich alle anderen Kompositionen für die Königsdisziplin der Kammermusik auf ewig werden messen müssen.
Als ob es dafür überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, legt das Takács Quartet jetzt eine nicht nur mustergültige, sondern wahrhaft beglückende Einspielung von Haydns Quartetten op. 74 vor. Mit der Aussage „So und nicht anders!“ sollte man vorsichtig sein, weil Interpretationen subjektiv sind und per definitionem immer wieder „anders“ ausfallen (müssen). Gleichwohl sei der Satz im Angesicht dieser wahrhaft überragenden Lesart ausnahmsweise einmal gestattet. Den Rest des Eintrages lesen »
Zum Monatsende gibt es heute ein Video der deutsch-japanischen Violinistin Susanna Yoko Henkel, die das Adagio in E-Dur, KV 261 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) spielt:
Die CD Wolfgang Amadeus Mozart – Violin Concertos Nos. 3 & 5 · Rondo · Adagio des Lithuanian Chamber Orchestra unter der Leitung der Solistin Susanna Yoko Henkel ist am 14. Oktober 2011 auf The Spot (SPOT 288697) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Die Musik von Jean-Philippe Rameau (1683-1764) bleibt trotz einer gewissen Renaissance in den letzten Jahren zumindest hierzulande weitgehend unbeachtet. Vielleicht ist die ‘Konkurrenz’ seiner Zeitgenossen Bach, Händel, Vivaldi und Telemann zu groß um sich durchzusetzen; vielleicht neigt man letzten Endes doch dazu sich mit der vertrauten Musikvergangenheit intensiver zu beschäftigen, zumal wenn sie aus dem eigenen Land kommt? Die Schweizerin Viviane Chassot legt nun ein Album vor, das auf seine ungewöhnliche Weise die überaus virtuose und tänzerische Musik Rameaus wieder populärer machen könnte: Die international bekannte Akkordeon-Virtuosin hat ausgewählte Werke, die eigentlich für Cembalo geschrieben worden sind, für ihr eigenes Instrument transkribiert und aufgenommen. Den Rest des Eintrages lesen »
Ich muss zugeben, ich bin mittlerweile skeptisch, wenn ich neue Recital-CDs von Opernsängern und Sängerinnen sehe. Mittlerweile werden erstaunlicherweise manche Sänger zu regelrechten Pop-Stars stilisiert. Sie treten in Samstagabend-Shows auf und ihre neuen CDs werden auf den Litfaßsäulen beworben, als sei es das Album einer angesagten Souldiva. Ihre CDs landen in Zeiten sinkender Verkäufe immer öfter auf den oberen Positionen der Verkaufscharts, etwas, was noch vor zehn, fünfzehn Jahren völlig utopisch erschien. Aber so sehr ich mich darüber freue, dass die Oper offensichtlich nicht mehr in der öffentlichen Wahrnehmung als altmodisch und angestaubt gilt, so sehr ich mich darüber freue, dass sowohl Sänger und Sängerinnen, als auch die Öffentlichkeit das Klischee von der “dicken Frau mit der lauten Stimme” offenbar überwunden ist, so enttäuscht bin ich meistens, wenn ich dann die künstlerischen Ergebnisse der “neuen Klassikstars” anhöre. Zählte früher die Stimme, die Technik, die Ausstrahlung und die Wandlungsfähigkeit, so wird heute scheinbar viel mehr Gewicht auf Fotogenität und Konformität gelegt. Den Mythos erschafft dann die Marketing-Maschinerie von fast alleine. De facto sind die Ergebnisse dieser Künstler oft ordentlich, aber nicht wirklich überragend (wie der Medien- und Marketingrummel suggeriert). Außerdem beschränkt man sich oft auf ein “Best-of”-Repertoire, damit Klassik-Einsteiger ja nicht verschreckt werden von schrillen Tönen (eine Haltung, die ich für ausgesprochen kurzsichtig und falsch halte), kurzum: Wer auch nur ein wenig die Nase, pardon, die Ohren in die Opernaufnahmen der letzten 50 Jahre gesteckt hat, der wird von den Hochglanz-Veröffentlichungen enttäuscht sein. Den Rest des Eintrages lesen »
Die aktuelle besondere CD-Empfehlung der Holland Baroque Society “Barbaric Beauty”, die mit dem slowakischen Violinisten Miloš Valent und dem Hackbrett-Solisten und Flötisten Jan Rokyta entstand, ist ein unterhaltsames Beispiel für eine Genre-übergreifende Zusammenarbeit, die die barocken Tänze von Georg Philipp Telemann (1681-1767) in einem anderen Licht erscheinen lässt. Dies kann man nicht nur auf der aktuellen CD nachhören, sondern auch in diesem kurzen Konzert-Video ansehen:
