Archiv für 6. April 2011

Franz Liszt (1858)Die Vielschichtigkeit der Musik des ungarischen Komponisten Franz Liszt (1811-1886) überrascht mich immer wieder und wenn man lediglich seine allerbekanntesten Werke kennt, dann schätzt man sein Œuvre wohl grundlegend falsch ein. Bis zum heutigen Tage gibt es keine Gesamtausgabe seiner Werke. Alle existierenden Ausgaben, die “Carl-Alexander-Ausgabe” (sie wurde 1888 von der in Weimar gegründeten Franz-Liszt-Stiftung durch den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach initiiert), die “Neue Liszt Ausgabe” und das vom englischen Musikwissenschaftler Humphrey Searle erstellte systematische Werkverzeichnis (deswegen tragen viele Liszt-Werke das Kürzel S. + Nummer) sind umfangreich, aber eben alles andere als vollständig. Hinzu kommt, dass man der künstlerischen Gestaltungskraft Liszt kaum gerecht werden kann, wenn man ihn nach seiner bekanntesten sinfonischen Dichtung Les Préludes, den  Klavierkonzerten No. 1 Es-Dur und No. 2 in A-Dur und romantischen Klavierwerken wie die Liebesträume oder der hoch virtuosen Klaviersonate in h-Moll beurteilt. Vielleicht kommt das diesjährige Liszt-Jahr ganz gelegen, um mit einigen Vorurteilen und Fehleinschätzungen seiner Musik aufzuräumen und Franz Liszt nicht mehr jenen Stellenwert abzusprechen, den er tatsächlich in der Musikgeschichte hat, ohne die Hybris seiner frühen Jahre bestätigen zu wollen und ohne die teilweise vernichtenden Urteile, die nachfolgende Generationen über ihn gefällt haben zu reproduzieren.
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