Gerade hat Sal Pichireddu die wiederveröffentlichte Praetorius-CD „Christmas Music“ mit dem Knabenchor der Westminster Cathedral als geschmackvolle Weihnachtsmusik empfohlen – da schließe ich mich gern mit einer weiteren, neuen Aufnahme dieses Spitzenensembles an, die ebenfalls bei Hyperion Records erschienen ist. Diese CD ist, theologisch betrachtet, eine perfekte Fortsetzung des Weihnachts-Festkreises und versammelt zwei Marienmessen von Tomás Luis de Victoria, neben der Antiphon „Salve regina“ desselben Meisters und Palestrinas Motette „Surge, propera amica mea, et veni“. Unter der Leitung von Martin Baker setzt der Chor seine Beschäftigung mit dem Werk de Victorias fort und fügt dieser feinen, langen Reihe hörenswerter CDs einen weiteren Titel hinzu, der musikalisch erstklassig, voll spannender Entdeckungen und geistlich nahrhaft ist. Den Rest des Eintrages lesen »
Der aus Mons (im heutigen Belgien) stammende Orlando di Lasso (oder in der englischsprachigen Schreibweise Orlande de Lassus,1532-1594) ist schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten und wichtigsten Komponisten seines Jahrhunderts gewesen. Wegen seines außerordentlichen Talentes bereiste er schon früh alle wichtigen europäischen Musikzentren, wo er zunächst als Chorknabe, dann als Solist, bald nach dem Stimmbruch aber schon als versierter Komponist in Erscheinung trat. So lebte und arbeitete di Lasso in Italien, in Flandern und, als Leiter der Hofkapelle Albrechts V., in Bayern. Von seinen Bewunderern wurde Orlando di Lasso schon zu Lebzeiten»princeps musicorum« (zu Deutsch Fürst der Musiker) oder »le divin Orlande« (Der göttliche Orlando) genannt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Werke keines anderen Komponisten der damaligen Zeit häufiger gedruckt wurden. Er war nicht nur der meist geachtete, sondern auch der produktivste Komponist seiner Epoche: Heute kennt man von ihm rund 70 Messen, über 100 Magnificats, über 500 Motetten sowie mehrere hundert weltliche Werke. Den Rest des Eintrages lesen »
Nach ihrem erst vor wenigen Wochen veröffentlichtem ‘Ausflug’ in die zeitgenössische (Chor-) Musik auf »O Guiding Night · The Spanish Mystics« (s. → Besprechung), veröffentlicht der englische Weltklasse-Chor The Sixteen nun den ersten Volumen eines langfristigen Projektes, das sich mit dem vielleicht bedeutendsten Renaissance-Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina (1514/15-1594) beschäftigt. Harry Christophers, Gründer und Leiter des Ensembles, erläutert im Vorwort, dass man nicht vorhabe, jedes Werk Palestrinas aufzunehmen. Dies wäre »mehr als eine Lebensaufgabe, wenn man bedenkt, dass er 104 Messen geschrieben hat«. Stattdessen werde man eine noch nicht bestimmte Anzahl von Volumina herausgeben, die jeweils eine Messe und thematisch verwandtes Material beinhalten werden. Den Rest des Eintrages lesen »
Wer war Philipp Schoendorff? Das ist eine Frage, die (derzeit) noch nicht einmal die Wikipedia beantworten kann. So viel weiß man immerhin: Philipp Schoendorff (1565/70 – in oder nach 1617) wirkte zu Zeiten des Kaisers (des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation) Rudolf II. (1552-1612) als Musiker am Prager Hof. Der Regent gilt heute als »schwacher Herrscher« der »zumindest in den letzten Jahren faktisch regierungsunfähig« war. Davon abgesehen war eben auch ein gebildeter Humanist, der sich gerne mit berühmten Wissenschaftlern und Künstlern umgab und dem man einen gewissen Hang zur Großzügigkeit, aber auch zum Überfluss nachsagte. Zu den bekanntesten Künstlern an seinem Hof gehörte der Maler Giuseppe Arcimboldo (ca. 1526-1593), den er seit frühester Kindheit kannte, da dieser bereits seinem Vater und Großvater gedient hatte. Arcimboldo malte Rudolph II. dann auch folgerichtig als allegorisches Sinnbild des Überflusses des Herbstes (Vertumnus, s .rechts).
