Posts Tagged “17. Jahrhundert”

John BlowHand auf’s Herz: Wem fällt heutzutage noch viel zu John Blow (1649-1708) ein? Sicher, der langjährige Organist der Westminster Abbey war ein englischer Komponist des Barock in Zeiten der Restauration, aber über seinen wirklichen Stellenwert innerhalb der englischen Musik ist hierzulande nicht viel bekannt. Dabei war John Blow nicht nur der Lehrer und Mentor des ungleich berühmteren Henry Purcell (1659-1695), er hat auch sehr wahrscheinlich Purcells Meisterwerk, die Oper Dido und Aeneas mit seinem eigenen Magnum Opus maßgeblich beeinflusst, der (nominellen) Masque aus dem Jahre 1683 (vielleicht auch schon 1681) Venus and Adonis, die in Wirklichkeit mit ihrer komplett gesungenen Handlung nichts anderes ist, als eine Oper, wie sie Italienischsprachig Ende des 17. Jahrhunderts in Kontinental-Europa durchaus schon üblich war. John Blow gebührt also die Ehre die erste englische Oper verfasst zu haben, ein Genre, das bald nach seinem Tod (nicht zuletzt durch Georg Friedrich Händel (1685-1759)) in London große Erfolge feiern sollte.
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Die Karnevalszeit ist vorüber, die Masken sind abgenommen, die Kostüme ausgezogen, der Nubbel ist verbrannt worden, das Ende der “tollen Tage” läutet traditionell den Beginn der Fasten- und Passionszeit ein. Auch ohne besonderen religiösen Aspekt versuchen viele Menschen diese Zeit ganz bewusst anders zu erleben. In der Musik ist die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern die Hochphase für Konzerte mit vornehmlich geistlichen Werken im Programm. Wen wundert’s, war es doch lange die Fasten-, Passions- und Osterzeit, die in der christlichen Welt als die wichtigste Zeit des Jahres angesehen wurde (und nicht wie heutzutage die Weihnachtszeit, was sicher eine Vielzahl von Ursachen hat und nicht alle sind einer veränderten religiösen Wahrnehmung geschuldet). Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass es eine gewachsene Tradition ist, sich in der Fastenzeit bis zum Osterfest besonders intensiv mit sakraler Chormusik zu beschäftigen. Auch in diesem Blog werden in den kommenden Wochen überdurchschnittlich viele Neu- und Wiederveröffentlichungen sakraler Chormusik besprochen werden. Diese Tradition hat sich interessanterweise auch bis in der stark weltlich gewandten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gehalten.
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The Parley of Instruments - Musical London c. 1700Wie vielseitig die Musik des beginnenden 18. Jahrhundert in London, respektive England war, belegt das neue Album des renommierten britischen Originalinstrumente-Ensemble The Parley of Instruments unter der Leitung von Peter Holman mit der Sopranistin Philippa Hyde. Auf dem Album ist Musik von Giovanni Battista Draghi (ca. 1640-1708), Henry Purcell (1659-1695), Raphael Courteville (ca. 1675-ca. 1735), William Croft (1678-1727), Georg Friedrich Händel (1685-1759), Johann Christoph Pepusch (1667-1752) und Nicola Francesco Haym (1678-1729) zu hören, die allermeisten der ausgewählten Stücke wurden erstmalig für dieses Album aufgenommen.

Das Album wurde gerade zur »CD der Woche« beim Deutschlandradio Kultur gekürt.

Den kleinen Artikel dazu kann man → hier nachlesen.

