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Nochmal! Viel mehr möchte ich eigentlich gar nicht schreiben, lieber die CD einfach nochmal von vorne laufen lassen – was aber nicht in Ordnung wäre: dem Škampa-Quartett gegenüber, das mir mit dieser neuen, bei Supraphon erschienenen Einspielung von drei Streichquartetten Pavel Fischers nebst zwei weiteren, kleineren Kompositionen aus derselben Feder und Iva Bittovás Quartett „Hopáhop tálitá“ wahrscheinlich meine persönliche Sommermusik geliefert hat – und all jenen gegenüber, denen es ähnlich wie mir gehen könnte, wenn sie sich, angeregt von ein paar Zeilen mehr, diesem Genuss einmal hingegeben haben. Denn das ist eine CD, die, kurz gesagt, gewaltig Spaß macht, ohne auch nur ansatzweise oberflächlich zu sein. Tschechische Kunst vom Feinsten! Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Crossover, Folk, Gesang, Streichquartett
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Die „Vier Jahreszeiten“ schrieb … ja, richtig! Und nach Beethoven kam … ebenso richtig: Louis Spohr (1784-1859), der nicht allein zu den führenden europäischen Violinvirtuosen seiner Zeit gehörte, sondern auch über rund zwei Jahrzehnte als der wichtigste deutsche Komponist galt. Howard Shelley und das Orchestra della Svizzera Italiana (OSI) haben das lobenswerte Werk unternommen, die zehn Symphonien Spohrs für das britische Label Hyperion einzuspielen, und legen nunmehr mit den Nummern 7 und 9 die letzte CD dieser Reihe vor. Zu hören sind programmatische Stücke, die Spohr in der Vielseitigkeit seines Musikerlebens vorstellen: Als versierten Komponisten mit reicher Erfahrung in der Ausformulierung musikalischer Phantasie, als virtuosen Geiger und als professionellen Hofkapellmeister, der im rechten Moment angemessene Pracht zu erzeugen weiß. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: Orchesterwerke, Romantik, sinfonische Musik
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Es ist wohl schon viel, wenn man den Namen Joseph Achron (1886-1943) einmal irgendwo aufgeschnappt hat, wenn der Gedanke an eine Geige dabei aufleuchtet, und sich vielleicht sogar noch Jascha Heifetz an derselben hinzugesellt – nun, wenigstens ging es mir so. Achron – Achron? Ja richtig! Die „Hebräische Melodie“ op. 33, die sich auf Samplern jüdischer Musik so gut mit anderen Stücken wie Bruchs Kol Nidrei verträgt, aber auch gegen Brahms oder Bach in der Nachbarschaft nichts einzuwenden hat.
Wer also war dieser Joseph Achron? In die Lücke, die sich sogleich mit imposanter Tiefe und Weite öffnet, setzt das entdeckungsfreudige britische Label Hyperion nun eine CD mit dem Violinisten Hagai Shaham und Arnon Erez am Piano, deren Titel „Achron: Complete Suites for Violin and Piano“ nichts anderes ist als eine Tiefstapelei erster Güte. Denn wenn auch der Gravitationspunkt der üppigen Materialfülle auf dieser Doppel-CD sicher bei den drei Suiten op. 21-23 liegt – was darüber hinaus zu hören ist, stellt einen wunderbar einfallsreichen, versierten Komponisten vor, der mittels seiner eigenen Virtuosität auf der Geige atemberaubend schöne Violinliteratur verfasst hat. Wie konnte so jemand nur so gründlich in Vergessenheit geraten? Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, jüdische Musik, Kammermusik, Klavier, Neue jüdische Schule, Violine