Die SACD Barbaric Beauty – Telemann & 18th c. Dance Manuscripts von Holland Baroque Society meets Miloš Valent mit Jan Rokyta ist am 16. September 2011 auf Channel Classics (CCS 31911) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Ich habe schon fast damit gerechnet, dass die neue SACD der Holland Baroque Society mit Tänzen von Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Volkstänzen aus dem polnisch-ungarisch-mährischen Grenzgebiet auf ein positives Echo stoßen wird. Kein Wunder: Die Zusammenarbeit des niederländischen Spitzenensembles mit dem slowakischen Violinisten Miloš Valent und dem Hackbrett-Solisten und Flötisten Jan Rokyta ist wirklich ein überzeugendes Plädoyer für die Musik des stets unterbewerteten Telemann und außerdem ein durch und durch inspiriertes (und unterhaltsames!) Beispiel für eine Genre-übergreifende Zusammenarbeit. Nun wurde die Channel Classics Produktion beim Deutschlandradio Kultur als »CD der Woche« empfohlen. Den Rest des Eintrages lesen »
Eine Neuaufnahme des berühmten Requiem in d-Moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart (1956-1791) wäre eigentlich nichts Besonderes, wenn sie nicht, wie in diesem Fall, von Harry Christophers, einem der renommiertesten Experten für Chormusik, und der altehrwürdigen und herausragenden Handel and Haydn Society in Boston gemacht worden wäre. Seit 2009 leitet Christophers nicht nur das von ihm gegründete englische Ensemble The Sixteen, sondern auch das fast 200 Jahre alte Originalinstrumente-Ensemble aus Neu-England. Nach ihrer gemeinsamen Debüt-CD mit der Großen Messe in c-Moll, KV 427 Mozarts (erschienen auf Coro, COR 16084) haben sie nun das sagenumwobene letzte Werk Mozarts aufgenommen. Ergänzt wird die neue CD durch eine Aufnahme des Ave Verum, KV 618 für Chor, Streicher und Orgel (das ein halbes Jahr vor Mozarts Tod, zeitgleich mit der Zauberflöte entstand) und der Erstaufnahme auf historischen Instrumenten der Konzertarie Per questa bella mano, KV 612 für Bass, Orchester und Kontrabass obligato (ebenfalls von 1791). Den Rest des Eintrages lesen »
Die Musik von Georg Philipp Telemann (1681-1767) steht heutzutage immer noch etwas im Schatten seines ungleich bekannteren und populäreren Freundes Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das war zu Lebzeiten völlig anders, da galt Telemann als sehr einflussreicher Impulsgeber und Innovator der Musik. Spätestens ab 1721, als er Stadtmusikdirektor in Hamburg wurde (und wenig später auch die Leitung der dortigen Oper übernahm), wurde er landesweit berühmt; ein ausgedehnter Besuch in Paris 1737/38 brachte den internationalen Durchbruch.
Telemann war nicht nur äußerst bekannt und erfolgreich, er war auch ungemein produktiv. In der Wikipedia kann man nachlesen:
Mit über 3600 verzeichneten Werken ist Telemann einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Dieser große Umfang ist teils auf seine flüssige Arbeitsweise, teils auf eine mit 75 Jahren sehr lange Schaffensphase zurückzuführen. (…) Telemanns Erbe umfasst alle zu seiner Zeit verbreiteten Gattungen. Allerdings sind viele Kompositionen verschollen. Aus Telemanns Anfangszeit sind nur wenige Werke erhalten; der Großteil der überlieferten Stücke fällt in die Zeit von Frankfurt und Hamburg.
Gleich zwei Titel aus dem Codaex-Vertrieb werden diese Woche beim ostdeutschen Kultursender mdr-Figaro in der Sendung »Take 5« vom Redakteur Claus Fischer empfohlen: Zum einen die Analekta-Neueinspielung der Orchestersuiten Nos. 2 und 4 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) des Ensembles Four Centuries of Bach unter der Leitung des Oboisten John Abberger, die Fischer wegen der neuen Perspektive von der Oboe aus als »frappierend« empfindet, da man »die Musik wie zum ersten Mal« hören würde; zum anderen die audiophile Wiederveröffentlichung der legendären 1976-Einspielungen aus der Paul-Gerhardt-Kirche der vier Sinfonien von Johannes Brahms (1833-1897) vom Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Kurt Masur durch Pentatone Classics. Hier freut sich Claus Fischer darüber, dass durch die Wiederveröffentlichung diese »DDR Referenzaufnahmen« nun endlich wieder ein Vergleich zwischen den moderneren Brahms-Interpretationen unserer Tage und jenen des »Altmeister(s) Masur« möglich ist.
Den gesamten Artikel zur Take-5-Ausgabe vom 12.September 2011 findet man → hier.
Die CD Johann Sebastian Bach – Orchestral Suites Nos. 2 & 4 vom Four Centuries of Bach Ensemble unter der Leitung von John Abberger ist am 17. Juni 2011 auf Analekta (AN 29945) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
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Das 3-SACD-Set Johannes Brahms – The 4 Symphonies des Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Kurt Masur ist am 15. Juli 2011 bei Pentatone Classics (PTC 5186182) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.