Marc-André Hamelin: Franz Liszt – Piano Sonata
Geschrieben von Sal Pichireddu in Neuerscheinungen, Rezension
Seitdem ich an dieser Stelle verstärkt Neuveröffentlichungen mit Musik von Franz Liszt (1811-1886) besprochen habe (im Rahmen des diesjährigen 200. Jubiläums seiner Geburt), weise ich gerne auf meine Überzeugung hin, dass man dem Œuvres Liszts nicht gerecht wird, wenn man es lediglich anhand der bekanntesten und emblematischsten Stücke beurteilt. Liszt ist, wie vielleicht kein anderer Komponist der Romantik, gleichzeitig Klischee und Anti-Klischee seiner Persönlichkeit und seiner Musik, ein Komponist mit zwei Seelen, wenn man es so nennen will. Beileibe nicht alles, was Liszt im Laufe seines Lebens komponiert hat – und es gab mit Ausnahme von Bach vielleicht keinen anderen produktiveren und fleißigeren Komponisten – ist selbstverliebte, virtuose Fingerfertigkeit, getaucht in typisch romantische Harmonien. ‘Beileibe nicht alles’ bedeutet aber eben auch, dass Liszt sehr wohl auch der ein wenig der selbstverliebte Komponist war, der sich die virtuosesten Stücke selbst auf den Leib, pardon, auf die Finger schrieb, um damit in den europäischen Konzertsälen als Pianist zu glänzen und sich gleichzeitig als versierter Komponist zu profilieren.
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