Edward ElgarDer englische Komponist Edward Elgar (1857-1934) war für viele der erste herausragende englische Komponist seit Henry Purcell (1659-1695) und gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der Spätromantik. In den Augen seiner patriotischen Zeitgenossen, stillte er endlich die heimliche Sehnsucht nach einem ‘großen’ Komponisten, auch wenn sein Ruhm im Ausland zu großen Teilen verblasst ist und sein Œuvre allzu oft auf wenige Auszüge seiner Werke reduziert wird, nämlich den Enigma-Variationen, op. 36 von 1899 und den Pomp and Circumstance Marches Nos. 1–5 op. 39 von 1901–07 und von diesen insbesondere der erste, der bis heute jedes Jahr bei der Last Night of the Proms gespielt wird. Das ebenfalls populäre Cellokonzert, op. 85 (1919)  und das nicht minder bekannte Violinkonzert, op. 61 (1910) bleiben bis heute hauptsächlich eine Domäne britischer Klangkörper und Solisten. Bis heute gilt er als der englischste aller Komponisten und gleichzeitig als Symbol einer vergangenen, imperialen Epoche, wohl auch wegen seiner opulenten “Hits”. Doch Elgars kraftvolle, spätromantische Musik ist vielschichtig und es gibt noch große Teile seines Werkes, die es zu entdecken gilt, gerade außerhalb der englischsprachigen Welt.

Tasmin Little, RNSO, Andrew Davis: Edward Elgar - Violin ConcertoDie englische Violinistin Tasmin Little hat sich auf über 20 CD-Veröffentlichungen einen Namen als einfühlsame Interpretin hauptsächlich romantischer, spätromantischer und zeitgenössischer Violinkonzerte gemacht, wobei sie immer wieder auch auch unbekannterer Komponisten wie Moritz Moszkowski (1854-1925), Mieczysław Karłowicz (1876-1909),  Gerald Finzi (1901-1956) oder Robert Saxon (*1953) spielt. Nun legt sie gemeinsam mit dem Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Andrew Davis eine Neueinspielung des Violinkonzerts in h-Moll, op. 61 von Edward Elgar vor. Und es ist ein absoluter Höhepunkt ihrer ohnehin nicht uninteressanten Diskografie geworden.

Tasmin Little erweist sich als einfühlsame Interpretin dieses opulent instrumentierten Werkes mit geradezu symphonischen (rund 50 Minuten) Ausmaßen. Ihre Guadagnini erklingt mit honigsüßem, weichen, aber kraftvollen Klang, in den Kadenzen und im langsamen Mittelsatz zärtlich zurückhaltend. Dabei gelang es den Toningenieuren, die Solistin und das immer wieder mächtig aufspielende Orchester fein auszubalancieren. So ist ihr Spiel nie zu weit im Vordergrund oder wird gar vom einsetzenden Orchester zurückgedrängt. Überhaupt, das Orchester: Kann man sich einen besseren Klangkörper als das RNSO unter Andrew Davis vorstellen? Es ist kaum vorstellbar, dass man romantischer, wärmer und dennoch so präzise, so kraftvoll spielen kann (die wundervolle Bläser-Sektion muss ausdrücklich gelobt werden), ohne aufgesetzte Emphase und dennoch gefühlvoll. Davis lässt sich Zeit bei diesem Konzert, hier ist Geschwindigkeit nicht angebracht und so zelebriert er jede Note dieses bemerkenswertes Konzert, das dennoch alles andere als zu langsam wirkt.

Die SACD wird neben durch das symphonische Vorspiel Polonia, op. 76 und dem Zwischenspiel aus der Bühnenmusik The Crown of India, op.66 durch eine Besonderheit ergänzt: Bei der Ersteinspielung des Werkes 1916 für His Master’s Voice musste das Werk drastisch gekürzt werden, damit je ein Satz auf eine Schallplattenseite passte. Die vierte Seite des Doppelalbums wurde für eine gekürzte Fassung der Cadenza accompagnata aus dem dritten Satz genutzt, sozusagen als Anhang. Hierfür komponierte Elgar eigens eine Harfenbegleitung, weil weite Teile der zurückhaltenden Orchesterbegleitung bei der akustischen Aufnahme (in der Zeit vor dem Mikrophon wurden Aufnahmen von einem sogenannten Schalltrichter aufgenommen und direkt von der Nadel auf die Matrize geschrieben) nicht zu hören waren. Tasmin Little hat diese Variante gemeinsam mit der Harfenistin und Musikproduzentin Gwawr Owen transkribiert und macht diese fast 100 Jahre alte Cadenza so hörbar, wie sie seinerzeit bei der Aufnahme im Studio erklang. Eine wundervolle Ergänzung zu einer hervorragenden Einspielung des Violinkonzerts.

Die Besondere CD - CodaexFritz Kreisler, der Solist der Uraufführung 1910 soll zu Elgar nach dem Konzert »Sie haben ein unsterbliches Werk verfasst«gesagt haben. Diese durch und durch gelungene Aufnahme unterstreicht durch eine grandiose Solistin, ein exzellentes Orchester und – nicht zuletzt – durch eine hervorragende Klangregie dieses Urteil. Die besondere CD, erschienen im Januar 2011.

Musik und Interpretation
Klangqualität
Cover und Aufmachung

Die SACD Edward Elgar – Violin Concerto · Interlude from ‘The Crown of India” · Polonia von Tasmin Little und dem Royal Scottish National Orchestra unter der Leitung von Andrew Davis ist am 14. Januar 2011 auf Chandos (CHSA 5083) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.

Inhalt:

  1. Violinkonzert in h-Moll, op. 61
  2. Cadenza accompagnata – Alternative Kadenz für das Violinkonzert
  3. Zwischenspiel aus “The Crown of India”, op. 66
  4. Polonia. Symphonisches Vorspiel, op. 76


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