Posts Tagged “17. Jahrhundert”

Michael PraetoriusDas ging aber wirklich schnell: Übermorgen ist bereits Heiligabend! Während der ganz normale Weihnachtswahnnsinn so langsam auf die Konsum-Zielgeraden einbiegt (wobei die Läden gerade an diesen letzten Tagen aus allen Nähten platzen), bleibt vielleicht gerade noch die Zeit für den Hinweis auf eine hörenswerte CD mit weihnachtlicher Musik. Wer jetzt schnell bestellt, sollte die CD noch gerade rechtzeitig zum Fest bekommen; gut sortierte Plattenläden sollten das  heute vorgestellte Album ebenfalls auf Lager haben.
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Denk man an die geistliche Musik des Barocks, so fallen einem vor allem die großen Messen, Vespern, Oratorien und Passionen ein, die die großen Barockmeister Claudio Monteverdi (1567–1643), Johann Sebastian Bach (1685–1750), Georg Friedrich Händel (1685–1759) und vielleicht noch Georg Philipp Telemann (1681–1767) komponiert haben. Doch die Realität sah in Europa vor allem im 17. Jahrhundert anders aus: Kleinere oder ländliche Kirchen hatten weder das Budget, noch die geeigneten Musiker, um die großformatigen Werke (wie eben das Marienvesper von Monteverdi) aufzuführen. So entstand eine beträchtliche Fülle von geistlicher Musik für kleine Gesangs- und Instrumentalensembles für den alltäglichen Gebrauch.
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A Garden of Eloquence: John Danyel - Songs to Mistress Anne GreeneWie erfreulich! Schon wieder wurde eine Nischen-Veröffentlichung im Codaex-Vertrieb als »CD der Woche« beim Deutschlandradio Kultur ausgezeichnet. Letzte Woche was es die Erstaufnahme des Dreiakters Don John of Austria von Isaac Nathan (ca. 1792-1864), der (fast vergessenen) Geburtsstunde der australischen Musik, diese Woche ist es das CD-Debüt des israelisch-britischen Trios A Garden of Eloquence,  das mit seiner Aufnahme der “Songs for the Lute, Viol and Voice” des in Vergessenheit geratenen englischer Sängers, Lautenisten und Komponisten John Danyel (1564- ca. 1626) nicht nur ein sehr interessantes Album vorgelegt hat, sondern auch ein Stück beachtenswerte Musikgeschichte wiederbelebt hat.

Redakteurin Eva Blaskewitz meint dazu:

»Die Lieder sind zarter Ausdruck zwischenmenschlicher Gefühle, hauchfeine musikalische Liebesdichtungen, die Katharine Hawnt mit silbrig schimmernder Stimme zum Leben erweckt.«

Den vollständigen Artikel zur »CD der Woche« kann man → hier nachlesen.
Eine ausführliche Kritik (mit Hörbeispiel) zum Album kann man → hier im Blog finden.

Die CD John Danyel: Songs to Mistress Anne Greene von A Garden of Eloquence ist am 15. Juli 2011 auf Etcetera (KTC 1423) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

 

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Reinassance Laute - Foto (cc) Cezar MateusViel ist über John Danyel (1564- ca. 1626) heutzutage nicht bekannt, gerade einmal dass er ein englischer Sänger, Lautenist und Komponist war. John war der jüngere Bruder des seinerzeit bekannten Dichters Samuel Danyel (1562–1619), dessen Dichtungen oft vertont wurden, auch von John. Kurz vor seinem Tode, im Jahre 1625, wurde John Danyel der Kammerlautenist und -sänger am Hofe des glücklosen englischen Königs Karl I., der später, 1949, von Oliver Cromwell gestürzt und wegen Hochverrats verurteilt und enthauptet werden sollte.
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Das Konzeptalbum ist ein Begriff, den man eigentlich nur aus der Rockmusik kennt. Dort arbeiteten experimentierfreudige Musiker Mitte/Ende der 1960er Jahre die Idee eines übergeordneten Konzepts, einer verbindenden “Story” oder “Idee” auf einem Musikalbum heraus. Man denke einmal an bekannte Alben wie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) der Beatles, Days of Future Passed (1967) von The Moody Blues, The Lamb Lies Down On Broadway (1974) von Genesis oder – noch etwas später – The Wall (1979) von Pink Floyd.
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Auch eine Woche nach dem Osterwochenende ist die eigentliche Osterfest in der christlichen Welt nicht vorüber. Auch wenn wir uns dessen heute nicht mehr bewusst sind, so dauert die soganannte österliche Freudezeit noch bis zum Pfingstfest (dieses Jahr am 12./13. Juni). In der Musik-Welt ebben allerdings nun die Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik ab und reduzieren sich auf ein normales Niveau.
Alle Besprechungen zum Thema Passions- und Osterzeit finden sich → hier.

