Archiv für die Kategorie: “Rezension”
Ist das eine kleine, versteckte Feier der Freundschaft zwischen zwei herausragenden Komponisten des 20. Jahrhunderts? Das Label Hyperion Records publiziert in dichtester zeitlicher Folge bemerkenswerte Aufnahmen von Werken Dmitri Schostakowitschs und Benjamin Brittens – von Werken für die Bratsche wohlgemerkt, die auf beiden CDs von Lawrence Power gespielt wird. Und man kann der Spur dieser Gemeinsamkeiten noch etwas weiter folgen, indem man den Orchestersatz von Brittens Komposition Lachrymae op. 48a in die Nähe der Viola-Sonate Schostakowitschs rückt, wozu die biographische Situation beider Arbeiten Anlass gibt – denn sie sind jeweils im Todesjahr ihrer Autoren entstanden. Man kann solcher Spekulation aber auch genau so gut entsagen und die Britten-CD einfach für sich loben, denn des Lobes ist sie wert, mit einem aufregend guten Konzept und brillianten Interpretationen. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Benjamin Britten, Viola, Violine
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Die genuine Sololiteratur für Bratsche ist bekanntermaßen überschaubar, und in ihr nimmt Dmitri Schostakowitschs Sonate op. 147 zweifellos eine Sonderstellung ein. Als Werk eines Meisters vom seinem Rang ist sie gewissermaßen dazu verdammt, Standardliteratur zu sein – und wird doch, immer noch zu oft, als exotische Entdeckung innerhalb seines Œuvres gehandelt. Es scheint schwer zu akzeptieren zu sein, dass Schostakowitsch ausgerechnet einer „randständigen Existenz“ wie der Bratsche nichts weniger als sein musikalisches Testament anvertraut hat, und Annäherungen an Schostakowitsch über die Viola-Sonate sind vergleichsweise selten. Ein großartiges Gegenbeispiel ist, das sei nebenbei bemerkt, der Schostakowitsch-Film des russischen Regisseurs Alexander Nikolajewitsch Sokurow, der 1981 unter dem treffenden Titel „Альтовая соната“ – Sonate für Viola – veröffentlicht wurde. Allein, solche kongenialen Werke sind singulär, und deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass Lawrence Power, begleitet von dem Pianisten Simon Crawford-Phillips, die Bedeutung dieser Sonate mit einer bei Hyperion erschienenen CD neu bekräftigt und sie ins Zentrum eines klugen Programmkonzepts stellt. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Dmitri Shostakovich, Kammermusik, Klavier, Viola
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Die in der Tatarischen Republik geborene Komponistin Sofia Gubaidulina (*1931), die unlängst ihren 80. Geburtstag feiern durfte, genießt in diesem Blog besondere Aufmerksamkeit. Erst kürzlich hat mein Kollege Nils-Christian Engel die bei Neos erschienene Dreier-CD „Chamber Music with Double Bass“ sehr zu Recht enthusiastisch rezensiert. Jetzt ist beim tschechischen Label Supraphon eine weitere phänomenale Kammermusik-CD dieser faszinierenden Künstlerin erschienen. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als die Weltersteinspielung ihrer sämtlichen Streichquartette auf einer einzigen CD. Unter dem Aspekt betrachtet, dass das vierte Quartett schon vor knapp 20 Jahren entstanden ist, möchte man nicht glauben, dass der Musikwelt erst jetzt das Glück einer Gesamtaufnahme zuteil wird. Doch das lange Warten hat sich gelohnt…
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Moderne, Sofia Gubaidulina, Stamic Quartet, Streichquartett
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Die Geschichte ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Die Uraufführung der Ballettinszenierung Le Sacre du Printemps mit der Musik von Igor Stravinsky (1882-1971) der Ballets Russes-Truppe von Sergei Djagilew endete mit einem veritablen Skandal. Musik und Choreographie wirkten fremd, roh und ungewohnt aggressiv, die Rhythmen verwirrend. Das unverständliche heidnische Ritual wirkte auf die Pariser Bourgeoisie im Publikum grausam und abstoßend, das dieses mit Buhrufen, Pfiffen, Gelächter und Zwischenrufen lautstark und unmissverständlich kundtat. Aus heutiger Sicht würde man sagen: Kunstbanausen.
