Rebecca Nelsen, Christian Immler und Danny Driver – Walter Arlen: Es geht wohl anders
Geschrieben von Nils-Christian Engel in Der besondere Tipp, Neuerscheinungen, Rezension
„Lacht alles wieder“? „Die Sonne scheint“? Wer Walter Arlens Lied über Joseph von Eichendorffs Gedicht „Es geht wohl anders, als du meinst“ hört, möchte diese Fragezeichen setzen. Im April des Jahres 1938 komponierte der 1920 geborene, österreichische, jüdische Komponist Walter Arlen dieses kurze Stück, noch im elterlichen Appartement über dem Warenhaus Dichter, das seine Familie im Wiener Arbeiterviertel Ottakring besaß. Sein Vater war gerade verhaftet worden und auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau, seine Mutter hatte der noch nicht einmal 18jährige in einem Sanatorium in Sicherheit bringen können, vor der Verfolgung, und auch vor ihrer eigenen Verzweiflung. „Es geht wohl anders, als du meinst / Derweil du rot und fröhlich scheinst, / Ist Lenz und Sonnenschein verflogen, / Die liebe Gegend schwarz umzogen. // Und kaum hast du dich ausgeweint / Lacht alles wieder, die Sonne scheint, / Es geht wohl anders, anders, anders! / Es geht wohl anders als man meint.“ Damals mögen diese Zeilen den jungen Musiker getröstet haben, und heute, mit dem Abstand seines langen Lebens, sieht Arlen darin eine prophetische Kraft. So wurde „Es geht wohl anders“ zu Recht als Titel einer bei Gramola erschienenen Doppel-CD mit Liedern Arlens gewählt, ein sprechender und doch nicht programmatischer Titel, kein Motto, gegen das sich ein Lebenslauf wie dieser doch immer sperren müsste. Den Rest des Eintrages lesen »

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