Bei den Musikern am Prager Hof war der flämische Meister Philipp(e) de Monte (1524-1603) aus Lüttich die herausragende Persönlichkeit. Daneben gab es zahlreiche andere Musiker, die am Hofe zeitweise oder fest angestellt wirkten, darunter der ebenfalls aus Lüttich stammende Trompeter, Sänger und Komponist Philipp Schoendorff. Den Rest des Eintrages lesen »
Auch eine Woche nach dem Osterwochenende ist die eigentliche Osterfest in der christlichen Welt nicht vorüber. Auch wenn wir uns dessen heute nicht mehr bewusst sind, so dauert die soganannte österliche Freudezeit noch bis zum Pfingstfest (dieses Jahr am 12./13. Juni). In der Musik-Welt ebben allerdings nun die Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik ab und reduzieren sich auf ein normales Niveau.
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) ist einer der wenigen niederländischen Komponisten, die über die Grenzen des westeuropäischen Landes bekannt geworden ist, mehr noch: Seinen Ruhm erwarb der ‘Orpheus aus Amsterdam’ bereits zu Lebzeiten, obwohl er sehr heimatverbunden war und seine Heimatstadt nur sehr selten und nicht sehr lange verließ. Seine weiteste Reise unternahm er nach Antwerpen (rund 160 Kilometer von Amsterdam entfernt), wo er im Auftrag der Stadt ein repräsentatives Cembalo bei den bekannten Instrumentenbauern der Ruckers-Familie kaufte. Anders als seine umfangreiche Instrumental-Musik, von der nur sehr wenig in den Druck gelangte und von der heute kein einziges Autograph erhalten ist (und bei der man sich heute nur noch auf unsichere Handschriften und Kopien berufen kann), wurden seine Chorwerke in allen wichtigen europäischen Verlagsstädten wie Amsterdam, Antwerpen und Paris gedruckt. Anders als man es bei seiner Heimatverbundenheit vermuten mag, ist seine Musik alles andere als provinziell oder beschränkt. Insgesamt weist sein Œuvre ohne jeden Zweifel Kenntnisse aller großen europäischen Musiktraditionen auf. Den Rest des Eintrages lesen »
Die 3-CD-Box The Victoria Collection von The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Phillips ist am 15. April 2011 auf Gimell (GIMBX 304) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Morgen erreicht das Osterfest seinen Höhepunkt. Der Ostersonntag gilt als höchster christlicher Feiertag. An den vergangenen Tagen habe ich bereits verstärkt Neu- und Wiederveröffentlichungen aus dem Bereich der sakralen Musik rund ums Osterfest vorgestellt, einige weitere werden an den kommenden Tagen noch folgen.
Erst Mitte der 1980er Jahre wurde die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) wiederentdeckt. Ausgehend von der Missa pro defunctis oder dem Requiem, wie wir es heute nennen, wurde das Werk des spanischen Renaissance-Meisters Stück für Stück erschlossen. Eine besondere Rolle spielten dabei erstaunlicherweise englische Spitzenchöre wie der Westminster Cathedral Choir, The Sixteen und im nicht unerheblichen Maße The Tallis Scholars unter Peter Phillips. Die überaus faszinierenden Aufnahmen dieser Spitzenensembles in den 1980ern und 1990ern waren eine Art ‘britische Initialzündung’, die die Musik des Gelehrten, Mystikers, Priesters, Sängers, Organisten und Komponisten Victoria in das Bewusstsein der Musikfreunde brachte. Heute wird er, gemeinsam mit Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1514-1594) und Orlando di Lasso (1532-1594) als einer der herausragenden Komponisten des 16. Jahrhunderts eingeordnet. Den Rest des Eintrages lesen »
An den kommenden Tagen rund ums nahende Osterfest werde ich verstärkt CDs mit sakraler Musik vorstellen, die entweder direkt oder zumindest doch mittelbar mit der Passions- und Osterzeit zu tun hat. Gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine eminent wichtige Bedeutung. Bei den Artikeln soll es darum gehen, möglichst ungewöhnlich, herausragende Neu- und Wiederveröffentlichungen zum Thema Musik zur Passions- und Osterzeit vorzustellen.