Man hat es überspitzt so formuliert: Am 29. Mai 1913 erlebte man im Pariser Théâtre des Champs-Élysées die Geburtsstunde der Moderne. Stravinskys radikaler Bruch mit der Romantik (“Stile barbaro”) leitete eine Abkehr von den klanglichen Idealen ein, die das Abendland Jahrhunderte lang geprägt haben. Mag sein, dass der Skandal gewollt und voraussehbar war (Stravinsky war allerdings zutiefst getroffen davon), wie radikal der Einschnitt in die Musik aber war, sollte sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Ballettmusik, Igor Stravinsky, Moderne
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Mit einiger Berechtigung könnte man sagen, dass das 20. Jahrhundert das Jahrhundert Spaniens in der Musik gewesen ist. Nicht dass die spanische Musik allein auf weiter Flur dominiert hätte (das hat sie nun definitiv nicht) und es mangelt auch nicht an ‘Konkurrenz’ aus Europa und Übersee, aber in der Wahrnehmung Spaniens als eigenständige musikalische Nation war das 20. Jahrhundert immens wichtig.
Begonnen hat Spaniens kulturelle Emanzipation allerdings in Frankreich. Hier war Spanien en vogue, galt als exotisch, erotisch und äußerst lebendig. Zahlreiche französische Komponisten experimentierten mit hispanisierenden Motiven und Klängen (wie etwa in der Oper Carmen des Franzosen Georges Bizet (1838-1875)) und entwarfen klischeehafte Umsetzungen dessen, was sie für besonders spanisch hielten (völlig außer Acht lassen, dass Spanien alles andere als eine homogene Kulturnation ist). Das französische Publikum (und bald das gesamte europäische) interessierte sich aber nun verstärkt für die Musiktradition dieses ‘exotischen Nachbarn’, der so lange am Rande Euopas eher unbeachtet blieb.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Impressionismus, Manuel De Falla, Neoklassizismus, Orchesterwerke
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Ich muss zugeben: Ich reagiere immer sehr skeptisch, wenn sich junge Künstler an so offenkundig populärem Material wie dem Klavierwerk von Claude Debussy (1862-1918) versuchen: Ich frage mich dann immer, ob es nicht schon genügend (mediokre) Debussy-Einspielungen gibt und ob es nicht besser wäre, sich seine Sporen auf weniger ausgetretenen Pfaden verdienen. Mehr als eine brave Einspielung erwarte ich in solchen Fällen nicht: Technisch makellos, das ist heute wohl der Standard, aber insgesamt ausdrucksschwach. Immerhin sind noch ganz andere, arriviertere Musiker an Debussy gescheitert. Nicht ohne Grund stammen die Referenzaufnahmen aus der monoauralen Vergangenheit, etwa von Arturo Benedetti Michelangeli (hier gibt es allerdings auch exzellente Stereoaufnahmen) oder Walter Gieseking. Die Aufnahmen der folgenden Generationen werden bestenfalls höflich dahinter eingeordnet. Die meisten werden schlichtweg vergessen und verschwinden aus den Katalogen.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Blüthner, Impressionismus, Klavier, Spätromantik
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Wenn man, wie der Unterzeichnende, in Köln lebt, kommt man an der zweitgrößten europäischen Kirche einfach nicht vorbei, weder optisch, noch kulturell. Der Kölner Dom ist für viele Einheimische immer noch selbstverständliches Gravitationszentrum der Stadt, ganz gleich, ob man nun katholisch ist oder nicht: Die von weitem sichtbare, überaus imposante Architektur der Kathedrale am Rhein prägt das Gesicht der Stadt, ist Wahrzeichen, Referenzpunkt und eine ‘ewige Konstante’ in der stets wachsenden Millionenstadt. Die Hohe Domkirche zu Köln (so der offizielle Name) ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv für Touristen aus aller Herren Länder, sondern auch ein beliebter Treffpunkt, ein Ort der Andacht oder ein geschützter Rückzugsort für Ruhe und innere Einkehr, ein Ort der Meditation im lauten und hektischen Herzen Kölns.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Barock, Johann Sebastian Bach, Kölner Dom, Orgel, Transkription
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Die Musik des spanischen Renaissance-Meisters Tomás Luis de Victoria (ca. 1548-1611) rückte erst relativ spät im 20. Jahrhundert den Fokus der Öffentlichkeit, nachdem sie zuvor nur wenigen Alte-Musik-Spezialisten ein Begriff war. Eine besondere Rolle spielten dabei englische Spitzenchöre wie der Westminster Cathedral Choir, The Sixteen und The Tallis Scholars mit ihren bahnbrechenden Veröffentlichungen des Officium defunctorum (besser bekannt als Requiem 1603 bzw. 1605). Heute wird der Gelehrte, Mystiker, Priester, Sänger, Organist und Komponist Victoria gemeinsam mit Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1514-1594) und Orlando di Lasso (1532-1594) als der herausragend wichtigste Komponist des 16. Jahrhunderts eingeordnet.
