In diesem Jahr 2013 gedenkt die Musikwelt – es wurde hier im Blog bereits verschiedentlich erwähnt – zweier wirklich großer Komponisten: Benjamin Britten und Arcangelo Corelli (1653-1713). Bei solchen Gelegenheiten macht man CDs! Welche Qualität die Veröffentlichungen zu anderen, zeitnahen Jubiläen erreichen, kann ich ehrlich gesagt nicht richtig beurteilen. Zu Britten aber sind in jüngster Zeit einige äußerst feine Titel erschienen – und nun legt das britische Avison Ensemble mit dem Barockviolinisten Pavlo Beznosiuk den nächsten Teil seiner Gesamteinspielung aller Kammermusikwerke von Arcangelo Corelli vor, genauer: Opus 5 – die zwölf Sonaten für Violine und Continuo. Ich habe meiner Begeisterung für die Aufnahme von Opus 6 (die Concerti Grossi) ja bereits im vergangenen Oktober freien Lauf gelassen, und wer lieber hört statt liest mag sich mit der Wiederholung meines damaligen Fazits zufrieden geben: Denn auch diese neue CD ist definitiv „eine Muss-Anschaffung für aktive Streicher“ und für alle, die irgendeinen Draht zu barocker Kammermusik haben. Wem das noch nicht reicht, kann gern noch ein paar Minuten weiterlesen. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Arcangelo Corelli, Barock, Kammermusik, Violine
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Seit Jahrzehnten postuliert die Kritik, dass die alte Einteilung von E- und U-Musik längst überholt und unagebracht wertend ist. Aber die Fraktionen sind nach wie vor da, auch wenn die Fronten langsam bröckeln. Eine neue Generation von unvoreingenommenen Hörern entdecken Musik als Ganzes, trennt Musik nicht nach Gattungen oder plakativen Überschriften, sondern nach Qualität und Originalität. Philip Glass (*1937) ist einer der Pioniere, die dieses Grenzgängertum denkbar gemacht haben.
Die jüngste Veröffentlichung seines Labels Orange Mountain Music “Tara Hugo sings Philip Glass” (s. dazu auch die aktuelle → Besprechung hier im Blog) ist ein gutes Beispiel, wie schlecht die alten Begriffe heutzutage noch greifen – und wie unwichtig sie ohnehin sind.
Das Album wurde beim süddeutschen Kulturradio BR Klassik vom Redakteur Detlef Krenge vorgestellt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, BR Klassik, Lied, Minimal Music, Philip Glass, Tara Hugo
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Man kennt die hypnotisierende Kammermusik von Philip Glass (*1937), man kennt seine bahnbrechende Filmmusiken, man kennt seine Opern, seine Sinfonien, seine Klaviermusik, aber Lieder von Philip Glass? Ich muss zugeben, ich tat mich schwer bei dem Gedanken, Glass’ Musik in die Nähe des europäischen Kunstliedes von Franz Schubert, Robert Schumann oder gar Gustav Mahler zu rücken. Selbst modernere amerikanische Konzepte wie die von John Corigliano oder Ned Rorem scheinen bei Glass nicht zu greifen. Glass ein Liedkomponist? Wohl eher nicht — oder doch?
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Lied, Minimal Music, Philip Glass, Tara Hugo
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Als Rezensent vertrete ich, so ehrlich und so fair wie möglich, meine Meinung über eine Musik-Produktion. Anhand von objektiver und subjektiver Kriterien versuche ich dem interessierten Leser einen Eindruck von der jeweiligen Produktion zu vermitteln. Das tue ich oft genug im Widerspruch zu Kollegen (so ist das nun mal bei der Kritik: man ist sich nie einig), aber ich freue mich natürlich darüber, wenn ich meine Meinung über eine CD in den Besprechungen anderer Kritiker bestätigt sehe, besonders wenn es sich um solch eine großartige Veröffentlichung handelt, wie die jüngste Neueinspielung des Tripelkonzert und des Erzherzog-Trios von Ludwig van Beethoven (1770-1827) vom niederländischen Storioni Trio auf der vorliegenden SACD.
