Archiv für die Kategorie: “Rezension”

Christianne Stotijn: Stimme der Sehnsucht

Ich bin ein dunkler, verworr´ner Klang,
Der weit aus Thule herüberdrang.
Ich bin deiner Jugend verlühender Traum,
Dein erster Kuß unterm Apfelbaum.

Ich bin deine heil´ge Herzensnot,
Ich ruf dich in Morgen- und Abendrot.

Die Worte des Dichters Carl Busse (1872-1918) aus dem Gedicht Stimme der Sehnsucht, musikalisch umgesetzt von Hans Pfitzner im eröffnenden Titelstück des neuen Albums der niederländischen Sängerin Christianne Stotijn, charakterisieren sehr bildhaft, was den Hörer auf diesem Lieder-Album erwartet: Düster-schwermütige Spätromantik, melancholisch auf die Vergangenheit zurückblickend. Und die aus Delft stammende Mezzosopranistin belegt (einmal mehr), dass sie derzeit zu den besten Lied-Interpretinnen gehört. So variantenreich, so einfühlsam, so zart, so schmerzvoll, so kraftvoll, so stolz, so zerbrechlich singt heute kaum eine andere Sängerin Lieder.
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Wagner-Opern haben in der ohnehin schon diskussionfreudigen und fachkundigen Klassik-Welt eine Sonderstellung. Richard Wagners UnterschriftNichts wird so kontrovers besprochen wie die Aufnahmen und Aufführungen der Opern von Richard Wagner (1813-1883), nirgendwo sonst tut man sich schwerer, von “Referenzaufnahme” zu sprechen, nirgendwo sonst geht man so weit in die Vergangenheit zurück, um Vergleichsaufnahmen zu finden. Wagner-Inszenierungen sind ungebrochen populär, aber sie sind auch eine große Herausforderung für jeden Regisseur, für jeden Dirigenten,für jedes Orchester, für jeden Sänger. Trotz (oder gerade wegen?) dieser etwas zweischneidigen Herausforderung, stellen sich quasi alle Spitzenkräfte der Musikwelt immer wieder dieser doppelte Herausforderung, der künstlerischen, wie der unweigerlichen Kritik danach, freilich, mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Ergebnissen. Ich gestehe, ich habe vor jedem einen Heidenrespekt,der sich dieser Aufgabe stellt, ganz gleich, wie ich auch das Ergebnis bewerten mag.
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In der Besprechung zur CD „Chopin & Mendelssohn“ von Pieter Wispelwey und Paolo Giacometti freute ich mich mit den Interpreten über die zweite Cellosonate von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), als ein Meisterwerk, das reif, tiefgründig und in seinem vollen Rang verkannt ist – Lieblingsliteratur, nicht nur für anspruchsvolle Cellisten, die in der Lage sind, sie zu spielen. Nur einen Monat nach dieser CD, die Mendelssohn gemeinsam mit Chopin fokussiert, erschien Mitte Oktober 2011 eine weitere Veröffentlichung, diesmal mit reinem Mendelssohn-Programm und gleichfalls mit vielversprechender Provenienz: Paul Watkins, einer der führenden englischen Cellisten unserer Tage, spielte begleitet von seinem Bruder Huw Watkins die beiden Cellosonaten op. 45 und 58 neben den Variations concertantes op. 17 und dem Lied ohne Worte in D-Dur op. 109 bei Chandos ein. Natürlich reizen die zeitliche Koinzidenz und die weite Programmüberschneidung zu Vergleichen, zumal wenn hier wie dort anerkannte Spitzenmusiker am Werk sind.

