Archiv für Februar 2012

Cuarteto Quiroga: StatementsIn der Klassik-Welt sind ansprechende Musikvideos immer noch etwas exotisches, gerade wenn es einmal nicht darum geht, Hochglanz-Stars möglichst werbewirksam mit klassischem Standard-Repertoire in massentaugliche, audiovisuelle Szene zu setzen.

Eine hörens- und sehenswerte Ausnahme kommt nun vom spanischen Cuarteto Quiroga, das für seine aktuelle CD Statements ein Video zur Musik des sizilianischen Komponisten Giovanni Sollima (*1962) produziert hat.

Die CD Statements des Cuarteto Quiroga ist am 1. Dezember 2011 auf Cobra (COBRA 0035) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Alban Gerhardt, Cecile Licad: Gabriel Fauré, Cello Sonatas„Encores“ hatte der Berliner Cellist Alban Gerhardt zum Thema einer vielbeachteten CD gemacht, auf der er vor gut einem halben Jahr ausgesuchte Zugaben seines großen Idols Pau Casals neu interpretierte. Meilenweit entfernt von jeder wohlfeilen Cello-Hit-Sammlung stellte diese Hommage, die Gerhardt gemeinsam mit der philippinischen Pianistin Cecile Licad einspielte, eine ebenso ausgefallene wie klug musizierte Idee vor. Sehr wenige Monate vergingen nach dieser im Juni 2010 entstandenen Aufnahme, bis das Duo im Oktober desselben Jahres Gabriel Fauré (1845-1924) zur Einspielung brachte – sollte da mehr zu hören sein können als eine Zugabe zur Zugabe, nach dem Muster „Élégie plus X“? Aber bei aller Skepsis: das wäre nicht das Niveau dieser beiden Musiker. Gewiss ist ihr Fauré-Programm konzeptuell nicht so unorthodox-innovativ wie die Hommage an Casals, dafür überzeugt die wiederum bei Hyperion Records erschienene CD „Gabriel Fauré – Cello Sonatas“ aber durch die mustergültig gelungene Interpretation einer anspruchsvollen Materie. Den Rest des Eintrages lesen »

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Vor nunmehr sieben Jahren begründeten die Geigerin Ilona Then-Bergh und der Pianist Michael Schäfer die Reihe „Unerhört“ beim Leipziger Label Genuin. Ilona Then-Bergh · Michael Schaefer · Wen-Sinn Yang: Leonid Sabaneev - Piano TriosAls erste CD dieser Reihe erschienen dort 2006 die Klavierwerke von Cyril Scott (bei → amazon.de | bei → jpc.de). Seitdem haben die beiden Interpreten, die es sich zur Aufgabe machen, verschollene Schätze der Klavier- und Kammermusik (wieder) zu entdecken, so manche Trouvaille zutage befördert – zuletzt die wahrlich „unerhört“ guten Violinsonaten von Grigorij Krein und Samuil Feinberg (s. → Besprechung). Wer geglaubt hat, schöner könne es nun nicht mehr werden, wird durch das Erscheinen der beiden Klaviertrios von Leonid Sabaneev (1881-1961, auch Sabaneyeff oder Sabenejew geschrieben) eines Besseren belehrt: Die vorliegende CD ist mehr als „nur“ unerhört. Es handelt sich um nichts Geringeres als um eine Sensation von musikhistorischer Tragweite, die das Zeug dazu hat, die Lehrbücher und Lexika neu zu schreiben.
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Über die unüberhörbaren Ähnlichkeiten von zeitgenössischer populärer Musik und solcher aus der Renaissance habe ich an dieser Stelle bereits öfter geschrieben. Die vier Jahrhunderte, die die Epochen voneinander trennen, scheinen musikalisch nicht immer ins Gewicht zu fallen. Und richtig: Wenn man die Renaissance als Anfangspunkt der Neuzeit sieht, in der viele Strukturen entwickelt wurden die heute noch gültig sind, dann ist diese Nähe nicht weiter verwunderlich. Während sich Teile der Kunstmusik immer weiter entwickelt haben (und sich vom ursprünglichen Renaissancelied mit seiner einfachen Melodie und seiner simplen Struktur immer weiter entfernten), blieben einfache Liedstrukturen nahezu unverändert, vielleicht auch, weil es gar nicht so viele Arten geben kann, wie man ein Lied aufbaut.
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Preis der deutschen Schallplattenkritik - BestenlisteAuf der vierteljährlichen Bestenliste des unabhängigen Preises der deutschen Schallplattenkritik werden die interessantesten und gelungensten Veröffentlichungen des vergangenen Quartals in verschiedenen Kategorien – von Klassik bis Pop/Rock – auszeichnet. Der Auszeichnung ist gleichzeitig eine Nominierung für den begehrten (noch begehrteren) Jahrespreis.