Jan Pieterszoon SweelinckJan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) ist einer der wenigen niederländischen Komponisten, die über die Grenzen des westeuropäischen Landes bekannt geworden ist, mehr noch: Seinen Ruhm erwarb der ‘Orpheus aus Amsterdam’ bereits zu Lebzeiten, obwohl er sehr heimatverbunden war und seine Heimatstadt nur sehr selten und nicht sehr lange verließ. Seine weiteste Reise unternahm er nach Antwerpen (rund 160 Kilometer von Amsterdam entfernt), wo er im Auftrag der Stadt ein repräsentatives Cembalo bei den bekannten Instrumentenbauern der Ruckers-Familie kaufte. Anders als seine umfangreiche Instrumental-Musik, von der nur sehr wenig in den Druck gelangte und von der heute kein einziges Autograph erhalten ist (und bei der man sich heute nur noch auf unsichere Handschriften und Kopien berufen kann), wurden seine Chorwerke in allen wichtigen europäischen Verlagsstädten wie Amsterdam, Antwerpen und Paris gedruckt. Anders als man es bei seiner Heimatverbundenheit vermuten mag, ist seine Musik alles andere als provinziell oder beschränkt. Insgesamt weist sein Œuvre ohne jeden Zweifel Kenntnisse aller großen europäischen Musiktraditionen auf.
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Bald ist Ostern. Rund um den nahenden höchsten christlichen Feiertag werden deswegen auf blog.codaex.de verstärkt interessante und ungewöhnliche Neu- und Wiederveröffentlichungen mit sakraler Musik vorgestellt.
Alle Artikel zum Thema  → Musik zur Passions- und Osterzeit

Johann Crüger

Johann Crüger (1598-1662)

Nur den profundesten Kennern barocker Kirchenmusik dürften die Namen Johann Justus Kahle (1668-ca. 1720) oder Joachim Pauli (1636-1708) bekannt sein; schon eher ist da Johann Crüger (1598-1662) Kirchenmusik-Kennern ein Begriff. Alle drei gehören zu den zahlreichen Musikern und Komponisten des 17. Jahrhunderts, die im Zuge des aufkommenden Pietismus lokal oder regional bekannt wurden und ihrem Wirkungskreis für den Ausbau der protestantischen Kirchenmusik verantwortlich waren. Diese ‘kleinen Meister’ waren im täglichen Leben der Gemeinden für die alltäglichen musikalischen Aufgaben zuständig und leisteten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Ausbreitung der Reformation.

Kahle war wohl erster Organist an St. Stephani in seiner Heimatstadt Helmstedt (in Niedersachsen, an der Grenze zum heutigen Sachsen-Anhalt); Pauli war wahrscheinlich in erster Linie Pfarrer, der allerdings zwei eigene Gesangsbücher verfasste. Immerhin gelangten einige seiner Werke in die deutlich bekanntere Liedsammlung Praxis Pietatis Melica des sorbischstämmigen Johann Crüger, dessen protestantischen Kirchenlieder im 17. Jahrhundert zu den bekanntesten im ganzen deutschsprachigen Raum gehörten. Sein Name ist heute vielleicht nicht mehr so präsent, seine Lieder haben sich teilweise über die Jahrhunderte im Kanon der protestantischen Musik gehalten. Die Wikipedia weist darauf hin

Im aktuellen Evangelischen Gesangbuch finden sich, je nach Ausgabe, mindestens 18 seiner Melodien oder Chorsätze, darunter “Wie soll ich dich empfangen”, “Lobet den Herren alle, die ihn ehren”, “Fröhlich soll mein Herze springen” und “Schmücke dich, o liebe Seele”.

