Wes Montgomery (Echoes of Indiana Avenue detail)

Wes Montgomery

Wes Montgomery (1923-1968) gehört neben Charlie Christian und Kenny Burrell zu den wichtigsten Gitarristen des US-amerikanischen Jazz und nur weil die Gitarre im Jazz niemals an die Popularität anderer Solo-Instrumente, vornehmlich dem Klavier, dem Saxophon und der Trompete heranreichen konnte, ist sein Name heute nicht mehr ganz so präsent wie etwa Miles Davis, John Coltrane oder Keith Jarrett. Sein früher Tod, Montgomery starb im Alter von 45 Jahren an einem Herzanfall, und die Veränderungen im Jazz in den 1970ern (und insbesondere bei der Jazz-Gitarre im aufkommenden Jazzrock) mögen ebenfalls dazu beigetragen haben, dass seine Musik heute nur noch von einigen Aficionados geschätzt wird. An seiner historischen Bedeutung und seinem unverwechselbaren Sound ändert das nichts: Wes Montgomerys Anschlagtechnik und seine Blockakkord-Soli wurden das Vorbild vieler folgender Gitarristen-Generationen.

Nun ist es im Jazz eigentlich nichts besonderes, dass viele Jahre nach dem Tod des Künstlers noch unveröffentlichte Aufnahmen auf den Markt gebracht werden. Entweder handelt es sich hierbei um mehr oder minder offizielle Mitschnitte, die nach Jahren in den Archiven entdeckt und mehr oder minder aufwendig restauriert werden, oder es handelt sich um nicht verwendetes Material, dass bei den Aufnahmen zu regulären Alben entstand. Selbst in seiner Hoch-Zeit hatte der Jazz nur einen begrenzten kommerziellen Erfolg. Nach den Aufnahme-Sessions wurde oft genug von den Produzenten jenes Material aussortiert, das als nicht kommerziell genug erschien. Der Künstler musste sich dieser Entscheidung fügen, oder er musste komplett auf die Veröffentlichung verzichten. Heute bewertet man diese willkürlichen Eingriffe in die künstlerische Arbeit zumeist anders und nicht selten sind diese posthum veröffentlichen Aufnahmen von größter künstlerischer Bedeutung, man denke nur an die epochalen Archiv-Veröffentlichungen von Miles Davis der letzten Jahre. Nur bei Wes Montgomery hatten die Schatzjäger bisher kein Glück.

Wes Montgomery - Echoes of Indiana AvenueJetzt erscheint mit Echoes of Indiana Avenue das erste Album mit unveröffentlichtem Wes-Montgomery-Tracks seit 25 Jahren. Das Album enthält neun Stücke, die zwischen 1957 und 1958 aufgenommen wurden und aus insgesamt drei Sessions stammen (einer Studio-Session und zwei Live-Sessions aus dem legendären Club The Hub Bub in Indianapolis). Es ist gleichzeitig auch ein historisches Dokument, sind es doch die frühesten Aufnahmen von Wes Montgomery als Bandleader, die noch vor seinem LP-Debüt (The Wes Montgomery Trio – A Dynamic New Sound, 1959 mit Aufnahmen vom Oktober 1958) entstanden. Die Aufnahmen auf Echoes wurden aufwendig unter der Regie des Produzenten Michael Cuscuna restauriert, der sich einen Namen in der Szene als Produzent der Miles-Davis-Wiederveröffentlichungen  “Bitches Brew – 40th Anniversary” und “Live in Europe 1967″ gemacht hat.

Echoes of Indiana Avenue präsentiert einen unverkrampften Wes Montgomery, der sich frei von irgendwelchen kommerziellen Hintergedanken spielfreudig durch Standards (Straight No Chaser, Take The A-Train, Body and Soul usw.) swingt. Besonders die Balladen (Round Midnight, Darn The Dream) überzeugen durch ungekünsteltes, sanftes und gefühlvolles Gitarrenspiel. Eine Besonderheit wartet auf den Hörer am Ende des Albums: Der After Hours Blues präsentiert Wes Montgomery erstmalig als improvisierenden, kompromisslosen Blues-Gitarristen.

Besonders viel Mühe hat man sich nicht nur bei der Restaurierung der klanglich insgesamt überraschend guten Aufnahmen gemacht (einige Abstriche muss man allerdings beim abschließenden After Hours Blues hinnehmen), auch in Sachen Ausstattung wollte man der historischen Bedeutung dieser Entdeckung Rechnung tragen. Die CD-Ausgabe kommt im Digipak mit einem wunderschön gestalteten Booklet mit zahlreichen Fotos und aufschlussreichen Essays über die Musik Montgomerys; noch luxuriöser ist die Vinyl-Ausgabe: Das handnumerierte Aufklapp-Cover der 180g-Doppel-LP hat viel Platz für das mit Liebe gestaltete Artwork, die LPs wurden von Bernie Grundman für bestmögliche Klangqualität auf 45 rpm gemastert.

Hier noch der offizielle Promo-Trailer von Resonance Records:

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Echoes of Indiana Avenue von Wes Montgomery ist am 23. März 2012 auf Resonance (HCD 2011) als CD erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de bestellt werden. Das Album ist ebenfalls als limitierte Vinyl-Doppel-LP erschienen und kann unter anderem bei → amazon.de und → jpc.de (Sämtliche Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Diablo’s Dance (Studio)
  2. Round Midnight (Studio)
  3. Straight No Chaser (Studio)
  4. Nica’s Dream (Studio)
  5. Darn That Dream (Studio)
  6. Take the A-Train (Live)
  7. Misty (Live)
  8. Body and Soul (Live)
  9. After Hours Blues (Improvisation) (Live-Session)


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