Hörbeispiel auf chandos.net | ► klicken zum abspielen oder diesen Link anklicken zum downloaden:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Das Album Musical London c. 1700 from Purcell to Handel, gespielt von Philippa Hyde und The Parley of Instruments unter der Leitung von Peter Holman ist am 14. Januar 2011 auf Chandos/Chaconne (CHAN 0776) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Claudio MonteverdiDer italienische Komponist Claudio Monteverdi (1567-1643) gilt mit einiger Berechtigung als einer der wichtigsten Erneuerer und Modernisierer der Musik: Er ‘erfand’ die Oper (nicht als ihr erster Komponist, wohl aber als ihr erster Meister), revolutionierte die Kirchenmusik und ebnete mit seinen harmonischen Erweiterungen und Experimenten den Weg aus der Renaissance in den Barock. Zu seinen wichtigsten weltlichen Werken gehören seine erste Oper L’Orfeo (1607) und seine letzte L’incoronazione di Poppea (1642); ebenso immens wichtig sind seine beiden großen geistlichen Werke Vespro della beata vergine (1610) und die  Selva morale e spirituale (1641), letzteres eine resümierende Sammlung verschiedenster geistlicher Werke Monteverdis: Eine Messe, dazu zahlreiche Motetten, Hymnen und Psalmenvertonungen, insgesamt 40 Werke, die die gesamte Bandbreite an kompositorischen Stilen, die Monteverdi im Lauf seiner Kapellmeister-Tätigkeit (ab 1613) am Markusdom in Venedig erdacht hat, darstellt. Monteverdi schuf mit dieser Zusammenstellung nichts weniger als ein monumentales Vermächtnis seiner Arbeit.
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Der dänisch-deutsche Komponist Dietrich Buxtehude (ca. 1637-1707) ist wohl die wichtigste musikalische Figur des deutschsprachigen Raumes vor Johann Sebastian Bach (1685-1750) und hatte direkten Einfluss auf den jungen Bach: Die Geschichte seines eigenmächtig verlängerten Besuchs im Oktober 1705 bei Buxtehude in Lübeck ist hinlänglich bekannt.

Unter zahllosen geistlichen Vokalwerken die Buxtehude schrieb, nimmt der Passionszyklus Membra Jesu nostri patientis sanctissima (lat., “Die allerheiligsten Gliedmaßen unseres leidenden Jesus”) eine Sonderstellung ein: Es ist eine der seltenen Werke Buxtehudes, in dem ein lateinischer (und nicht einen deutschsprachigen) Text verwendet wird. Die Textgrundlage für diesen Zyklus über die sieben Körperteile Jesu am Kreuze (Füße, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz, Gesicht) stammt aus der mittelalterlichen Gedichtsammlung Rhythmica Oratio, die vom Brabanter Zisterziensermönch, Abt, und Dichter Arnulf von Löwen geschrieben wurde. Die Verwendung dieses lateinischen Textes im protestantisch geprägten Norden belegt die Bedeutung dieses Werkes bis aus dem Mittelalter bis weit ins 17. Jahrhundert (und sogar darüber hinaus).
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Weihnachten 2010In genau einer Woche ist Heiligabend! Sicher, die meisten Leser werden bereits das eine oder andere Geschenk besorgt haben (ich habe zumindest fast alle Geschenke beisammen) und sicher ist der Ablauf des Festtages auch schon geplant. Feiern mit der Familie? Ein Besuch bei Verwandten? Weihnachten lieber kuschelig zu zweit? Oder lieber Weihnachten allein? In die Mitternachtsmette in die alte Dorfkirche der Kindheit oder lieber zum festlichen Konzert? Wir alle haben unsere weihnachtlichen Riten; selbst jene, die dem Fest nichts mehr abgewinnen können (wofür es auch gute Gründe gibt) haben für die Weihnachtstage besondere Strategien. Und Musik spielt Weihnachten in fast jedem Haushalt eine besondere Rolle, sei es, weil man selbst musiziert, sei es, weil man sich mit festlicher Musik in eine besondere Weihnachtsstimmung versetzen möchte.
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In der Weihnachtszeit hört man gerne Chormusik. Die Laienchöre, erst recht die professionellen, haben in der Adventszeit ihre Hoch-Zeit. Material gibt es genug, sowohl weihnachtliches, als auch für Weihnachten geeignetes, allgemeineres Chor-Repertoire. Die Menschen haben offenbar in dieser Zeit das Bedürfnis nach feierlichen Chören, nach dem Zusammen-Singen. Vielleicht steckt in unserer Freude an Chormusik in der Weihnachtszeit auch eine verborgene Sehnsucht nach spiritueller Gemeinschaft? Müßig darüber zu sinnieren…

