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»Es bleibt noch übrig, über Mendelssohns Trio etwas zu sagen – weniges nur, da es sich gewiss schon in aller Hände befindet. Es ist das Meistertrio der Gegenwart, wie es in ihrer Zeit die von Beethoven in B und D, das von Schubert in Es waren; eine gar schöne Komposition, die nach Jahren noch Enkel und Urenkel erfreuen wird. […] Mendelssohn ist der Mozart des 19ten Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt […]. Was soll ich noch über dies Trio sagen, was sich nicht jeder, der es gehört, schon selbst gesagt?«
So äußerte sich Robert Schumann 1840 in der von ihm selbst herausgegebenen „Neuen Zeitschrift für Musik“ über Mendelssohns erstes Klaviertrio aus dem Jahr 1839. Jeder echte Kammermusik-Freund dürfte eine Aufnahme dieses und des zweiten Trios von 1845 in seiner Sammlung haben. Jetzt hat sich auch das junge Leibniz Trio an die beiden kanonischen Trios herangewagt…
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, Felix Mendelssohn, Gast-Rezension, Kammermusik, Klaviertrio, Romantik
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Vor die Quizfrage gestellt, wenigstens einen einzigen australischen (Gegenwarts-)Komponisten zu nennen, würden sogar viele beinharte Klassik-Kenner kläglich scheitern. Ein kurzer Blick in die Wikipedia offenbart: ja, es gibt sie, die Tonsetzer aus „Down Under“, und die freie Enzyklopädie listet sogar mehr als 30 davon auf – wenn auch ausgerechnet nicht den 1960 im südaustralischen Adelaide geborenen Andrew Schultz. Das ist bedauerlich und angesichts der hohen Qualität der auf dieser CD zu hörenden Werke sowie ihrer durchweg guten Interpretation eigentlich nicht zu begreifen. Aber das Internet und das Label ABC Classics, bei dem die Silberscheibe erschienen ist, machen es Klassik-Enthusiasten, die nach dem Anhören von Schultz’ CD vom Thema „australische Komponisten“ neugierig geworden sind, wahrlich nicht leicht, mehr darüber in Erfahrung zu bringen…
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Andrew Schultz, Australien, Orchesterwerke, Postmodern
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Die Suche nach dem Begriff »Slawische Tänze« fördert bei Amazon in der Kategorie „Klassik“ derzeit nicht weniger als 327 Ergebnisse zutage. Die englische Formulierung »Slavonic Dances« bringt es dort immerhin auf (weitere) 150 Treffer. Das Thema scheint also auf Tonträgern mehr als erschöpfend behandelt zu sein, und an hervorragenden Klavierduo-Formationen fehlt es auch nicht gerade – vor allem, wenn man an Weltklasse-Ensembles wie Tal & Groethuysen oder an das Duo GrauSchumacher denkt – um nur diese zu nennen. Was also spricht für eine 328. beziehungsweise 151. Einspielung einer CD mit dem unspektakulären Titel „Slavonic Dances“? Erstaunlich viel, wenn man sich unvoreingenommen auf die wirklich außergewöhnlich inspirierende und vor allem auch klug kompilierte Aufnahme mit dem Pianoduo Danhel-Kolb einlässt…
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Schlagwörter: Antonin Dvorak, Erwin Schulhoff, Ilja Hurník, Klavierduo, Tschechien, Zdeněk Fibich
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Die in der Tatarischen Republik geborene Komponistin Sofia Gubaidulina (*1931), die unlängst ihren 80. Geburtstag feiern durfte, genießt in diesem Blog besondere Aufmerksamkeit. Erst kürzlich hat mein Kollege Nils-Christian Engel die bei Neos erschienene Dreier-CD „Chamber Music with Double Bass“ sehr zu Recht enthusiastisch rezensiert. Jetzt ist beim tschechischen Label Supraphon eine weitere phänomenale Kammermusik-CD dieser faszinierenden Künstlerin erschienen. Es handelt sich dabei um nichts Geringeres als die Weltersteinspielung ihrer sämtlichen Streichquartette auf einer einzigen CD. Unter dem Aspekt betrachtet, dass das vierte Quartett schon vor knapp 20 Jahren entstanden ist, möchte man nicht glauben, dass der Musikwelt erst jetzt das Glück einer Gesamtaufnahme zuteil wird. Doch das lange Warten hat sich gelohnt…
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, 21. Jahrhundert, Kammermusik, Moderne, Sofia Gubaidulina, Stamic Quartet, Streichquartett