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Das Koninklijk Concertgebouworkest aus Amsterdam, weltberühmt unter seinem internationalen Namen Royal Concertgebouw Orchestra; hat  Dmitri Shostakovichin den letzten Jahren auf dem Hauslabel RCO Live eine ganz bemerkenswerte Reihe an phantastischen Live-Aufnahmen herausgebracht.  Der Schwerpunkt dieser Veröffentlichungen lag auf den großen sinfonischen Werke des 20. Jahrhunderts. Neben dem über mehrere Jahre geplanten Mahler-Zyklus, finden auch auch andere große Symphoniker des vergangenen Jahrhunderts besondere Beachtung, unter anderem auch der sowjetische Komponist Dmitri Shostakovich (1906-1975). 2006 erschien bereits eine hochgelobte Aufnahme der Sinfonie No. 7 in C-Dur, op. 60 unter der Leitung des aktuellen Chefdirigenten Mariss Jansons, nun folgt eine Aufnahme der Sinfonie No. 15 in A-Dur, op. 141 unter der Leitung des ehemaligen Chefdirigenten Bernard Haitink. Wie bei RCO-Live-Produktionen üblich, wurden für die SACD die Mitschnitte mehrerer Konzertabende (in diesem Fall 17. – 19. & 21. März 2010) zusammengesetzt um den bestmöglichen Klang zu garantieren und Nebengeräusche aus der Live-Aufnahme wie Husten etc. auszuschließen.
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Franz Schubert, Gemälde von Wilhelm August Rieder, 1875Die Winterreise, D911 von Franz Schubert (1797-1828) ist wohl der bekannteste und beliebteste Lied-Zyklus. Kein anderer Liederzyklus wurde so oft aufgenommen; kaum ein Lied-Sänger (und so manche Sängerin, wie zuletzt bravourös Christine Schäfer), der sich nicht an der tragisch-düsteren Sammlung nach Texten von Wilhelm Müller (1794-1824) versucht hätte. Die Geschichte des von der Liebe enttäuschten Wanderers verliert nichts von seiner Aktualität und Authentizität. Sicher, auch in der Diskografie der Winterreise gibt es viel zu viele Aufnahmen, die nichts Neues zu bieten haben oder die sich nicht dauerhaft beim Hörer durchsetzen können, dennoch finde ich es wirklich bemerkenswert, wie viele gute Aufnahmen es von der Winterreise gibt. Wer sich vorgenommen hat, alle wirklich hörenswerten Einspielungen des Zyklus in den CD-Schrank zu stellen, der wird schon einmal ein nicht zu kleines Plätzchen auf den Regalbrettern dafür reservieren müssen.
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Westminster Cathedral Choir, Martin Baker: Tomás Luis de Victoria – Missa De Beata Maria Virgine · Missa Surge propera · Salve reginaGerade hat Sal Pichireddu die wiederveröffentlichte Praetorius-CD „Christmas Music“ mit dem Knabenchor der Westminster Cathedral als geschmackvolle Weihnachtsmusik empfohlen – da schließe ich mich gern mit einer weiteren, neuen Aufnahme dieses Spitzenensembles an, die ebenfalls bei Hyperion Records erschienen ist. Diese CD ist, theologisch betrachtet, eine perfekte Fortsetzung des Weihnachts-Festkreises und versammelt zwei Marienmessen von Tomás Luis de Victoria, neben der Antiphon „Salve regina“ desselben Meisters und Palestrinas Motette „Surge, propera amica mea, et veni“. Unter der Leitung von Martin Baker setzt der Chor seine Beschäftigung mit dem Werk de Victorias fort und fügt dieser feinen, langen Reihe hörenswerter CDs einen weiteren Titel hinzu, der musikalisch erstklassig, voll spannender Entdeckungen und geistlich nahrhaft ist.
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Michael PraetoriusDas ging aber wirklich schnell: Übermorgen ist bereits Heiligabend! Während der ganz normale Weihnachtswahnnsinn so langsam auf die Konsum-Zielgeraden einbiegt (wobei die Läden gerade an diesen letzten Tagen aus allen Nähten platzen), bleibt vielleicht gerade noch die Zeit für den Hinweis auf eine hörenswerte CD mit weihnachtlicher Musik. Wer jetzt schnell bestellt, sollte die CD noch gerade rechtzeitig zum Fest bekommen; gut sortierte Plattenläden sollten das  heute vorgestellte Album ebenfalls auf Lager haben.
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Nur noch fünf Tage bis Heiligabend! Die letzte Woche vor dem langen Festtagswochenende ist angebrochen und setzt den ganz normalen Weihnachtswahnnsinn fort, mit dem die letzte Woche zu Ende ging: Die Innenstädte mit ihren großen, glitzernden Kaufhäusern und die zahllosen Weihnachtsmärkte sind überfüllt mit Konsumwilligen auf der Suche nach dem richtigen Geschenk. Selbst wer sich bewusst gegen den allgegenwärtigen Kaufrausch entscheidet, sucht vielleicht doch noch eine originelle Kleinigkeit. Die Konzertsäle und Kirchen bieten zahlreiche weihnachtliche Konzerte an, die uns musikalisch auf das Fest einstimmen (sollen), doch in den CD-Abteilungen der Elektro-Märkte und bei den großen Versendern werden in den Regalen die Zusammenstellungen mit seichtem, süßlichen Weihnachts-Pop, den immergrünen Jazz-Croonern und den oft lieblos zusammengestellten “Christmas-Classics”-Sammlungen weit nach vorne geräumt.
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In einer Woche ist Heiligabend! Während heute, am letzten verkaufsoffenen Samstag vor dem Fest, die Innenstädte und Einkaufszentren des Landes auf der Suche nach dem richtigen Weihnachtsgeschenk von gestressten Konsumenten gestürmt werden, lässt die akustische Untermalung oft zu wünschen übrig. Seichte, süßliche Pop-Nummern mit dem Versprechen einer wundervollen weißen Weihnacht, die (fast schon klassischen) charmant-angestaubten Jazz-Crooner-Nummern zum Fest, oft aber auch nur wahllos ausgewählte barocke Klänge (oft genug ohne jeglichen Weihnachtsbezug) oder traditionelle Weihnachtslieder von mehr oder minder talentierten Kinderchören beschallen den allgegenwärtigen Konsumrausch auf Weihnachtsmärkten und Shopping-Malls. Die einschlägigen Nummern gibt es – alle Jahre wieder – auf mehr oder minder lieblos zusammengestellten Samplern auf den Weihnachtswühltischen der Läden.
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Viele Jahre lang standen sie im Schatten der kontinentaleuropäischen Tonkunst, wurden (von Adorno und seinen Adepten) verachtet, bestenfalls belächelt und nie wirklich ernst genommen: Die Komponisten und ihre Werke aus dem vereinigten Königreich hatten einen schweren Stand, waren isoliert – und machten aus dieser Not eine Tugend, indem sie ihre Insel-Existenz in eine sprichwörtliche „Splendid Isolation“ ummünzten. Genau diese Abgeschlossenheit und die mit ihr einhergehende Unangreifbarkeit (z.B. gegenüber Dogmen der zentraleuropäischen Avantgarde) werden von vielen Menschen zunehmend als ästhetischer Mehrwert wahrgenommen und goutiert. Und so kann man Douglas Boyd, dem britischen Chefdirigenten des Musikkollegium Winterthur, nur beipflichten, wenn er im Interview mit der Schweizer Zeitschrift „Musik & Theater“ (Ausgabe Dezember 2011, Seite 23) sagt: »Heute erlebt britische Musik ihre wohl aufregendsten Zeiten.«
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