Nicht nur in den Kirchen und Konzerthallen erklingen nun verstärkt Chöre, auch auf dem Tonträger-Markt ist die Adventszeit die klassische Zeit der Chormusik-CDs. Die zahlreichen Neu- und Wiederveröffentlichungen des Genres konzentrieren sich im Jahr (neben der Osterzeit) auf die Wochen vor Weihnachten. Es ist schier unmöglich hier den Überblick zu behalten: Welche Neuanschaffung lohnt sich? Welcher Chor kann hohen Ansprüchen genügen? Welches Repertoire will man eigentlich hören? Will man lieber ein einzelnes Werk vollständig hören oder eine Auswahl an Highlights?
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The Tallis Scholars; Foto © Eric RichmondThe Tallis Scholars gehören in Großbritannien, dem Land, das über so viele faszinierend gute Chöre von Weltrang verfügt,zu den allerbesten Spitzenensembles. Kritiker und Musikfreunde sind sich einig: The Tallis Scholars sind die Referenz wenn es um sakrale Musik der Renaissance geht. Konsequent auf dieses Gattung spezialisiert, haben sie sich in den 30 Jahren ihres Bestehens zu den »Rockstars der Renaissance-Vokalmusik« (so die New York Times über sie) entwickelt. Zu ihrem 30-jährigen Jubiläum haben sie nun drei 4-CD-Boxen mit den besten Aufnahmen aus drei Jahrzehnten veröffentlicht. Und wie nicht anders bei dem Ensemble zu erwarten war, sind die CDs randvoll mit erstklassigen Aufnahmen bekannter und unbekannter Meisterwerke..
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The Tallis Scholars; Foto: © Eric RichmondWenn man als Chor in einem Land mit der wohl eindrucksvollsten Chortradition der Welt zu den Spitzenensembles gezählt wird, dann hat man ein Maß an Perfektion und Ausdrucksstärke erreicht, das man eigentlich nicht mehr überbieten kann. The Tallis Scholars ist eines dieser englischen Spitzenensembles, dass selbst in jenem Land, das über so viele faszinierend gute Chöre von Weltrang verfügt, aus der Masse der Chöre herausragt wie kaum ein anderes. Kritiker und Musikfreunde sind sich einig: The Tallis Scholars sind die Referenz wenn es um sakrale Musik der Renaissance geht und das seit 30 Jahren. Sie gelten als die »Rockstars der Renaissance-Vokalmusik« (so die New York Times über sie) und veröffentlichen nun, zum 30-jährigen Jubiläum des Ensembles, drei 4-CD-Boxen mit den besten Aufnahmen aus drei Jahrzehnten. Und wie nicht anders bei dem Ensemble zu erwarten war, sind die CDs randvoll mit erstklassigen Aufnahmen bekannter und unbekannter Meisterwerke..
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The Tallis Scholars; Foto © Eric RichmondWenn man als Chor in einem Land mit der wohl eindrucksvollsten Chortradition der Welt zu den Spitzenensembles gezählt wird, dann hat man ein Maß an Perfektion und Ausdrucksstärke erreicht, das man eigentlich nicht mehr überbieten kann. The Tallis Scholars ist eines dieser englischen Spitzenensembles, dass selbst in jenem Land, das über so viele faszinierend gute Chöre von Weltrang verfügt, aus der Masse der Chöre herausragt wie kaum ein anderes. Kritiker und Musikfreunde sind sich einig: The Tallis Scholars sind die Referenz wenn es um sakrale Musik der Renaissance geht. Durch ihre strikte Spezialisierung und ihre jahrelange, intensive Auseinandersetzung mit der Materie, wurden sie zur unbestrittenen Referenz auf diesem Gebiet. Obwohl sie sicher auch in anderen Genres glänzen könnten, hat diese Konzentration auf eine (sehr reiche) Facette der Vokalmusik zu ihrem Erfolg und zu ihrem lang anhaltenden Status als »Rockstars der Renaissance-Vokalmusik« (so die New York Times über sie) beigetragen.
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