Archiv für die Kategorie: “CD des Monats”
Die CD des Monats auf blog.codaex.de
Über die Persönlichkeit des sowjetischen Komponisten Dmitri Shostakovich (1906-1975) ist von der Musikwissenschaft in den letzten Jahrzehnten viel spekuliert worden. Anstoß dieser regelrechten Psychologisierung der Musik Shostakovichs war wohl das Buch des russisch-amerikanischen Musikwissenschaftlers Solomon Volkov Zeugenaussage (besser bekannt unter dem englischen Titel Testimony, 1979), der vermeintlichen Autobiografie Shostakovichs. Auch wenn es heute starke Zweifel an der Authentizität der angeblichen Aussagen Shostakovichs gibt (Volkov stilisiert Dmitri Dmitriyevich als anti-sowjetische, regimekritische Persönlichkeit, deren Werke fast ausschließlich als verbissene Kritik am Stalinismus zu interpretieren sind), war das Buch der Anlass für eine Neubewertung der Musik Shostakovichs im Ausland, der im Westen zuvor als regimetreuer Muster-Komponist des Ostblocks galt. Wahrheit oder Fiktion: Volkovs Buch lehrte einen neue, genauere Analyse des Œuvre Shostakovichs und ermöglichte den Blick auf das Matrjoschka-Prinzip in dessen Musik, bei dem die eigentliche Botschaft hinter einer vordergründigen Hülle verborgen bleibt. Erst jetzt wurde man Shostakovichs seelischer Zerrissenheit im Spiegel seiner Musik gewahr.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Cello, Dmitri Shostakovich, Konzert, Moderne
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Unser Gast-Rezensent Nils-Christian Engel studierte Evangelische Theologie in Tübingen, Prag, Leipzig und Halle (Saale). Er arbeitet als PR-Journalist, bevorzugt an Streicherthemen, mit der persönlichen Begeisterung eines Amateur-Cellisten.
Sofia Gubaidulina (*1931) und ihr weites, vielseitiges Werk erfahren in diesem Jahr allseits besondere Aufmerksamkeit, anlässlich des 80. Geburtstages der großen Komponistin. Bei Neos legt Martin Heinze nun eine umfassende Sammlung ihrer Arbeiten für Kontrabass vor – ein Genuss für Ohr und Geist, der mehr als drei Stunden währt und auch für denjenigen noch Überraschendes birgt, der Gubaidulinas Musik bereits für sich entdeckt hat. Von ihren künstlerischen Anfängen bis in die Gegenwart hinein reichen die Stücke für Kontrabass, die hier erstmals in ihrer Gesamtheit eingespielt wurden: eine Wanderung durch die fast fünf Jahrzehnte ihres freien kompositorischen Schaffens, die auch eine gute Einführung in die Klangwelten Sofia Gubaidulinas bietet. Nicht zuletzt liefert Heinze mit diesen drei CDs ein starkes Plädoyer für den Bass, der solistisch und kammermusikalisch weiterhin zu den verkannten Instrumenten gerechnet werden muss, und dessen Fülle an klanglichen Möglichkeiten hier eindrucksvoll hörbar wird.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Kontrabass, Moderne, Sofia Gubaidulina
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Das sonic.art Saxophone Quartet, vormals etwas weniger anglophon das “sonic.art Quartett” (mit zwei t), ist ein hochinteressantes Berliner Kammermusik-Ensemble, das sich aus den Musikern Ruth Velten (Sopransaxophon), Alexander Doroshkevich (Altsaxophon, Baritonsaxophon), Annegret Schmiedl (Baritonsaxophon) und Martin Posegga (Tenorsaxophon) zusammensetzt. Das vielfach ausgezeichnete Quartett hat sich auf die Fahnen geschrieben hauptsächlich Original-Literatur für Saxophonquartett zu spielen. Das schränkt zwar einerseits das Repertoire ein (immerhin spielen sie gelegentlich auch gelungene Bearbeitungen), andererseits machte es das 2005 gegründete Ensemble binnen kürzester Zeit zu einem der kompetentesten Saxophonquartette für zeitgenössische Musik und hat schon mit bedeutenden Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Helmut Lachenmann, Walter Zimmermann, Georg Katzer, Olga Neuwirth, Fabien Lévy und Steffen Schleiermacher zusammengearbeitet.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Kammermusik, Michael Nyman, Minimal Music, Philip Glass, Saxophon