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Schlagwörter: 16. Jahrhundert, Renaissance, sakrale Musik, Tomas Luis de Victoria
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Eine neue, auf 5 CDs angelegte Reihe des Altenburger Labels Querstand erkundet das Werk des Komponisten Günter Raphael (1903-1960) – und überrascht mit dem ganz unkonventionellen Programm der beiden jüngst erschienenen Ausgaben Nummer 1 und 2. Raphael ist durchaus kein Unbekannter, seine Sinfonien und Vokalkompositionen, aber auch seine Kammermusik haben sich in einer signifikanten Diskographie niedergeschlagen. Die neue Edition aber, eine Initiative der Christine-Raphael-Stiftung, geht nun einen eigenständigen, sehr überzeugenden Weg. Weder verfolgt die Reihe einen enzyklopädischen Anspruch, noch werden die Rosinen herausgepickt, die den Publikumserwartungen wahrscheinlich am unmittelbarsten entsprechen und so den größten Effekt bieten würden. Komplementär zu dem im Jahr 2010 anlässlich des 50. Todestages Raphaels veröffentlichten Tagungsband „Erkundungen zu Günter Raphael“ wagen sich die beiden ersten CDs der Edition direkt an trefflich gewählte Aspekte dieses äußerst interessanten Œuvres und skizzieren in großen Bögen, wie sehr sich die Beschäftigung mit Raphael lohnt. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Gast-Rezension, Günter Raphael, Kammermusik, Saxophon, Streichquartett, Viola, Violine
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„Encores“ hatte der Berliner Cellist Alban Gerhardt zum Thema einer vielbeachteten CD gemacht, auf der er vor gut einem halben Jahr ausgesuchte Zugaben seines großen Idols Pau Casals neu interpretierte. Meilenweit entfernt von jeder wohlfeilen Cello-Hit-Sammlung stellte diese Hommage, die Gerhardt gemeinsam mit der philippinischen Pianistin Cecile Licad einspielte, eine ebenso ausgefallene wie klug musizierte Idee vor. Sehr wenige Monate vergingen nach dieser im Juni 2010 entstandenen Aufnahme, bis das Duo im Oktober desselben Jahres Gabriel Fauré (1845-1924) zur Einspielung brachte – sollte da mehr zu hören sein können als eine Zugabe zur Zugabe, nach dem Muster „Élégie plus X“? Aber bei aller Skepsis: das wäre nicht das Niveau dieser beiden Musiker. Gewiss ist ihr Fauré-Programm konzeptuell nicht so unorthodox-innovativ wie die Hommage an Casals, dafür überzeugt die wiederum bei Hyperion Records erschienene CD „Gabriel Fauré – Cello Sonatas“ aber durch die mustergültig gelungene Interpretation einer anspruchsvollen Materie. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Cello, Gabriel Fauré, Kammermusik, Klavier, Romantik
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