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Im Schatten eines so gewichtigen Jubiläums wie des Liszt-Jahres 2011 lehnt man sich gern ein wenig zurück, und wenn die kulturelle Sättigung überhaupt noch ein Dessert zulässt, dann ist die Aussicht auf kammermusikalische Häppchen des gefeierten Meisters doch eine überaus angenehme. „Lecker!“ Mit ungefähr diesem Gefühl nimmt der Rezensent im Frühjahr 2012 die neue CD des jungen Salzburger Ausnahme-Violinisten Thomas Albertus Irnberger in die Hand, die – in der vertrauten klassisch-schönen Aufmachung des Labels Gramola mit Schuber und üppigem Beiheft – „Franz Liszt and the Violin“ vorstellt. Die Speisekarte auf der Rückseite verheißt schon beim Überfliegen Gutes aus Ungarn, „Zigeuner“ ist da zu lesen, ein Gang namens „Rhapsodie hongroise“, abgerundet durch einen Schuss Venedig in der „lugubre gondola“. So gleitet die CD in das Wiedergabegerät, und ob das Glas Rotwein dem Hörgenusse dienen soll oder umgekehrt, ist keineswegs ausgemacht. Es wird, das sei verraten, am Ende des Abends unbemerkt geleert worden sein – denn Irnberger und sein Klavierpartner Edoardo Torbianelli reichen keine Nascherei, sondern entführen den Hörer auf einen anregenden Spaziergang, die sprichwörtlichen tausend Schritte nach dem Mahl, die einen mit reichlich frischer Luft auf gute Gedanken bringen. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Franz Liszt, Kammermusik, Klavier, Violine
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„Lacht alles wieder“? „Die Sonne scheint“? Wer Walter Arlens Lied über Joseph von Eichendorffs Gedicht „Es geht wohl anders, als du meinst“ hört, möchte diese Fragezeichen setzen. Im April des Jahres 1938 komponierte der 1920 geborene, österreichische, jüdische Komponist Walter Arlen dieses kurze Stück, noch im elterlichen Appartement über dem Warenhaus Dichter, das seine Familie im Wiener Arbeiterviertel Ottakring besaß. Sein Vater war gerade verhaftet worden und auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau, seine Mutter hatte der noch nicht einmal 18jährige in einem Sanatorium in Sicherheit bringen können, vor der Verfolgung, und auch vor ihrer eigenen Verzweiflung. „Es geht wohl anders, als du meinst / Derweil du rot und fröhlich scheinst, / Ist Lenz und Sonnenschein verflogen, / Die liebe Gegend schwarz umzogen. // Und kaum hast du dich ausgeweint / Lacht alles wieder, die Sonne scheint, / Es geht wohl anders, anders, anders! / Es geht wohl anders als man meint.“ Damals mögen diese Zeilen den jungen Musiker getröstet haben, und heute, mit dem Abstand seines langen Lebens, sieht Arlen darin eine prophetische Kraft. So wurde „Es geht wohl anders“ zu Recht als Titel einer bei Gramola erschienenen Doppel-CD mit Liedern Arlens gewählt, ein sprechender und doch nicht programmatischer Titel, kein Motto, gegen das sich ein Lebenslauf wie dieser doch immer sperren müsste. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Bariton, Klavier, Lied, Sopran, Walter Arlen
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Als sie schon sehr alt und krank war, besaß meine Großmutter noch etwas, das ihr manche Tag- und vor allem Nachtstunde vertrieb: einen – für mein kindliches Gemüt unermesslichen – Schatz an Kirchenliedern, die sie auswendig wusste. Und nicht bloß die ersten zwei, drei Strophen, deren Kenntnis heute schon die christlichen Kerngemeinden vom Laufpublikum der hohen Feiertage scheidet – nein, sie sang, wenn es eben so war, alle 23 Strophen, und ließ auch die nicht aus, die für moderne Ohren Anstößiges enthielten. Das alles ist noch nicht lange her, und doch ist diese tiefe Vertrautheit heute kaum noch zu finden. Nun sei es jedem unbenommen, die vergessenen Inhalte dieser Lieder zu vermissen, oder nicht; über die erodierende Kulturtechnik zu klagen, die die Engländer so schön „knowledge by heart“ nennen, oder eben nicht; Musik für etwas zu halten, das weit ins Leben einzudringen vermag statt sich in Konzertsäle oder auf CDs bannen zu lassen – oder nicht. Ganz ohne Frage fehlt uns heutigen Hörern aber etwas, das zum Beispiel die Komponisten des Barockzeitalters, reden wir etwa von Johann Sebastian Bach, ganz selbstverständlich voraussetzten: die Fähigkeit zur Querverbindung, zum Verstehen einer Kunst des Zitates und der Reminiszenz, die aus der Kenntnis des kirchlichen Liedgutes resultierte.