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Vor nunmehr sieben Jahren begründeten die Geigerin Ilona Then-Bergh und der Pianist Michael Schäfer die Reihe „Unerhört“ beim Leipziger Label Genuin. Als erste CD dieser Reihe erschienen dort 2006 die Klavierwerke von Cyril Scott (bei → amazon.de | bei → jpc.de). Seitdem haben die beiden Interpreten, die es sich zur Aufgabe machen, verschollene Schätze der Klavier- und Kammermusik (wieder) zu entdecken, so manche Trouvaille zutage befördert – zuletzt die wahrlich „unerhört“ guten Violinsonaten von Grigorij Krein und Samuil Feinberg (s. → Besprechung). Wer geglaubt hat, schöner könne es nun nicht mehr werden, wird durch das Erscheinen der beiden Klaviertrios von Leonid Sabaneev (1881-1961, auch Sabaneyeff oder Sabenejew geschrieben) eines Besseren belehrt: Die vorliegende CD ist mehr als „nur“ unerhört. Es handelt sich um nichts Geringeres als um eine Sensation von musikhistorischer Tragweite, die das Zeug dazu hat, die Lehrbücher und Lexika neu zu schreiben.
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Ilona Then-Bergh, Kammermusik, Klaviertrio, Leonid Sabaneev, Michael Schäfer, Moderne, Spätromantik, Wen-Sinn Yang
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An Max Reger (1873-1916) scheiden sich seit jeher die Geister. 1923 schrieb der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) in seinem Buch „Geist der Utopie“:
»Reger, ein leeres, gefährliches Können und eine Lüge dazu. (…) Er ist nichts, er hat nichts als eine Fingerfertigkeit höherer Ordnung, und das Empörende daran bleibt, dass er doch nicht nur nichts ist, ein Quell der beständigen, fruchtlosen Irritierung.«
Sein Komponistenkollege Arnold Schönberg(1874-1951) dagegen konstatierte:
»Reger muss meines Erachtens viel gebracht werden: 1. weil er viel geschrieben hat. 2. weil er schon tot ist und man immer noch nicht Klarheit über ihn besitzt. (Ich halte ihn für ein Genie).«
 Max Reger (Max Beckmann, 1917)
Und Paul Hindemith (1895-1963), einer seiner bedeutendsten Schüler, sagte lapidar:
»Max Reger war der letzte Riese in der Musik.«
Als einen solchen hat Max Beckmann (1884-1950) den Komponisten kurz nach dessen Tod gemalt. (s. rechts). Die neue Aufnahme seines monumentalen Violinkonzerts mit der Geigerin Tanja Becker-Bender und dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Lothar Zagrosek, erschienen beim britischen Label Hyperion Records, bietet nun eine gute Gelegenheit, den „Fall Reger“ neu zu überdenken.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Gast-Rezension, Konzert, Max Reger, Romantik, The Romantic Violin Concerto, Violine
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Viele Jahre lang standen sie im Schatten der kontinentaleuropäischen Tonkunst, wurden (von Adorno und seinen Adepten) verachtet, bestenfalls belächelt und nie wirklich ernst genommen: Die Komponisten und ihre Werke aus dem vereinigten Königreich hatten einen schweren Stand, waren isoliert – und machten aus dieser Not eine Tugend, indem sie ihre Insel-Existenz in eine sprichwörtliche „Splendid Isolation“ ummünzten. Genau diese Abgeschlossenheit und die mit ihr einhergehende Unangreifbarkeit (z.B. gegenüber Dogmen der zentraleuropäischen Avantgarde) werden von vielen Menschen zunehmend als ästhetischer Mehrwert wahrgenommen und goutiert. Und so kann man Douglas Boyd, dem britischen Chefdirigenten des Musikkollegium Winterthur, nur beipflichten, wenn er im Interview mit der Schweizer Zeitschrift „Musik & Theater“ (Ausgabe Dezember 2011, Seite 23) sagt: »Heute erlebt britische Musik ihre wohl aufregendsten Zeiten.«
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Schlagwörter: 20. Jahrhundert, Gast-Rezension, John Blackwood McEwen, Konzert, Ralph Vaughan Williams, Romantik, Spätromantik, Suite, Viola
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Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Ohne Übertreibung darf man sagen, dass die vom britischen Label Hyperion Records vor ziemlich genau 20 Jahren ins Leben gerufene Serie „The Romantic Piano Concerto“ sich längst zu der wohl wichtigsten CD-Reihe ihrer Art gemausert hat. Was am 6. November 1991, dem Erscheinungstag von Volume 1 [→ bei amazon.de | → bei jpc.de], mit den Klavierkonzerten von Paderewski und Moszkowski begann, erreicht mit den beiden schönen Klavierkonzerten von Charles-Marie Widor (1844–1934) und seiner nicht minder berührenden „Fantaisie“ für Klavier und Orchester jetzt die stolze „Hausnummer“ 55 – und ein Ende der Reihe ist, so hat es den Anschein und so ist auch nur zu hoffen, immer noch nicht abzusehen.
