Dass man in Nordamerika längst nicht so streng zwischen U- und E-Musik, zwischen klassischer Musik und Popmusik trennt wie bei uns in Europa ist hinlänglich bekannt. Was in der Alten Welt bisweilen noch zu Irritationen führen kann, ist in Kanada und den USA längst Alltag: Die Orchester sind zu Brückenbauern geworden und eröffnen mit ihren Bearbeitungen populärer zeitgenössischer Musik neue Hörerschichten peu à peu für andere musikalische Genres; dasselbe gilt freilich auch in die andere Richtung.
Hier ein Video der franko-kanadischen Violinistin Angèle Dubeau (ihre aktuelle CD “Arvo Pärt – Portrait” war ‘die besondere CD’ im Juni 2010, s. die → Besprechung hier auf blog.codaex.de) an der e-Violine (!) mit einem temperamentvollen Abba-Tribute-Medley, arrangiert von Sergei Dreznin für-Violine, Streichorchester und Klavier. Man beachte bitte das Violinensolo am Ende, dass jedem gestanden Hardrock-Gitarristen zur Ehre gereichen würde.
Das aktuelle Album von Angèle Dubeau & La Pietà,Arvo Pärt – Portrait, ist am 25. Juni 2010 auf Analekta (2 8731) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Erst vor einigen Tagen besprach ich auf diesen Seiten die neue CD des österreichischen Quadriga Consort “Songs from the British Isles” (‘Die besondere CD’ Juli 2010, Besprechung s. → hier), auf der das Septett mit viel Fingerspitzengefühl alte (Folk-) Songs von den britischen Inseln historisch-informiert auf Originalinstrumenten vorträgt. Sie belegen (einmal mehr), dass E- und U-Musik mehr Berührungspunkte haben, als man glauben möchte und dass man Alte Musik auch so gestalten kann, dass sie Hörerschichten anspricht, die mit dem, was sonst unter dem Label ‘klassische Musik’ definiert wird, nicht viel anfangen können. Ausgerechnet die Alte Musik erweist sich hier als guter Einstieg in die Klassik-Welt.
In der neuen Rubrik “Internet-Tipp zum Monatsende” möchte ich in Zukunft besondere Fundstücke aus dem Internet von Codaex-Künstlern präsentieren. Das kann ein besonders sehens- und hörenswertes Youtube-Video sein, dass kann, wie diesen Monat, ein kostenloser Download oder Ähnliches sein. Einfach nur so – aus Freude an der Musik.
Dass die Münchenerin Arabella Steinbacher (*1981) eine der talentiertesten und versiertesten Violinistin ihrer Generation ist, hat sie auf zahlreichen Konzerten und mehrfach ausgezeichneten CD-Veröffentlichungen unter Beweis gestellt, zuletzt mit der Aufnahme der Violinkonzerte von Antonín Dvořák und Karol Szymanowski, die für das audiphile Label PentaTone entstand.
Dass sie auch bei solch einem komplexen und schwierigen (und wundervollen) Werk wie der berühmten Chaconne aus der Partita für Violine solo Nr. 2 d-moll BWV 1004 von Johann Sebastian Bach brilliert, belegt der Live-Mitschnitt von den Bruchsaler Schlosskonzerten vom 10.10.2008, den man derzeit als “Musikstück der Woche” beim südwestdeutschen Kultursender SWR 2 kostenlos downloaden kann.
Den einführenden Artikel zur Chaconne Bachs “Eine Welt für sich in 256 Takten” findet man → hier
Den Mitschnitt gibt es als kostenlosen Download → hier (rechte Maustaste klicken und “Ziel speichern unter…” auswählen)
Das aktuelle Album von Arabella Steinbacher und dem RSO Berlin unter Marek Janowski mit den Violinkonzerten von Antonín Dvořák und Karol Szymanowski ist im Oktober 2009 auf PentaTone (5186 353) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.
Es muss nicht immer ein wilder Maitanz sein: blog.codaex.de wünscht allen Lesern, dass sie gut in den Wonnemonat Mai gelangen, ob tanzend, feiernd, gar um um Feuer kreisend, oder einfach nur so, mit etwas Musik.