Die Challenge Records-Produktion wurde nun beim süddeutschen Kulturradio BR Klassik vom Redakteur Fridemann Leipold vorgestellt.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, BR Klassik, Klaviertrio, Konzert, Ludwig van Beethoven, Originalinstrumente, Wiener Klassik
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Als ich anfing mich ernsthaft für klassische Musik zu interessieren, steckte die historisch-informierte Aufführungspraxis noch in den Kinderschuhen und wurde als akademische Nische belächelt. “Klassik” wurde, ganz gleich ob aus dem Barock oder aus der Spätromantik, tendenziell von denselben Orchestern unter denselben Dirigenten gespielt. Die Solisten hatten in der Kammermusik alle Freiheiten, ging es doch primär darum, sich selbst als originelle Interpreten darzustellen und weniger als originalgetreue ‘Umsetzer’ der Komposition.
Heute ist das völlig anders: Kaum ein modernes Orchester wagt es noch Alte Musik auf modernen Instrumenten aufzunehmen (und wenn doch, wie unlängst das Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly, dann ist das gleich eine diskografische Sensation) und auch in der Kammermusik ist Originalklang längst Trumpf. Die immer ausgefeiltere Ergebnisse auf dem Gebiet der Quellenforschung, immer genauere Erkenntnisse in Sachen Instrumentenbau haben unser klangliches Verständnis von Der Musik, speziell vom Barock verändert.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Barock, Flöte, Johann Sebastian Bach, Kammermusik, Klavier
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Es sind Namen, die man selbst in renommierten Musiklexika nur selten oder gar nicht findet (wohl aber in der deutsch- bzw. englischsprachigen Wikipedia, Anm. d. Hrsg.): Władysław Żeleński (1837-1921) und Aleksander Zyrzycki (1834-1895). Erschiene eine CD mit Musik dieser beiden polnischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert ‘einfach so’, hätte man es wohl schwer, einen geeigneten Vermarktungsweg zu finden. Schlauerweise jedoch hat das britische Hyperion-Label schon vor Jahren die spannende CD-Reihe “The Romantic Piano Concerto” eingerichtet (deren 59. Folge diese Veröffentlichung ist), sodass sich mittlerweile ein fester Fankreis um diese Serie geschart hat und dauerhafte CD-Absätze garantiert – auch, wenn die Komponisten, die im Rahmen der Reihe auftauchen, manchmal eher zur Fraktion ‘obskur’ gehören.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Aleksander Zarzycki, Klavier, Konzert, Romantik, The Romantic Piano Concerto, Władysław Żeleński
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Der Komponist und Cembalist Domenico Scarlatti (1685-1757) kam in Neapel zur Welt und wurde von seinem berühmten, einflussreichen Vater Alessandro ausgebildet. Nachdem er zunächst seine Heimat mit seinem Vater bereiste, verbrachte er den größten Teil seiner Karriere am spanischen und portugiesischen Hof. Als der vielleicht beste und originellste Cembalist aller Zeiten lag der Schwerpunkt seiner Kompositionen naturgemäß auf den Tasteninstrumenten, für die er insgesamt 555 Sonaten schrieb.
