Richard WagnerIch glaube, es gibt kein anderes Feld der klassischen Musik, das von den Musikliebhabern so kontrovers diskutiert wird, wie die Aufnahmen und Aufführungen der Opern von Richard Wagner (1813-1883). Wagner-Inszenierungen sind heutzutage nicht nur eine große Herausforderung für jeden Regisseur, sie gehören auch zu den undankbarsten Arbeiten, werden sie doch nicht selten harsch vom Publikum oder der Kritik abgestraft. Bei den Neuaufnahmen für Schallplatte und CD ist es kaum besser: Einig ist man sich meistens nur, dass es keine ideale Aufnahmen gibt. Entweder bemängelt man den Chor, das Orchester oder seinen Leiter oder (wesentlich öfter) die Solisten; manch historische Aufnahme aus den “goldenen Fünfzigern”, einem unbestritten wichtigen Jahrzehnt der Wagner-Aufnahmen, kann aufnahmetechnisch nicht einmal den geübten Hörer historischer Aufnahmen wirklich glücklich machen. Und natürlich: Jede noch so sachliche vertretene Meinung findet ebenso viele erbitterte Gegner, kurzum: Eine neue Wagner-Veröffentlichung, ganz gleich ob es sich um eine Live- oder eine Studio-Aufnahmen handelt, ganz gleich ob es eine Archiv-Aufnahme oder eine Neuproduktion ist, steht erst einmal im Kreuzfeuer der Kritik, sowohl der professionellen, als auch der der vielen Wagner-Kenner und -Liebhaber.

RSB, Marek Janowski: Richard Wagner - Der Fliegende Holländer Auch die nun erschienene Neuaufnahme der »romantischen Oper in drei Aufzügen« (so die Originalbezeichnung) Der Fliegende Holländer des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) mit dem Rundfunkchor Berlin unter Marek Janowski wird sich dieser kritischen Betrachtung stellen müssen. Der Mitschnitt vom 13. November 2010 aus der Philharmonie einer konzertanten Aufführung der Oper ist auch gleichzeitig der Auftakt des großen Wagner-Zyklus mit den zehn wichtigen Bühnenwerken des Sachsen, die Janowski bis Ende 2013 aufführen und bei Pentatone veröffentlichen wird. Bereits in der Spielzeit 2010/11 wurden Parsifal und Die Meistersinger von Nürnberg aufgeführt und aufgenommen; in der aktuellen Spielzeit werden Lohengrin, Tristan und Isolde und Tannhäuser folgen. Den Abschluss werden dann in der Spielzeit 2012/13 die Aufführungen der vier Opern des Ring des Nibelungen  bilden. Damit soll gegen Ende 2013, dem Wagner-Jahr zum 200-jährigen Geburtstag, der ominöse Kanon jener zehn Opern, die heute noch auf dem grünen Hügel in Bayreuth aufgeführt werden, von Janowski und seinen Berlinern vorliegen.

Die Sänger:

Daland – Matti Salminen
Senta – Ricarda Merbeth
Erik – Robert Dean Smith
Mary – Silvia Hablowetz
Steuermann – Steve Davislim
Holländer – Albert Dohmen

Obwohl es sich um eine Live-Aufnahme handelt, waren die Aufnahmebedingungen der konzertanten Aufführung ideal. Ohne die auf Platte oft irritierenden Bühnengeräusche und Interaktionen wirkt die Oper unmittelbar und unverfälscht, erhält sich aber so den lebendigen Charakter einer Live-Aufnahme (und vermeidet die sterile Studio-Atmosphäre vieler neuerer Aufnahmen). Janowski hat sich bei seiner Auswahl der Sänger auf einen Stamm bewährter Sänger verlassen. Mit Matti SalminenAlbert Dohmen und Ricarda Merbeth konnte Janowski gleich drei Sänger mit expliziter Bayreuth-Erfahrung für das Projekt gewinnen und bürgt für sichere, solide Gesangsleistungen. Das eigentliche Highlight ist aber nicht die überdurchschnittliche Sängerriege (da bleibt heutzutage wenig Auswahl, wenn man auf Nummer sicher gehen will), sondern das Orchester und vor allem der glänzend agierende Rundfunkchor Berlin – und gerade im Fliegenden Holländer hat der Chor ja nun wirklich reichlich Einsätze.

Fazit: Ein gelungener Auftakt des vielversprechenden, ambitionierten Opernprojekts in der Hauptstadt. Wagner, das weiß man schon länger, funktioniert längst nicht nur in Bayreuth.

Hier noch ein Video mit dem RSB und einem Auszug aus der berühmten Ouvertüre zum Fliegenden Holländer.

Die Besondere CD - CodaexGute Solisten, eine starke Orchesterleistung und ein überragender Chor in hervorragender Aufnahmetechnik: Janowskis Holländer ist der vielversprechende Auftakt einer Reihe von Wagner-Aufführungen und -Aufnahmen, die in der Zukunft von dieser Besetzung zu erwarten sind. Die besondere CD, veröffentlicht im September 2011.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die Doppel-SACD Richard Wagner – Der Fliegende Holländer vom Rundfunkchor Berlin mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Marek Janowski ist am 16. September 2011 auf Pentatone (PTC 5186400) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.


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Eine Antwort zu “Rundfunkchor Berlin · Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Marek Janowski: Richard Wagner – Der Fliegende Holländer”
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