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Man kann vieles über Erik Satie (1866-1925) schreiben: Er wird immer wieder als Wegbereiter des Impressionismus, der Minimal Music, der Atonalität, der seriellen Musik und der Musique concrète genannt, doch letzten Endes spiegelt jedes Etikett, das man der Musik Saties anheftet, nur eine Facette seines Œuvres wider und lässt sich mit mindestens ebenso vielen Beispielen entkräften. Andererseits: Vielleicht es genau dieser Nonkonformismus, der die Musik Saties heute noch so ungemein spannend und modern erscheinen lässt. Satie ist, auch fast 100 Jahre nach seinem Tod, immer noch ein über weite Strecken rätselhafter Komponist, der keine direkten Nachahmer, keine direkten Schüler hatte, wohl aber einer Vielzahl von einflussreichen Komponisten des 20. Jahrhunderts (allen voran John Cage (1912-1992)) als Inspirationsquelle und Vorbild diente. Teile seiner Musik sind heute geradezu trivialisiert (man denke nur an die in der Werbung oft verwendeten Themen der Gymnopédies und Gnossiennes), andere Teile bleiben weitgehend unbeachtet.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Erik Satie, Fin De Siècle, Impressionismus, Klavier, Minimalismus, Moderne, musique concrète
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Es ist wohl nicht nur ein romantisches Vorurteil, dass Musik in Kuba einen anderen Stellenwert, ein anderes Selbstverständnis hat als andernorts. Kuba vereint in seiner Musik, besser gesagt in seinen Musiken, verschiedene Einflüsse aus Europa, Afrika und Nord- und Mittelamerika sowie der karibischen Nachbarinseln: Son, Mambo, Habanera, Salsa, Trova, Nueva Trova, Timba, Reggaetón: Die Stile der populären kubanischen Musik verändern sich stetig, befruchten sich gegenseitig und haben einen beachtlichen Einfluss auf die Kunstmusik des modernen Kubas, die wiederum nicht mehr eindeutig von der Volksmusik zu trennen ist. Kuba besitzt eine der heterogensten und facettenreichsten Musiklandschaften der Welt; die kubanische Musik ist spätestens seit dem Wim-Wenders–Film Buena Vista Social Club (1999) und dem dazugehörigen Soundtrack von Ry Cooder und den Musikern des Buena Vista Social Club (wieder einmal) weltweit angesagt. »Chan-Chan« von Compay Segundo, geschrieben von einem über 80-jährigen, avancierte zum weltweiten Hit.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, César Alejandro Carrillo, Chorwerke, Electo Silva, Folklore, Francisco Repilado, Frank Fernández, Kuba, Leo Brouwer, Miguel Matamoros, Oscar Hernández, Roberto Valera, Silvio Rodriguez, Wilma Alba Cal
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Benjamin Britten (1913-1976) gehört zu den vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Für quasi jede Gattung hat der Engländer bedeutende Werke komponiert; ein Schwerpunkt seiner Arbeit war stets die Oper. Zwischen den 1940er und den frühen 1970er Jahren schrieb Britten nicht weniger als elf Opern, darunter so herausragende Meisterwerke wie Peter Grimes (1945), A Midsummer Night’s Dream (1960), Death in Venice (1973) und The Turn of the Screw (1954), die zu den erfolgreichsten und bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts gehörten. Sie erfreuen sich bis heute ungebrochener Beliebtheit und tauchen nicht selten auf den Spielplänen der Opernhäuser weltweit auf. Sowohl die von Britten gewählten, teilweise mit seinem Lebensgefährten, dem Tenor Peter Pears (1910-1986), gemeinsam geschriebenen Libretti, als auch die kunstvoll komponierte und instrumentierte Musik tragen zum dauerhaften Erfolg seiner Opern bei.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Benjamin Britten, Glyndebourne, Moderne, Oper
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Die Violinistin Viktoria Mullova gehört zu den bedeutendsten und integersten Künstlerpersönlichkeiten in der (klassischen) Musikszene. Seitdem Sie nach ihrer Flucht aus der Sowjetunion 1983 die internationale Bühne betrat, machte sich die Russin als technisch brillante und kompromisslose Interpretin barocker und klassischer Musik einen Namen.