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Schlagwörter: Barock, Chorwerke, historische Aufführungspraxis, Johann Sebastian Bach, Kantaten, Motette, Orgel
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Ist das eine kleine, versteckte Feier der Freundschaft zwischen zwei herausragenden Komponisten des 20. Jahrhunderts? Das Label Hyperion Records publiziert in dichtester zeitlicher Folge bemerkenswerte Aufnahmen von Werken Dmitri Schostakowitschs und Benjamin Brittens – von Werken für die Bratsche wohlgemerkt, die auf beiden CDs von Lawrence Power gespielt wird. Und man kann der Spur dieser Gemeinsamkeiten noch etwas weiter folgen, indem man den Orchestersatz von Brittens Komposition Lachrymae op. 48a in die Nähe der Viola-Sonate Schostakowitschs rückt, wozu die biographische Situation beider Arbeiten Anlass gibt – denn sie sind jeweils im Todesjahr ihrer Autoren entstanden. Man kann solcher Spekulation aber auch genau so gut entsagen und die Britten-CD einfach für sich loben, denn des Lobes ist sie wert, mit einem aufregend guten Konzept und brillianten Interpretationen. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Benjamin Britten, Viola, Violine
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Die genuine Sololiteratur für Bratsche ist bekanntermaßen überschaubar, und in ihr nimmt Dmitri Schostakowitschs Sonate op. 147 zweifellos eine Sonderstellung ein. Als Werk eines Meisters vom seinem Rang ist sie gewissermaßen dazu verdammt, Standardliteratur zu sein – und wird doch, immer noch zu oft, als exotische Entdeckung innerhalb seines Œuvres gehandelt. Es scheint schwer zu akzeptieren zu sein, dass Schostakowitsch ausgerechnet einer „randständigen Existenz“ wie der Bratsche nichts weniger als sein musikalisches Testament anvertraut hat, und Annäherungen an Schostakowitsch über die Viola-Sonate sind vergleichsweise selten. Ein großartiges Gegenbeispiel ist, das sei nebenbei bemerkt, der Schostakowitsch-Film des russischen Regisseurs Alexander Nikolajewitsch Sokurow, der 1981 unter dem treffenden Titel „Альтовая соната“ – Sonate für Viola – veröffentlicht wurde. Allein, solche kongenialen Werke sind singulär, und deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass Lawrence Power, begleitet von dem Pianisten Simon Crawford-Phillips, die Bedeutung dieser Sonate mit einer bei Hyperion erschienenen CD neu bekräftigt und sie ins Zentrum eines klugen Programmkonzepts stellt. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Dmitri Shostakovich, Kammermusik, Klavier, Viola
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Eine neue, auf 5 CDs angelegte Reihe des Altenburger Labels Querstand erkundet das Werk des Komponisten Günter Raphael (1903-1960) – und überrascht mit dem ganz unkonventionellen Programm der beiden jüngst erschienenen Ausgaben Nummer 1 und 2. Raphael ist durchaus kein Unbekannter, seine Sinfonien und Vokalkompositionen, aber auch seine Kammermusik haben sich in einer signifikanten Diskographie niedergeschlagen. Die neue Edition aber, eine Initiative der Christine-Raphael-Stiftung, geht nun einen eigenständigen, sehr überzeugenden Weg. Weder verfolgt die Reihe einen enzyklopädischen Anspruch, noch werden die Rosinen herausgepickt, die den Publikumserwartungen wahrscheinlich am unmittelbarsten entsprechen und so den größten Effekt bieten würden. Komplementär zu dem im Jahr 2010 anlässlich des 50. Todestages Raphaels veröffentlichten Tagungsband „Erkundungen zu Günter Raphael“ wagen sich die beiden ersten CDs der Edition direkt an trefflich gewählte Aspekte dieses äußerst interessanten Œuvres und skizzieren in großen Bögen, wie sehr sich die Beschäftigung mit Raphael lohnt. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Gast-Rezension, Günter Raphael, Kammermusik, Saxophon, Streichquartett, Viola, Violine
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„Encores“ hatte der Berliner Cellist Alban Gerhardt zum Thema einer vielbeachteten CD gemacht, auf der er vor gut einem halben Jahr ausgesuchte Zugaben seines großen Idols Pau Casals neu interpretierte. Meilenweit entfernt von jeder wohlfeilen Cello-Hit-Sammlung stellte diese Hommage, die Gerhardt gemeinsam mit der philippinischen Pianistin Cecile Licad einspielte, eine ebenso ausgefallene wie klug musizierte Idee vor. Sehr wenige Monate vergingen nach dieser im Juni 2010 entstandenen Aufnahme, bis das Duo im Oktober desselben Jahres Gabriel Fauré (1845-1924) zur Einspielung brachte – sollte da mehr zu hören sein können als eine Zugabe zur Zugabe, nach dem Muster „Élégie plus X“? Aber bei aller Skepsis: das wäre nicht das Niveau dieser beiden Musiker. Gewiss ist ihr Fauré-Programm konzeptuell nicht so unorthodox-innovativ wie die Hommage an Casals, dafür überzeugt die wiederum bei Hyperion Records erschienene CD „Gabriel Fauré – Cello Sonatas“ aber durch die mustergültig gelungene Interpretation einer anspruchsvollen Materie. Den Rest des Eintrages lesen »
Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Cello, Gabriel Fauré, Kammermusik, Klavier, Romantik
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