Beethoven Orchester Bonn, Stfan Blunier: Franz Schreker - IrreloheAuf der gestern veröffentlichten ersten Bestenliste des neuen Jahres wurde die Bonner Einspielung der Oper Irrelohe von Franz Schreker (1878-1934) in der Einspielung des Beethoven Orchester Bonn unter der Leitung seines Schweizer Dirigenten Stefan Blunier ausgezeichnet.

Robert Braunmüller schreibt für die Jury:

»Bonns GMD Stefan Blunier bringt Schrekers Musik mit dem Orchester der Beethovenhalle eindrucksvoll zum Glühen und Blühen, und die Sänger des Bonner Ensembles beweisen einmal mehr, wie leistungsfähig Deutschlands Stadttheater sein können.«

Die 3-SACD-Box Franz Schreker – Irrelohe des Beethoven Orchester Bonn mit dem Chor und Extrachor des Theater Bonn unter der Leitung von Stefan Blunier ist am 16. September 2011 auf MDG (MDG 937 1687-6) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

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Antonio VivaldiDer Ruhm des venezianischen Barockkomponisten Antonio Vivaldi (1678-1741) beruht heutzutage in der öffentlichen Wahrnehmung lediglich auf einen winzigen Ausschnitt aus seinem umfangreichen Œuvres, nämlich den vier Konzerten, die wir heute als Le quattro stagioni (auf Deutsch “Die vier Jahreszeiten“) kennen und die eigentlich ein Zyklus innerhalb der 12-teiligen Violinkonzert-Sammlung »Il cimento dell’armonia e dell’inventione«, op. 8 (zu Deutsch “Das Wagnis von Harmonie und Erfindung“) sind. De facto war der “der rote Priester” Vivaldi (er hatte rote Haare) ein sehr vielseitiger Violinist und Cembalist, Musikpädagoge, Orchesterleiter und Komponist, der fast 100 Opern schrieb, außerdem annähernd 500 Konzerte und rund 50 geistliche Vokalwerke. Ähnlich wie seine erst spät populär gewordenen vier Jahreszeiten sind seine geistlichen Werke erst  relativ spät, genauer gesagt in den 1920er Jahren vom Musikwissenschaftler Alberto Gentili entdeckt worden. Überlagert vom Ruhm der Vivaldi’schen Instrumentalmusik finden diese geistlichen Werke erst nach und nach jene Beachtung, die sie verdienen, handelt es sich doch um kunstvoll ausgestaltete Kompositionen, die einen sehr guten Eindruck von der geistlichen Musik im (katholischen) Italien zu Zeiten des Hoch-Barocks vermitteln.
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Elisabeth I. (bei ihrer Krönung 1558)Renaissance bedeutet Wiedergeburt. Am Ende des Mittelalters wandten sich die Künste, zunächst in Italien, später in ganz Europa, verstärkt der römischen und griechischen Antike zu. War die Kultur des Mittelalters geprägt vom religiösen Blick auf die Heilserlangung im Jenseits (Historiker mögen mir diese Verallgemeinerung vergeben), verschob die Renaissance in der Kunst ihre Aufmerksamkeit auf das Leben im Diesseits. Die facettenreiche, weltliche Kunst der Antike erfuhr eine Wiedergeburt (freilich mit dem verklärtem Blick der idealisierend Zurückblickenden), aber auch die Wahrnehmung des Menschen als Individuum mit seinen (menschlichen) Stärken und Schwächen wurde ohne drohendes Gottesurteil darstellbar.