Scarlattis phantasievolle Ideen und innovative Neuerungen brachten ihm die Bewunderung auch späterer Generationen von Pianisten und Komponisten wie Chopin, Brahms, Bartók, Shostakovich, Horowitz, Gilels, Michelangeli und Hamelin ein. Seine Werke wurden zwar bei weitem nicht so oft bearbeitet wie jene Bachs, aber immer wieder bearbeiteten komponierende Klaviervirtuosen auch Scarlattis Sonaten nach dem jeweiligen Gusto der Zeit.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Barock, Carl Tausig, Domenico Scarlatti, Ignaz Friedman, Klavier, Romantik, Spätromantik, Transkription, Walter Gieseking
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Opern, die speziell für ein junges Publikum geschrieben wurden, führen im modernen Kulturbetrieb ein eher unbeachtetes Nischen-Dasein. Das ist eigentlich betrüblich, denn Kinder sind exzellente Zuhörer und ein dankbares Publikum. Unbeeindruckt von “erwachsenem” Schubladen-Denken können sie sich mit sehr vielen verschiedenen künstlerischen Konzepten auseinandersetzen. Das ermöglicht auch den Komponisten Freiheiten, die sie bei konventionellen Produktionen vielleicht nicht haben.
In der Literatur führte die “grenzenlose Kinderwelt” zu einem Boom an qualitativ hochwertiger Kinder- und Jugendliteratur, die auch von Erwachsenen begeistert gelesen wird; in der Musik wartet man bisher vergeblich auf solch einen “Harry-Potter-Effekt”. Projekte wie die Kölner Kinderoper oder das der Bonner Kollegen von Bobbys Klassik (dem Kinder- und Jugendprogramm des Bonner Beethoven-Orchesters) sind da lobenswerte Aufnahmen.
Die Bonner waren es auch, die im Rahmen ihrer Bobbys-Klassik-Konzerte die Kinderoper “The Piper of Hamelin” des englischen Komponisten John Rutter (*1945) auf die Bühne brachten. Diese (wie ich finde) spannende Nischen-Veröffentlichung für anspruchsvolle Eltern (und Kinder!) wurde nun im unabhängigen Online-Musikmagazin klassik.com und beim westdeutschen Kultursender WDR 3 vorgestellt.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, John Rutter, klassik.com, Oper, Postmoderne, WDR 3
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Letztes Jahr feiert man, weitgehend unbemerkt (auch bei uns im Blog muss ich gestehen) den 400. Todestag des italienischen Komponisten Giovanni Gabrieli (1557-1612). Der Meister der venezianischen Mehrchhörigkeit ist einem breiteren Publikum weitgehend unbekannt, dabei ist seine Musik »voller Drama, Wunder und außergewöhnlicher Raumklangeffekte«, so das Label Hyperion im Einführungstext zur vorliegenden CD “Symphoniae Sacrae”. Der Chor Ex Cathedra, das Ensemble His Majestys Sagbutts & Cornetts und das Concerto Palatino unter der Leitung von Jeffrey Skidmore sorgen für eine authentische Klangwiedergabe.
Das Album wurde nun, seltsam genug, gleich zweimal kurz hintereinander ‘verspätet besprochen, zum einem im unabhängigen Online-Musikmagazin klassik.com, zum anderen im bekannten Klassikblog Ouverture.
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Schlagwörter: 16. Jahrhundert, 17. Jahrhundert, Chorwerke, Frühbarock, Giovanni Gabrieli, klassik.com, ouverture - das Klassik-Blog, Renaissance, sakrale Musik
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Es ist ganz erstaunlich, aber Leoš Janáček (1854-1928), der „große alte Mann“ der tschechischen Musikmoderne ist, nach einer weitgehenden Vernachlässigung in den 1990er- und 2000er-Jahren, heute wieder so up to date wie selten zuvor. Nicht zuletzt zeigen das rundum beeindruckende Debüt-Alben von merkwürdigerweise durchwegs blutjungen Pianistinnen, die ihre CD-Karriere in den letzten Jahren ausgerechnet mit der melancholischen Musik Janáčeks starten wollten. Zuletzt hatten sich die Bosnierin Ivana Gavrić (auf Champs Hill), die deutsche Pianistin Danae Dörken (auf Ars Produktion) sowie (brandneu) die Russin Helena Basilova (auf dem niederländischen Label Quintone) dazu entschieden, mit Janáčeks Klaviermusik zu debütieren. …
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Klavier, Leoš Janáček, Moderne, Spätromantik
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