Um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, gründete sie 1994 ihr eigenes Mullova Ensemble und verließ 2005 ihr langjähriges Label Philips (im Vertrieb des Branchenriesen Universal), um fortan auf Onyx Classics noch kompromissloser ihre Vorstellungen von Programmauswahl und Interpretation umsetzen zu können. Seitdem hat sie beim englischen Nobel-Label eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht (zuletzt die überaus spannende Beethoven-Veröffentlichung mit zwei Violinsonaten), die von der Kritik und vom Publikum einhellig gelobt wurden. Im Laufe der Jahre hat sie sich zwar immer mehr dem historisch-informierten Spiel verschrieben, hat dabei aber auf Individualität und eigene Interpretation niemals verzichtet.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Bela Bartok, Bratsch, Crossover, DuOud, Ethno, Florian Herrmann, Jazz, Joe Zawinul, John Lewis, Klezmer, Matthew Barley, Moderne, Pop, Viktoria Mullova, Youssou N'Dour, Zoltan Kodaly
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Der britische Komponist Michael Nyman (*1944) gehört zu den derzeit weltweit bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten. Er ist hierzulande vor allem für seine Filmmusiken (und hier insbesondere für die Musik des Jane-Campion-Films Das Piano) bekannt; seine zahlreichen Opern, seine Kammermusik und Orchesterwerke bleiben für große Teilen des Publikums ein Geheimtipp, den es zu entdecken gilt. Wie so viele Komponisten des 20. Jahrhunderts (s. auch zuletzt hier im Blog → Nino Rota), ist die Filmmusik nur eine Facette des künstlerischen Schaffens, die aufgrund ihres Erfolgs die gesamte Bandbreite des Œuvres ein wenig überlagert. In der englischsprachigen Welt finden allerdings auch jene Werke ein breiteres Publikum, die nicht spezifisch für Filme geschrieben wurden, eine Tendenz, die sich in den vergangenen Jahren erfreulicherweise auch auf Kontinentaleuropa und insbesondere auf Deutschland zu übertragen scheint. In Zusammenarbeit mit dem Badischen Staatstheater in Karlsruhe wurden zwischen 2002 und 2005 gleich drei seiner Opern uraufgeführt: Im Jahr 2002 »Facing Goya«, 2004 »Man and Boy: DaDa« und 2005 »Love Counts«.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Michael Nyman, Minimal Music, Oper
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Sie gelten zurecht als eines der neugierigsten Duos im deutschsprachigen Raum und haben mit ihren Veröffentlichungen immer wieder Mut zu einem Programm bewiesen, das abseits der eingetretenen Pfade für die Musik zu Unrecht vergessener Komponisten eintritt: Die beiden Münchener Ilona Then-Bergh (Violine) und Michael Schäfer (Klavier) haben bereits mehrfach in der Vergangenheit mit ihren Veröffentlichungen für das Leipziger Label Genuin nahezu unbekannte Werke für Violine und Klavier zu Tage gefördert, die es wirklich wert ist entdeckt und gehört zu werden. Statt auf altbekanntestes, erarbeitet sich das Duo mit echtem Entdeckergeist ein ganz eigenes Repertoire.
Zuletzt nahmen sie sich auf überzeugende Weise (‘Die besondere CD‘ 02/2010 hier im Blog) der Fin-De-Siècle-Komponisten Sylvio Lazzari und Volkmar Andreae an; nun stellt das Paar erneut eine interessante Kombination von zwei Komponisten vor. Auf ihrem neuen Album sind die Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) zu hören.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Grigorij Krein, Ilona Then-Bergh, Kammermusik, Klavier, Michael Schäfer, Moderne, Samuil Feinberg, Spätromantik, Violine
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Es ist wohl hinlänglich bekannt, dass Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) nicht nur ein versierter Pianist, sondern auch ein vorzüglicher Violinist war. Gerade in seiner Jugend war die Violine eng mit seiner Karriere verbunden. Als 16-jähriger erhielt er seine erste Anstellung: Als Konzertmeister (also als 1. Violinist) der Salzburger Hofkapelle. In seiner Salzburger Zeit zwischen 1772 und 1777 (und später noch einmal als Hoforganist zwischen 1779 und 1781) komponierte er dann auch die meisten Konzertstücke für Violine, danach hingegen sollte die Violine nur noch einen untergeordneten Rang in seinem Œuvre einnehmen und Mozart sollte fortan nur noch als Pianist, Organist und Komponist in Erscheinung treten. Vielleicht kann man diese Abkehr von der Violine mit dem Unglück über das enge, provinzielle Reglement am Salzburger Hof erklären, aus dem der junge Mozart während seiner (zweifachen) Salzburger Zeit vergeblich dauerhaft auszubrechen versuchte. Der junge “Teenie”-Mozart schrieb in der frühen Salzburger Zeit alle fünf Violinkonzerte und das Concertone für zwei Violinen, KV 190, etwas später folgte die Sinfonia concertante für Violine und Viola, KV 364. Die anderen kleineren Werke (das Adagio, KV 261 und die beiden Rondos, KV 269 und 373) entstanden ebenfalls zeitnah in Salzburg.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Konzert, Violine, Wiener Klassik, Wolfgang Amadeus Mozart
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