Philip Glass - Bild © WNYC New York Public RadioHeute feiert man in den USA den 4th of July, den Unabhängigkeitstag. Er erinnert an die Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien durch den Kontinentalkongress. Was könnte da passender sein, als sich heute hier im Blog mit amerikanischer Musik zu beschäftigen? Und ist nicht die Musik von Philip Glass (*1937) in ihren Ursprüngen zutiefst amerikanisch und hat sie nicht einen enormen Einfluss auf die amerikanische Gegenwartskultur genommen, bevor dann die ‘Welle’ der Minimal Music nach Europa und in die ganze Welt überschwappte? Und wenn dann auch noch das New Yorker Ensemble Brooklyn Rider (Brooklyn!) sämtliche Werke für Streichquartett von Glass einspielt, dann kann es wohl nicht viel amerikanischer werden.

Brooklyn Rider plays Philip GlassEigentlich ist es schade, dass den Streichquartetten Glass’, im Vergleich zu seinen Filmmusiken und seinen Opern, so wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Dabei sind seine Streichquartette bestens geeignet, wichtige Phasen seiner musikalischen Metamorphosen nachzuzeichnen. Angefangen vom ersten Streichquartett von 1966 des jungen, noch suchenden Komponisten, über die Streichquartett Nos. 2 – 4, die in den 1980er Jahren aus Bühnenwerken entstanden, als er auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere war, bis zu seinem fünften und bisher letztem Streichquartett von 1991 und der erst kürzlich entstandenen Bearbeitung für Streichquartett seiner düsteren Filmmusik zu “Bent”. Erstmals wurden nun durch Brooklyn Rider seine sechs Werke für Streichquartett vollständig aufgenommen. Das Album erscheint auf dem Glass-eigene Label Orange Mountain Music, was für zusätzliche Authentizität sorgt: Philip Glass hat die Aufnahmen persönlich begleitet und coproduziert.

Johnny Gandelsman – Violine
Colin Jacobsen – Violine
Nicholas Cords – Viola
Eric Jacobsen – Cello

Das rauere, manchmal aggressive, manchmal fast rockige (!), rhythmisch sehr akzentuierte und präzise Stil des unkonventionellen, auf moderne Musik spezialisierten Ensembles aus Brooklyn passt sehr gut zu den Werken, die ansonsten deutlich zumeist ‘klassischer’ umgesetzt wurden (etwa vom Kronos Quartet, die die Quartette Nos. 2 – 5 bereits 1994 aufnahmen). Unzweifelhaft hört man den Brooklyn-Rider-Aufnahmen an, dass sich das Quartett schon seit längerem mit der Musik Glass auseinandergesetzt hat und sie bereits auf zahlreichen Konzerten aufgeführt hat. Mehr noch: Kaum ein anderen Quartett hat sich in den letzten Jahren so intensiv um diese Werke bemüht, kaum ein anderes könnte – nicht zuletzt durch den direkten Austausch mit Glass selbst – kompetenter sein, kein anderes spielt diese Werke so variabel, so facettenreich, so vielschichtig. Diese ‘idealen Bedingungen’ und die Vollständigkeit sind ein kaum zu schlagender Vorteil, den diese Doppel-CD gegenüber den anderen Glass-Streichquartett-Veröffentlichungen hat und lange Zeit haben wird. Außerdem kommt sie mit einem schönen Artwork zu einem angemessenen, günstigen Preis. Kein Wunder also, dass das Album gerade vom US-amerikanischen öffentlichem Radio NPR unter die besten Klassik-Veröffentlichungen der ersten Jahreshälfte gewählt wurde.

Hier noch ein Auszug aus dem dritten Streichquartett “Mishima” in einer Aufnahme von 2006 aus dem New Yorker Rubin Museum.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die Doppel-CD Brooklyn Rider plays Philip Glass ist am 17. Juni 2011 auf Orange Mountain Music (OMM 0074) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Suite aus “Bent” für Streichquartett
  2. Streichquartett No. 3 (Mishima)
  3. Streichquartett No. 1

  4. Streichquartett No. 4 (Buczak)
  5. Streichquartett No. 2 (Company)
  6. Streichquartett No. 5


Ähnliche Beiträge:

Schlagwörter: , , , ,
Eine Antwort zu “Brooklyn Rider plays Philip Glass (Sämtliche Werke für Streichquartett)”
  1. [...] der Werke für Streichquartett von Philip Glass (*1938) veröffentlicht (Besprechung im Blog → hier) und hat sich damit als eines der interessantesten US-amerikanischen Kammerensembles für [...]

  2.  
Hinterlasse einen Kommentar