♦
Der aus der heute belgischen Stadt Mons stammende Orlando di Lasso (oder in der Schreibweise der englischsprachigen Welt Orlande de Lassus,1532-1594) ist schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten und wichtigsten Komponisten seines Jahrhunderts gewesen. Schon früh bereiste er halb Europa, wo er zunächst als Chorknabe, dann als Solist, bald nach dem Stimmbruch aber schon als Komponist in Erscheinung trat. In seinen jungen Jahren fand er einige adelige Förderer in Italien, bis er zunächst in Florenz, bald darauf in Rom als Kapellmeister der Kirche S. Giovanni in Laterano (der zweitwichtigsten Kirche in Rom, nach dem Petersdom) als Komponist geistlicher Werke wirkte. Nur die Nachricht von der schweren Krankheit seiner Eltern ließ ihn 1555 seine Stellung kündigen und nach Mons reisen, wo er allerdings seine Eltern nicht mehr lebend antraf. Di Lasso sollte daraufhin noch weitere Reisen unternehmen, bis er schließlich als Leiter der Hofkapelle Albrechts V. von Bayern seinen Lebensmittelpunkt dauerhaft nach München verlagerte, wo er auch verstarb. Den Rest des Eintrages lesen »
An den kommenden Tagen rund ums nahende Osterfest werde ich verstärkt CDs mit sakraler Musik vorstellen, die entweder direkt oder zumindest doch mittelbar mit der Passions- und Osterzeit zu tun hat. Gerade die Zeit zwischen Aschermittwoch und Christi Himmelfahrt hat in der Liturgie und damit auch in der sakralen Musik eine eminent wichtige Bedeutung. Bei den Artikeln soll es darum gehen, möglichst ungewöhnlich, herausragende Neu- und Wiederveröffentlichungen zum Thema Musik zur Passions- und Osterzeit vorzustellen.
♦
Es gibt kaum ein Ensemble, das sich in den letzten Jahren so verdient um die Musik von Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) gemacht hat, wie der englische Chor The Sixteen (mit Ausnahme ihrer Kollegen und Landsleute der Tallis Scholars unter Peter Phillips – aber ihre neueste Victoria-Veröffentlichung wird erst in einigen Tagen hier im Blog besprochen werden).Harry Christophers, der Gründer und Leiter des Weltklasse-Chors, ist ein bekennender, glühender Bewunderer des Gelehrten, Mystikers, Priesters, Sängers, Organisten und Komponisten Victoria. Er betrachtet ihn als »den herausragendsten Komponisten der Renaissance« und glaubt, dass, wenn es überhaupt möglich sei »Gefühl vollständig in Musik auszudrücken« dies nur bei Victorias Musik der Fall sei. Bei solch einem eindeutigen Bekenntnis zum Genie Victorias ist es nicht verwunderlich, dass sich sein Chor während seines über 30-jährigen Bestehens immer wieder mit der Musik des Spaniers beschäftigt hat. Den Rest des Eintrages lesen »
Johannes Eccard (1553-1611) war um 1600 einer der bedeutendsten geistlichen Komponisten in Deutschland. Der Norddeutsche Kammerchor unter der Leitung von Maria Jürgensen ehrt den Thüringer zu dessen 400. Todestag mit einer Aufnahme wichtiger Choralsätze und seiner einzigen vollständig erhaltenen Messe.
Die NDR Kultur-Redakteurin Dagmar Penzilin hat sich die bei MDG (Musikproduktion Dabringhaus und Grimm) erschienene SACD angehört und für die Rubrik »Neue CDs« besprochen.