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John BlowHand auf’s Herz: Wem fällt heutzutage noch viel zu John Blow (1649-1708) ein? Sicher, der langjährige Organist der Westminster Abbey war ein englischer Komponist des Barock in Zeiten der Restauration, aber über seinen wirklichen Stellenwert innerhalb der englischen Musik ist hierzulande nicht viel bekannt. Dabei war John Blow nicht nur der Lehrer und Mentor des ungleich berühmteren Henry Purcell (1659-1695), er hat auch sehr wahrscheinlich Purcells Meisterwerk, die Oper Dido und Aeneas mit seinem eigenen Magnum Opus maßgeblich beeinflusst, der (nominellen) Masque aus dem Jahre 1683 (vielleicht auch schon 1681) Venus and Adonis, die in Wirklichkeit mit ihrer komplett gesungenen Handlung nichts anderes ist, als eine Oper, wie sie Italienischsprachig Ende des 17. Jahrhunderts in Kontinental-Europa durchaus schon üblich war. John Blow gebührt also die Ehre die erste englische Oper verfasst zu haben, ein Genre, das bald nach seinem Tod (nicht zuletzt durch Georg Friedrich Händel (1685-1759)) in London große Erfolge feiern sollte.
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Die Karnevalszeit ist vorüber, die Masken sind abgenommen, die Kostüme ausgezogen, der Nubbel ist verbrannt worden, das Ende der “tollen Tage” läutet traditionell den Beginn der Fasten- und Passionszeit ein. Auch ohne besonderen religiösen Aspekt versuchen viele Menschen diese Zeit ganz bewusst anders zu erleben. In der Musik ist die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern die Hochphase für Konzerte mit vornehmlich geistlichen Werken im Programm. Wen wundert’s, war es doch lange die Fasten-, Passions- und Osterzeit, die in der christlichen Welt als die wichtigste Zeit des Jahres angesehen wurde (und nicht wie heutzutage die Weihnachtszeit, was sicher eine Vielzahl von Ursachen hat und nicht alle sind einer veränderten religiösen Wahrnehmung geschuldet). Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass es eine gewachsene Tradition ist, sich in der Fastenzeit bis zum Osterfest besonders intensiv mit sakraler Chormusik zu beschäftigen. Auch in diesem Blog werden in den kommenden Wochen überdurchschnittlich viele Neu- und Wiederveröffentlichungen sakraler Chormusik besprochen werden. Diese Tradition hat sich interessanterweise auch bis in der stark weltlich gewandten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gehalten.
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The Parley of Instruments - Musical London c. 1700Wie vielseitig die Musik des beginnenden 18. Jahrhundert in London, respektive England war, belegt das neue Album des renommierten britischen Originalinstrumente-Ensemble The Parley of Instruments unter der Leitung von Peter Holman mit der Sopranistin Philippa Hyde. Auf dem Album ist Musik von Giovanni Battista Draghi (ca. 1640-1708), Henry Purcell (1659-1695), Raphael Courteville (ca. 1675-ca. 1735), William Croft (1678-1727), Georg Friedrich Händel (1685-1759), Johann Christoph Pepusch (1667-1752) und Nicola Francesco Haym (1678-1729) zu hören, die allermeisten der ausgewählten Stücke wurden erstmalig für dieses Album aufgenommen.

Das Album wurde gerade zur »CD der Woche« beim Deutschlandradio Kultur gekürt.

Den kleinen Artikel dazu kann man → hier nachlesen.

Hörbeispiel auf chandos.net | ► klicken zum abspielen oder diesen Link anklicken zum downloaden:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Das Album Musical London c. 1700 from Purcell to Handel, gespielt von Philippa Hyde und The Parley of Instruments unter der Leitung von Peter Holman ist am 14. Januar 2011 auf Chandos/Chaconne (CHAN 0776) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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