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Schlagwörter: 19. Jahrhundert, 20. Jahrhundert, Charles-Marie Widor, Gast-Rezension, Klavier, Konzert, Romantik, The Romantic Piano Concerto
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Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Dieser Besprechung sei eine These vorangestellt, die da lautet: Mit Mozart beginnt die Musik der Moderne. Mag Johann Sebastian Bach auch das Alpha und Omega der tönenden Weltordnung und ihr Gottvater sein – mit Wolfgang Amadeus Mozart inkarniert sich die Musik erstmals im Menschen, besser gesagt: im neuzeitlichen Subjekt. Regisseur Milos Forman bringt das in seinem Filmklassiker „Amadeus“ von 1984 klar zum Ausdruck. Und seien wir ehrlich: Bach als Superstar, Projektions- und Identifikationsfläche für subjektive Befindlichkeiten ist einfach nicht vorstellbar. Anders gesagt: So wie mit Goethes „Werther“ die „Gegenwartsliteratur“ anhebt, so beginnt mit Mozart die moderne Musik.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Konzert, Susanna Yoko Henkel, Violine, Wiener Klassik, Wolfgang Amadeus Mozart
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Unser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Tübingen und Wien. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er das Redaktionsbüro Schäfer. Spezialisiert auf den Bereich Kulturjournalismus (mit Schwerpunkt in der Klassik) hat Schäfer zahlreiche Interviews mit berühmten Vertretern der Musikszene geführt, beispielsweise mit Dietrich Fischer-Dieskau, Martha Argerich, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina. Als freier Journalist schreibt er für Tageszeitungen, Fachmedien und Online-Portale wie Zeit-Online, Südwest Presse (SWP), die „neue musikzeitung“ (nmz) und das „Ensemble-Magazin für Kammermusik“. Am 18. Juni 2011 war er Studiogast von Ines Pasz in der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik extra“.
Burkhard Schäfer lebt mit seiner Familie in Ulm und betreibt für das Redaktionsbüro Schäfer den Twitter-Account „Kammermusik“.
Auch wenn Beethoven mit seinen späten Streichquartetten in schier unfassbare musikalische Regionen vorgestoßen ist, Komponisten wie Bartók, Janáček oder Webern der Gattung im 20. Jahrhundert buchstäblich unerhörte Facetten abgelauscht haben und Geräusch-„Extremisten“ wie Helmut Lachenmann die klanglichen Möglichkeiten der vier Instrumente heute bis zum Exzess treiben – das gültige Muster der Gattung Streichquartett stammt von ihrem genialen Erfinder: Joseph Haydn. Er und nur er hat – um mit seinem großen Bewunderer Goethe zu sprechen – die „Urpflanze“ geschaffen, an denen sich alle anderen Kompositionen für die Königsdisziplin der Kammermusik auf ewig werden messen müssen.
Als ob es dafür überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, legt das Takács Quartet jetzt eine nicht nur mustergültige, sondern wahrhaft beglückende Einspielung von Haydns Quartetten op. 74 vor. Mit der Aussage „So und nicht anders!“ sollte man vorsichtig sein, weil Interpretationen subjektiv sind und per definitionem immer wieder „anders“ ausfallen (müssen). Gleichwohl sei der Satz im Angesicht dieser wahrhaft überragenden Lesart ausnahmsweise einmal gestattet.
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Schlagwörter: 18. Jahrhundert, Gast-Rezension, Joseph Haydn, Kammermusik, Streichquartett, Wiener Klassik
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