Während die Renaissance (oder besser gesagt, das Rinascimento) in Italien vor allem im 15.und 16. Jahrhundert dominierte, verbreitete sich die Renaissance nördlich der Alpen später. Während in Italien mit dem Schaffen von Claudio Monteverdi (1567-1643) sich die Ausdrucksformen bereits zum Barock wandelten, blühte beispielsweise in England erst während des elisabethanischen Zeitalters (also in der Regierungszeit von Königin Elisabeth I., zwischen 1558 und 1603) und auch noch der anschließenden Regierungszeit von König Jakob I. (König von England, Schottland und Irland zwischen 1603 und 1625) auf.
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Dmitri Shostakovich (1906-1975) war nicht nur ein überaus vielseitiger und produktiver Komponist, sondern auch ein versierter Pianist. Dmitri ShostakovichBis in die späten 1950er Jahre führte er regelmäßig seine eigenen Werke auf. Dabei entstanden auch einige Aufnahmen, wie zum Beispiel die legendäre Aufnahme der beiden Klavierkonzerte mit dem Orchestre National de la Radiodiffusion Française unter André Cluytens 1959. Danach (und schon während der Aufnahmen) litt er zunehmend unter einer chronischen Rückenmarkserkrankung, die als Folge seine rechte Hand immer stärker lähmte. Noch bis in die 1930er Jahre, als er als Komponist bereits über die Grenzen der Sowjetunion bekannt war, gab er gelegentlich Konzerte am Klavier; in seiner Studienzeit gar hatte er sein Geld als Stummfilm-Begleiter verdient . Das Klavier war lange Zeit Shostakovichs ureigene Ausdrucksform und obwohl zahlreiche zentrale Werke seines Œuvres für Orchester (u. a. die 15 Sinfonien) und für Kammermusik-Ensembles (u.a. die 15 Streichquartette) entstanden, spielt das Klavier eine wichtige Rolle in Shostakovichs Klangwelt.

Neben den 24 Präludien für Klavier solo, op. 34 (1932/33), den 24 Präludien und Fugen für Klavier solo, op. 87 (1950/51) und einigen intimen Lied-Zyklen mit Klavierbegleitung, zählen die beiden Klavierkonzerte  in c-Moll, op. 35 (1933) und F-Dur, op. 102 (1957) zu seinen wichtigsten Werken mit Klavier. Das besondere an den beiden Klavierkonzerten ist, dass sie, im Vergleich zu vielen anderen zentralen Werken Shostakovichs, ungewöhnlich heiter (und in den langsamen Sätzen bemerkenswert lyrisch) sind. Der Komponist meinte dazu selbst nach einer Aufführung des ersten Konzerts: »Ich wollte eine gute und unterhaltsame Musik schreiben, die möglicherweise sogar einem anspruchsvolleren Hörer Vergnügen bereiten könnte.«
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Tanja Becker-Bender, Konzerthausorchester Berlin, Lothar Zagrosek: The Romantic Violin Concerto Vol. 11 - Max RegerUnser Gast-Rezensent Dr. Burkhard Schäfer merkte in seiner Besprechung bereits an, dass die nun erschienene Neuaufnahme des Violinkonzerts von Max Reger (1873-1916) mit der Solistin Tanja Becker-Bender und dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Lothar Zagrosek »eine gute Gelegenheit [böte], den “Fall Reger” neu zu überdenken«. Tatsächlich hat die neueste Ausgabe der Hyperion-Reihe The Romantic Violin Concerto“ nun für etwas Aufmerksamkeit bei den deutschsprachigen Kultursendern gesorgt.

Ulrike Klobes vom nordostdeutschen rbb Kulturradio hat nun das Album besprochen und mit 4 von 5 Punkten (“gelungen”) ausgezeichnet.
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Retrospect Trio: Henry Purcell - Twelve Sonatas in Three PartsSchon seit einigen Monaten (genauer gesagt seit September) auf dem Markt, aber viel zu gut, um (an dieser Stelle und anderswo) übersehen zu werden, ist die jüngste Veröffentlichung des Retrospect Trio, dem kammermusikalischen Ableger des Retrospect Ensembles, das hier in der im Barock üblichen Triosonaten-Besetzung (Sophie Gent, Violine; Matthew Truscott, Violine, Jonathan Manson, Viola da Gamba und Matthew Halls, Cembalo & Orgel)  die kompositorisch ausgefeilten zwölf Sonatas in Three Parts, Z.290-Z801 von Henry Purcell (1659-1695) aufgenommen hat. Damit kehren das Retrospect Trio auch bei seinem zweiten Album (und dem zwischenzeitlichen Album des gesamten Ensembles mit Bachs Oster- und Himmelfahrtsoratorien, s. Besprechung → hier) zu Purcells filigraner Kammermusik zurück. Bereits 2009 hatten sie mit Purcells Ten Sonatas in Four Parts das Publikum und die Fachwelt gleichermaßen überzeugt.
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